Wie ungewöhnlich, da hatten doch zwei meiner liebsten deutschen Bands eine ähnliche Idee und veröffentlichen deren Umsetzung im Abstand von nur wenigen Tagen.
Beginnen wir mit The Notwist. Die 1989 gegründete Band nahm ihr aktuelles Studioalbum nämlich live als Band im Studio auf. Die Brüder Markus (Gesang, Gitarre) und Micha Acher (Bass, Sousaphon, Euphonium, Trompete) sowie Christoph „Cico“ Beck (Elektronik, Keyboards, Gitarre, Blockflöte, Schlagzeug) brachten die Songs mit ins Münchener Studio, arrangierten, und probten es vor den Aufnahmen gemeinsam mit den restlichen Bandmitgliedern Theresa Loibl (Bassklarinette, Klarinette, Klavier, Harmonium, Orgel), Max Punktezahl (Gitarre), Karl Ivar Refseth (Marimbaphon, Vibraphon, Glockenspiel, Congas, Schlagzeug) und Andi Haberl (Schlagzeug, Hackbrett). Zudem luden sie Freunde ins Studio ein (Enid Valu singt, Haruka Yoshizawa spielt Taishōgoto und Harmonium, Tianping Christoph Xiao Klarinette und Mathias Götz Posaune), die den Sound von „News From Planet Zombie“ entscheidend mit prägten.
Wer einmal einen dieser furiosen Auftritte von The Notwist live erleben durfte, der weiß, welch eine famose Idee dieser Platte zu Grunde liegt. Man höre nur den sich langsam über sechs Minuten hinweg aufbauenden Opener „Teeth“, der wie auch acht weitere Lieder durch den weiblichen Hintergrundgesang gewinnt. Das folgende vertrackte „X-Ray“ lässt an die lärmenden Konzertmomente denken, wenn The Notwist sich auf ihre frühen Noise- und Hardcore-Tage zurück besinnen. Ein zweiter Ausbruch dieser Art erfolgt später mit „Silver Lines“.
Der deutsche Titel des Songs „Propeller“ weist beim englisch singenden Herrn Acher schon darauf hin, dass er ohne Worte auskommen muss. Was bei anderen Bands schnell zum Skip-Faktor wird, ist bei The Notwist eine Krautrock-Exkursion, auf die man sich, wie beispielsweise auch bei „0-4“, auf Platte und live sehr freuen darf. Der Hit des Albums ist übrigens ohne jeden Zweifel „The Turning“.
Kommen wir noch zu ein paar Neuerungen und Überraschungen: Mit „Red Sun“ (Neil Young) und „How The Story Ends“ (Lovers) befinden sich gleich zwei Coverversionen unter den 11 Titeln. Neben dem bereits erwähntem weiblichen Gesang nehmen auch die Bläser großen Einfluss auf den Sound des Album („Red Sun“, „Projectors“, „Like The River“). Wer dachte, dass The Notwist zwischen Indietronic, Alternative Rock und Hardcore Punk schon alle Musikrichtungen für sich erschlossen hatten, der darf Dank „Red Sun“ oder „Projectors“ auch ein Häkchen bei Folk setzen.
Mein Lieblingsalbum von The Notwist wird für alle Zeiten „Neon Golden“ bleiben - aber wie verdammt gut ist „News From Planet Zombie“!
Das Album ist über Morr Music als CD und LP (black Vinyl, clear neon orange Vinyl, clear green Vinyl, blue Vinyl) erschienen.

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