• Caribou - Our Love




















    Seit einigen Jahren pflegt einer unserer Richter die schöne Tradition auch die gesammelten Urteile von anderen Gerichtshöfen zusammenzutragen. Wurde das Album des Jahres der professionellen Musikredaktionen hier nicht vor Gericht gezerrt, so postet er die jeweilige Bestenliste eben beim Zweit- oder Drittplatzierten. 

    Damit Ingo dieses Jahr bei der Bestenliste des Musikexpress nicht auf "Love Letters" von Metronomy zurückgreifen muss, sei hier noch die Vorstellung von "Our Love" nachgetragen.

    Der Kanadier Dan Snaith veröffentlichte nach "Jiaolong" (2012) unter dem Namen Daphni nun wieder als Caribou eine Platte, die es sowohl hoch in diverse Bestenlisten als auch unterschiedliche Charts schaffte: In den USA und Kanada konnten die Plätze 46 bzw. 19 vermerkt werden, im Vereinigten Königreich wurde sogar Rang 8 erreicht. Das war selbst dem hoch gelobten Vorgänger "Swim" 2010 nicht gelungen. "Our Love" bindet in seine tanzbaren, elektronischen Klänge nun auch vermehrt Einflüsse von R&B, Hip Hop sowie 80ies ein, lässt Caribou ein wenig näher an Daphni heranrücken und hat mit Jessy Lanza (Gesang) und Owen Pallett (Geige) zwei bekannte Mitstreiter zu vermelden. 

    Mit folgender Laudatio kürte der Musikexpress "Our Love" vor der Wahl zum Album des Jahres 2014 natürlich auch zur Platte des Monats:  
    Die Aufgabenverteilung war bisher also klar: Caribou, das Einmann-Studio- und Band-Live-Projekt für elektronisch infizierte (weitgehend vokale) Musik, die für den Publikums-Crossover gemacht war; Daphni, das Einmannprojekt mit elektronischer (weitgehend instrumentaler) Musik für den Club-Kontext. Das vierte Caribou-Album, OUR LOVE, nun bestätigt den Anfangsverdacht, den die Schon-lange-vorab-Single, der Soundcloud-Wundertrack „Can’t Do Without You“ (bei Redaktionsschluss mehr als 1,3 Millionen Mal gespielt), angedeutet hatte: Die Caribou- und Daphni-Musiken nähern sich an, finden zuei-nander, die Grenzen verschwimmen, die beiden Alter Egos morphen zusammen zu einem musikalischen Charakter.

    Das Endprodukt dieser Metamorphose könnte unter Umständen bei den Menschen, die in der Indie-Disco zu Songs wie „Odessa“ und „Bowls“ verzückt ihre Körper bewegt haben, für leichte Verwirrung sorgen. OUR LOVE ist Musik, die sich vom Indie-Rock entfernt, eine Art Hyper-House, dessen Alleinstellungsmerkmale sich der begnadeten Hand Dan Snaiths verdanken: perlende Analog-Synths, verhaltene Basslines, hiphoppige Beats, Gesangssamples von alten Soul-Platten, die Snaith wer weiß wo aufgetrieben hat, Minimalismus mit funky, souly Vibes, kurze Streichersätze, von Snaith-Freund Owen Pallett arrangiert, Bezüge auf den zeitgenössischen Electronic-Soul, Richtungs- und Stimmungswechsel zur rechten Zeit. Und dieses Gespür für poppige, melancholische Melodien, die wahrscheinlich dafür verantwortlich sind, dass die Caribou-Musik auch außerhalb der Club-, House- und Elektronik-Zirkel gemocht wird.


    Man hört dieses Album wie eine perfekte Pop-Platte wieder und wieder. Und es ist eine Pop-Platte – die beste, die man derzeit finden kann. Dazwischen immer wieder dieser elegische, von Effekten verfremdete Falsett-Gesang. Die recht clubbige erste Single „Can’t Do Without You“ deutete es an: Dieses vierte Caribou-Album ist eine schwelgerische Angelegenheit. Tendenziell melancholisch zwar, doch ist es fast unfassbar, wie sehr diese Stücke die Welt umarmen wollen. Shoegaze-Haltung und die Endorphine im Überschwang – hier schließt sich das nicht aus. Für einen Aha-Moment sorgt vor allem der Titeltrack „Our Love“, der plötzlich in eine Bassline mündet, die an die frühen LFO erinnert, dann scheint es so, als entfache Kevin Saunderson mit seinem Inner City-Synthesizer pure Ekstase, bis einem gewahr wird: Hier spielt Owen Pallett, der auch auf einigen anderen Tracks mitwirkt, sein Cello. Der wunderbarste stille Moment ist der beatlose R&B-Song „Second Chance“, gesungen von Jessy Lanza, die sich in Aaliyah-Manier von Synthesizer-Arpeggios begleitet eine zweite Chance herbeiwünscht. Ganz, ganz groß. Oh ja, Our Love ist mehr als nur ein würdiger Nachfolger von Swim.
    (Groove)



  • 5 Kommentare:

    Olly Golightly hat gesagt…

    8 Punkte

    Ingo hat gesagt…

    Danke Dirk!

    Mir bleibt es weiter rätselhaft, wie einige Menschen schon Ende November / Anfang Dezember die Top Alben des Jahres festlegen können. Aber so fallen ja auch einige der Listen aus. ;-)

    Die Top Alben der Musikexpress Redaktion:

    01. Caribou - OUR LOVE
    02. Metronomy - LOVE LETTERS
    03. The Notwist - CLOSE TO THE GLASS
    04. Ja, Panik - LIBERTATIA
    05. Flying Lotus - YOU'RE DEAD
    06. Alt-J - THIS IS ALL YOURS
    07. Neneh Cherry - BLAMNK PROJECT
    08. Banks - GODDESS
    09. Kate Tempest - EVERYBODY DOWN
    10. Wanda - AMORE
    11. Swans - To Be Kind
    12. FKA Twigs - LP1
    13. Interpol - El Pintor
    14.Damon Albarn - Everyday Robots
    15.Mac DeMarco - Salad Days
    16.Lana Del Rey – Ultraviolence
    17.Jungle - s/t
    18.Jens Friebe - Nackte Angst zieh Dich an wir gehen aus
    19.Aphex Twin – Syro
    20.Jamie T - Carry On The Grudge
    21.Wild Beasts - Present Tense
    22.Foxygen - ...And Star Power
    23.Beck - Morning Phase
    24.Future Islands – Singles
    25.Dean Blunt - Black Metal
    26.Sun Kil Moon – Benji
    27.Fatima - Yellow Memories
    28.La Roux - Trouble In Paradise
    29.Scott Walker + Sun O))) – Soused
    30.SOHN – Tremors

    aXel hat gesagt…

    6

    Ingo hat gesagt…

    Gefällt mir wesentlich besser als "Swim". "Our love" und "Mars" sind besonders stark. Das cleverste Electro Album des Jahres erhält 8,5 Punkte.

    Dirk hat gesagt…

    Hier heißt es leider TechNO.

    4,5 Punkte

    Die 10 besten Alben von The Beatles

    10. Beatles For Sale (1964)
    9. Let It Be (1970)
    8. A Hard Day’s Night (1964)
    7. Help! (1965)
    6. The Beatles (The White Album) (1968)
    5. Magical Mystery Tour (1967)
    4. Rubber Soul (1965)
    3. Abbey Road (1969)
    2. Revolver (1966)
    1. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967)

    (ausgewählt von Dirk)