• David Lemaitre - Latitude


















    Maifeld Derby 2013 (IV)

    Eine Woche vor dem Maifeld Derby Festival noch einige Plattenvorstellungen aus dem tollen Lineup (u.a. The Notwist, Efterklang, Sizarr, CocoRosie, Daughter und Thees Uhlmann).

    Dass der bolivianische Singer/Songwriter David Lemaitre sein Debütalbum mit „River Man“, einer Coverversion von Nick Drake, beschließt, ist so abwegig nicht. Schließlich wandelt er auf „Latitude“ auf dessen melancholischen, von Streichern verzierten Folk-Wegen. Der in Bolivien geborene, aber mit Anfang 20 nach Deutschland übergesiedelte David Lemaitre bietet seine 11 auf Gitarre und Piano basierenden Songs nicht allzu traditionell dar, sondern versetzt diese auch gelegentlich mit elektronischen Beats und Geknister. 
    Fans von José Gonzalez, Sufjan Stevens, Devendra Banhart oder Elliott Smith sei, insofern sie es nicht bereits besitzen, „Latitude“ empfohlen. 

    David Lemaitre, der mittlerweile 28 Jahre alt ist, unterstützte Get Well Soon bereits musikalisch auf Tour und lebt wie Konstantin Gropper in Berlin – da hätte bei diesen Verbindungen doch ein besserer Maifeld Derby-Slot als Sonntag 14:00 Uhr herausspringen müssen!



    "Latitude" ist gewissermaßen eine in flirrend-luftige Töne gegossene Einladung zur Alltagsflucht. Den US-Folktronica-Tüftler Sufjan Stevens nennt Lemaitres Label Pias selbst als Vorbild - allerdings ist die Musik des Südamerikaners bei weitem nicht so angeschrägt. Beach-Boys-Impressionen ("The Incredible Airplane Party") sowie immer wieder der Vergleich mit dem Kollegen José Gonzalez und seinem derzeit so erfolgreichen Trio Junip ("Megalomania", "Six Years") liegen da viel näher.
    Die hübsch gezupften Akustikklampfen und anmutigen Streicher von "Pandora Express" etwa kriegt man schon nach dem ersten Hören nicht mehr aus dem Kopf. Kleine Details, Loops und Samples machen den Reiz dieser zunächst so simplen Lieder aus. Am recht klischeebeladenen Sound seiner fernen Heimat orientiert sich Lemaitre also nicht - zumal er selbst zugibt, dass in Bolivien eher Psychedelic Rock, Pink Floyd oder Serge Gainsbourg seine "musikalische Diät" bildeten.
    Neben zehn Eigenkompositionen, die er im früheren Berliner DDR-Funkhaus-Studio mit deutschen Musikern aufnahm, leistet sich der talentierte junge Mann zum Abschluss dann noch eine tiefe Verbeugung: Grandios einfühlsam interpretiert Lemaitre "River Man" vom großen Britfolk-Barden Nick Drake - eines der allerschönsten, allertraurigsten Lieder überhaupt. Hut ab vor soviel Mut und Selbstvertrauen.
    (Stern)


    David Lemaitres Texte sind der erste Garant für ein sehr gelungenes Debüt, in dem man auch nach längerer Zeit noch immer neue, subtile Details ergründen kann. Aber auch musikalisch macht dieses leichtfüßige und sachte Popalbum langfristig Freude. Begleitet von Joda Förster (Schlagzeug, Percussion) und Sebastian Schlecht (Violine und Viola) steht die Musik in ihrem Einfallsreichtum und ihrer Detailverliebtheit in nichts nach. Egal ob nun die Absatzschuhe auf Asphalt im Nick-Drake-Cover "River man" oder die fallenden Münzen in "Jacques Costeau" - alles ist zur richtigen Zeit und mit Gehör für Kleinigkeiten in Szene gesetzt.
    Dabei pendelt das Dreiergespann zwischen weitherzig-heiteren Gitarren-Stücken wie "Megalomania" und der nur von einem verwaschen-gedämpften Klavier getragenem Sehnsuchtsballade "Magnolia (Girl with camera)" und schafft so einen beachtlich zuversichtlichen Soundtrack der Rast- und Ruhelosen. Und wenn Lemaitre in "Valediction" Abschied nimmt und verkündet "Let it go, let it go / Yesterday lies a million years ago", geschieht dies immer mit der Gewissheit, dass Abschied und Wiedersehen auch in einer vernetzten Welt der großen Distanzen einhergehen.
    (Plattentests)



    David Lemaitre unterwegs:

    29. Mai 2013 Steinbruch, Duisburg
    30. Mai 2013 Prinzenbar, Hamburg
    01. Juni 2013 St. Peter Café, Frankfurt
    02. Juni 2013 Mannheim, Maifeld Derby
    03. Juni 2013 Studio 672, Köln
    05. Juni 2013 E-Werk, Erlangen
    06. Juni 2013 Strom, München
    08. Juni 2013 Zwölfzehn, Stuttgart
    11. Juni 2013 Kantine Berghain, Berlin
    12. Juni 2013 Scheune, Dresden


  • 2 Kommentare:

    Ingo hat gesagt…

    7 Punkte

    Dirk hat gesagt…

    Toll beim Maifeld Derby, auf Platte leider für mich nur:

    6,5 Punkte

    Die 10 besten Alben von Stephen Duffy

    10. Stephen Duffy - The Ups And Downs (1985)
    9. The Lilac Time - lilac6 (2001)
    8. The Lilac Time - Paradise Circus (1989)
    7. Stephen Duffy and The Lilac Time - Keep Going (2003)
    6. The Lilac Time - The Lilac Time (1987)
    5. Stephen Duffy - Duffy (1995)
    4. The Lilac Time - And Love For All (1990)
    3. Stephen Duffy featuring Nigel Kennedy - Music In Colours (1993)
    2. The Lilac Time - Astronauts (1991)
    1. Stephen Duffy - I Love My Friends (1998)

    (ausgewählt von Dirk)