• Sin Fang, Sóley & Örvar Smárason - Team Dreams



















    Wenn es dem Konzertgott beliebt, legt er auf meinen Geburtstag ein Konzert einer meiner Lieblingsband in meiner Nähe. So war ich 2009 zum Beispiel bei Franz Ferdinand im Kölner Palladium, 2011 bei Beady Eye im E-Werk oder 2015 bei Noel Gallagher im Mailänder Fabrique. Zugegeben, „Nähe“ ist ein dehnbarer Begriff. 

    Dieses Jahr sah es lange so aus, als wäre der Konzertgott nicht gut auf mich zu sprechen (The Charlatans und Slowdive am selben Tag in Köln?!), aber zumindest für meinen Ehrentag lud er Sin Fang, Sóley und Örvar Smárason in die Stadt am Rhein ein. Gerade hinsichtlich der drei Isländer hatte er auch schließlich wieder etwas gut zu machen, denn Ende 2017 weilten wir für eine Woche in Reykjavik und besuchten Konzerte von Sigur Rós sowie deren Festival in der Harpa. Natürlich ließen sich Überschneidungen nicht vermeiden und da wir Konzertkarten für den ersten sowie vierten Auftritt von Sigur Rós hatten, verpassten wir dazu parrallel stattfindende Konzerte des Norður og Niður Festivals (hier finden sich Berichte zu Tag 1, 2, 3 und 4). Am finalen Abend konnte ich mich in der 20-minütigen Sigur Rós-Pause kurz zwei Stockwerke tiefer begeben, um zumindest einigen Liedern von Sin Fang, Sóley und Örvar Smárason zu lauschen. 

    Um neue Songs möglichst schnell veröffentlichen zu können, beschlossen Sindri Már Sigfússon und Sóley Stefánsdóttir, die nicht nur häufig gemeinsam auf Tournee sind, sondern auch in der Band Seabear gemeinsam musizier(t)en, zusammen mit Örvar Þóreyjarson Smárason den man als Gründungsmitglied von múm oder von FM Belfast kennt, 2017 jeden Monat ein Lied innerhalb von drei Tagen aufzunehmen und als Single zu veröffentlichen. Dieses Dutzend ist mittlerweile auch via Morr Music als Album erschienen.

    „Team Dreams“ versammelt Piano-basierte Songscapes zu Sóleys ätherischem Gesang („Wasted“, „Space“), eingängige Popsong im Stil von Sin Fangs letztem Soloalbum „Spaceland“, die gern als Future-Pop mit Nähe zu R&B bezeichnet werden („Tennis“, „Slowly“), und elektronische Soundfrickeleien, für die sich vermutlich Örvar Smárason hauptverantwortlich zeichnet („Random Haiku Generator“, „Love Will Leave You Cold“). 




    Die Single-Form stand den Songs vermutlich besser zu Gesicht, zu sehr sind die Stimmungen und Stile heterogen, andererseits: Darin liegt auch ihre Stärke.
    Die stimmliche Präsenz von Sóley, die diesen Part hier hauptsächlich übernimmt, ist mal in futuristische R’n’B-Produktionen gehüllt, mal in klassische Island-Folktronica vom Lagerfeuer, mal auch, wie beim Schlusstrack »Dream Team Party Kids«, in exakt den Dream-Pop, den Beach House einst perfektionierten. Nicht alles geht hier wirklich auf, das dürfte dem Konzept geschuldet sein, das der Tagesform viel abverlangte. Aber über allem liegt doch die Freude, mit der hier immer wieder aufs Neue versucht wird, eine Sprache zu finden, die drei befreundete, aber doch sehr unterschiedliche Musiker als ihre von Session zu Session eigene annehmen konnten.
    (intro)




    Sóley, Sin Fang und Örvar Smárason haben auf „Team Dreams“ ein unglaublich breites Sammelsurium unterschiedlicher Stile und Sound-Spielereien versammelt und zeigen ihre Qualitäten in Sachen Songwriting.
    Das verwundert nicht, wenn drei gute KünstlerInnen über ein Jahr verteilt immer mal wieder zusammen sitzen und ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Ebenso wenig verwunderlich, dass angesichts des strikten Rahmens, den sich die drei gesetzt haben, die ein oder andere Nummer auf „Team Dreams“ nicht ganz zu überzeugen weiß. Gerade gegen Ende des Albums, wo die drei den Pop fest in den Fokus nehmen, scheint sich eine gewisse Beliebigkeit breit zu machen, die im atmosphärisch wesentlich dichteren ersten Teil des Albums nahezu ausbleibt. Zum Glück runden die drei IsländerInnen mit „Dream Team Party Kids“, der letzten Single, die im Dezember erschien, das Album dann doch noch wunderbar ab. Ein Song, der durchaus als Hommage an die US-Band Beach House verstanden werden kann, deren Album „Teen Dream“ augenscheinlich als Namenspate herangezogen wurde und das in diesem letzten Song auch klanglich Einzug auf „Team Dreams“ hält.
    (Byte.fm)




    Sin Fang, Sóley und Örvar Smárason in Deutschland:
    12.03.18 Hamburg, Kampnagel
    13.03.18 Berlin, silent green Kulturquartier
    14.03.18 Köln, Gebäude 9
    15.03.18 Stuttgart, Universum
    17.03.18 München, Strom

  • 4 Kommentare:

    Volker hat gesagt…

    1 - 2 tolle Lieder, der Rest plätschert etwas zu sehr.

    6

    Olly Golightly hat gesagt…

    6,5 Punkte

    Dirk hat gesagt…

    Ach wären doch nur alle Songs so stark wie der Opener! 7 Punkte

    Jörg hat gesagt…

    Leider recht schwach 5,5 Punkte

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    7. 1999 (1982)
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    5. Dirty Mind (1980)
    4. Sign O' The Times (1987)
    3. Parade (1986)
    2. Purple Rain (1984)
    1. Around The World In A Day (1985)

    (ausgewählt von Volker)