Deadletter - Existence Is Bliss


„Wenn sie das Saxophon streichen, werden die groß“, sagte ich letztes Jahr zu meiner Freundin, als Deadletter am frühen Nachmittag bei brütender Hitze das Palastzelt des Maifeld Derbys abrissen. Energetischer Post-Punk und mit Sänger Zac Lawrence eine Frontmann, der sich den Begriff Rampensau redlich verdiente, sorgten für meine Aussage. Das Londoner Sextett - Zac Lawrence (Gesang), Alfie Husband (Schlagzeug), George Ullyott (Bass), Will King (Gitarre), Sam Jones (Gitarre) und Poppy Richler (Saxophon) - hatte 2022 eine erste Ep und 2024 das Debütalbum („Hysterical Strength“) folgen lassen, dem zwei Jahres-Rhythmus treu bleibend steht nun „Existence Is Bliss“ in den Plattenläden. Und ja, das Saxophon ist doch dabei und macht das, was ein Saxophon wohl leider machen muss.

Deadletter zeigen auf ihrem zweiten Album eine klangliche Weiterentwicklung – weg vom reinen, rohen Post-Punk hin zu einem atmosphärischeren, fast schon cineastischen Sound mit luftigen Synthesizern und elektronischen Akzenten zu soziopolitischen Texten. 
„Existence Is Bliss“ ist als CD und LP (Transparent Pearl White Vinyl, Transparent Edge Glow Blue Vinyl, Transparent Sparkle Vinyl) erhältlich und Menschen zu empfehlen, die gern Fontaines D.C., Shame, Gang Of Four und LCD Soundsystem hören. Und sich nicht am Saxophon stören. 


 


„Existence Is Bliss“ zeigt nun: Hier nascht jemand nicht nur die trockenen Dropse des Post-Punk, sondern plündert nach Lust und Laune den Süßwarenladen der Pop-Historie. „Purity I“ zitiert gleich mal Pink Floyds „On The Run“, bevor es sich mit treibendem Beat und schnittigen Riffs vor Franz Ferdinand verbeugt.
„To The Brim“ hat ein herrlich versponnenes Folk-Intro, Saxofone aus der Hölle und eine in die Dunkelheit hinabkletternde Hookline. Immer wieder trötet es hier, als hätten sich Madness in einen Song von Pere Ubu verirrt. Unheilvoll? Euphorisch? Alles eins! Wie im windschiefen „What The World Missed“, das eine Ballade von Beck sein könnte. Oder in „Focal Point“, in dessen Unterbewusstsein The Cures „A Forest“ schlummert. Anderswo geistern Schatten von The Blue Nile, Wire und Can. Die Rasierklinge, auf der Deadletter reiten, ritzt einen Spalt in dicke Häute. 




0 Comments:

Kommentar veröffentlichen

Designed by OddThemes | Distributed by Gooyaabi