Dry Cleaning - Secret Love


Die ersten beiden Alben von Dry Cleaning , einer Post-Punk-Kapelle aus London, die hauptsächlich durch den Sprechgesang von Florence Shaw heraussticht, sorgten für reichlich Furore: „New Long Leg“ (2021) wurde von Kritikern und Musikfans geliebt, was ein Metascore von 86/100 und Platz 4 in den UK Charts belegen. Der schnell hinterher geschobene Nachfolger „Stumpwork“ (2022), ebenfalls von John Parish (PJ Harvey, Aldous Harding) produziert, konnte da nicht ganz mithalten: 85/100 bei Metacritic und #11 in den Album-Charts in ihrer Heimat waren das Resultat.

Für „Secret Love“ ließ sich das Quartett nun etwas mehr zeit und wählte die walisische Musikerin Cate Le Bon als Produzentin (John Grant, Wilco, Horsegirl) aus. Jeff Tweedy stellte sich der Band nach einem gemeinsamen Festival als Fan vor, es fanden Demoaufnahmen in dessen Studio statt und da Wilco gerade mit Cate Le Bon an „Cousin“ arbeiteten war auch dieser Kontakt schnell vermittelt. Zusammen mit der Waliserin wurden alle in der Zwischenzeit entstandenen Demoaufnahmen in den Black Box Studios im französischen Loire Tal neu aufgenommen. Offensichtlich hatte die Umgebung eine entspannende Wirkung auf die Band und Le Bon animierte Florence Shaw wohl dazu, es in den Refrains auch einmal mit Gesang und nicht nur reinem Spoken Word zu versuchen. Der Einsatz von Synthesizern, Mandoline, Klarinette oder Saxophon erweiterte zudem das Klangsprektrum von Dry Cleaning.

Zum Abschneiden von „Secret Love“ lässt sich noch nichts sagen, aber bei Metacritic stehen aktuell 90/100 Punkten zu Buche. 

Secret Love“ wurde am 9. Januar über 4AD Records als CD, Kassette und LP (black Vinyl, apricot Vinyl) veröffentlicht.


 


Dry Cleaning fühlen sich wohl an der Grenze zum Unbehagen. Das beginnt bei den Albumcovern: zuletzt die Haare auf der Seife, jetzt die Augenspülung. Dagegen strahlt der stoisch gemurmelte Sprechgesang von Florence Shaw etwas Beruhigendes aus – wären da nicht der böse Humor und die düsteren Bilder, wenn Shaw von einem relevanzheischenden „Cruise Ship Designer“, grotesker Fleischpassion („Evil Evil Idiot“) und dem Hintergrundrauschen des Krieges („Blood“) erzählt.
Oder humoristische Reime einstreut: „I don’t like to clean / I find cleaning demeaning“. Vom Lachen zum Gruseln ist es nur ein kleiner Schritt. Und zwischen sägenden No Wave Gitarren und motorischen Drums formen sich spröde Ohrwürmer und geradezu beschwingte Jangle Pop Episoden. (…)
Da passt es, dass Shaw nach dem Cold Noise Stampfer „Rocks“ in „The Cute Things“ ihren lieblichsten Gesang herausholt, und die Gitarre schiefe Country Vibes verbreitet. Die Gegenwart ist dystopisch. Doch Spaß muss auch sein.


 


Florence Shaw breitet ihre absurden, mitunter süffisanten Reflexionen und Gegenwartsbetrachtungen diesmal nicht nur über herzflimmernde No-Wave-Kaskaden, die aus abgebrochenen Pixies-Demos editiert sein könnten („My Soul/Half Pint“), sondern auch über harsche Dream-Pop-Ebenen („Secret Love“) und verkrautete Folk-Flächen („Let Me Grow And You’ll See The Fruit“). Das Fragmentarische ist die DNA, aus der Dry-Cleaning-Songs geboren werden. In die Bilderflut aus Lebenslügen, Kriegsgräueln und propagandistischer Dauerberieselung mischt sich hier eine neue Zärtlichkeit.




3 Comments

  1. Ich zitiere aus eine E-Mail von Dirk an mich aus dem Jahr 2016: "Cate Le Bon hier und Cate Le Bon da?". Ja, Cate Le Bon ist in meinen Ohren eine spannende Künstlerin. Nicht all ihre Alben konnten mich überzeugen. Aber ihren Einfluss auf dieses Album schätze ich. 8,5 Punkt

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  2. Mich erreicht es (noch?) nicht so richtig. Daher zumindest vorerst 7 Punkte.

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