Dutch Dynamite (2)
Neulich beim Traumzeit Festival verpassten wir leider den Auftritt von Personal Trainer, erfuhren aber später, dass sie mit ihren gestern vorgestellten Landsleuten von Tramhaus befreundet sind. Personal Trainer stammen nicht wie diese aus Rotterdam sondern aus Amsterdam und der Begriff Band ist hier nur bedingt zutreffend. Denn eigentlich handelt es sich eher um ein Kollektiv rund um den Songwriters und Multiinstrumentalisten Willem Smit. Im Studio arbeitet er eng mit seinem Co-Produzenten Casper van der Lans zusammen, auf der Bühne tummeln sich dann live deutlich mehr Musiker*innen, auch wenn es nicht so laut und ruppig zugeht wie bei den Kolleg*innen von Tramhaus.
„Human Assholes“ ist nach „Big Love Blanket“ (2022) und „Still Willing“ (2024) bereits das dritte Album von Personal Trainer, unterscheidet sich aber von diesen, da diesmal die Akustikgitarre als Ausgangspunkt diente und die Songs dann live als komplette Band eingespielt wurden. So gibt es skurrilen, schrägen, überraschenden und humorvollen Indiepop/Folkrock zu hören, bei dem Unvollkommenheit und Spontanität im Studio durchaus willkommen waren. Man stelle sich eine Mischung aus Bright Eyes und Black Country, New Road vor.
Personal Trainer in Deutschland:
17.02.2027 Köln, Bumann & SOHN
18.02.2027 Bremen, Kulturzentrum Schlachthof
19.02.2027 Hamburg, Betty
20.02.2027 Berlin, Neue Zukunft
Das obsessive und zugleich wunderschöne „Punch Drunk Love“ wurde nicht umsonst zur Lead-Single auserkoren. Fast folkig erfolgt der Auftakt, in stetem Fluss dargeboten, bevor Smits angenehme Stimme für Herzenswärme und Augenzwinkern sorgt – kraftvoll und leichtfüßig zugleich. Die imaginäre Brücke zwischen Indie und Americana macht Laune. Hingegen ist der Titelsong eine knapp sechsminütige Tour de Force der verplanten Art, die entfernt an die Eigentümlichkeit des Einstands von Black Country, New Road erinnert – etwas verwaschen, jenseitig angehaucht, sich wiederholt häutend und mit einem Hauch Kammermusik in den Schlussminuten versehen, der den Folk-Twang intensiviert.Es geht aber auch ganz anders, beispielsweise im eindringlichen „Tyres Skid“. Der Bass drängt in Richtung Indie-Disco, bringt eine Prise Post Punk mit, ringt zugleich mit greifbarer emotionaler Schwere. Die zurückgelehnte Dringlichkeit von „The Burrows“ setzt auf nahezu konstanten Wachstum und bringt für Band-Verhältnisse fast so etwas wie Bombast ein, ein wenig over the top und dabei stets angenehm beherzt vorgetragen. Auch „Object Permanence“ trägt ordentlich Kraft in sich, wenngleich es ein wenig braucht, bis man davon tatsächlich Notiz nimmt. Der laute, kratzige Quasi-Chorus überrollt wieder und wieder, von wohliger Wonne ummantelt.

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