• Beach House - Bloom

























    Lange habe ich mich mit Beach House extrem schwergetan. Wie so oft war es ein Konzert, das mir die Augen geöffnet hat, wie großartig die Musik dieses Duos aus Baltimore doch ist - sehr zu meiner Überraschung, denn mit solch leicht schwülstigem 80er Jahre Stil kann ich wirklich nichts anfangen. Victoria Legrands Stimme ist einen Tick zu tief und herb, die Keyboards zu tropisch, der Gesamteindruck zu weichgespült, um mir zu gefallen. Trotzdem bin ich der Band verfallen und war voller Vorfreude auf das vierte Album, das mit der Vorabsingle Myth angekündigt wurde.

    In dem Moment, in dem ich mich in die Musik der Band verliebt habe (und dafür große Hürden überspringen musste), las ich überall, daß Beach House jetzt doof geworden seien, weil sie sich nicht weiterentwickelt hätten. Boff, das saß! So als wäre man mit einer Frau zusammengekommen, die man erst nicht ausstehen konnte (während alle anderen sie anhimmelten), um dann nur noch von ihren Nachteilen zu hören. Eigentlich ist sie ja ziemlich langweilig. Diese Frisur erst! Und Witz hat sie auch keinen.

    Oder, ohne Frauen:

    Ah, the musician’s paradox: If you don’t change, fans call you stagnant. If you change too much, they stop listening all together. The bigger the band, the bigger the dilemma. Do you continue making music that sounds like the stuff that won your followers or do you try to innovate and risk alienating your fans? Damned if you do, damned if you don’t. Color Beach House damned. The dream pop duo has recorded an album that is spotless from start to finish, an unquestionably beautiful collection of songs. But man, does it sound familiar
    (http://prettymuchamazing.com)


    Mir ist dieses Problem ehrlich gesagt piepegal. Natürlich klingt Bloom wie Teen Dream. Aber Teen Dream klingt auch nach The Art Of Noise, und wird trotzdem gefeiert. Beach House erhöhen mit Bloom ihr Repertoire an großartigen Songs um acht (oder neun, wenn man den Hidden Track Wherever you go mitrechnet). Daß ein neues Norway und ein neues Zebra dabei sind, stört mich nicht, es bedeutet nur zwei weitere große Hits bei einem Konzert.
    Einzig Troublemaker und On the sea (ein typisches vorletztes Lied einer Platte - bekanntlich packen Bands an die Position die schlechtesten Stücke des Albums) fallen gegenüber den restlichen Knüllern deutlich ab. Myth, Irene, New Year, Wishes, Wild... das alles sind Hits, ohne klassische Singles zu sein. Bloom hört man am besten komplett und nicht Lied für Lied. Am besten gemeinsam mit Teen Dream. Und mit Deserter's Songs von Mercury Rev, dem großen Bruder von Beach House.
    Im Mai habe ich Beach House live gesehen (am Meer, wie es sich gehört). Dabei haben Victoria Legrand und Alex Scally es geschafft, die Stimmung der Platte durch Nebelweichzeichner und kühle Distanz perfekt auf die Bühne zu bringen. Daß vorher Crocket's Theme von Jan Hammer lief, war nicht nur die perfekte Abrundung, es war auch überaus ironiefrei, vermute (und hoffe) ich.




  • 11 Kommentare:

    Oliver Peel hat gesagt…

    Beach House sind jetzt doof geworden. Zumindest ein bißchen. Und leider klingt Bloom nicht so gut wie Teen Dream. Alles ist flacher, vorhersehbarer und massentauglicher geworden.

    -6,5 Punkte

    E. hat gesagt…

    so langsam versteht er mich ja.

    Ingo hat gesagt…

    Ist "Bloom" wirklich noch langweiliger als "Teen dream"? Kann ich mir kaum vorstellen...

    Volker hat gesagt…

    Es ist zumindest nicht besser.

    Ingo hat gesagt…

    Ist bezüglich Langweilefaktor dem Vorgänger ebenbürtig. 5,5 Punkte

    Olly Golightly hat gesagt…

    7 Punkte

    Dirk hat gesagt…

    Für Beach House gibt es von mir ebenfalls

    7 Punkte

    Julia hat gesagt…

    7 Punkte

    Dirk hat gesagt…

    In Abwesenheit der Frank Ocean Platte (und einiger anderer) hier die Top 30* von PopMatters:

    30. Robert Glasper Experiment
    29. Death Grips
    28. Andy Stott
    27. Father John Misty
    26. Dr. John
    25. Galactic
    24. The Mountain Goats
    23. Taylor Swift
    22. The Avett Brothers
    21. The Maccabees
    20. Spiritualized
    19. Grizzly Bear
    18. Cloud Nothings
    17. Pepe Deluxé
    16. Godspeed You! Black Emperor
    15. Baroness
    14. Jack White
    13. The Walkmen
    12. Carolina Chocolate Drops
    11. Grimes
    10. Chromatics
    9. Kendrick Lamarr
    8. Jessie Ware
    7. Tame Impala
    6. Killer Mike
    5. Swans
    4. Beach House
    3. Fiona Apple
    2. Japandroids
    1. Frank Ocean


    * insgesamt gibt es eine Top 75, ich war dafür aber zu schreibfaul.

    Michael hat gesagt…

    Mag sein, dass ich Beach House bisher zu wenig Beachtung geschenkt habe!

    7,5 Punkte

    Christoph hat gesagt…

    Großartige Platte! 9

    Die 10 besten Alben von Prince

    10. Lovesexy (1988)
    9. Diamonds And Pearls (1991)
    8. 3121 (2006)
    7. 1999 (1982)
    6. The Gold Experience (1995)
    5. Dirty Mind (1980)
    4. Sign O' The Times (1987)
    3. Parade (1986)
    2. Purple Rain (1984)
    1. Around The World In A Day (1985)

    (ausgewählt von Volker)