Azure Ray - Drawing Down The Moon

















Kurz vor Jahresende bleibt immer noch ein wenig Zeit, die Alben der letzten Monate nach zu tragen, die aus den unterschiedlichsten Gründen liegen geblieben sind oder übersehen wurden, dazu zählt auch "Drawing Down The Moon".

Maria Taylor und Orenda Fink waren vor einigen Jahren im Saddle Creek Universum sehr umtriebig (Now It's Overhead, Bright Eyes) und veröffentlichten 3 Alben als Azure Ray. 2004 verkündeten sie die Trennung der Band und stürzten sich in Soloprojekte (zusammen 6 Alben) oder Kollaborationen mit anderen Musikern (Art In Manila, O+S).
Aus einem gemeinsamen Auftritt 2008, wurden mehrere im Jahr 2009 und es ergab sich schließlich 2010 ihr viertes Album "Drawing To The Moon". Für 2011 sind sogar einige Konzerte in Deutschland angedacht.
Maria Taylor und Orenda Fink zeigen sich nach langer Pause ebenso verträumt, melancholisch und entrückt, wie auf ihren vorherigen Platten. Sie spielen intimen Folkpop, umgarnen ihn mit ihrem hauchig-harmonischem Gesang und betten ihn in schlichte Arrangements. Neu ist, dass sie zur Untermalung dezente Electronic einsetzen oder künstliche Drumbeats zu Grunde legen. Gerade in diesen Momenten, wenn der oft all zu liebliche Dreampop gebrochen wird, hat "Drawing To The Moon" seine stärksten Momente.





"Don't Leave My Mind" Video


Damit Eike nicht wieder einen Grund zur Beschwerde hat:
es scheint unvorstellbar, die musik von orenda und maria innerhalb der schalen grenzen des formatradions auftauchen zu hören. auch "drawing down the moon" wird dieses schicksal vorbehalten bleiben. gut so. denn dieses album könnte vorschnell abgeurteilt sein, als esoterisch verschusselt, larmoyant und innovationsfeige. dabei ist es feingliedrig, feinsinnig, anmutig. die emotionale tiefe und vor allem reife spricht aus jedem dieser zwölf tracks. ganz zu schweigen von der sorgsamen, bedachten und die protagonisten geradezu verehrenden produktion. mich entzückt die liebliche gitarre in "make your heart", die geschlagene rassel, das streichermeer, der verwobene background aus agiler perkussion und zwiegesang, das flehentlich versöhnende von "silver sorrow" (die melodie ist himmlisch) oder die an die ohrmuschel herangeführten stimmen in "signs in the leaves". und so geht es hinfort, dieses album. mit seinen vielfachen lauschigen plätzen, wie bäume mit großen kronen im sommer, unter denen sich kühler schatten finden läßt. und so dauert dieses album denn auch an. weil es sich breitet, ganz ohne hast note für note abspult. ich genieße den hingehauchten vortrag von "love and permanence", da der beat elektronisch das synthiewabern begleitet. ich tauche unter im forcierten ritt von "shouldn't have loved" aus stringbewehrter eleganz und schlagwerkelnder kühle. ich lasse mich an die hand nehmen von den schwestern im geiste, wenn sie "wake up, sleepyhead" sirenengleich zelebrieren. es bleibt zu konstatieren, dass das projekt azure ray in bewegung ist. kein schritt zu seite, einer nach vorn. modern und originär.
(das klienicum)

Leider verrät uns das Konzerttagebuch nicht, wie Azure Ray live sind, daher muss man sich selbst ein Bild machen:

14.02.11 Berlin, Comet
15.02.11 Leipzig, Schaubühne Lindenfels
16.02.11 Köln, Gebäude 9
17.02.11 Münster, Gleis 11
18.02.11 Erlangen, E-Werk
19.02.11 Frankfurt, Mousonturm
20.02.11 München, Ampere

Kommentare:

noplace hat gesagt…

wie konnte das denn an mir vorbeigehen? ich bin gerade ein bisschen verwirrt.

E. hat gesagt…

7

Dirk hat gesagt…

Und beim nächsten Album dann bitte noch einen Schritt weiter in diese Richtung gehen...

7 Punkte