Unknown Mortal Orchestra - Sex & Food




















Als das Unknown Mortal Orchestra 2013 mit „II“ zum ersten Mal hier vor Gericht vorstellig wurde, durfte man noch schreiben, dass sie  ihren „Psychedelic-Rock-Helden der 60er und 70er Jahre, also The Beatles, Soft Machine und Pink Floyd zu Syd Barret-Zeiten“ huldigten. Ruban Nielson (Gesang, Gitarre), Jake Portrait (Bass) und Riley Geare (Schlagzeuger)  erhielten dafür im Durchschnitt 6,833 Punkte.

2 Jahre später tagte das Gericht erneut und stellte fest, dass auf „Multi-Love“ „ihr Psychdelic Rock-Spektrum um jazzige Bläser, Disco-Rhythmen, eine gehörige Portion Funk & Soul und Synthie-Experimente“ expandiert, die Durchschnittsbewertung aber auf 4,667 Punkte implodiert war.

Auf „Sex & Food“, dem Anfang April erschienen vierten Album der Band, treibt es das Trio auf die Spitze: sanft säuselnder Soul steht neben verhuschtem Psychedelic Rock steht neben schlaffem R’n’B steht neben dreckigem Stoner-Rock steht neben funky Discoklängen. Das Album zeigt sich so vielfältig wie seine Aufnahmeorte (Mexiko, Südkorea, Island, Vietnam, Neuseeland und USA) und klingt so, als hätte jemand tief in den Archiven von Prince gewühlt und einen Teil seiner zahlreichen unveröffentlichten Experimente ans Licht des Tages gezerrt.

Schallplatten-Fans haben die Wahl zwischen schwarzem und pink farbigem Vinyl oder können weiter in Nostalgie verfallen und zur Kassette greifen.




"Ministry of alienation" mimt beispielsweise den gechillten Ruhepol, der in aller Lässigkeit durch die Gegend wabert, während sich das folgende "Hunnybee" zum besten Stück der Platte aufschwingt: Zunächst erklingen Streicher, es folgt ein Beat, dem man kaum widerstehen kann, bevor sich Nielsons Stimme wie, na klar, Honig auf die ohnehin schon süße Melodie legt. "Major league chemicals" darf dagegen ein wenig krachiger daherkommen, die Melodie versteckt sich unter einer Schutzschicht aus Verzerrung. Schon häufig war dies in der Vergangenheit ein Erfolgsrezept der Band: Melodien dürfen angekratzt, zugestellt oder mit Höchstgeschwindigkeit vor die Wand gefahren werden, dass es eine helle Freude ist. Mit "Sex & food" folgen Unknown Mortal Orchestra also weiter diesem eingeschlagenen Pfad. Selbst wenn dieser in ferne Weiten führt.
(Plattentests)




So ein Stück kann nur „American Guilt“ heißen. Der Song steht exemplarisch für Ruban Nielsons Idee von abseitiger Popmusik für die Gegenwart, die in seinen Augen nur noch relevant sein kann, wenn sie sich alles erlaubt. In diesem Fall: Lenny Kravitz bucht eine Session bei Jack White, der sich für Kravitz’ Schmockplatten rächt, indem er alle Regler auf Dreckig stellt.
Auch „Major League Chemicals“ könnte in dieser Session entstanden sein, wobei hier wie so oft beim Unknown Mortal Orchestra letztlich der Soul die Überhand gewinnt. Und weil bei diesem Kerl aus Portland die verschiedenen auf die Hüfte fokussierten Musikstile so locker zusammengehen, kommt kaum eine Betrachtung seiner Musik ohne den Namen Prince aus. Auch diese nicht.
(musikexpress)




Unknown Mortal Orchestra in Deutschland:

18.05.18 Hamburg, Uebel & Gefährlich
19.05.18 Berlin, Kesselhaus
20.05.18 Heidelberg, Karlstorbahnhof
21.05.18 Düsseldorf, ZAKK


Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Jetzt weiß ich es endlich: Space-Funk ist nicht meine Musikrichtung.
3,5 Punkte