Christopher Annen & Francesco Wilking - Alles was ich je werden wollte


Christopher Annen
ist das A in AMK, der Gitarrist bei AnnenMayKantereit. Deren Debütalbum „Alles nix Konkretes“ (2016) hat es auch zu Platten vor Gericht geschafft, jedoch konnte das verheerende Urteil der Richter nicht verhindern, dass es bis auf Platz 1 in den deutschen Charts ging. Seitdem hat die Kölner Pop-Rockband drei weitere, ähnlich erfolgreiche Alben herausgebracht. 

Francesco Wilking
war zunächst Sänger der Band Tele, veröffentlichte dann ein Soloalbum und gründete anschließend mit Moritz Krämer die Band Die Höchste Eisenbahn. Er ist Mitinitiator der Albumserie „Unter meinem Bett“ sowie der Projekte Crucchi-Gang und Artur & Vanessa.

Los ging es tatsächlich mit Wilkings Anfrage, ob AnnenMayKantereit ein Lied für „Unter meinem Bett“ beisteuern könnten. Konnten sie nicht. Jedoch hatte Annen dann einen Solosong („Ohne dich hätt’ ich mich nicht getraut“) für die fünfte der mittlerweile achtteiligen Kinderlied-Reihe. 
Der Kontakt war geknüpft, die Lust, gemeinsam zu musizieren, vorhanden, und so traf man sich 2023 um einen einen Annen- und einen Wilking-Song zusammen aufzunehmen. Im Studio wurden dann aus zwei Liedern sechs. Im folgenden Jahr traf man sich noch einmal und heraus kamen neuen weitere Annen & Wilking-Songs, die Freunde mit Bläsern, Streichern und Gesang (beispielsweise Stefanie Schrank („Blackbox“) und Rocko Schamoni („Hundertmal Nichts (Gold)“)) aufhübschten. Zu finden sind diese 15 Lieder nun auf „Alles was ich je werden wollte“. Das Album bietet größtenteils entspannten, melancholischen Liedermacherpop, Ausnahmen sind beispielsweise die flotteren „Die Entscheidung ist vertagt“ und „An nem guten Tag“, die an Wir sind Helden bzw. International Music denken lassen.


15 Songs, die wie nebenbei hingetupft wirken, aber zugleich doch fein zise­liert und ausformuliert sind. Zeilen, die simpler nicht sein könnten, aber doch weise das Menschsein auf den Punkt bringen.
So wie in der herrlich verwehten Klage „Kein Tourist (Nur damit ihrs wisst)“, die jeder gut ver­stehen kann, der schon mal in Rom oder Barcelona oder Machu Pic­chu einer von vielen war, aber doch glaubte, er sei dann doch anders als all die anderen. (…)
Angesichts die­ser Themen ist es kein Wunder, dass die Grundstimmung melancholisch ist, aber all die schönen Sätze flie­ßen eben ganz selbstverständlich vorbei – lässig wie die Musik, die im­mer den naheliegenden Ton und den warmen Klang im mittleren Tempo findet, ohne – und das ist dann die Kunst, die Francesco Wilking wie kaum jemand sonst beherrscht – auch nur eine Sekunde eintönig zu klingen.


 


 


Grob lässt sich diese knappe Dreiviertelstunde zwischen den Polen Indie, Pop und Rock verorten. Christopher Annen und Francesco Wilking streifen auf ihrem Weg zwischendrin auch sehr ruhige Gewässer, "Ich glaub, wir meinen das Gleiche" ist dafür ein gutes Beispiel mit seinen feinen Zeilen "Doch ein Gespräch zwischen Tür und Angel kommt halt nur zustande, wenn man sich nicht knapp verpasst". Fast schon schwelgerische Opulenz hält in "Frag mich, was Du willst" Einzug. (…)
Mit klugem Witz, gebotenem Ernst und vielen cleveren Ideen spielt sich hier ein Duo in den Vordergrund, aus dem vielleicht eine festere Verbindung entstehen kann. 


 





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