The Green Apple Sea - Northern Sky, Southern Sky
















Eigentlich müssten sie aus irgendeiner kanadischen Einöde stammen oder ihr Album in einer abgelegenen Waldhütte in Nebraska oder Wisconsin aufgenommen haben. Doch sie kommen aus der bayerischen (oder besser: fränkischen) Einöde, aus Nürnberg, um genau zu sein.
Eigentlich müssten sie Karierte Hemden, lange Haare und noch längere Bärte tragen. Doch das tun sie nicht, erst recht nicht die Damen, die den Gesang im Hintergrund stimmungsvoll ergänzen.
Eigentlich müssten The Green Apple Sea in allen relevanten Zeitschriften und Blogs Erwähnung finden und bei "Wetten dass...?" auftreten. Doch "Northern Sky, Southern Sky", das am 15. Oktober erschien, ist nicht einmal in allen Plattenläden vorhanden und wird leider niemals in den Charts vertreten sein.

The Green Apple Sea verdichten Indiepop, Folk, Country und Americana, so dass man gar nicht zu sagen vermag, wo das eine aufhört und das andere anfängt. Dazu herrlicher Chorgesang und wunderbare Melodien, eingebettet in melancholische Songs mit vielschichtigen Arrangements, für Freunde von Teenage Fanclub, Wilco, Iron & Wine, Grizzly Bear und Nick Drake.





"Satellite Wings" Video


Eigentlich müssten sie in allen relevanten Blogs vorgestellt werden - das werden sie ja:
mit "northern sky - southern sky" liegt ein aktuelles erzeugnis der bemühungen von prange und co. vor, dass sich auf subversive, geradezu verschlagene weise deiner annimmt. es macht süchtig. mit jeder neuen umrundung wird die spanne zum wiederholten hören hin kürzer. die ingredienzien dieses an suchtmitteln reichen werkes sind fürderhin die polyrhythmik, entsprungen zweier schlagwerke, die sich gegenseitig mutig befeuern, die mehrstimmigen gesänge, bei denen neben des mittlerweile in nürnberg lebenden sängers warmen organ vor allem die mädels glänzen und die kristallenen, prismen gleichen, vielfach strahlenden arrangements. addiert man das ganze mit dem fast durchgängig beschwingten element, das wie oben beschrieben in einer habacht stellung ausbrecher bewacht und dem variablen umgang mit stilen - die frühen folk- und countryambitionen, das kulminierte americanagefröne weicht längst zu pop auf, als lichte sich unentschiedenheit - dann erhält man so unterschiedliches songwerk wie ein "golden morning", das liebe beteuert, auch wenn sie schmerzen bereitet und des abschieds schwere verstärkt (wundervoller wechselgesang, ausdrucksstarkes schlingern der gefühle), ein kritisches "whale watching", das sich hymnisch im refrain fängt, die angeschlagene akustische zum mann/frau gesang, den anmutigen opener "northern sky" mit brillierender gitarre, das stabil pochende und seelenvolle "nightmares" mit banjo und einer melodie, die dem schokobonbon den schmelz stiehlt oder das im shuffle gefangene und weite evozierende "satellite wings" mit pedal steel und flügeln.
(das klienicum)

Kommentare:

E. hat gesagt…

die gemeinsame schnittmenge der besprochenen alben ist überaus gering. doch mit dem the green apple sea album wird auch hier eines der alben des jahres beworben. sehr schön!
glatte 8 punkte!

Christoph W. hat gesagt…

Schlicht und ergreifend ein sehr schönes Album.

8,5 Punkte

Oliver Peel hat gesagt…

"Die gemeinsame Schnittmenge ist äußerst gering." Das hätte jetzt auch von der Frau Künast im Hinblick auf Herrn Westerwelle kommen können. Dabei sind sich sowohl die Grünen und die FDP als auch das Klienicum und Plattenvorgericht ähnlicher als man zugibt.

E. hat gesagt…

ich meinte dies keineswegs despektierlich, im gegenteil hochachtend. ich habe hier zuletzt versucht, all jene alben zu benoten, die ich aus 2010 kenne. das waren erschreckend wenige (ich schätze mal 15 von 150), obwohl ich selbst ca. 150-200 gehört habe.

Ingo hat gesagt…

Schön. Vor allem "Satellite wings" und "Whale watching". 7 Punkte

Dirk hat gesagt…

Ein tolles Album aus Deutschland, das viel mehr Aufmerksamkeit verdient.

8 Punkte