Als wir Mitte Juli unsere „ 10 Schallplatten, die uns gut durch den August bringen “ wählten, brachte Oliver auch „High Times In Babylon“ mi...

FREINDZ - High Times In Babylon


Als wir Mitte Juli unsere „10 Schallplatten, die uns gut durch den August bringen“ wählten, brachte Oliver auch „High Times In Babylon“ mit ein. Leider war, zwei Wochen vor der Veröffentlichung der Platte, für Uneingeweihte ziemlich wenig über FREINDZ in Erfahrung zu bringen.  

Mittlerweile ist bekannt, dass es sich hierbei um ein neues Projekt von Aydo Abay (Blackmail, Ken, Abay) zusammen mit dem Songwriter und Produzenten Matthias Sänger (Albert Luxus) und Thomas Götz, dem Schlagzeuger der Beatsteaks, handelt, und sollte sich herumgesprochen haben, dass es lohnenswert ist, in die 10 Songs hinein zu hören, oder sich direkt das himmelblaue Vinyl zu gönnen.

Mit seiner letzten Band Abay konnte der Sänger gleichen Namens bei Platten vor Gericht gleich zweimal die Top 20  erreichen: „Everything's Amazing And Nobody Is Happy“ kletterte 2016 bis auf Platz 4 (8,200 Punkte) und „Love & Distortion“ kam zwei Jahre später auf Rang 14 (7,800 Punkte). Aydos Gesang stellt natürlich eine unverkennbare Parallele zu diesen beiden Alben dar, auch wenn die stimmliche Nähe zu Brian Molko diesmal nicht so offensichtlich ist. Songs, die in einer gerechten, virusfreien Welt in den Indie-Discos laufen würden, gibt es ebenfalls weiterhin („Prepper Spray“, „LIT“, „High Times In Babylon“), auch wenn das Album nicht so rockig ausgefallen ist, wie man es vielleicht erwartet hätte. Dafür überraschen einzelne Songs mit ungewöhnlichen Instrumentierung: Das rockende „King Of The Hopper“ wird gegen Ende mit jazzigen Blasinstrumenten überhäuft, der Titelsong schwelgt in Streichern und „Demon lol“ entführt uns zu Orgel-Klängen auf den Rummel.   


 


“Please carry me home” singt Abay im Opener “Prepper Spray“, daraufhin setzt eine Orgel zu einer Tönespirale an, die eigentlich für mehr Orientierungslosigkeit sorgt. Die Gitarren zerschneiden grob, den sanft nach vorne treiben Schlagzeugbeat und trotzdem wirkt der Opener “Prepper Spray“ irgendwie öffnend, verbreitert irgendetwas.
Nicht erst ab dem leichtfüßigen Song “ Wish I Was Made In England“ kommt einem der Gedanke, dass FREINDZ eine britische Schlagseite hat. Das bleibt allerdings nicht aus, wenn man Indie auf hohem Niveau machen möchte. (…)
Wenn man sich mit offenem Geist und Ohr an die Songs macht, hört man Synthiebögen, Percussionquickies, Flötenekstase, getupftes Klavier und andere, teils außergewöhnliche Details, deren Ursprung gar nicht auf Anhieb zu erkennen ist (“King Of The Hopper“). Schon alleine darauf zu achten, kalibriert zwangsläufig die Sinne und die daraus freundlich provozierte Aufmerksamkeit, hat einen enormen Entspannungsfaktor.
Ein großes Plus von “High Times In Babylon“ von FREINDZ ist also auch die aus dieser Vielfalt resultierende Atmosphäre, die man aber nicht erfassen kann, wenn man die Musik an sich vorbeihasten lässt. “Dopine“ startet schon fast schaurig, die Orgeltöne scheinen sich im Ohr in 3D zu drehen, erst Abays Gesang bietet einen schützenden Anker.




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