Glen Hansard - Between Two Shores




















Vor zwei Jahren konnte ich Glen Hansard beim Down The Rabbit Hole und beim A Summer’s Tale Festival live sehen. Dort trat er jeweils mit großer Entourage (10 Mitmusiker) auf, denen er auch Gelegenheit bot ins Zentrum des Geschehens zu treten, zog alle in seinen Bann, wenn er dennoch Songs allein performte, überzeugte als amüsanter Entertainer und packte in seine Setliste Songs seiner beiden Soloalben, seiner Bands The Frames und The Swell Season sowie Coverversionen (Van Morrison, Marvin Gaye, Daniel Johnston). 

Nun steht nach „Rhythm And Repose“ (2012) und „Didn’t He Ramble“ (2015) sein drittes Album in den Plattenläden, und „Between Two Shores“ darf als logische Konsequenz dieser Live-Erfahrungen gesehen werden. Auf den 10 neuen Songs hören wir nicht nur den folkigen Singer/Songwriter in minimalistischen Arrangements („Wreckless Heart“), sondern auch die Opulenz seiner Band, die Hansards Output auch in Richtung Soul („Why Woman“), Jazz („Setting Forth“) und Uptempo-Rock („Roll On Slow“) verschieben.




Man nehme allein »Wreckless Heart«, einen leisen, gemeinen Jahrhundertsong, der sich nie mehr aus Hirn und Seele entfernen lässt. Die sachte gezupfte Gitarre, die dämmerigen Kammerbläser und das mit dem Besen gerade einmal am Rande seiner Aura berührte Schlagzeug treiben Hansard behutsam in einen Refrain, dessen sehnsuchtsvolles Leid die meisten Gefühlsdarsteller populärer Musik nicht einmal ausdrücken könnten, würden sie eine Schreitherapie machen. Das genial gesetzte wenige, das für derlei Musik an den Drums nötig ist, besorgt mit Brian Blade ein Jazz-Genie, das auch Wayne Shorter, Courtney Pine oder Chick Corea bedient. Wer das hier an die offenen Ohren lieber Menschen verschenkt, die keine Zeit haben, Musikmagazine zu lesen, wird fortan als ihr akustischer Erlöser von der Belanglosigkeit gelten.
(intro)


So überrascht keineswegs, dass „Roll On Slow“ keine Lichtjahre von den Kings Of Leon entfernt ist. Trotz seiner Vorliebe für Bob Dylan wird auf „Between Two -Shores“ vor allem der Einfluss von Van Morrison deutlich. Besonders bei „Why Woman“ sieht man den nordirischen Grantler vor sich. Das an David Gray erinnernde „Setting Forth“ und „Your Heart’s Not In It“ mit dem Pathos einer Joe-Cocker-Ballade, aber einem einschmeichelnden Falsett markieren weitere Höhepunkte. Alles -herrlich altmodisch – in einer bleep-freien Zone.
(Rolling Stone)


Glen Hansard in Deutschland:

20.02.18 Berlin, Admiralspalast
21.02.18 Berlin, Admiralspalast




Kommentare:

Volker hat gesagt…

Ich sag's ja immer wieder, die schönsten Alben sind doch immer noch die, die einen überraschend treffen. Nach den kargen, für mich langweiligen Vorgängern habe ich mit nichts gerechnet und bin jetzt umso begeisterter. Die größere Opulenz tut ihm gut, die tolle warme Produktion leistet ein Übriges. Und jetzt wollt ich mal schön mit dem Van Morrison Vergleich um die Ecke kommen, da sehe ich, dass der Rolling Stone das schon erwähnt hat. Wieder zu spät.

8

Ingo hat gesagt…

6,5 Punkte

Olly Golightly hat gesagt…

6,5 Punkte auch von mir.

Dirk hat gesagt…

Gefällt mir für 7 Punkte.