Benjamin Clementine - I Tell A Fly




















10 Fakten zum neuen Album von Benjamin Clementine:

1. Am Tag vor der Inauguration von Donald Trump wurde „Hallelujah Money“ veröffentlicht, das Comeback der Gorillaz und die ersten neuen Töne von Gastsänger und Mitkomponist Benjamin Clementine seit zwei Jahren.

2. Am 30. Mai veröffentlichte der 28-jährige Engländer mit „Phantom Of Aleppoville“ seinen ersten neuen Song. Textlich wurde er von den Schriften des britischen Psychoanalytikers Donald Winnicott beeinflusst, der sich stark mit Mobbing von Kindern, häuslicher Gewalt dem Vergleich psychologischer Auswirkungen bei Kriegsflüchtlingen auseinandersetzt.   

3. Das Video zu „Phantom Of Aleppoville“ stammt vom Fashion-Fotografen Craig McDean und der Regisseurin Masha Vasyukova:




4. Nach „God Save The Jungle“, das am 26. Juni erschienen war und thematisch ebenfalls in der Realität eines französischen Flüchtlingscamps angesiedelt war, erschien am 23. August die erste offizielle Single: „Jupiter“. Ein Video gab es nicht, der Song platzierte sich auf Rang 136 in Frankreich. „Cornerstone“ bleibt somit weiterhin die Single mit der höchsten Chartposition: Platz 93, ebenfalls in Frankreich. In seiner britischen Heimat konnte sich keine Single in den Hitlisten platzieren. 

5. Seit dem 29. September steht „I Tell A Fly“ in den Plattenläden. Benjamin Clementine hat die 11 Songs, die 45 Minuten laufen, komponiert und produziert, sowie größtenteils allein aufgenommen. Aufgenommen wurde sein zweites Album in drei Londoner Studios (RAK Studios, Abbey Road Studios, Studio 13).

6. Nachdem „At Least For Now“ (2015) mit dem Mercury Prize ausgezeichnet worden war, konnte es für zwei Wochen Einzug in die UK Charts finden und Platz 37 erreichen. „I Tell A Fly“ sucht man in den britischen Hitlisten bisher vergeblich.

7. Selbst in Frankreich, das eine besondere Beziehung zu Benjamin Clementine pflegt, konnten die Erfolge von „At Least For Now“, das Platz 7 erreichte, nicht bestätigt werden: Rang 39. Und in Deutschland? „At Least For Now“ war zwei Wochen in den Hitlisten und kam auf Platz 60, „I Tell A Fly“ stand nur eine Woche auf Platz 68.

8. Während sich Vinyl-Freunde über die Doppel-LP (180g) im Gatefold-Cover freuen, reibt sich Benjamin Clementine die Hände ob der guten Plattenkritiken. Bei Metacritic steht „I Tell A Fly“ (81/100) noch besser dar als „At Least For Now“ (75/100).

9. Auch in Deutschland sind die Kritiken für das ambitionierte „I Tell A Fly“, das Soul, Musical, Jazz-Improvisationen, moderne Klassik, Chanson und Kammerpop durchstreift, äußerst erfreulich für den Künstler. Beispiele gefällig?


I TELL A FLY ist eine radikale Weiterentwicklung des Debüts AT LEAST FOR NOW, auf dem der Londoner Brit-Chansons über sein Innenleben sang. Auf der neuen Platte spiegeln sich in den von Tieren bevölkerten Geschichten die Krisen unserer Zeit: Flüch­tende und Migranten, Syrien und der „Dschungel von Calais“, Paris, Amerika und die Boote im Mittelmeer. Das Songwriting ist fokussierter und von stärkerer literarischer Spannkraft, mit der Clementine seine jahrelange Lektüre der großen Meister kanalisiert: Hemingway, Blake, Wilde, Orwell. Jedes Wort ist zehnfach abgewogen und feingeschliffen. Zwischen den Zeilen tut sich eine surreale, finstere Welt auf. (…)
Clementines Stimme ist wieder eine Wucht: oszillierend zwischen fragilem Falsett und bebendem Tremolo, die Töne biegend, unverwechselbar in der Dynamik – bis auf eine ferne Verwandtschaft zur dunklen Thea­tralik von Nina Simone oder Antony Hegarty. Auf dem Debütalbum war diese Stimme – vielmehr noch als das Piano – sein wahres, großes Instrument. Auf I TELL A FLY ist die Musik mitgewachsen.(musikexpress)


Sein Album ist fordernd, expressiv und erzählt vom Scheitern am stinknormalen Leben, von stinknormalen Menschen mit stinknormalen Jobs.Das äußert sich vor allem in der Musik und den wechselnden Klangfarben der Stimme. "I Tell A Fly" ist kein Pop-Album, das auf Effekthascherei aus ist, schreit nicht nach Aufmerksamkeit, bekommt sie aber durch seine Komplexität trotzdem. Clementine spielt das Klavier, das oft einziges Element in den Songs bleibt, bevor seine Stimme einsetzt. Dann tauchen plötzlich weitere manipulierte Stimmen auf, die Unverständliches erzählen, dann an Opernaufführungen erinnernde Chöre, dann Elemente aus Jazz, dann ein Cembalo und immer wieder das Surren von Synth-Tönen, die den Kopf umkreisen wie Miniatur-UFOs kurz vor der Landung. (…)
Benjamin Clementine vertont das weltweite Wandern von Menschen, die sich an einem Ort nicht mehr wohlfühlen, weil sie alleingelassen wurden oder sich alleine fühlen; sein Album macht Flucht und Einsamkeit nachvollziehbar. Zumindest Clementine hat auf "I Tell A Fly" seinen Rückzugsort gefunden. Ob man selbst nun alleine ist oder nicht: In diesen Ort einzutauchen, lohnt sich in jedem Fall.(mittelbayerische)


10. Fünf Konzerthäuser und Philharmonien besucht Benjamin Clementine in Deutschland. Der erste Auftritt ist ausverkauft - für die restlichen Konzerte gibt es noch Tickets:

18.11.17 Hamburg, Elbphilharmonie
19.11.17 München Philharmonie
20.11.17 Köln, Philharmonie
21.11.17 Berlin, Philharmonie
22.11.17 Dortmund, Konzerthaus



Kommentare:

Volker hat gesagt…

Ach was hätte es so schön sein können. Aber leider wurde nach dem tollen Debüt auf dem Nachfolger keine Idee zu Ende gedacht. Und anscheinend musste alles, was ihm durch den Kopf ging auf das Album. Es wird überall gelobt, und dann ist es ja so schön kritisch politisch. Leider hat mich Politik bei Musik noch nie interessiert.

6

Dirk hat gesagt…

Was ist denn hier passiert? Erinnert mich irgendwie an das zweite, eben so katastrophale wie überambitionierte Album von Terence Trent D'Arby...
4 Punkte

Olly Golightly hat gesagt…

4,5 Punkte

Ingo hat gesagt…

Mittelschlimm. 5 Punkte