Yo La Tengo - There’s A Riot Going On




















Es gab hier einerseits mal einen mittlerweile emeritierten Plattenrichter, der Alben aufgrund persönlicher Abneigungen gern mal unter Generalverdacht nahm (Muse, The Killers) und diese, da reichte vielleicht auch schon ein Blick aufs Plattencover, mit 1 Punkt bedachte. 
Und dann gab es hier mal einen Plattenrichter, der bewertete (gefühlt) alle Alben von Yo La Tengo mit 10 Punkten. 

Irgendwie hat sich in beiden Fällen die Realität den vergangenen Bewertungen angenähert: Sowohl bei Muse als auch bei The Killers muss man einige Jahre zurück gehen, um ein überzeugendes Album zu finden („The Resistance“ (2009) und „Sam’s Town“ (2006), um genau zu sein) und bei Yo La Tengo wird aktuell ihr fünfzehntes Studioalbum, mit dazu passenden 15 neuen Liedern, teilweise mit Lobeshymnen überhäuft. Beispiele gefällig? Na, dann lassen wir diese den Musikexpress (5,5/6 Sternen) und den Rolling Stone (4/5 Sternen) anstimmen:


Protest-Songs sind diese Stücke trotzdem keine. Vielmehr bieten Yo La Tengo einen zarten eskapistischen Trip an, auf dem sie ihre vertraut verträumten Atmosphären in repetitive Instrumental-Meditationen („You Are Here“), in sachte Folk-Kleinode („Shades Of Blue“), in fuzzig-verhuschte Indie-Anthems („For You Too“), in frei schwebende Drone-Abstraktionen („Shortwave“) oder um jazzige Kontrabass-Figuren („Above The Sound“) herum packen. Das mag zwar nichts an den Verhältnissen ändern – eine wunderbar entrückende Zuflucht vor all dem Wahnsinn ist es allemal.
(musikexpress)




Das Trio aus Hoboken/New Jersey verkneift sich Witze oder Wutgesänge über Trump und spürt stattdessen einem um sich greifenden Gefühl von Ohnmacht und Leere nach: „Nights are getting slower/ Days are flying by/ Hold me forever/ Hold on while we cry“, seufzt Ira Kaplan in „Forever“ zu einem sacht gezupften Stehbass, während Georgia Hubley jede Zeile mit einem tröstenden „Shoo-wop, shoo-wop“ unterstreicht. Was uns bleibt, sind die Erinnerungen an bessere Zeiten. Das folgende „Out Of The Pool“ ist auch deshalb eine melancholischer, von molligen Keyboard-Akkorden getragener Trip durch eine nebulöse Landschaft. „6‑2-and even, over and out“, raunt Kaplan, der nächstes Jahr 62 wird.
Die 15 Stücke sind im Proberaum der Band ohne weitere Unterstützung durch Produzenten und Techniker entstanden. Es ist ein Aufgehen in einem leicht entrückten Sound, aus dem sich immer wieder neue Melodien entwickeln oder sich einzelne Instrumente in den Vordergrund spielen. Erst nach Monaten verdichteten sich die Improvisationen zu nach wie vor recht sphärischen Songs. Den finalen Mix besorgte dann John McEntire.
„There’s A Riot Going On“ ist ein Album voller melancholischer Schönheit, sanft und tröstend, treffend im Aufgreifen einer akuten Stimmung – doch letztlich ohne Hoffnung.
(Rolling Stone)




Yo La Tengo in Deutschland:
07.05.18 Berlin, Heimathafen
08.05.18 Köln, Gloria
09.05.18 München, Kammerspiele
17.05.18 Schorndorf, Manufaktur
26.08.18 Hamburg, Sommer in Altona

Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

Irgendwie plätschert mir das zu sehr...

5,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Reichlich unspannend. 6 Punkte