Eldorado:
Der Begriff Eldorado geht auf ein Ritual des indigenen Muisca-Volkes in Kolumbien zurück, bei dem ein mit Goldstaub bedeckter Herrscher kostbare Beigaben in einem heiligen See opferte. Aus der mündlichen Überlieferung machten goldgierige spanische Eroberer im 16. Jahrhundert die Legende von einer sagenumwobenen Stadt aus purem Gold, was zu zahlreichen gescheiterten Expeditionen führte. Heute nutzt man das Wort metaphorisch entweder für einen Ort, der ideale Bedingungen oder unbegrenzte Möglichkeiten bietet, oder für Wünsche oder Träume, die man vergeblich jagt.
„Eldorado“:
Girls In Hawaii jagen dem Traum hinterher, ein melancholisches, vielschichtiges Indierock-Album aufzunehmen, das akustische und elektronische Elemente kombiniert und Grandaddy oder Radiohead nachspürt.
Vermutlich hatten Antoine Wielemans (Gesang, Gitarre), Lionel Vancauwenberghe (Gesang, Gitarre), Brice Vancauwenberghe (Gitarre), François Gustin (Gitarre, Keyboard), Daniel Offermann (Bass) und Boris Gronemberger (Schlagzeug) keine weitere Expedition geplant, denn ihre letzte fand 2017 („Nocturne“) statt und nach ihrem Schlagzeuger Denis Wielemans hatten sie zuletzt auch ihren langjährigen Manager und Freund Pierre Van Braekel verloren.
Erst auf Initiative der Betreiber des Ancienne Belgique fanden sich Girls In Hawaii wieder zusammen, um Konzerte zum Jubiläum ihres Debütalbums „From Here To There“ (2005) zu spielen. Dies gab wohl auch den Anstoss für die Aufnahmen zu ihrem insgesamt fünften Studioalbum. „Eldorado“ ist als CD und LP (Black Vinyl, Red Vinyl) erhältlich und bietet 11 Songs in 42 Minuten.
„Eldorado“ strotzt vor eindrucksvollen Songs. Girls In Hawaii gelingt es, an ihr eigenes musikalisches Vermächtnis anzuknüpfen und dessen Quintessenz zu destillieren. Gleichzeitig bewahren sie sich eine Frische, die die LP zu einem echten Highlight in ihrer Diskografie macht. Textlich hangeln sich die elf Tracks an gewichtigen Fragen zu Themen wie der Klimakrise, der spürbaren kollektiven Erschöpfung, zerbrechenden Beziehungen, schmerzhaften Abschieden, Bildern aus Kindertagen und der Suche nach dem eigenen Platz in einer zunehmend instabilen Welt entlang, ohne den Mut zu verlieren. Dass all das nicht ohne Emotionen reflektiert werden kann, zeigt die klangliche Ausgestaltung der Platte. Sie reicht von leisen, melancholischen Momenten wie einem zarten Wimmern bis zu aufbrechender, massiver Wut, die sich in apokalyptischen Melodiebögen wie im Opener „Is It Happening Right Now?“ äußert. Girls In Hawaii beweisen, dass es schon immer ihre Stärke war du. Auch weiterhin ist, Gefühle erfahrbar zu machen und dabei vollkommen authentisch zu sein. Wir können miterleben, wie die Band am Anfang der LP an ihrer eigenen Unsicherheit zu zerbrechen droht, als wäre sie ein Schiff auf stürmischer See, bevor die Wellen schließlich abebben und es im letzten Drittel von „Eldorado” etwas weniger turbulent zugeht.

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