Eagle Seagull - The Year Of The How-To-Book



















Bei der dritten und letzten Entdeckung auf Florians Jahres-CD handelt es sich um alte Bekannte, denn Eagle Seagull wurden hier mit ihrem Debütalbum "Eagle*Seagull" (2006) vorgestellt, konnten aber nicht wirklich überzeugen (5,375 Punkte im Durchschnitt). Streitigkeiten mit der Plattenfirma sorgten dafür, dass der Nachfolger, aufgenommen 2007/08, erst einmal auf Eil gelegt wurde und dann erst im Verlauf des letzten Jahres veröffentlicht wurde.
Waren es nun die Differenzen mit der Plattenfirma, die schlechten Bewertungen des Debüts bei Platten vor Gericht oder die Nicht-Berücksichtigung von "The Year Of The How-To-Book"? Man weiß es nicht, aber Fakt ist, dass sich die Band mittlerweile getrennt hat, und dass Sänger Eli Mardock als Beauty In The Beast derzeit an einem neuen Album werkelt, welches noch 2011 erscheinen soll.

Florian hat sich für den tanzbaren Titel "You Can't Call Yourself A Secret" entschieden, der von billigen Synthies (die es wohl im Tausch gegen den * im Bandnamen gab) geprägt wird und bei Weitem nicht der stärkste Song auf der Platte ist. Bei den meisten anderen Titeln können nämlich wieder Arcade Fire ("I Don't Know If People Have Hated Me, But I Have Hated People"), David Bowie ("The Year Of The How-To-Book") oder Pulp ("I'm Sorry But I'm Beginning To Hate Your Face") als Referenzen genannt werden.
Nicht nur die Song-Titel, die teilweise an Morrissey denken lassen ("You're The Reason Why I'm Afraid To Die" oder "The Boy With A Serpent In His Heart"), sind gut auf dieser Platte!




"Twenty Thousand Light Years" (Video)

"I'm sorry, but I'm beginning to hate your face" und "The boy with a serpent in his heart" gefallen in ihrer schieren Dynamik, dem schlanken Gitarrenspiel, dem Poltern der Drums und der immer etwas zu hoch klingenden Stimme des Frontmannes Eli Mardock. Zu Beginn des schmeichelnden "Coming of the plague" tänzelt ein filigranes Piano durch das Szenario, verheddert sich dann aber im Kabelgestrüpp der E-Gitarren, stürzt über die gelenkigen Drums und wird schlussendlich vom Sound der Saiteninstrumente übermannt. Im wunderbar eklektischen "Twenty thousand light years" hingegen verkündet Mardock mit Stolz geschwellter Brust "We have the means to cure diseases / We have the means to end all wars", nur um daraufhin diabolisch lachend die Weltuntergangsparty zu beschließen: "But we didn't come to save the planet, no! / We just came to dance." Eagle Seagull beweisen mit diesem Song, zugleich die erste Single, dass ihnen auch das Emblem "Tanzband" gut zu Gesicht stünde, wären sie nicht so grandios von ihrer eigenen Unberechenbarkeit besessen.
"The year of the how-to book" erweist sich als adäquater Thronfolger des Debüts. Eagle Seagull pfeifen auf die obsoleten Vergleiche mit anderen Bands, setzen auf ihre Stärken und können sich damit von jedwedem Vorwurf der Innovationslosigkeit freischwimmen. Eagle Seagull im Jahr 2010: weitgereiste Kaufleute, die aus den Städten vertrieben werden, nur um mit brennenden Fackeln und Konfettikanonen zurückzukehren. Als Ausdruck ihrer eigenen Interpretation von Misanthropie: bunt, einladend und augenzwinkernd.
(plattentests.de)





"I'm Sorry But I'm Beginning To Hate Your Face" (Live-Video)

Kommentare:

Nairolf hat gesagt…

whut?
billig synthies? das ist ein original streichorchester!!!
hör dir das nochmal an, dirk.
also wirklich... ;-)

Dirk hat gesagt…

Gelungen.

Trotz Billig-Synthies.
;-)

6,5 Punkte

Gilbert Dietrich hat gesagt…

Absolut geniales Album. Auch wenn es an das Debut nur schwer herankommt. Aben man muss es sicher auch ein paar mal hören. Danke, für die Hinweise hier auf dem Blog. Echt gelungen!

Ingo hat gesagt…

Erinnert mich wenig an das Debüt. Das könnte daran liegen, dass ich dieses mal wieder hören muss. 7 Punkte