• Kendrick Lamar - Good Kid, M.A.A.D City


























    Die erste Vorladung (XIV)

    Personalien:
    Kendrick Lamar Duckworth wurde am 17. Juni 1987 in Compton, Kalifornien geboren.

    Tathergang:
    Nachdem sein Debütalbum "Section.80" (2011) noch über ein Independant Label veröffentlicht wurde, erschien "Good Kid, M.A.A.D City" (oder auch "good kid, m.A.A.d city") Ende Oktober über Aftermouth Entertainment und Interscope. Als Produzenten waren - um nur einige zu nennen - Dr. Dre, Just Blaze, Pharrell Williams, Hit-Boy, Scoop DeVille und T-Minus tätig, die Liste der Gastmusiker ist noch viel länger und auch Lady Gaga hat mit Lamar bereits einen Song ("Partynauseous") für dessen nächstes Album aufgenommen. "Good Kid, M.A.A.D City" ist ein Konzeptalbum, warf zwei erfolgreiche Singles ("The Recipe" und "Swimming Pools (Drank)") ab, erreichte Platz 2 der US Billboard Charts und stellte 2012 den ein oder anderen Rekord im Bereich Hip Hop auf. 

    Plädoyer:
    Nachdem das Album vom NME in seine Jahres Top 50 gewählt wurde (Rang 44), sprach Volker einem bisher hier übersehenen "Knalleralbum", das auch in seine Jahres Top 10 einziehen werde. Daher hält er heute das Plädoyer für Kendrick Lamar
    Unter Rap und Hip Hop Aficionados wird das Debüt von Kendrick Lamar als frisches innovatives Werk gepriesen und er selbst als Hoffnung des Genres gesehen. Aber auch für Menschen ohne Vorliebe für diese Musikrichtung könnte sich ein Reinhören hier lohnen, denn zum einen gibt es auch den ein oder anderen gelungen Gesangspart, es gibt aber vor allem großartige Beats und Samples und einen daraus resultierenden wahnsinnig mitreißenden Flow, dem zumindest ich mich nicht entziehen konnte. Natürlich sind auch wieder Gäste dabei, unter anderem große Namen wie Drake oder Dr. Dre, aber das Schöne an dem Album ist tatsächlich, dass sie gar keine so große Rolle spielen und Kendrick Lamar das Heft dea Handelns quasi nie aus der Hand gibt. Die Gäste unterstützen, ja, aber Chef im Ring bleibt dennoch Lamar. Höhepunkte bis dato, der Eröffnungstrack "Sherane a.k.a Master Splinter’s Daughter" mit seinem spooky Beat, das unglaublich eingängige "Bitch, Don't Kill my Vibe", das fast noch catchyere "Money Trees", "m.A.A.d city" mit seinem 70er-Jahre Serienmusik-Switch gegen Ende und das monumentale zweiteilige 12-Minuten Stück "Sing About Me / I’m Dying Of Thirst". Wie gesagt auch ich, als einer, der nicht so wahnsinnig viel Musik des Genres sein Eigen nennt, bin schwer begeistert und das Album landet sicher am Ende des Jahres in meiner Top10, wenn nicht sogar in meiner Top5.  

    Zeugen:
    #01 Sherane a.k.a. Master Splinter’s Daughter – »Good Kid, MAAD City« macht da weiter, wo »Section.80« uns zurückgelassen hat und beginnt mit einem sakralen, atmosphärisches Intro mit vorangestelltem Vater Unser.
    K.Dot verzichtet dabei auf platte Ansagen und punktet mit einer weiteren Compton Milieustudie auf Basis dieser Liebesgeschichte, die uns noch weiter durch das Album begleiten soll.
    #02 Bitch, Don’t Kill My Vibe – Minimalistisch-zeitloser Soundwave Beat, der mit seiner Synthese aus East und West Coast Elementen kickt und auf dem Kendrick Lamar überaus amtlich singt und flowt und seine aktuelle Situation formuliert: das erste Major Album, Veränderungen im Umfeld und seine Konfrontation mit dem Mainstream.
    #03 Backseat Freestyle – Hit Boys Überbeat und Lamars Ansage brechen mit den Conscious Ansätzen der ersten beiden Tracks. Man sollte nicht vergessen, dass der Junge aus Compton ist und dass er auf intelligente Weise wieder in den alten juvenilen Wahnsinn verfallen kann. Hit. Hören wir vielleicht auch demnächst im Club.
    #04 The Art of Peer Pressure – Kendrick ist mit den Jungs unterwegs und skizziert beeindruckend, dass auch er als »guter« Junge nur Produkt seines Umfelds ist. Gruppenzwang.
    #05 Money Trees (feat. Jay Rock) – Hier wird direkt an die Gruppenzwang Thematik angeschlossen, gleichzeitig aber auch die Brücke zu Sherane aus dem Intro geschlagen und fungiert so als beeindruckende Inhaltsangabe der ersten Albumhälfte des bisher sehr überzeugenden »Good Kid, MAAD City«.
    #06 Poetic Justice (feat. Drake) – Passend zum Drake Feature gibt es ein Janet Jackson Sample und Kendrick Lamar widmet sich wieder der Sherane Thematik. In diesem Falle: Frauen, Liebe – man kennt das. Thematisch und musikalisch aber eher mittelmässig. Drake macht eine gute Figur. Dennoch: bisher schwächste Track der Platte. Aber was heißt das schon?
    #07 Good Kid  – Über diesem Monstrum von einem Beat, den so niemand von Pharrell erwartet hätte, vergisst man fast den Text, was aber fatal wäre. Ausschnitt: »With the blinking of red and blue / Flash from the top of your roof«. In zwei brillianten Lines werden die Farben der Bloods und Cribs zu Polizeisirenen. Bisheriger Höhepunkt des Albums.
    #08 MAAD City (feat. MC Eiht) – Unglaubliche Flowpassagen von MC Eiht und Kendrick, die auf sechs Minuten und zwei konträren Beats 15 Jahre West Coast Soundästhetik abarbeiten und dabei detaillierteste Hoodstories wiedergeben. Lamar spielt lyrisch hochklassig mit der »good Kid, MAAD City« Thematik (»Compton, U.S.A. made Me an Angel on Angel Dust, what«) und Eihts Wort hat einfach Gewicht.
    #09 Swimming Pools (Drank) – Dieser Track ist zwar der eingängigste und partymäßigste Track des Albums, aber bei weitem nicht unreflektiert oder oberflächlich. Es geht um den exzessiven Gebrauch von Genussmitteln und LA Partylifestyle. Gute Wahl für die Singleauskopplung.
    #10 Sing About Me / I’m Dying of Thirst – Schöne Referenz im Titel an »Drank«, laid back Produktion, aber mal wieder richtig tiefsinniger Inhalt.
    Er betreibt Storytelling auf höchstem Niveau, indem er die Reaktionen auf den »Section.80« Track »Keisha’s Song« aus zwei Perspektiven reflektiert und über seine eigene Verantwortung als MC nachdenkt.
    #11 Real (feat. Anna Wise) – Sehr melodiöser Track mit einer eingängigen Anna Wise Hook. Es geht um Liebe in all ihren Facetten: »But what love got to do with it when you don’t love yourself?«.
    #12 Compton (feat. Dr. Dre) – Allein die Just Blaze Produktion und das Dr. Dre Feature beweisen, dass »King« Kendrick den Fuß in der Tür zur Liga der ganz Großen hat. Thematisch ist klar worum es geht, erwähnenswert ist noch die abschließende West Coast Hommage mit der Verwendung der Talkbox im Outro. Perfekter Schlusspunkt eines großen Albums.
    # Fazit – Soundtechnisch wird »Good Kid…«  allen Ansprüchen gerecht. Atmosphärische, zeitlose Bretter, die keine Küste kennen, sowie melodiöse laid-back Produktionen, die einen gelungenen, logischen Schritt hin zum Mainstream wagen. Mutige Beatwechsel mitten in den Tracks, die Abwechslung trotz des roten Fadens reinbringen. Kurz: was auf »Section. 80« furios begann, wird hier konsequent weiter gedacht. Wer Angst hatte, dass K.Dot auf seinem Major Debüt verwässern würde, sieht sich getäuscht.
    Zum Inhalt: »Good Kid…« ist inhaltlich eines der besten Major Debüts überhaupt. Kendrick Lamar hat ein detailverliebtes Album abgeliefert, das abwechslungsreich und unglaublich durchdacht ist. Die Idee »gutes Kind in der bösen Stadt« bildet den durchgehenden  roten Faden, an dem sich der Protagonist wie im Schlaf entlanghangelt und immer wieder Bezug auf vorangegangene Thematiken nimmt, was seinen Gipfel in »Sing About Me, Dying of Thirst« findet.
    Eine Fragt bleibt: Ist Kendrick Lamar nun ein Conscious Rapper oder nicht? Er selbst stört sich an dem Image. Die Antwort auf die Frage lautet wohl »Jein!«. Er erlaubt sich auf der einen Seite keine Oberflächlichkeiten und geht tiefer als die Kollegen , aber gerade Tracks wie »Backseat Freestyle« oder »Swimming Pools« gehen weit über die Conscious Rap Kategorie hinaus.
    (Splash! Magazin)

    Indizien und Beweismittel:


    Urteile:
    Nun sind die werten Richter gefragt...

  • 4 Kommentare:

    Volker hat gesagt…

    Auf jeden Fall mit dem schöneren der beiden Cover- Artworks hier veröffentlicht. Die LP hat leider das Bild mit dem Auto. Aber abgesehen davon gibt es wenig zu meckern, ich bin weiterhin begeistert

    9

    Dirk hat gesagt…

    In Abwesenheit der Frank Ocean Platte hier die Top 50 von SPIN:

    1. Frank Ocean
    2. Kendrick Lamar
    3. Japandroids
    4. DJ Rashad
    5. Miguel
    6. Bat For Lashes
    7. Swans
    8. Killer Mike
    9. Ty Segall
    10. Santigold
    11. Future
    12. Death Grips
    13. Cloud Nothings
    14. Godspeed You! Black Emperor
    15. Baroness
    16. Fiona Apple
    17. Grizzly Bear
    18. King Tuff
    19. Traxman
    20. Pallbearer
    21. Daphni
    22. Torche
    23. Dirty Projectors
    24. Cat Power
    25. Action Bronson
    26. Tame Impala
    27. Sleigh Bells
    28. Jessie Ware
    29. Dinosaur Jr.
    30. Frankie Rose
    31. The XX
    32. Goat
    33. Thee Oh Sees
    34. Mala
    35. Jack White
    36. Beak>
    37. R. Kelly
    38. Taylor Swift
    39. Roc Marciano
    40. Animal Collective
    41. Purity Ring
    42. Lindstrom
    43. Kathleen Edwards
    44. Deftones
    45. Nicki Minaj
    46. Spoek Mathambo
    47. Metric
    48. Best Coast
    49. Heems
    50. Fun.

    Ingo hat gesagt…

    Volkers Plädoyer überzeugt. Aber wenn ich das Album höre fließt bei mir nichts.... 5,5 Punkte

    Ingo hat gesagt…

    Pitchforks Top 10:
    10 Grizzly Bear – Shields
    09 Death Grips – The Money Store
    08 Chromatics – Kill For Love
    07 Beach House – Bloom
    06 Grimes – Visions
    05 Swans – The Seer
    04 Tame Impala – Lonerism
    03 Fiona Apple – The Idler Wheel…
    02 Frank Ocean – Channel Orange
    01 Kendrick Lamar – Good Kid, m.A.A.d. City

    Die 10 besten Alben von The Beatles

    10. Beatles For Sale (1964)
    9. Let It Be (1970)
    8. A Hard Day’s Night (1964)
    7. Help! (1965)
    6. The Beatles (The White Album) (1968)
    5. Magical Mystery Tour (1967)
    4. Rubber Soul (1965)
    3. Abbey Road (1969)
    2. Revolver (1966)
    1. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967)

    (ausgewählt von Dirk)