Tired Pony – The Place We Ran From

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Wenn Gary Lightbody von Snow Patrol vor etwas wegrennen müsste, dann vor seiner unverwechselbaren Stimme. Fand ich sie auf dem Album “Final straw” und vor allem im Song “Run” noch toll, wirkte sie ab “Chasing cars” penetrant. Sie ist Snow Patrols Markenzeichen und schloss bislang eine Weiterentwicklung der Band aus. Entsprechend reserviert war auch das Urteil zu Snow Patrols (vorerst?) letzten Studioalbum “A hundred million suns”. Ob Gary Lightbody in einer neuen Band diesem Fluch entrinnen kann oder die logische Kette der Fortbewegung von “Run” über “Chasing cars” zu “The place we ran from” einfach fortgesetzt wird, zeigt das Album des Joint Ventures Tired Pony.

Wenn sich Mitglieder von Snow Patrol, R. E. M. und Belle & Sebastian zusammenfinden, Jacknife Lee (u. a. Produzent von U2, Bloc Party und Weezer) mitmischt und sich Gäste wie Zooey Deschanel / M. Ward und Tom Smith die Ehre geben, ist die Aufmerksamkeit des Publikums gesichert. Das Ergebnis klingt natürlich nach Snow Patrol und viele Passagen austauschbar wie der typische R. E. M. Sound, dessen Reiz gerade in seiner Nichtexistenz besteht. Es ist einfach die Kombination der Elemente aus Indierock/Pop und Folk/Country. Die britische Melodieverliebtheit findet sich vornehmlich in Lightbodys Gesangspassagen. Folk / Country werden auf “The place we ran from” nicht wirklich gelebt sondern in Form der Verwendung der entsprechenden Instrumente angedeutet.

Dazu der “Popwolf”:

Die Americana-Anklänge sind tatsächlich vorhanden, das kann man nicht bestreiten. Allerdings ändern auch ein paar Banjos, Fiddles und oftmals angenehm reduzierte Arrangements wenig daran, dass Lightbodys Songwriting kaum ernsthafte Veränderungen erfahren hat. Das ist auch völlig in Ordnung, denn so erhält man eben kein verschrobenes Nischenwerk, sondern weiterhin höchst eingängige kleine Hits. Und für alle die Angst vor zuviel Folklore haben: Nummern wie “Get On The Road” oder “Dead American Writers” wären sicher auch auf einer Snow Patrol-Platte kaum dramatisch aus dem Rahmen gefallen.

Wie häufig bei sogenannten “Supergroups” ist auch bei Tired Pony das Ganze nicht mehr als die Summe der Teile. Aber allein die Kombination dieser macht das Album hörenswert. “The place we ran from” ist solide Kost, die vor allem dann auffällt, wenn die Gäste Gary Lightbodys Gesang unterstützen oder gar ersetzen dürfen (“Get on the road”, “I am a landslide” und “The good book”, welches auch auf einem Editors-Album hätte erscheinen können).

“Dead American writers” ist der Hit des Albums. Das er als solcher auch auf einem Dutzend anderer Platten hätte erscheinen können spricht für die “Markreife” welche die musikalische Verbindung aus Indierock/Pop und Folk erreicht hat. Führen reife Märkte fast immer zu Mergern, ist die Gründung von Tired Pony eine logische Entwicklung und “The place we ran from” ein Glied in dieser Entwicklung. Aber eines, welches sich nett anhören lässt. Nicht mehr und nicht weniger.

Das Video zu “Dead American writers”:

Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Interessante neue Gerichtstermine mit James, Badly Drawn Boy, Kings Of Leon, Giardini Di Miro, Crocodiles, The Thermals und Paul Smith von Maximo Park.

Dirk hat gesagt…

Und nicht zu vergessen: "Lonely Avenue", die Zusammenarbeit von Ben Folds und Nick Hornby!

noplace hat gesagt…

6 Punkte

Dirk hat gesagt…

Wo Snow Patrol draufsteht (wenn auch nur klein), ist auch Snow Patrol drin.

Ein bisschen zu müde das Pony...

6,5 Punkte

Ingo hat gesagt…

Die Chance einer Flucht vor dem Snow Patrol-Fluch wurde nicht genutzt. 6,5 Punkte