Ein Bruch im wahrsten Sinne des Wortes: Der seit einigen Jahren in Berlin lebende, irische Songwriter Andrew Stephen Fanning brach sich das Handgelenk und zwang ihn dazu, seinen Songwriting-Prozess an Keyboard und Drum-Machine zu verlagern. Dies kann man aus seinem vierten Album „Take Me Back To Nowhere“ deutlich heraus hören: Bewegte sich der Mann mit dem tiefen Baritone und den düsteren Songs früher zwischen Folk und orchestralem Rock, so sind nun Einflüsse von New Wave und Electronica deutlich zu vernehmen.
Klingt „Today Is For Forgetting“ nicht deutlich nach Leonard Cohen zu „I’m Your Man“ (1988) Zeiten, als er sich durch den Einsatz von Synthesizern einen moderneren Sound zulegen wollte? Und könnte das sphärisch schwebende „Now I’m In Love“ nicht einen Science-Fiction-Film mit Retro-Optik musikalisch untermalen? Und würde „Idiot Leader“ mit seinen stoischen Drum-Machine-Sounds nicht perfekt in eine Nebel umhüllte New-Wave-Disco im Berlin der 80er Jahre passen, irgendwo zwischen The Cure, Grauzone, Joy Division oder Anne Clark?
„Take Me Back To Nowhere“ nahm A.S. Fanning (Gesang, Gitarre, Synthesizer, Banjo, Melodica, Glockenspiel) zusammen mit seiner Live-Band - Bernardo Sousa (Gitarre, Synthesizer), Dave Adams (Orgel, Synthesizer, Klavier, Vibraphon), Fred Sunesen (Schlagzeug, Synthesizer) und Felix Buchner (Bass) - und dem Produzenten Robbie Moore im Idea Farm Studio, einem abgelegenen, umfunktionierten Bauernhof in Südschweden auf. Das Album ist als CD und LP (black Vinyl, transparent blue Vinyl) erhältlich.
Zusammen wird man das Album auch live präsentieren:
16.03.26 Langenberg, KGB
28.03.26 Altenkichen, Stadthalle
21.04.26 Hamburg, Knust
22.04.26 Leipzig, Secret Location
23.04.26 Dresden, Ostpol
25.04.26 Oberhausen, Gdanska
26.04.26 Offenbach, Hafen 2
27.04.26 Montabaur, Wohnzimmerkonzert
02.05.26 Berlin, Neue Zukunft
Aber durchgehend kühl und keyboard-lastig sind die Arrangements zum Glück nicht. Das regelrecht jubilierende Now I’m In Love könnte auch eine Platte von The Divine Comedy zieren, im Instrumental Back To Nowhere II nähert sich Fanning einem melodischen Post-Punk, ehe er gegen Ende mit dem prachtvollen Stay Alive und Talking To Ourselves als melancholischer Crooner im Nick-Cave-Modus brilliert. (…)Das Ergebnis ist eine Platte, die nicht wie eine schnöde Kopie des bejubelten Vorgängers klingt, Hörer von Mushroom Cloud aber kaum weniger begeistern dürfte.
Fanning setzt mit „Take Me Back To Nowhere“ auf Reduktion. Die Musik wirkt durchdacht, ohne verkopft zu sein, und emotional, ohne sich je in große Gesten zu flüchten. Wenn hier Pathos auftaucht, dann trägt es bequeme Schuhe und entschuldigt sich fast dafür, überhaupt da zu sein.Was das Album besonders macht, ist seine Konsequenz. Es gibt keinen Moment, in dem man das Gefühl hat, jemand hätte noch schnell „etwas Eingängiges“ einbauen wollen, um die Aufmerksamkeit nicht zu verlieren. Stattdessen vertraut das Album darauf, dass Zuhören an sich noch ein Wert sein kann.

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