Lucy Dacus - Historian



















Es gibt noch Hoffnung für den Indierock und eine trägt den Namen Lucy Dacus. Die 22-jährige stammt aus Richmond, Virginia, und hat bisher zwei Alben über Matador Records veröffentlicht. Ihrem Debüt „No Burden“ (2016) folgte kürzlich „Historian“ nach, das sich thematisch mit privaten und gesellschaftlichen Tiefpunkt auseinandersetzt. 

Lucy Dacus, die eng mit Julien Baker befreundet ist, setzt nicht nur auf schlichte Folk-Arrangements einer Singer/Songwriterin, sondern findet gemeinsam mit ihrer Band, die aus Noma Illmensee (Bass), Jacob Blizzard (Gitarre), Tristan Fisher (Gitarre) und Miles Huffman (Schlagzeug) besteht, den Weg in Richtung Indierock, mit gelegentlich heftigen (Gitarren-)Ausbrüchen, wie wir sie so erfreulich zuletzt bei Mitski erleben durften. Ihr Produzent Collin Pastore, der mit ihnen im letzten März die 10 Songs in Nashville aufnahm, baute zudem pointierte Streicher- und Bläserpassagen ein und ließ Dacus Zeit, ihre Songs zu Ende zu erzählen und geschickt aufzuschichten, so dass diese die 5-Minuten-Marke mehrmals klar überschreiten.

Fans von Wilco, Sharon van Etten, Courtney Barnett, Waxahatchee oder Angel Olsen sei „Historian“ ans Herz gelegt und ausdrücklich der Opener „Night Shift“ empfohlen.




Doch Dacus lässt sich nicht zu plumpen Protestliedern hinreißen, sondern beschreibt vielmehr, wie ihre eigene Gemütslage zwischen Hoffnung und Desillusion hin- und herschwingt. (…)
Sie tut bei Weitem nicht so schlurfig wie eine Courtney Barnett, sondern bestimmter und vor allem wärmer. Manchmal, wie zum Beispiel in „Timefighter“, bricht sogar völlig unverhofft ein Gitarrengewitter aus. Dacus weiß, wie sie mit den beschränkten Mitteln einer Rockband das Maximum aus einem Song kitzeln kann – und sogar, wie man eine Mundharmonika stilvoll einsetzt.
(musikexpress)




Der Nachfolger ist dynamischer, großformatiger, selbstbewusster, facettenreicher (Kurzauftritte von Streichern und Bläsern), dramaturgisch stringenter geworden. Und sogar ein Konzept­album: ­Dacus schickt die Hoffnung in ein emotionales Krisengebiet und dokumentiert detailliert – wie eine Historikerin –, was passiert, wenn immer neue Erschütterungen und Verluste hinzukommen. Im anrührenden, sich kontinuierlich verdichtenden „Pillar Of Truth“ lässt sie das irdische Entschwinden ihrer Urgroßmutter Revue passieren, „Addictions“ enttarnt mitsamt perkussioniertem Zeitbombenticken das Gift der Gewohnheitsnähe („I’m just calling/ ’Cause I’m used to it/ And you’ll pick up/ ’Cause you’re not a quitter“). Außer­gewöhnlich: Dacus findet im Zerbrochenen das große Ganze.
(Rolling Stone)


Lucy Dacus unterwegs:

29.04.18 Badehaus, Berlin
01.05.18 Prinzenbar, Hamburg
03.05.18 Köln, Blue Shell


Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

7,5 Punkte

Volker hat gesagt…

Da schließe ich mich an. Gutes Album

7,5

Dirk hat gesagt…

An "Night Shift" kommt natürlich kein anderer Song heran. 7 Punkte