Chris de Burgh, Rea Garvey, David Hasselhoff und Anastacia. In diese Reihe gehört auch Heather Nova, denn in der Musikbranche werden diese internationalen Künstler*innen oft scherzhaft als „Big in Germany“ bezeichnet, da sie in ihrer Heimat oder global eher Nischenacts sind oder eine verblasste Karriere haben, bei uns aber verlässlich Hallen füllen, die Charts stürmen und einen treuen Kultstatus genießen.
Die bermudisch-britische Singer-Songwriterin Heather Nova konnte nur mit zwei Alben („Oyster“ und „Siren“) die Charts in UK und USA erreichen und das liegt rund 30 Jahre zurück. In anderen Ländern sieht es nicht viel besser aus, nur in Deutschland (und mit Abstriche in der Schweiz) ist sie weiterhin erfolgreich: Drei Alben erreichten hierzulande die Top Ten („South“, „Storm“ und „Redbird“) und auch zuletzt platzierten sich „Other Shores“ (2022; #20) und „Breath And Air“ (2025; #18) in den Top Twenty.
„The Orchard“ ist nun ihr dreizehntes Studioalbum und natürlich gibt es wieder haufenweise ruhigen Wohlfühl-Folkpop zu akustischer Gitarre, sanften Streichern, atmosphärischen Keyboards und sirenenhaftem Gesang. „A Little Breath“ sticht dabei besonders hervor. Aber vielleicht liegt es daran, dass die Aufnahmen der 12 Songs in einer intensiven sechswöchigen Session im winterlichen London zusammen mit dem Produzenten Tim Bran aka MyRiot (London Grammar, Aurora, The Verve, Birdy) stattfanden, dass zumindest gelegentlich das Schlagzeug ein leicht beschleunigtes Tempo vorgibt und die Gitarren deutlicher in den Vordergrund rücken. Am besten gelungen ist dies in „In The Path Of Hurricanes“. Etwas überraschend sind die bluesigen Western-Klänge von „This Wild World“.
Im Einstieg war ich nicht besonders nett zu Heather Nova, daher sei hier vor Gericht eidesstattlich versichert, dass „The Orchard“ qualitativ in die obere Hälfte einer Liste ihrer Platten gehört.
„The Orchard“ kann man als CD und LP (Black Vinyl, Crystal Clear & Solid Turquoise Vinyl, Transparent Silver Vinyl, Red Vinyl) kaufen, um es in die Charts zu befördern, und Heather Nova bei diesen Stationen die Hallen füllen:
23.02.2027 Köln, Stadthalle
25.02.2027 Karlsruhe, Tollhaus
26.02.2027 München, Muffathalle
28.02.2027 Berlin, Passionskirche
01.03.2027 Hamburg, Laeiszhalle (Kleiner Saal)
02.03.2027 Erlangen, Redoutensaal
So stellt Nova endlich wieder Nackenhaare auf. Mit sehnsüchtigen Melodien, verträumten Eindrücken, ihrer Zurückhaltung im Ganzen – und gern mal mit unter die Haut gehenden Cello-Einsätzen. Die gelingen ihr nämlich endlich wieder: Wie in den knisternden Eiskristallen von "Sleep in snow" oder im auf und davon reisenden "On the train". Und besonders, wenn sie in "A little breath" einer zerbrochenen Beziehung keine Träne nachweinen will, aber schafft, dass wir ihr das abnehmen. Auch im bezaubernden Kleinod "Magpie" geht es um Abschied, wenn ein Mellotron dem Vögelchen hinterher schwebt und Nova langsam winkt: "I knew that you would fly." Danach nimmt "I wish I had a mirror" noch einmal ein wenig Fahrt auf, schnappt sich erneut das Cello und tupft auf dem Klavier herum. Man merkt: "The orchard" will Mut machen. So zielgerichtet war Novas Musik schon lange nicht mehr, so sehr fühlte man sie zuletzt damals, als es noch Viva Zwei gab. Willkommen zurück.

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