Temples - Bliss


Offensichtlich konnte die Band aus Kettering selbst in ihrer britischen Heimat immer weniger Plattenkäufer und Musikhörer für ihren retrolastigen Psychedelic-Rock begeistern. Während das Debütalbum „Sun Structure“ (2014) mit Platz 7 noch die Top Ten der Charts erreichen konnte, ging es dort danach stetig bergab: „Volcano“ (2017) kam auf Platz 23, der Nachfolger „Hot Motion“ (2019) auf Platz 51 und „Exotico“ (2023) verfehlte zuletzt komplett die Hitlisten. 

Offensichtlich versuchen es James Bagshaw (Gesang, Gitarre), Adam Smith (Gitarre, Keyboards), Thomas Walmsley (Bass) und Rens Ottink (Schlagzeug) nun mit einem Neuanfang. „Bliss“ wurde einerseits von Temples komplett selbst produziert, abgemischt und gemastert sowie in ihrem bandeigenen Studio in Northamptonshire aufgenommen, andererseits orientiert es sich stark an der Rave- und Clubkultur der 90er Jahre und deren wummernden Beats. Temples lassen also in ihren Psychedelic Rock vermehrt Electronica, Dance und Synth-Pop einfließen. 


 


Beim Opener und der ersten Single „Jet Stream Heart“ (und nicht nur hier) drängt sich direkt der Vergleich zu Kasabian auf, bei der zweiten Single „Vendetta“ und dem sich auf dem Album anschließenden „Jaguar“ kommen einem Elemente (von Faithless bzw. Massive Attack) sehr bekannt vor.  Auch MGMT oder Underworld kommen einem beim Hören der 10 Songs in den Sinn. Schnell vergessen möchte man beispielsweise den mönchartigen Chorgesang auf „Revelations“ und das seichte „Fantasy Realm“, bei dem man nicht weiß, ob man noch bei Tame Impala oder schon bei David Guetta angekommen ist.

„Bliss“ ist als CD und LP (black Vinyl, white Vinyl, transparent pink Vinyl, yellow Vinyl) erhältlich. Den Weg zurück in die UK Charts hat es aber für Temples nicht bedeutet.


 


Sänger/Gitarrist James Edward Bagshaw verankert die partiell im Strobolicht pulsierenden Stücke stets mit eingängigen, Charts-kompatiblen Gesangsbögen, die vor allem auf dem beruhigten „Blue Flame“ – sowie noch deutlicher auf „Jaguar“ – stimmfarblich eher Neil Tennant und die Pet Shop Boys als Tame Impala auf den Plan rufen. Geschenkt, dass man die ausformulierte Refrain-Kompetenz Erstgenannter dabei genausowenig erreicht wie die Neo-Psychedelia-Puristen.


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