Surrounded - Oppenheimer And Woodstock

















Vernimmt man die ersten Klänge von "Terra Firma Legion Farewells", dem Opener von "Oppenheimer And Woodstock", und gesellt sich dann auch noch der Gesang von Marten Rydell hinzu, so glaubt man zunächst einem neuen Album von Grandaddy zu lauschen. Denn all zu ähnlich sind sich die Stimmen des Surrounded Sängers und von Jason Lytle. Auch musikalisch liegen beide Bands im ersten Song nicht so weit auseinander: atmosphärischer Indierock, versetzt mit gesampelten Wortfetzen und elektronischen Spielereien.
Im weiteren Verlauf der bereits dritten Platte der fünf Jungs aus Vaxjo, Schweden - neben Rydell noch Marcus Knutsson, Tom Malmros, Johannes Linder und Erik Gustafson - dürften einem noch The Flaming Lips, Mercury Rev, Doves oder Pink Floyd in den Sinn kommen. Letztere jedoch nicht, wie bei den zuvor vorgestellten Tame Impala zu Psychedelic-Syd Barrett-Zeiten, sondern vielmehr als Waters & Gilmour die Band in Richtung Stadionrock trieben. Einige Songs von "Oppenheimer And Woodstock" könnten auch durchaus auf "The Wall" zu finden sein.
Surrounded berauschen sich oftmals an ihren eigenen melancholischen Soundlandschaften, scheinen das Hier und Jetzt in repetitiven Instrumentalpassagen zu vergessen und ziehen den Hörer dadurch in ihren Bann. Endet dann plötzlich ein Song, fragt man sich verwundert, wie bereits 5 Minuten vorbei sein können und warum es nicht noch weitere 5 Minuten so hätte weiter gehen können.

Dramatische Szenen spielen sich in diesen elf Songs ab: Gitarren erklimmen die höchsten Höhen, durchstreifen die tiefsten Tiefen. Das Schlagzeug schlendert, ein paar elektronische Spielereien durchziehen weite Landschaften. Der große Trumpf ist die Stimme und Melodieführung von Mårten Rydell, der sich nicht nur so anhört wie Jason Lytle, sondern auch mit ebensolcher Traurigkeit tapfer diese bedrückten und elegischen Songs durchsteht. Man schaut dem Regen beim Regnen zu. Man fühlt sich prächtig unterhalten. Und verstanden.

Wenn im großen Moment der Platte, bei Minute eins von "Archaeopteryx", dieser Engelschor, dieser unschuldige Frauengesang die gespenstische Stimmung des Songs in die Ewigkeit schickt, dann erspielen sich Surrounded Dantes "Paradiso". Licht, immer mehr Licht. Surrounded besingen die Bürde des Lebens mit solcher Klarheit, dass "Oppenheimer & Woodstock" plötzlich ganz leicht wird, sich von all seiner Schwere löst und schwerelos durch Zeit und Raum schwebt. Tusch! Die Winterdepression ist diesmal nicht alleine. Sie hat sich Musik mitgebracht.
(plattentests.de)





"Played Out (Diamonds To The World)" Video

Kommentare:

noplace hat gesagt…

wow. gefällt mir überraschend gut, obwohl ich davon von der genre-beschreibung nicht ausgegangen bin.

7,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Da komme ich auf die gleiche Wertung:

7,5 Punkte