Apparat - A Hum Of Maybe


Lange nichts von Sascha Ring gehört. Sein letztes Album unter dem Namen Apparat, „LP5“, liegt sechs Jahre zurück, zusammen mit Gernot Bronsert und Sebastian Szary verschmilzt er Modeselektor und Apparat zu Moderat und veröffentlichte vor vier Jahren „More D4ta“. 

Diese Woche beendet der in Berlin lebende Musiker, Produzent und Komponist die ihn umhüllende Stille, die auch einer langwierigen Schreibblockade geschuldet war. Diese konnte er durchbrechen, indem er sich - frei von Druck, Urteilen und dem Streben nach Perfektion - der Herausforderung stellte, jeden Tag eine Idee für einen Song zu entwickeln. Und so führte eine neue tägliche Routine zu einer therapeutischen Wirkung, so dass sich aus unzähligen Fragmenten, die zwischen März und September 2025 entstanden, erste Songs heraus kristallisierten, die nun sein sechstes Studioalbum bilden. Die 11 Titel sind experimentelle Stücke auf Radioheads Spuren („Glimmerine“), tanzbare, technoide Dance-Tracks im Stile von Moderat („A Slow Collision“) oder traumhafte Ambientsounds, die sich nahtlos in die Soundtrack-Welten von Apparat einfügen („Lunes“, „Williamburg“). Thom Yorke wird dieses Album lieben!

Die Zusammenarbeit mit anderen Musiker*innen sorgt dafür, dass „A Hum Of Maybe“ nicht kalt und künstlich sondern warm und organisch klingt. Zu nennen wären Philipp Johann Thimm (Cello, Klavier, Gitarre), der auch als Co-Autor und Co-Produzent des Albums fungierte, Christoph „Mäckie“ Hamann (Violine, Keyboard, Bass), Jörg Wähner (Schlagzeug), Christian Kohlhaas (Posaune) sowie die armenisch-amerikanische Produzentin und Sängerin KÁRYYN, die auf dem Song „Tilth“ zu hören ist. Gerade von diesen gesanglichen Kooperationen hätten es, wie auf „The Devil's Walk“ (2011) gern mehr sein dürfen.  

A Hum Of Maybe“ ist als CD und Doppel-LP (schwarzes Vinyl, türkisfarbenes Vinyl) erhältlich.




Das Ergebnis kann sich zunächst hören lassen. Der Auftakt mit "Glimmerine" und "A slow collision" liefert all das, was die Qualitäten des Musikers ausmacht: viele kleine Einfälle, ausgedehnte Klangteppiche, ein selbstbewusstes Kopfnicken Richtung Thom Yorke. Alles ist hier im zuweilen träumerischen Fluss, und langweilig wird es zunächst einmal gar nicht. Nach dem kurzen Zwischenpart "Gravity test" folgt ein spannendes Gastspiel, denn "Tilth" erweist sich als durchaus experimentierfreudiger Song, den die Sängerin Káryyn gekonnt veredelt.
Und auch "An echo skips a name" hält das sehr gute Niveau des bis hierhin Gebotenen, Apparat schraubt sich durch repetitive Elemente tief in die Gehörgänge. Ab diesem Moment allerdings gelangt der Vortrag an einen Scheidepunkt, der die Bewertung des Ganzen wohl nicht zuletzt von der Stimmung abhängig macht, in der die Songs konsumiert werden. "Enough for me" beispielsweise oder auch das folgende "Lunes" sind in manchen Momenten zwar noch immer solide gestrickt, könnten aber bei betont kritischer Betrachtung auch dezent inspirationslos wirken. Introvertiert, zuweilen auf ein kaum mehr wahrnehmbares Minimum reduziert: So geht die Reise in Apparats Inneres schließlich auf diesem Album weiter und im finalen "Recalibration" zu Ende. 




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