Ásgeir - Julia


Weder Björk noch Sigur Rós können sich mit den Federn des am besten verkauften  Debütalbums in Island schmücken, denn kein isländischer Musiker verkaufte mit seinem Erstlingswerk so viele Alben wie Ásgeir Trausti Einarsson mit „Dýrð í dauðaþögn“ (2012).   Es heißt, dass jeder zehnte Einwohner der Insel dieses Album besitzt, dessen isländische Texte auf den Gedichten von Ásgeirs Vater Einar Georg Einarsson beruhen und später für eine internationale Version („In The Silence“) von John Grant ins Englische übersetzt wurden. 

Mittlerweile ist Ásgeir bei seinem fünften Studioalbum, „Julia“, angekommen, das gleich zwei Veränderungen zu seinen früheren Werken auszeichnet: Zum ersten Mal in seiner Karriere hat er die Texte - mit Ausnahme des Titelsongs - komplett allein verfasst. Diesen Schritt ins Persönliche vollzieht Ásgeir auch musikalisch und zeigt sich in schlichten, atmosphärischen Arrangements möglichst nahbar und intim. Sein warmer Gesang, der wie gewohnt häufig ins Falsett übergeht, und die akustische Gitarre stehen im Mittelpunkt des Albums und zeigen, warum Nick Drake oder Bon Iver immer wieder als Referenzen genannt werden. „Julia“ entstand erneut in Zusammenarbeit dem isländischen Produzenten und Gitarristen Guðmundur Kristinn Jónsson sowie dem aus Nashville stammenden Cellisten Nathaniel Smith und kombiniert organischen Folk und sanften Americana mit zurückhaltenden, melodiösen Folkpop. 

Das Album ist bereits über One Little Independent Records als CD und LP (black Vinyl, green Vinyl) erschienen. Bis zu den nächsten Konzerten von Ásgeir in Deutschland vergeht aber noch ein wenig Zeit:
11.09.26 Hamburg, Mojo Club
12.09.26 Berlin, Hole 44
14.09.26 München, Technikum
15.09.26 Köln, Kulturkirche


Es ist eine in sich ruhende, poetische, harmoniebedürftige und nach innerer Ausgeglichenheit strebende Stilistik, mit der der Isländer hier in zehn wunderbaren Songs die Welt beglückt. Wobei gerade die Single "Ferris wheel" als wohl stärkstes Stück der Platte eher nach ganz viel sehnsuchtsgetränktem Fernweh klingt – genau wie im zugehörigen Video möchte man sich sofort hinter das Steuer des nächstbesten Wagens schwingen und in den Sonnenuntergang fahren. (…)
Erholt und voller Energie lässt sich dann auch besser "Against the current", also gegen den Strom schwimmen, wobei Ásgeir in diesem im Vergleich zum Großteil des Albums geradezu dynamisch wirkenden Highlight eher darüber sinniert, den eigenen Weg zu finden, ohne dabei gegen ständige Widerstände ankämpfen zu müssen. Denn letztlich möchten wir doch alle nur ein "Quiet life", wie es im tollen, Stimmung und Ton setzenden Opener thematisiert wird. (…)
Bei so viel wohltuendem Seelenfrieden sollte es jedenfalls leicht fallen, darüber hinwegzusehen, dass der Platte etwas mehr Pep gut getan hätte.


 


 





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