Philipp Poisel - Wo fängt dein Himmel an?


Ein junger deutscher Songwriter wird mit seiner ersten Single im Radio rauf und runter gespielt und ist sowas wie der SWR3-Newcomer. Das kann ja nur sowas sein wie irgend so ein Stefan Raab Song Contest-Gewinner und /oder Xavier Naidoo Sound-a-like. Weit gefehlt.
Bei Philipp Poisel und seinem Debut-Album findet man so viel mehr. Ein erstes Anzeichen für dieses "mehr" findet man schon beim Label. Untergekommen ist er bei Herbert Grönemeyers Grönland-Label, wenn das auch per se kein Qualitätszeichen sein muss, legt es zumindest schon mal die Hoffnung nahe, dass es sich hierbei um keine dieser 08/15 Reißbrett Veröffentlichungen handelt. Und weil er bei dieser Plattenfirma gelandet ist und auch schon im Vorprogramm von Grönemeyer gespielt hat, schreiben natürlich alle sofort: Na der klingt ja auch wie der! Allerdings greift auch das zu kurz. Mal abgesehen davon, dass ich in vielen Momenten stimmlich viel eher (den sehr guten) Stephan Eicher raushöre, sind auch die sehr persönlichen Songs eher abseits des Mainstreams und erst recht abseits des Deutsch-Rocks verortet. Da ist vieles sehr dezent und karg gehalten ohne dabei an Eingängigkeit einzubüßen, während die Texte in der Mehrzahl überaus melancholisch aus dem Leben des jungen Mannes handeln und solche Zeilen wie "Wo fängt dein Himmel an und wo hört er auf, und wenn er weit genug reicht, macht dann das Meer zwischen uns nichts mehr aus" gehen für mich eine perfekte Symbiose zwischen Poesie und Realität ein.
Das bei einem solchen ersten Album nicht alles 100% zwingend ist ("Ich und Du" ist mir dann doch etwas zu Raab-Radio-Kompatibel und "Durch die Nacht" etwas zu lang und wenig zielführend), kann man da leicht verzeihen. Wenn Philipp Poisel sich nicht verheizen lässt, ist von ihm noch einiges zu erwarten. Man darf gespannt sein.




"Wo fängt dein Himmel an?" Video

Kommentare:

Volker hat gesagt…

8,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Ich weiß gar nicht, warum Volker immer so Angst hat, hier seine deutschsprachigen Lieblinge vorzustellen. An mir kann es nicht liegen!
Denn das hier ist teilweise richtig gut (wenn P.P. wie der deutsche Tom McRae klingt) - nur manchmal ist mir dann tatsächlich doch eine Spur zu viel Grönemeyer drin.
Ich mag: „Wo fängt dein Himmel an“, „Halt mich“ und „Als gäb’s kein morgen mehr“.
Ich hasse: „Ich und du“ - hier hört doch wohl jeder im Refrain anschließend automatisch „Müllers Kuh“, oder? Das Mundharmonika-Solo ist auch schrecklich. Und dieser idiotische Fade Out am Ende erst!

7 Punkte

Christoph hat gesagt…

Er war ganz alleine mit Klampfe "Vorgruppe" vor Ane Brun und Nina Kinert in Köln. Das war recht nett. Die Platte kenne ich nicht.

oliver r. hat gesagt…

"Das war recht nett" könnte man jetzt natürlich auch negativ deuten...

Christoph hat gesagt…

Könnte man. Aber so war es nicht. Das war ein "nett" im guten Sinne.

Volker hat gesagt…

"Ich Und Du" ist übrigens der Song, der bei mir am meisten gewachsen ist, ich mag diese Schüttelreime (?) a la "Wir fahren mit dem Fahrrad hinaus auf's Erdbeerfeld
Gleich hinter dem alten Bauernhof beginnt die große weite Welt
Wir liegen auf der Wiese, uns scheint die Sonne auf den Pelz
Schnell hol mir 'n Pistazieneis bevor ich hier noch schmelz

Unter den Holunderblüten schenke ich dir Wundertüten
Wir tanzen auf den Mauern bis ins Abendrot
Klau'n uns 'n paar Kirschen, wer braucht schon Abendbrot?"
Das hat was locker leichtes, sommerliches, wie er das dabringt. Ein schöner Kontrast zu den sonst eher ruhigen Tönen. Das Fade Out ist allerdings wirklich saublöd.

Erhöhe auf 9

axelu hat gesagt…

7

Ingo hat gesagt…

6,5 Punkte