Wer auf der Suche nach dem Rock-Album des Jahres ist, sollte in „These Killing Times“ einen heißen Anwärter finden.
Die aus Los Angeles stammende und zurzeit in Portland lebende Emma Ruth Rundle ist als Singer-Songwriterin, Gitarristin, bildende Künstlerin und Dichterin tätig. In ihrer Solo-Diskographie sind mittlerweile - neben zahlreichen EPs - sechs Studioalben gelistet. Das neueste, These Killing Times“ entstand in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Sonny DiPerri (DIIV, Animal Collective, Nothing, Portugal. The Man) und ist eine bewusste Abkehr vom reduzierten Vorgänger „Engine Of Hell“ (2021; nur 6,000 Punkte bei Platten vor Gericht). Die acht Songs wurden in voller Bandbesetzung, u.a. mit Marissa Nadler oder Jess Gowrie (Chelsea Wolfe), aufgenommen und kombinieren anspruchsvollen, düsteren 90er-Jahre Rock mit Elementen aus Folk, Post-Rock und Grunge. Nicht zu vergessen die teilweise expressiven Bläser-Arrangements (Saxofon, Ingo!). Das trifft sich gut mit den behandelten Themen, wie existenzielle Ungewissheit, Krisen sowie Ängste der heutigen Zeit und kann dann, wie in „Enogh“ ziemlich schrill ausarten oder sich über mehr als acht Minuten ausweiten („Human Kindness“).
„These Killing Times“ wurde bereits am 18. September über ihr eigenes Label Errant Child als CD und LP in zahlreichen Farb-Varianten veröffentlicht: Green Smoke Transparent Vinyl, Translucent Lime With Orange Starburst Vinyl, Blue Smoke Transparent Vinyl, Sunburst Transparent Orange With Solid Turquoise Vinyl, ranslucent Red With Black Splatter Vinyl und Violet Purple Sunburst Vinyl.
In den deutschen Medien wurde „These Killing Times“ sehr gut aufgenommen: Dem Musikexpress war das Album 5,5/6 Sternen wert, Plattentests legte 9/10 Punkten nach (siehe unten). Bei Metacritic steht zumindest ein Metascore von (82/100).
Emma Ruth Rundle wird im kommenden Frühjahr nach Deutschland kommen:
22.03.2027 Berlin, Festsaal Kreuzberg
23.03.2027 Hamburg, Bahnhof Pauli
24.03.2027 Leipzig, UT Connewitz
25.03.2027 Köln, Gebäude 9
30.03.2027 München, Backstage
Verstörend schön ist dieses sechste Album aber trotzdem, wenn auch auf ganz andere Weise als sein Vorgänger: Hier beschäftigt sich Rundle mit der Gesellschaft als Ganzes, mit dem Aufstieg von Faschismus und Misogynie – und mit Community und Liebe als Widerstand. Das klingt mal energisch wütend wie „Anvil“, mal umwerfend berührend wie „Oceans Of Time“, und vor allem klingt das nach einem nötigen Update für Postrock im Jahr 2026.
Mit Piano und Akustiksaiten beginnt der Opener "Powerless" noch im von "Engine of hell" umzäunten Feld, doch dauert es keine Minute, bis die Stromgitarren und Drums reinknallen. In der Folge zehren sich die verschiedenen Aspekte allerdings nicht gegenseitig auf, sondern erblühen in Cello-begleiteter Koexistenz. (…) Das zärtliche, von sanftem Gebläse umschmeichelte "God's picture" stellt der biblischen Zerstörung in diesem Sinne das Bildnis einer Geliebten entgegen, inklusive einer möglichen Referenz auf David Bowies „Blackstar" (…). Wenn sich der Song am Ende in sein Mantra hineinsteigert, beweist er zudem eine der größten Stärken des Albums: Egal, wie intensiv ein Track anfängt – spätestens im Schlussdrittel setzt Rundle immer noch einen drauf. Glockengeläut leitet den im Refrain explodierenden Goth-Rocker "Anvil" ein, in dessen Finale Rundle ihre schon in Bodennähe stets einnehmende Stimme in höchste Falsett-Höhen treibt – und damit zeigt, dass sie es auch locker mit all den Art-Pop-Akrobatinnen aufnehmen könnte, wenn sie denn wollte.

0 Comments:
Kommentar veröffentlichen