Tommy Lefroy - The Precariat


Die erste Vorladung (XV-MMXXVI)

Personalien:
Thomas Langlois Lefroy gehört nicht zu dem Duo, um das es heute geht, denn der irische Jurist und Politiker ist 1869 verstorben. Jedoch nehmen Literaturhistoriker an, dass eine kurzzeitige und unerfüllte Romanze zwischen ihm und Jane Austen diese stark prägte und als Vorbild für die Dynamik zwischen Elizabeth Bennet und Mr. Darcy in ihrem Roman Stolz und Vorurteil (Pride and Prejudice) diente. Außerdem hat er Wynter Bethel und Tessa Mouzourakis zu ihrem Bandnamen inspiriert.

Tathergang:
Das Duo lernte sich 2017 in Nashville, Tennessee, kennen, wo beide als Songwriterinnen für andere Musiker tätig waren. Sie beschlossen ihren gemeinsamen Neustart in London anzugehen und haben als Tommy Lefroy drei EPs veröffentlicht („Flight Risk“ (2021), „Rivals“ (2023) und „Born Blue“ (2024)). Mittlerweile sind die sie wieder in ihr Heimatland zurückgekehrt und haben in den Blue Canyon Studios in Los Angeles zusammen mit dem bewährten Studioteam von Mike Crossey (The 1975, Arctic Monkeys, Wolf Alice, Yungblud) und Stephen Sesso ihr Debütalbum aufgenommen. 
„The Precariat“ bietet 12 Songs in knapp 39 Minuten und ist als CD und LP (Brown Marble Vinyl, Red Marble Vinyl, Black Vinyl) erhältlich.

Plädoyer:
Inhaltlich verarbeiten Wynter Bethel und Tessa Mouzourakis auf „The Precariat“ zum Albumtitel passend Themen wie Zukunftsängste, Hyperkapitalismus und gesellschaftliche Instabilität, diese kombinierten sie mit sehr persönlichen Beziehungs- und Alltagsthemen. Musikalisch orientieren sie sich am sanften Folkrock von Boygenius oder Phoebe Bridgers, brechen diesen aber, indem sie gern die Gitarren in Alternative Rock-/Emo-/Grunge-Marnier auch mal lauter aufdrehen.

Zeugen:


Wynter Bethel und Tessa Mouzourakis können leise und atmosphärisch sein, neben Gitarrenwänden bestehen und rocken. Das verlassene Haus auf dem Cover scheint im Opener „All Things forgiven“ sanft seine Türen zu öffnen.
Der Albumtitel steht für eine wachsende Gesellschaftsschicht in dauerhafter Unsicherheit. Das Duo setzt dem Verbundenheit entgegen. „Thief“ verbindet existenzielle Texte über verlorene Zeit mit einer Leichtigkeit, die der Schwere trotzt. Am schönsten wird es in „In Paradise, War is prevented by Mothers“: Die Stimmen überlagern sich zu einem himmlischen Chor, wie Engel, die einen beschützen. Ein schweres Album, das sich dennoch warm und geborgen anfühlt.


Die Stimmen von Mouzourakis und Bethel schweben über warmen Harmonien und ausladenden Klangflächen. Mal duellieren sie sich, meist werden sie eins. Darunter bleibt alles in Bewegung: Indie-Pop kippt in Noise, sanfte Passagen schwellen zu verzerrten Gitarrenwänden an, ständig kratzt Feedback an der Oberfläche. Während „Thief“ seine Spannung geduldig aufbaut, verbindet „Angel in the House“ die Auseinandersetzung mit tradierten Frauenbildern mit kantigem Gitarrensound. „Slush Puppy“ wiederum fährt eine bissige, fast übermütige Seite auf. Und spätestens wenn sich die Harmonien von „God Made Michigan“ zur Gänze entfalten, hat das Album einen ersten Höhepunkt erreicht. 


Indizien und Beweismittel:


 


 


 


Ortstermine:
09.02.27 Köln, Yard Club
11.02.27 Hamburg, Molotow Top Ten Bar
12.02.27 Berlin, LARK

Urteile:
Nun sind die werten Richter gefragt...


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