The New Pornographers - The Former Site Of


Bleiben wir auch heute noch in Kanada und kommen zu einer Band, die mittlerweile zehn Studioalben angehäuft hat. Das sind bei einer nur um drei Jahre längeren Bandhistorie zwei mehr als bei den gestern vorgestellten Wintersleep. Hinzu kommen zahlreiche Soloalben von Neko Case und Carl Newman (als A.C. Newman) sowie dem früheren Mitglied Dan Bejar (als Destroyer). 

Dabei hätte „The Former Site Of“ eigentlich noch schneller auf „Continue As A Guest“ (2023) folgen sollen, jedoch kam wohl einerseits Neko Cases letztes Album „Neon Grey Midnight Green“ und andererseits der Vorfall mit Joe Seiders dazwischen: Im April 2025 wurde Seiders, Schlagzeuger von The New Pornographers seit 2014, wegen - und hier kann man wirklich von „Nomen est omen“ sprechen -  des Besitzes von Kinderpornografie festgenommen. Im Juni 2025 bekannte er sich schuldig und wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Zwischenzeitlich hatten seine restlichen Bandmitglieder die Trennung von ihm verkündet und entschieden sich, seine Aufnahmen für „The Former Site Of“ zu tilgen und neu einspielen zu lassen.

„The Former Site Of“ darf stilistisch als Fortführung des eher ruhigen, melancholischen und introspektiven Vorgängers gesehen werden. Songs wie „Great Princess Story“ oder „Pure Sticker Shock“ bestechen durch den mehrstimmigen Gesang von Carl Newman, Neko Case und Kathryn Calder und werden oftmals durch feine elektronische Schnörkel verziert. Alls Songs stammen ausnahmslos aus der Feder von Newman, der das Album auch produzierte, und Case übernimmt auf keinem der 10 Lieder den Leadgesang. Stürmischen Indierock sucht man hier vergebens, auch wenn die Single „Votive“ dem am nächsten kommt. Das entspannt groovende und mich an Beck erinnernde „Calligrphy“ wäre mein Skip-Track. Das Gegenstück: Der finale, sich über 6:28 Minuten aufbauende und einen fulminanten Schlusspunkt setzende Titelsong.

The Former Site Of“ ist über Merge Records als CD und LP (black Vinyl, opaque red/orange marbled Vinyl clear with black splatter Vinyl) erschienen. 
  

The New Pornographers haben immer einen Plan, klingen dabei aber so lässig, als hätten sie keinen. Auf „The Former Site Of“ erzählt die kanadische Formation um A. C. Newman in sorgfältig gewobenen Liedern zwischen Pop-Appeal und Indie-Flair von Menschen in persönlichen und gesellschaftlichen Ausnahmesituationen.
Auch auf ihrem zehnten Album erscheinen hier und da Americana-Elemente („Ballad Of The Last Payphone“). Dank Synthie-Accessoires klingt es mitunter, als wären sie in einem heimeligen Raumschiff aufgenommen worden – pulsierend, präsent und doch auf eine angenehme Art unspektakulär.


 


 




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