• Ewert And The Two Dragons - Circles























    Bei "Good Man Down" waren Deutschland und wir bei Platten vor Gericht etwas spät dran, denn die Veröffentlichung / Vorstellung erfolgte erst mit einjähriger Verspätung. "Circles", das insgesamt dritte Album von Ewert And The Two Dragons, erschien nun pünktlich Dank eines Major Labels auch hierzulande, nur unser Blog hinkt etwas hinterher.  

    Dank der Plattenfirma durften Ewert Sundja, Erki Pärnoja, Kristjan Kallas und Ivo Etti ihre estnische Heimat zu Aufnahmezwecken verlassen und über den großen Teich nach Seattle reisen. Leider muss ihnen wohl auf dem Weg nach Übersee auch das Versponnene / Besondere, das den Vorgänger noch auszeichnete, verloren gegangen sein. Zu austauschbar, glatt gebügelt und überraschungsarm klingen Ewert And The Two Dragons nun. Da helfen auch die eingängigen "Pictures", "Stranger" und "Speechless", die an- und wieder abschwellende Ballade "Circles" sowie die Streicher hier und das Glockenspiel da nicht viel. 




    Die nachdenklicheren, zum Teil aber auch rockigeren bis epischen Elemente, die zuvor in Songs wie „Panda“ bereits angeklungen sind, können Ewert auch. Bisweilen, besonders im Mittelteil der Platte (Titeltrack „Circles“, „Could Have Been“), plätschern die Lieder leider etwas vor sich hin. Dafür gönnt sich die Band mit dem nach eigenen Angaben „most rock’n‘roll song“ ihrer bisherigen Diskografie einen recht fulminanten Opener.
    Zudem ist eben nicht der zur Single auserkorene Schunkelstampfer „Pictures“ unter den besten Songs des Albums, sondern das großartige „Stranger“ mit Hörnern, Flöte und Saxophon oder auch der dramatische Abschluss „Warhorses“. Die wunderbare Instrumentierung, die auch schon das Vorgänger-Album besonders ausgezeichnet hat, ist dabei aber weiterhin allen Songs gemein. Glockenspiel, Xylophon- und Keyboardeinsatz dieser Band haben einfach Wiedererkennungswert.
    So ist Estland zum Glück auf der musikalischen Landkarte aufgetaucht und wird mit der vorliegenden Platte auch dort bleiben.
    (éclat)


    Das Resultat klingt entsprechend harmlos, aber nicht eben schlecht. Zehn Indie-Folk-Liedchen mit nahbaren, freundlichen Refrains und kompakten Melodien fürs tägliche Trällern. Hier ein Ausreißer an der Gitarre, dort ein Schnörkel am Glockenspiel, ein paar Streicher oder ein Saxofon als Nachhut, und es wird ein Schühchen draus, das man sich sicher auch außerhalb Skandinaviens gerne anziehen wird. Ein paar sportliche Bass-Lines gibt’s obendrein, und gegen Ende der Stücke wartet oft eine kleine klangliche Überraschung. Wie es wohl geklungen haben mag, als Ewert und Band mangels eigener Songs noch Radiohead, Sting und U2 coverten? Bestimmt sehr korrekt.
    (intro)


    Freunde von Keane, Coldplay und We Invented Paris sollten es mit  "Circles" versuchen. Vielleicht gebe ich dem Quartett aus Estland live eine weitere Chance, denn auch "Good Man Down" gefiel mir auf der Konzertbühne dargeboten besser als aus der Konserve.

    Ewert And The Two Dragons unterwegs:
    19.04.2015 München, Ampere
    20.04.2015 Frankfurt, Das Bett
    21.04.2015 Hamburg, Mojo Club
    22.04.2015 Berlin, Lido
    23.04.2015 Köln, Gebäude 9

  • 5 Kommentare:

    Olly Golightly hat gesagt…

    Ich finde es sogar besser als den Vorgänger: 7 Punkte

    Dirk hat gesagt…

    Ich greife (noch) lieber zum Debütalbum.

    7 Punkte

    Jörg hat gesagt…

    Netter IndieFolkPop. 6 Punkte

    Ingo hat gesagt…

    Nicht nur nett sondern stellenweise auch richtig gut. 7 Punkte

    U. hat gesagt…

    6,5 Punkte

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    8. The Boatman's Call (1997)
    7. Skeleton Tree (2016)
    6. Henry's Dream (1992)
    5. Tender Prey (1988)
    4. Push The Sky Away (2013)
    3. Abattoir Blues / The Lyre Of Orpheus (2004)
    2. No More Shall We Part (2001)
    1. The Good Son (1992)

    (ausgewählt von Dirk)