Soft Cell - Danceteria


Heute vor einem Jahr verstarb David Ball, eine Hälfte von Soft Cell. Mit „Tainted Love / Where Did Our Love Go“ hatte das Duo 1981 eine europaweite Nummer Eins-Single. Mit „Bedsitter“ (#4), „Say Hello, Wave Goodbye“ (#3) und „Torch“ (#2) erreichten im direkten Anschluss auch drei Ball/Allmond-Kompositionen die Top 5 der UK Single Charts, ever eine weitere Coververserion („What“, #3) diese erfolgreiche Serie abschloss. Bereits 1984 trennte sich das Duo nach drei Studioalben, von denen „Non-Stop Erotic Cabaret“ (1981) als Klassiker des Synth- und Elektropops gilt. Sänger Marc Almond und Multiinstrumentalist David Ball fanden in den folgenden Jahrzehnten immer wieder kurzfristig zusammen und veröffentlichten zwei weitere Alben, zuletzt 2022 „Happiness Not Included“. Ihr sechstes Studioalbum „Danceteria“ konnte das Duo noch kurz vor Balls Tod im Alter von 66 Jahren fertigstellen. Almond stellte klar, dass „Danceteria“ „will be the end of any new studio music from Soft Cell because recording without Dave just wouldn't be Soft Cell.“

Der Albumtitel „Danceteria“ ist eine Hommage an den New Yorker Club gleichen Namens und das Album ist eine Art Konzeptalbum über eine in dieser Stadt verbrachte Nacht. Ihrer Coverversionen-Tradition bleiben Soft Cell bis zum Ende treu, denn das Album wird von „Out Come the Freaks“ abgeschlossen, das im Original von Was (not Was) stammt und auf dem Nona Hendryx mitsingt. Die Länge von über 62 Liedern ergibt sich aus 14 Songs und dem von Almond überlieferten Wunsch Balls an ihn: „Do me one favour: Don’t chop the album to pieces. This is how I want it to be.“ 
Diesem Wunsch wurde nachgekommen, auf die Idee, das Album nicht am 25. September sondern vier Wochen später, an Balls erstem Todestag, zu veröffentlichten, ist wohl niemand gekommen.
 

Ihre Alben nahmen sie durchweg in New York auf: Dem damaligen Nightlife der Stadt widmen sie ihr finales Album DANCETERIA, das zugleich Testament des zwei Tage nach Fertigstellung verstorbenen Dave Balls ist. Almond, inzwischen 69 Jahre alt, steht hier als Diva vor dem Spiegel und probiert, ob die alten sleazy Cabaret-Outfits noch passen. Zum ganz großen Drama reicht seine Stimme nicht mehr, den Songs fehlt mitunter das Ungeschliffene.

Der Opener „Elusive“ mit dröhnender Elektronik und jazzy Sax stimmt positiv ein, doch dann folgt mit „The Space Inside“ ein Euro-Disco-Zitat, „The Rainbow Room“ meistert die Balance zwischen Kitsch und Kunst nicht. „Wave To America“ und „Dance­teria“ sind indes gelungene Dancefloornummern, hier und dort gelingt den beiden dann doch die Fusion aus schmutzigem Cabaret und schwitziger Disco. Noch immer kein Synthie-Pop.


 


 




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