Wer das Glück hat, am 19. September in Berlin zu sein, der sollte abends in die Columbiahalle sehen, um dort einen kanadischen Abend der besonderen Form zu erleben. Denn mit Metric, Stars und Broken Social Scene kommen gleich drei bekannte Bands aus diesem Land nach Deutschland. Leider jedoch nur zu einem Konzert.
Broken Social Scene wurden wurde 1999 von Kevin Drew und Brendan Canning in Toronto gegründet und wuchsen zu einem gigantischen, dynamischen Musikerkollektiv heran. Das einstige Instrumental-Projekt wurde im Laufe der Jahre von zahlreichen Sängerinnen, wie Feist (hier auf „What Happens Now“ deutlich zu hören) oder aktuell hauptsächlich Hannah Georgas unterstützt, aber auch von Emily Haines und Amy Millan, die an diesem Abend sicherlich nicht nur in ihren eigenen Bands Metric und Stars singen werden.
Nach fast neun Jahren Funkstille gibt es nun mit „Remember the Humans“ ein neues Studioalbum von Broken Social Scene zu hören. Es ist das insgesamt sechste der Band und wurde selbstverständlich wieder über Arts & Crafts Productions veröffentlicht, und zwar als CD und LP (Black Vinyl, Clear Vinyl, Light Blue, Rose & White Splatter Vinyl, Clear with White Marble Vinyl, Cream White Vinyl). Als Produzent kehrt David Newfeld zurück, der sich bereits für die ersten drei Alben von Broken Social Scene verantwortlich zeichnete. Während der Aufnahmen verloren sowohl Kevin Drew als auch Newfeld ihre Mütter. Diese geteilte Trauer floss tief in die emotionale Ehrlichkeit des Albums ein, dass auch über den Verlust an Möglichkeiten in einer sich rapide ändernden Welt reflektiert.
Bei Metacritic stehen aktuell stolze 81/100 Punkten für „Remember The Humans“ zu Buche. Da auch Metric bereits dieses Jahr ein neues Album veröffentlichten, besteht die Hoffnung, dass Stars diese Serie in den kommenden sieben Monaten noch vervollständigen.
Neun Jahre nach „Hug Of Thunder“ liefern BSS ein vielstimmiges, pompös-filigran orchestriertes Meisterwerk voller überraschender Klangfarben, Soundschichten und Bedeutungsebenen ab. Einzigartig arrangierte Bläser mäandern durch das verträumte „And I Think Of You“ oder den Dance-Track „The Call“, ein Bass nimmt raffiniert ein Motiv aus der TripHop-Fantasie „The Briefest Kiss“ mit ins zartbittere „Life Within The Ground“, es gibt Springsteen-Momente („Paying For Your Love“) und Songs, die Feist (das impressionistische „What Happens Next“) und Hannah Georgas (die Pop-Kostbarkeit „Only The Good I Keep“) zu ihren eigenen machen. Ein Album für die Jahresbestenlisten!

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