Dem im letzten Jahr veröffentlichten „Asphodels“ ließ Finn Andrews bereits in diesem Jahr mit diesen Worten ein weiteres Album folgen: „Asphodels war so leise und introspektiv, dass ich einfach etwas Kraftvolles und voller Leben machen wollte.“
Wer jetzt erwartete, dass „Fragile World“ (black Vinyl, ultra clear Vinyl, blue translucent Vinyl) ein ähnliches Höllengebräu wie das aus Post-Punk, Blues und Gothic Rock gemischte „Total Depravity“, das stilistisch ziemlich aus der Discographie von The Veils ziemlich heraus sticht, sah sich getäuscht.
Statt dessen schlugen Andrews, sein Produzent Tom Healy (Tiny Ruins, The Chills) und Schlagzeuger Joe McCallum zusammen in Neuseeland einen nur leicht dynamischeren, aber deutlich poppigeren und direkteren Weg bei den live to tape Aufnahmen ein.
Der Rolling Stone hört U2 und Coldplay durchscheinen, der musikexpress fühlt sich an „die tolle, gerne ins Pathos driftende Pop-Rock-Band Deacon Blue“ erinnert. Dem kann man durchaus zustimmen, muss aber ergänzen, dass die 10 Songs von „Fragile World“ keine Stadien füllen werden. Zwar könnten „Lungs“, „New Day“ oder „My Foolish Heart“durchaus im Radio gespielt werden, aber weniger Piano und Schlichtheit, mehr Gitarren, Tempo und Dramatik wären schön gewesen. Wem das abschließende „In This Heart“ begekannt vor kommt, der hat es a capella auf Sinéad O’Connors „Universal Mother“ (1994) gehört.
The Veils in Deutschland:
24.11.26 Berlin, Gretchen
25.11.26 Hamburg, Molotow
Dank Andrews unaufgeregt stoischem und nur gelegentlich larmoyantem Vortrag und der offenen Struktur des Materials klingen da oft spirituell anmutende Untertöne mit, wie man sie etwa von Van Morrison oder ähnlich getakteten Zeitgenossen kennt. Auf der musikalischen Seite kommt das dem nahe, was The Slow Show oder The National – mit teils anderen Mitteln – auch machen. Andrews nutzt dabei lyrische Beschreibungen der zerfallenden Gewissheiten in der zunehmend instabileren Welt als Metapher für den kreativen Prozess, nachdem das Album in einem offenen kreativen Dialog zustande kam. (…)Dass auch Andrews keine Antworten auf die drängenden Fragen der Gegenwart hat, wird dabei oft durch den vorsichtig tastenden Charakter der neuen Musik deutlich. Andrews beschränkt sich darauf, in Songs wie dem Titeltrack „Little White Bird (Fragile World)“ oder „The Widening Dark“ kommentierend seinen Gospel according to feilzubieten und findet dabei nur gelegentlich einen Silberstreif am Horizont, dem es entgegenzustreben gilt. Dabei entstehen dann Tracks wie „New Day“ oder „These Are The Days“, die auch musikalisch etwas mehr bieten, als verklärte Kontemplation und mit einer kämpferischer bzw. versöhnlicher Note aufwarten.

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