Brandon Flowers testet aus, was er dem Plattenrichter Volker noch vorsetzen kann, um weiterhin 8 Punkte für seine Solo-Machwerke zu erhalten. Sowohl bei „Flamingo“ (2010) als auch bei „The Desired Effect“ (2015) rettete Folk-er dem Sänger von The Killers den Punkteschnitt. Als so halbwegs (5,000 bzw. 5,875 Punkte).
Jetzt kommt Brandon Flowers mit einem lupenreinen Country-Album daher, das noch einen Schritt weiter geht als „Pressure Machine“ (2021) und nur noch in wenigen (guten) Momenten (wie „Angel“) an Bruce Springsteen denken lässt. Im historischen RCA Studio A in Nashville entstanden die 10 Songs, die von Shawn Everett (Kacey Musgraves, the War On Drugs, Weezer, Beck) und Jonathan Rado von Foxygen (Weyes Blood, Father John Misty) produziert wurden. Zudem wurden echte Country- und Folk-Größen ins Studio geholt: Gitarrist David Rawlings, Pedal-Steel-Gitarrist Bruce Bouton, Mundharmonika-Legende Charlie McCoy (Bob Dylan) und Sängerin Margo Price.
Das Album reflektiert Flowers’ Kindheit und Jugend im ländlichen Nephi, Utah, Themen sind Erinnerungen, Glaube, Familie und Nostalgie. Zwischen Country & Western, Americana und Roots Rock wünscht man sich, dass sein Vater in Brandons Kindheit in den 80er Jahren bei langen Autofahrten etwas anderes als Country-Tapes ins Kassettenfach des Wagens geschoben hätte.
Aber dann bricht er doch immer wieder die Klischees, die er so lustvoll heraufbeschwört. In „Tigers Blood“ will die Cheerleaderin bloß noch raus aus dem Kaff, und die Jungs kriegen einen Harten, weil sie Mortal Combat spielen. Dieses Spiel geht so weit, dass Flowers manche Metapher zur Karikatur verrutscht: „The things that we can’t explain / Roll on like a runaway train.“Aber vielleicht ist das auch Absicht, schließlich dürfte Flowers in den Genre-Konventionen geübt sein, haben doch auch seine Killers die Synthies zuletzt zusehends mit Americana ersetzt. Aber dermaßen innig hat Brandon Flowers noch nie seinen inneren Willie Nelson umarmt.

1 Comments
Gar nicht so üble 5,5 Punkte.
AntwortenLöschenUnd ich muss mindestens mal das Debütalbum einer Revision unterziehen. 2,5 Punkte war / ist nicht fair ...