Ich würde vorschlagen, dass die Plattenrichter über den Titel des zweiten Albums von No Body entscheiden dürfen:
- Sollte der Punktedurchschnitt für „Loves You“ (Band und Albumtitel sind nach dem Song „Nobody Loves You (When You're Down and Out)“ (1974) von John Lennon benannt) unter 7,000 liegen, dann sollte es „Wants It“ (benannt nach dem Song „Nobody Wants It“ (2013) von Sevendust) heißen.
- Sollte der Punktedurchschnitt für das Debütalbum des Projektes von Aydo Abay (Blackmail, Musa Dagh, Abay, Freindz, Ken), Thomas Götz (Beatsteaks, Freindz) und Sascha Wiercinski (Old Nobody) zwischen 7,000 und 7,750 liegen, dann sollte es „Is Perfect“ (benannt nach dem Song „Nobody Is Perfect“ (2021) von Davina Michelle) heißen.
- Sollte der Punktedurchschnitt jedoch über 7,750 liegen, wodurch sich No Body gute Chancen auf unsere Jahres-Top 20 ausrechnen könnten, dann sollte der Albumtitel „Does It Better“ (benannt nach dem Song „Nobody Does It Better“ (1977) von Carly Simon) lauten.
„Loves You“ wurde Anfang März als CD und LP (coloured Vinyl) veröffentlicht. Die Songs wurden vom „Hobbymusiker“ Sascha Wiercinski (Gitarre, Bass, Keyboards) bereits in den letzten Jahren unter dem Namen Old Nobody veröffentlicht und nun mit den „Profimusikern“ Aydo Abay (Gesang) und Thomas Götz (Schlagzeug, Percussions) und unter Mithilfe von Gästen, wie beispielsweise Suzie Kerstgens (Klee) auf „Pancake Heart“, aufgenommen. Sascha Wiercinski hatte, als Fan von Blackmail, Aydo Abay einfach angeschrieben und nach einer Zusammenarbeit gefragt, aus der dann doch mehr wurde. Und vielleicht bleibt es ja nicht bei einem Album, was uns wieder zum Anfang bringt…
(…) Er schrieb ihm kurzerhand bei Facebook, wenig später hatte er Abays Zusage. Der hatte sich in den ruppigen Sound verliebt, in den geradlinigen Rocker „The Hideout“ etwa. „Out On Crystal“ wird von stoischen Drums und einem wütenden Riff angepeitscht, Abays Stimme steigt empor, kristallklar, aber emotionslos. Anderes ist sphärischer, wie „Twisties“, dessen verhallte Keys und Kajal tragende Gitarren an The Cure erinnern. Aus Facebook-Nachrichten kann also sehr Schönes entstehen.
Und es erstaunt beim Hören, wie harmonisch sich "Loves you" in die schillernde Abay-Diskografie einfügt. Wenn sich nach einer knappen Minute des Openers "0101" diese markante Stimme mit den Worten "Painful like a memory" zwischen die Bläsersounds mischt und dazu die Drums einsetzen, gefolgt von den Gitarren, dann ist das gar nicht painful, sondern eher wie ein Nachhausekommen.Noch mehr, wenn diese melancholische Stimme durch die Gitarrenwände von "Out on crystal" führt, bei denen Erinnerungen an beste Blackmail-Zeiten aufkommen. Während auch das eingängige "Computer yearbook '72" in diese (post-)rockige Richtung geht, überrascht das hypnotische „"Fear of the golden hour" mit sphärischen Sounds und erinnert so eher an das stark unterschätzte Soundtrack-Projekt Crash:Conspiracy. Angemessen David-Lynch-eskes Video inklusive. Auch "I have to bomb this mountain" und das düstere "Twisties" gehören zu den verträumteren Stücken der Platte, wohingegen das knackige "The hideout" noch einmal die Gitarren kreisen lässt. Und wenn sich zum Finale in "Pancake heart" harmonisch die Stimmen von Abay und Suzie Kerstgens von Klee umschlingen, gehen endgültig alle Herzen auf.
Musikalisch bewegt sich Loves You zwischen kantigem Post-Rock, sphärischen Soundlandschaften und direkten, treibenden Rockmomenten. Out On Crystal erinnert mit seinen stoischen Drums und dem wütenden Riff an die beste Phase von Blackmail, während Twisties mit verhallten Keys und schwebenden Gitarren Post-Rock-Melancholie verströmt.Doch das Album hat auch experimentelle Facetten. Fear of the Golden Hour spielt mit hypnotischen Soundflächen und düsteren Stimmungen, während I Have to Bomb This Mountain fast meditativ wirkt. Mit The Hideout folgt dann einer der direktesten Songs der Platte – ein kompakter, energiegeladener Track, der die Dynamik von No Body in ihrer reinsten Form einfängt. In Pancake Heart verschmelzen Abays Stimme und die von Suzie Kerstgens (Klee) zu einer berührenden Harmonie, die das Album mit einem emotionalen Ausrufezeichen beendet.Allerdings zeigt sich an manchen Stellen auch eine Schwäche dieser ungewöhnlichen Arbeitsweise: Einige Stücke wirken durch die fehlende gemeinsame Studiozeit in ihrer Struktur zu vorhersehbar. Dynamische Entwicklungen bleiben oft aus, was dazu führt, dass sich bestimmte Muster wiederholen, ohne sich weiterzuentwickeln. Gerade bei längeren Tracks wäre eine stärkere Dramaturgie wünschenswert gewesen, um den Spannungsbogen noch konsequenter aufzubauen.(Nicorola)
1 Comments
Ich tippe auf "Is perfect" bestenfalls. Eher sogar "Wants it". Von mir 7 Punkte
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