Arcade Fire - Everything Now

















10 Fakten zum neuen Album von Arcade Fire:

1. Fans von Arcade Fire können sich, 3 Jahre und 9 Monate nach „Reflektor“, auf das fünfte Album von Arcade Fire freuen, das heute veröffentlicht wird. 13 Titel (aber nur 10 eigentliche Songs plus Intro, Reprise und Outro) in 47 Minuten hält „Everything Now“ in allen Versionen bereit - nur welches Format soll es denn sein?

2. „Everything Now“ ist als Download, Kassette, CD und LP erhältlich. Aber bereits bei der CD wird zwischen einer „Day Version“ (gatefold sleeve, with a folded lyric sheet insert) und einer „Night Version“ (limited edition artwork) unterschieden, ebenso bei der LP (Day: 12" black heavyweight vinyl in a gatefold sleeve, with a folded lyric sheet insert), nur bietet die „Night Version“ neben dem „limited edition artwork“ auch farbiges Vinyl. 

3. Und dann wäre da noch das „Limited Edition 'Language' Vinyl“: Während das Plattencover farblich (je nach Tageszeit) deutlich variiert, kann man sich den Albumtitel in 20 unterschiedlichen Sprachen aussuchen. „Alles jetzt“ ist - wenig überraschend - bei der deutschen Version zu lesen, und nur bei dieser flattert ein Vogel mitten durchs Bild. Komplettisten müssten also 22 Schallplatten für 600 Dollar bestellen. Exklusive Versandkosten. 

4. „Everything Now“ wurde von Markus Dravs, der seit „Neon Bible“ für die kanadische Band abmischt und produziert, Thomas Bangalter (von Daft Punk), Steve Mackey (ehemaliges Mitglied von Pulp), Geoff Barrow (von Portishead) und Arcade Fire produziert.




5. Der Titelsong wurde am 1. Juni als erste Single ausgekoppelt und ist der erste Nummer Eins-Song in einer der zahlreichen Billboard Charts für Arcade Fire, nämlich in den US Adult Alternative Songs.

6. Die von Patrick Bebey gespielte Flöte auf „Everything Now“ ist keine Panflöte, sondern eine so genannte Pygmy-Flöte, die nur eine Note spielen kann. Der Teil, in dem Konzertbesucher die Melodie des Songs mitsingen, wurde am 30. Oktober 2016 beim Voodoo Fest in New Orleans aufgenommen.




7. Die zweite Single wurde am 16. Juni veröffentlicht und trägt den Titel „Creature Comfort“. Im zweiwöchigen Rhythmus folgten „Signs Of Life“ und „Electric Blue“.

8. Der Song „I Give You Power“, den Arcade Fire gemeinsam mit Mavis Staples am 19. Januar, einen Tag vor Donald Trumps Inauguration, veröffentlichten, ist nicht auf „Everything Now“ enthalten. Die Erlöse dieses Songs gehen an die American Civil Liberties Union.




9. Die Plattenkritiker bescheinigen Arcade Fire offensichtlich einen kontinuierlichen Abfall, den Metacritic so dokumentiert: „Funeral“ (90/100 Punkte, 2004), „Neon Bible“ (87/100, 2007), „The Suburbs“ (87/100, 2010), „Reflektor“ (80/100, 2013) und nun „Everything Now“ (75/100).  


„Everything Now“ ist die Hymne, die eigentlich keiner mehr schreibt, ein unwahrscheinliches Stück Pop: süßlich, eingängig, unwiderstehlich. Konsum­kritik für Konsumenten konsumkritischer Tanzmusik. Und eine clevere Finte. Denn die anderen Stücke des fünften Arcade-Fire-Albums verlegen den Ton weg vom Stadion in schwüle Discotheken, in die Hitze der Nacht, in die verzweifelten Sehnsüchte und Schattenseiten der Seele.„Signs Of Life“ ist Funkadelic-Groove plus Isaac-Hayes-Grandezza plus Talking-Heads-Irrsinn. Win Butler besingt menschliche Wesen auf der Suche nach Erleichterung, wenn schon keine Erlösung in Sicht ist. „God, make me famous/ If you can’t, just make it painless“, heißt es in „Creature Comfort“. Dazu hämmert der Sound von Düsseldorf, circa 1980, eine Synth-Bassriff wie in DAFs „Der Mussolini“. „Peter Pan“ schaltet Jahrmarktdudelei mit Videogame-Scores gleich, „Chemistry“ testet die Grenzen des Repetitiven mit etwas, das wohl ein HipHop-Beat sein soll, und rockt dann stumpf. „Infinite Content“ gleitet von rasantem Punk direkt in einen Country-Schunkler. Im Elektropop von „Electric Blue“ singt Régine Chassagne wie Prince in „Kiss“, nur ohne Sex.(Rolling Stone)




Live ist das eine andere Sache, da lassen sie den Rummel zu. EVERYTHING NOW ist dagegen eher eine Laborplatte. Pop ist ein Ziel, der Titelsong legt die Lunte. Doch dann geht es wieder raus in die Nacht, „Signs Of Life“ hat Handclaps, Four-to-the-Floor-Drums und Synthiestreicher, willkommen in der Mutant-Disco! „Chemistry“ erinnert an die weißen Mainstreampopper, die Anfang der 80er-Jahre Reggae-Parodien in die Charts bringen wollten, zum Beispiel an Godley & Creme. (…) Régine Chassagnes großer Moment ist „Electric Blue“, wieder Disco, hier aber feminin, in höchsten Registern – und elegant. Die beiden großen Momente kommen am Ende: „Put Your Money On Me“ geht mit seiner Liebe zu ABBA viel weiter als „Everything Now“, in Minute 3:30 drehen Arcade Fire das fabelhafte Stück in Richtung „The Winner Takes It All“ , das Ende nach knapp sechs Minuten kommt viel zu früh. „We Don’t Deserve Love“ erinnert an die überirdischen Hymnen der Flaming Lips, es ist das perfekte Lied für den Moment, wenn sich die Menschheit für einen anderen Planeten bewerben muss und mit der Frage konfrontiert wird, warum in Gottes Namen man die eigene Erde zerstört habe. Butler singt „try to figure it out, you’ll never figure it out“, die Band spielt dazu luftig-feierliche Popharmonien (…)(Musikexpress)


10. Der Musikexpress hat in seiner Review das Live-Erlebnis von Arcade Fire angesprochen, dazu hat man dieses Jahr jedoch nur noch in Nord- und Südamerika die Gelegenheit. Für April 2018 sind sechs Konzerte in Großbritannien angekündigt, dann wird Deutschland bestimmt auch demnächst folgen… 
Ich konnte Arcade Fire dieses Jahr bei einem Festival in den Niederlanden und in einer sehr kleinen Halle in Luxemburg auf einer 360° Bühne sehen. Hier und hier sind Berichte, Fotos und Setlisten. 



Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

Ich hatte Schlimmeres befürchtet... 6,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Besser als "Reflektor". Der Titelsong und "Creature Comfort" sind großartig, "Put Your Money On Me" und "We Don't Deserve Love" sind die Grower. 8 Punkte

Volker hat gesagt…

Nicht ganz so gut wie Reflektor, aber viel besser als die schreibende Zunft einem weismachen will. Dürfte sich im Arcade Fire Kosmos auf Platz 2 einreihen.

Volker hat gesagt…

Ach so

8 Punkte

Ingo hat gesagt…

Mit 6 Punkten bin ich großzügig.

Jörg hat gesagt…

Verloren im Disco-Pop Dschungel! Ich bin nicht ganz so großzügig: 5 Punkte.

aXel hat gesagt…

6