The Long Blondes - Couples




„Das schwierige zweite Album“ (V)

Was war:
Das Debütalbum „Someone To Drive You Home“ überzeugte mit seiner Mischung aus New Wave und Indiepop, erinnerte sowohl an The Ramones und Blondie als auch an Pulp (deren Bassist Steve Mackey auch an den Reglern saß) und erzielte bei Platten vor Gericht einen Notendurchschnitt von 7,5 Punkten.

Die Aufnahmen zu ihrem zweiten Album entstanden unter dem Eindruck der sogenannten „Couples Wall“ – einer Studiowand, auf der die Band Bilder von diversen Duos montierte: The Two Ronnies, Gilbert and George oder Ron and Russel Mael von den Sparks. Und tatsächlich befassen sich auch die meisten Songs mit den Beziehungen von verschiedenen „Couples“ – oder Ex – Pärchen, wobei die Band in Track 3 denn auch deutlich autobiographisch wird. Musikalisch zeigt „Couples“ eine Band, die sich mutig auf neuem Boden bewegt, ja geradezu darauf tanzt. Das kristallische „Century“, das textliche Kollagen mittels musikalischer ‚cut-and-paste’-Technik verbindet, erinnert an eine stürmische Liaison zwischen Bryan Ferry und Saint Etienne. Das kühle und minimale „Too Clever By Half“ steht im Kontrast zu dem finsteren Murmeln von „Round The Hairpin“, während „The Couples“ und „Guilt“ zum Tanzen verleiten.
(amazon.de)


Was ist:
The Long Blondes sind zwischenzeitlich nicht auf den Hund, sondern aufs Zebra gekommen und haben die Synthies für sich entdeckt. Passend wurde auch der DJ und Remixer Erol Alkan als Produzent verpflichtet. Kein Wunder also, dass auf „Couples“ deutliche 80ies Anleihen zu hören sind und neben Blondie oder Sleeper auch Kim Wilde oder Bananarama als Referenz zu nennen sind. Okay, ich übertreibe, Kate Jackson hat Style und The Long Blondes sind richtig Gute, also streicht den Stock, Aitlken, Waterman Act und ersetzt ihn durch New Order oder Stereolab.

Trotzdem machen die Long Blondes alles richtig und entwickeln sich mit "Couples" weiter, ohne die Vergangenheit zu verleugnen. Da sind die Songs "I liked the Boys" und "Erin O' Connor", deren Killermelodien sich auch auf dem Debüt gut gemacht hätten. Doch neben den Derivaten aus Abba und Ramones sind da eben auch Songs wie "Nostalgia", Höhepunkt des Albums. Frei nach Brian Eno experimentieren die Long Blondes mit Synthiesounds und reduzierten Arrangements, ohne die Eingängigkeit aus dem Blick zu verlieren. Selbst wenn Kate Jackson bei "Round the Hairpin" zu kargen Soundschleifen nur murmelt, verwandelt sich das Stück hinterrücks in einen Ohrwurm. Liebevolle Details wie Filmdialogschnipsel als Pausenfüller machen einen der besten Zweitlinge der letzten Jahre komplett. Bleibt nur noch die Frage, ob der trutschigen Jackson auch beim Outfit ein Update gelingt.
(kulturnews.de)


The Long Blondes in Deutschland:
02. Mai Osnabrück (Glanz & Gloria)
04. Mai Hamburg (Knust)
05. Mai Berlin (Lido)
06. Mai Köln (Prime Club)
07. Mai München (Atomic Café)

Konzertbericht: hier.




„Century“ Video

Kommentare:

Dirk hat gesagt…

„Das schwierige zweite Album“ (V):

Wie kommt man auf die Idee nach nur zwei Alben eine Singles-Zusammenstellung zu veröffentlichen? Heißt das, den Long Blondes wird zukünftig noch weniger einfallen als auf diesem Album? Oh je!

5,5 Punkte

Christoph hat gesagt…

Ich mochte die erste Platte wirklich. Couples ist allerdings scheußlich.

Auf dem Weg zum Melt haben wir noch einmal versucht, ihr eine Chance zu geben. Ich denke, daß das das letzte Mal war, daß ich die Platte gehört habe.

Der Charme der Long Blondes ist ähnlich schnell verpufft, wie der von Kate Nash.

Dirk hat gesagt…

Die Band hat sich wohl aufgelöst. Ob "Couples" der Grund war? Auf jeden Fall gibt es nach "Couples" keinen Grund den Long Blondes übermäßig viele Tränen nachzuweinen.

Christoph hat gesagt…

Das schreckliche zweite Album, Dirk!

3, weil ich die Band mal mochte.