Paul Draper - Spooky action




















Der erste Titel auf diesem Album ist "Don't poke the bear". Wenn ein Künstler fast 15 Jahre auf sein Solo-Album warten lässt, ist der Vergleich zu einem Bär nicht weit hergeholt. Nachweislich warte ich seit mindestens 2007 auf dieses Album.

Paul Draper ist langsam aus seinem (zum Teil krankheitsbedingten) Winterschlaf erwacht. Mit Mansuns Ende im Jahr 2003 blieben viele Fans erst einmal ratlos zurück. Aus den letzten Aufnahmesessions kreierte Draper noch das Box-Set "Kleptomania". Dann wurde es sehr ruhig um ihn. Fans starteten gar Petitionen um ihn zur Arbeit an seinem Solomaterial zu motivieren. Wirklich ernst zu nehmende Lebenszeichen waren ab 2013 zu vernehmen. Zuerst verlautbarte er, dass er überlege, Material seines nie abgeschlossenen Albums "Spooky action at a distance" zu veröffentlichen. Ein strahlender Hoffnungsschimmer war seine Zusammenarbeit mit The Anchoress (mit dem Höhepunkt in Form des Album "Confessions of a romance novelist") aka Catherine Anne Davies. Einige der daraus entstandenen Titel (vor allem "You and only you") wären seines Solo-Debüts würdig gewesen. 

Ab Mitte 2016 veröffentlichte Draper "EP One" und "EP Two". Ab da lief die Marketingmachine für das nun erschienen "Spooky action". Jeweils die ersten Titel der EPs fanden auf der aktuellen Platte Verwendung.

"Spooky action" erinnert weniger an Mansun, als es sich die hard-Fans vielleicht gewünscht hätten. Wegen Drapers Stimme und Stukturen, die man auch auf den späteren Mansun-Alben gehört hat, ist die Verwandschaft zwar unverkennbar, aber Draper setzt klar eigene Marken. Der Abstand zu "Kleptomania" tut dieser Platte gut, aber bis zum Nachfolger möchte ich nicht wieder so lange warten müssen.

"Don't poke the bear", "Who's wearing the trousers", "Friends make the worst enemies" und "Feeling my heart run slow" sind bislang meine Favoriten auf "Spooky action".  

Das Video zu "Things people want":


"Friends make the worst enemies":



Die Tour in Drapers Heimat ist annähernd ausverkauft. Ich hoffe er traut sich auch über den Kanal.

Im UK kommt das Album gut an. The line of best fit:
 Amidst a pop landscape of trained professionals and unadventurous indie vocalists, a set of pipes like Draper’s stands out even more now than it did in the late 90s. Spooky Action is as dense and detailed as his former band’s best known work, but song for song he picks one mode and more or less sticks to it, setting up a more reasonable barrier to entry. Familiar flashes appear, like a trace of “Legacy” lingering in the chorus of “Things People Want”, but Spooky Action’s dislocation is its comfort zone.

Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

Wird zum Ende hin besser. Die erste Hälfte gefällt mir allerdings nicht so gut. Insgesamt aber gute 6,5 Punkte.

Dirk hat gesagt…

Da hatte ich mir deutlich mehr erhofft... 6 Punkte

Ingo hat gesagt…

Schade. Nach der Wartezeit hätte mehr drin sein sollen als 6,5 Punkte.