Die aktuelle Tournee wurde abgesagt, das Kunststück, wie mit dem Vorgänger „Nichts ist neu“ (2017; #36) in die deutschen Charts einzuziehen,...

Love A - Meisenstaat


Die aktuelle Tournee wurde abgesagt, das Kunststück, wie mit dem Vorgänger „Nichts ist neu“ (2017; #36) in die deutschen Charts einzuziehen, konnte nicht wiederholt werden. Für Ersteres konnte ich keine Erklärung finden, Letzteres liegt vermutlich daran, dass die LP einfach nicht rechtzeitig aus dem Presswerk kam. Aktuell ist Mitte Oktober für die Veröffentlichung der Schallplatte (schwarzes oder transparentes Vinyl) anvisiert.

„Meisenstaat“ erhielt seinen Titel als Reminiszenz an „Ameisenstaat“, das 1997 veröffentlichte Debütalbum der Kölner Punkband Knochenfabrik, und entstand erstmals ausschließlich innerhalb der Band. So übernahm Schlagzeuger Karl Brausch den Job des Produzenten und das Artwork für das fünfte Album von Love A, das erneut bei Rookie Records erschienen ist, stammt von Gitarrist Stefan Weyer.

Die Band aus Trier konnte mit ihren letzten beiden Alben in der Jahres-Endabrechnung bei Platten vor Gericht jeweils unter den Top 20 landen: „Jagd und Hund“ (2015) erreichte Platz 18 mit 7,8000 Punkten und „Nichts ist neu“ (2017) kam mit 7,667 Punkten auf Rang 14

Ob dies „Meisenstaat“ auch gelingen wird? So klingen die drei Singles aus dem Album und das sagt die Presse:


 


Der Titelsong “Meisenstaat” verliert sich in verzweifelten Fragen, während der Opener “Frag nicht” Resignation atmet. Love A haben sich fünf Jahre Zeit gelassen für das neue Werk. An den knallharten und sarkastischen Texten hat sich natürlich nichts geändert. Die sinnschweren Worte werden nicht etwa philosophisch verklärt, sondern sprechen durchaus Klartext.
Musikalisch geht es in die gewohnte Melange aus Indierock und New Wave Klängen. Doch nie überlagern die Gitarrenriffs Jörkk Mechenbiers eindringlichen Gesang. Manchmal gerät er ins Lamentieren, doch die Geschichten und Statements sind stets stimmig. Dazu kommen melodische Hymnen, die live mal wieder perfekt funktionieren werden.


 


Musikalisch tun Love A dazu Love-A-Dinge und haben dafür nervöse Bassläufe und Gitarrenstakkato in den "Meisenstaat" importiert. Das ist zwar durchschaubar, aber Produzent und Schlagzeuger Karl Brausch hat die Regler so ausgerichtet, dass die nötige Dringlichkeit in der Instrumentierung und den scharf beobachteten Zeilen spürbar ist. Jede Nuance des Untergangs ist klar zu hören. Einen kurzen Moment gibt es dann sogar einen Hauch von Hoffnung, wenn Mechenbier in dem Fast-Liebeslied "Aus die Maus" ausdrücklich zum Küssen auffordert, obwohl sein erster Impuls immer die Flucht ist.


 


„Meisenstaat“ ist das Musik gewordene Pantoffeln Anziehen, die klangliche Entsprechung von „Jeans aus, Jogginghose an“. Es ist Zuhause für die, die auf dem Papier Punk hören. Der aber mit so viel Weltschmerz und Melancholie überschüttet ist, dass das mit dem kathartischen Biertrinken eher zweitrangig erscheint. Als solches also beruhigend, dass das Quartett auch beim fünften Album wieder diese schwermütigen und gleichzeitig energetisch zappelnden Post-Punk-Mauern hochzieht. Und doch: In Nuancen geht es hier in Inhalt und Gewand in neue Richtungen. 


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