Die Nachricht, dass „Tubthumper“ von Chumbawamba auf Vinyl wiederveröffentlicht wird, ließ bei Oliver und mir nur einen Gedanken zu: „OMG! Hoffentlich kommt die „Anarchy“ auch noch!“ Das Plattencover des sechsten Albums von Chumbawamba ziert ein Foto einer Geburt: der Kopf eines Babys tritt aus einer Vagina hervor, was dazu führte, dass das Album in einigen Geschäften verboten und in anderen nur in neutralen Hüllen angeboten wurde. Bei einigen Streaming-Diensten sowie der japanischen physischen Ausgabe des Albums wurde Cover durch ein Gemälde roter Rosen ersetzt. Ob dem neuen Album von Susanne Sundfør ähnliche Zensur droht?
Die Norwegerin brachte 2020 eine Tochter sowie 2025 einen Sohn zur Welt und ist mit dem norwegischen Jazzmusiker und Saxofonisten André Roligheten verheiratet. Vielleicht kam es so zur Idee mit der fotografischen Darstellung einer gebärenden Frau für das Cover bzw. die Verbindung zum britischen Jazzpianisten und Organisten Kit Downes. Denn zusammen mit diesem wurde „Revelations Of Divine Love“ im November 2024 in der stillen, hallreichen Atmosphäre der Bragernes-Kirche in Norwegen aufgenommen, überwiegend in „Single Takes“, also Aufnahmen in einem einzigen Durchgang, und Darbietungen, bei denen die Präsenz wichtiger war als die Perfektion.
Sundfør singt, Downes spielt Kirchenorgel, zusammen haben sie die meisten Titel komponiert, am Anfang („A Revelation Of Love“) und Ende („Love Was Our Lord’s Meaning“) des Albums steuert Jørgen Træen dezente elektronische Klänge bei. Mehr gibt es auf diesem intimen und reduzierten sowie hypnotischen und sakralen Album nicht zu hören. Susanne Sundfør klingt hier wie ihre schwedische Kollegin Anna von Hausswolff ohne Rock und Drone-Experimente und nach einer Zeitreise ins Mittelalter, damit erfindet sich also ein weiteres mal neu.
Der Titel des Albums bezieht sich auf das wegweisende mystische Werk von Juliana von Norwich aus dem 14. Jahrhundert und setzt deren Worte musikalisch um. Unter dem Titel „Revelations Of Divine Love“ bekannten Schriften sind nicht nur die ersten überlieferten englischsprachigen Texte einer Frau, sondern auch die einzigen überlieferten englischsprachigen Texte einer Anachoretin (Einsiedlerin).
„Revelations Of Divine Love“ ist als CD und LP (Red And Black Marbled Vinyl) erhältlich.
It’s a beautiful album, centuries in the making, then, and moreover, in a curious way, it’s subversive too. The pipe organ of late has become a vessel for a kind of secular spirituality in music propagated by hipsters, tacitly offering a connection with our medieval forefathers and foresisters that’s almost humanist in its pretensions. Sundfør reunites the king of instruments with an unabashed religiosity on songs like ‘I It Am’, with lyrics bordering on erotic supplication in places (“I it am that thou servest / Thou longest for / That thou desirest…”). Indeed, one doesn’t have to be of a religious persuasion to admire this project and adore these songs, many of them hymns of adoration. Whatever your proclivity, spiritual or otherwise, it’s certainly advisable to pull up a pew and enjoy the latest service in Sundfør’s slowly expanding and singular body of work.

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