Oh, haben es die Australier etwa ihrer Courtney Barnett krumm genommen, dass sie ihren Wohnsitz von Melbourne nach Los Angeles verlegt hat und ihr eigenes Label Milk! Records nach 12 Jahren dicht gemacht hat?
Wie ließe sich sonst erklären, dass ihr viertes Album - nachdem die Vorgänger trotz Indie-Status Garanten auf Top 5 Platzierungen waren („Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit“ #4, „Tell Me How You Really Feel“ #2 und „Things Take Time, Take Time“ #5) - in ihren heimischen Charts nur Rang 19 erreichte?
An schlechten Plattenkritiken kann es nicht gelegen haben, denn bei Metacritic steht „Creature Of Habit“ bei 80/100 Punkten. Die 10 Songs wurden bereits in Kalifornien aufgenommen, was vielleicht eine Hinwendung zu Americana erklärt, und von Courtney Barnett zusammen mit Stella Mozgawa von Warpaint, John Congleton (Sigur Rós, Franz Ferdinand, mogwai, Death Cab For Cutie) und Marta Salogni (Depeche Mode, Björk) produziert. Neben Barnett und Mozgawa kamen weitere bekannte Musiker*innen ins Studio: Flea von den red Hot Chili Peppers spielt Bass auf „One Thing At A Time“, Katie Crutchfield aka Waxahatchee singt auf „Site Unseen“ mit oder Samuel Shepherd (Floating Points) spielt Synthesizer auf „Same“.
„Creature Of Habit“ ist ein großartiges Album über den Mut, sich selbst infrage zu stellen, Gewohnheiten abzulegen und sich auf Neues einzulassen. Von dem knurrig-verzerrten Bass und der Forderung nach Geradlinigkeit des ungestüm-rohen Openers, „Stay In Your Lane“, sollte man sich nicht täuschen lassen. Denn die meisten Songs auf Barnetts viertem Studioalbum sind nicht so spröde und schroff inszeniert wie auf ihren früheren Veröffentlichungen. Sie flirtet weniger mit dem Garagenrock und mehr mit Americana. Selten wurde Neugier, die zu Paranoia werden kann, sanfter vertont als in „Wonder“, das dem Album seinen poppigsten Moment beschert. Und selten wurden Introspektion und Selbsterkenntnis so zärtlich und doch so schonungslos protokolliert wie in „Mantis“.
„Creature Of Habit“ ist in diversen LP-Varianten erhältlich: Sugar Plum Strawberry Vinyl, Cloudy Clear Vinyl, Transparent Green & Yellow Smash with Cream & Pink Splatter Vinyl, Another Beautiful Day Caramel Vinyl, Gold Vinyl, Black Vinyl, Mantis Green Vinyl.
Courtney Barnett in Deutschland:
05.10.26 Berlin, Huxley’s neue Welt
06.10.26 Köln, Bürgerhaus Stollwerck

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