Neue Platten vorstellen, diskutieren und bewerten.




Sonntag, 21. Dezember 2014

Nils Petter Molvaer - Switch
Ingo Sonntag, 21. Dezember 2014 0 Kommentare






















Nils Petter Molvaer ist ein begnadeter Trompeter. Alleine damit könnte er mich aber nicht beeindrucken. 1997 erschuf er mit “Khmer” ein grandioses Album. Mit seiner Mischung aus Jazz und Electro schuf 1997 in Form des Albums “Khmer” einen Meilenstein, den er bislang nicht toppen konnte. Für Abwechslung sorgt der Norweger, weil er sein Instrument in verschiedenen Kontexten einsetzt. Mal sehr elektronisch, mal rockig, in Remix-Versionen und in verschiedensten Kollaboration. In den letzten Jahren fielen da vor allem “1/1”, das mit Moritz von Oswald eingespielte Album sowie “Baboon moon” auf. Letzteres überzeugt ich vor allem wegen Stian Westerhus’ packender Gitarrenbeiträge. 

“Switch” erschien bereits im Frühjahr 2014. Nils Petter Molvaer Alben muss ich immer etwas Zeit geben und davon hielten mich viele andere Veröffentlichungen ab. Stian Westhus war nicht an den Aufnahmen beteiligt, aber statt dessen mit Geir Sundstol ein Musiker an der Pedal Steel Gitarre. Diese verleiht einigen der Songs auf “Switch” einen Country Touch. Ansonsten leisten der Madrugada Schlagzeuger Erland Dahlen sowie Morten Qvenild und Jon Marius Aareskjold überzeugende Arbeit in der Electro-/Ambient Abteilung. “Switch” hatte gute Chance, in meinem musikalischen Jahresendspurt unterzugehen. “Khmer” und “Baboon moon” kann es in seiner Wirkung nicht erreichen, aber es ist 2014 ein einzigartiges Album und eine mehr als nur nette Abwechslung. 

“The kit”, “Strange pillows” und “Bathroom” gefallen mir auf “Switch” am besten, da sie vor Energie und Spannung glühen. Wer die ruhigeren Momente sucht, sollte sich an die vier “Intrusion” Titel halten. 

Sicher hat Molvær mit "Switch" den Jazz nicht neu erfunden – diesen Job hatte er schon mit seinem Debüt "Khmer" abgehakt. Wie er aber bis heute seinen eigenen Kosmos beständig weiterentwickelt, ihm neue Farben beimischt und so den Stillstand partout negiert, ist bewundernswert. Das gilt auch für sein Spiel, das bei allem Lob über den brillanten Sound seiner Platten oft sträflich vernachlässigt wird. Molvær hat einen eigenen, unverkennbaren Ton, und seine Gabe, zielsicher träumersiche Melodien aus der Luft zu angeln, ist einzigartig. 

Der Titelsong:

Samstag, 20. Dezember 2014

The Hit Parade - Cornish Pop Songs
Dirk Samstag, 20. Dezember 2014 0 Kommentare


















"Semper eadem" lautet das Motto von The Hit Parade und so veröffentlicht das Trio seit 1984 unregelmäßig Singles (13) und Alben (6), die ihrem Stil zwischen Indiepop, Twee und C86 treu bleiben. 

Die ganz große Karriere haben die Schulfreunde Raymond Watts, Matthew Moffatt und Julian Henry dabei nicht mehr im Sinn, den The Hit Parade betreiben sie nur neben ihren eigentlichen Berufen. Dabei dürften die 14 "Cornish Pop Songs" zumindest Fans von The Lucksmiths, Sammlern von Sarah Records Platten und Besuchern des Indietracks Festivals ein Lächeln ins Gesicht zaubern. 
Cath Carroll unterstützt das Trio auf drei Songs gesanglich, Ian Catt von Saint Etienne nahm den zeitlosen Indiepop auf und warum es sich auf der Platte um Cornwall dreht, fasst Julian Henry so zusammen: "I'm sick of people glamorising cities like New York and Paris, Cornwall is as far away from London as it's possible to get, and that's why I love it".



This move doesn’t quite see the self-styled “London's No.1 Pop Group” turn into “Cornwall’s No.1 Pop Group” but the Cornish milieu dominates proceedings. There’s even - gasp! - biting social commentary on The Ghost of the Fishing Fleet.

Did someone say concept album? How wrong they were. This is very much a Hit Parade album, so it’s songs about girls and being a bit of a loser in love. Old musical themes are revisited: Spector piano on From Paddington to Penzance, fist-pumpin’ punk pop on Treen Girl, pocketbook electropop on See You At The Seaside, gurlie dickweed indie on Zennor Mermaid.

So business as usual, then. Only instead of getting dumped in London’s leafy western suburbs, it will come as no surprise when our hero Julian Henry advises us that the “girl from Penzance/kicks me in the pants”.
(Did not Chart)

Cornish Pop Songs is a glorious collection of melodic, memorable guitar-based tunes which harks back to the sweet sha-la-la of the indie years but packs a 21st century production punch, all topped by Julian's eager schoolboy-like vocals. You'd never guess he's 55. (...)

Highlights include the quite beautiful Zennor Mermaid (a cousin to Blur's To The End) and the Undertones-like power pop of Treen Girl. It's the perfect summer soundtrack and a brilliant, cohesive album with or without the Cornish connection.
(West Briton)


Donnerstag, 18. Dezember 2014

Nervous Nellie - Where The Nightmare Gets In
Dirk Donnerstag, 18. Dezember 2014 0 Kommentare



















Das 2010er Album "Why Dawn Is Called Mourning" und ein Auftritt im Vorprogramm von den Shout Out Louds ließen mich Nervous Nellie in die nicht allzu häufig von mir geöffneten Schublade "folkiger Rock mit nasal-nervigem Gesang" stecken.

Jedoch hat das schwedische Quartett sich für den Nachfolger "Where The Nightmare Gets In" reichlich Zeit gelassen und präsentiert darauf 10 Songs, die abwechslungsreicher, tanzbarer, experimentierfreudiger und psychdelischer geraten sind. So hat "You're So Sad" einerseits Streicher, Glockenspiel und Akkordeon zu bieten und ist andererseits ein Duett mit der Sängerin und Schauspielerin Paloma Faith, am Ende von "Eaten By Bears" erklingen Flötentöne, Bläser werten "The Violence" oder "Dead Dirt" auf und das elektronische "Gloves" strebt auf die Tanzflächen und ist vielleicht das, was die Stars auf ihrem letzten Album versucht, aber nicht geschafft haben. Das Gleiche könnte man übrigens auch über das groovende "Skeletons" und die letzten Alben der Infadels sagen. 

Nervend-nasaler Gesang? Fehlanzeige. Das gleiche Resultat erhält man übrigens als Antwort auf die Frage nach Ausfällen oder Füllern. "When Nightmares Gets In" ist ein durchgängig gelungenes Album, das Indierock und Synthieklänge kombiniert und in den letzten Monaten zunächst als EP-Trilogie erschienen war und nun als vollständiges Album veröffentlicht wurde. Eine gute Entscheidung! Genau wie die, dass ich diese Schublade noch einmal aufgezogen und die runderneuerten Nervous Nellie neu entdeckt haben! 
     


Es ist ein lustvolles Stöbern und Stochern in akustischen Traditionen, ein halb intellektuelles, halb intuitives Arrangieren von kanonisierten Versatzstücken, die sauber aus dem historischen Kontext herausgearbeitet und neu interpretiert werden. Und genau in dieser übergreifenden Strategie offenbaren NERVOUS NELLIE ihre Klasse. Denn selbst wenn das Gesamtbild manchmal etwas verworren bleibt, gewährt “Where The Nightmare Gets In” einen flüchtigen Eindruck davon, wie gute Musik im noch ungefestigten neuen Jahrtausend klingen könnte – eklektisch, ekstatisch, elegant.

Am Ende hinterlässt “Where The Nightmare Gets In” einen harmonischen Eindruck. Die Band schafft Atmosphäre mit einem Hauch von Mystik. Dabei setzt man ganz auf Minimalismus, der hypnotisiert und fasziniert. Die Musikwelt wird von diesem Beben wohl noch sehr lange etwas spüren. “Where The Nightmare Gets In” erzeugt eine fesselnde Leere, in die man sich immer und immer wieder fallen lassen will – am besten in der U-Bahn, auf dem Weg zum nächsten Glühweinstand, während man sich zwischen den warmen Winterjacken versteckt und die Platte schluchzend ins Herz schließt.
(Terrorverlag)



(....) Besagter Bonus-Track ist “No Sound”, ein treibender Song mit semi-elektronischem Unterbau, der ein wenig an LCD Soundsystem erinnert, dabei aber die typisch schwedische Indie-Schule durchläuft – ein Kickstarter, der ebenso einen pulsierenden Abschluss zu einer hochgradig abwechslungsreichen Platte darstellt. Gleichzeitig wäre es aber auch schwer “Beacons” als Opener ‘abzusetzen’ mit dem feinsinnigen Wave-Rock-Sound, der in seiner nachdenklichen Grundstimmung ein wenig an Arcade Fire erinnert. Gerade Henrik Jonzons lakonische Darbietung in den Strophen rückt die Schweden ganz nahe an Kanada dran.
Und dann ist da noch der leicht kratzige, verwundbare weibliche Gesang in “You’re So Sad”. Der relativ typisch skandinavische Folk-Popper wird aber nicht von irgendeinem lokalen Stimmchen unterstützt, sondern vom exzentrischen britischen Soul-Wunder Paloma Faith – eine Überraschung, denn so fragil und zurückhaltend kennt man die Dame mit dem extravaganten Modegeschmack gar nicht. Im Alleingang punkten Nervous Nellie aber ebenso. Das schwerfällige “Gloves” mit seinem Zuckerguss-Überzug, das stoische “The Violence” mit Rock-Dynamik und das zittrige “Skeletons” zählen zu den weiteren Highlights.
(beatblogger)



Mittwoch, 17. Dezember 2014

Caribou - Our Love
Dirk Mittwoch, 17. Dezember 2014 1 Kommentare




















Seit einigen Jahren pflegt einer unserer Richter die schöne Tradition auch die gesammelten Urteile von anderen Gerichtshöfen zusammenzutragen. Wurde das Album des Jahres der professionellen Musikredaktionen hier nicht vor Gericht gezerrt, so postet er die jeweilige Bestenliste eben beim Zweit- oder Drittplatzierten. 

Damit Ingo dieses Jahr bei der Bestenliste des Musikexpress nicht auf "Love Letters" von Metronomy zurückgreifen muss, sei hier noch die Vorstellung von "Our Love" nachgetragen.

Der Kanadier Dan Snaith veröffentlichte nach "Jiaolong" (2012) unter dem Namen Daphni nun wieder als Caribou eine Platte, die es sowohl hoch in diverse Bestenlisten als auch unterschiedliche Charts schaffte: In den USA und Kanada konnten die Plätze 46 bzw. 19 vermerkt werden, im Vereinigten Königreich wurde sogar Rang 8 erreicht. Das war selbst dem hoch gelobten Vorgänger "Swim" 2010 nicht gelungen. "Our Love" bindet in seine tanzbaren, elektronischen Klänge nun auch vermehrt Einflüsse von R&B, Hip Hop sowie 80ies ein, lässt Caribou ein wenig näher an Daphni heranrücken und hat mit Jessy Lanza (Gesang) und Owen Pallett (Geige) zwei bekannte Mitstreiter zu vermelden. 

Mit folgender Laudatio kürte der Musikexpress "Our Love" vor der Wahl zum Album des Jahres 2014 natürlich auch zur Platte des Monats:  
Die Aufgabenverteilung war bisher also klar: Caribou, das Einmann-Studio- und Band-Live-Projekt für elektronisch infizierte (weitgehend vokale) Musik, die für den Publikums-Crossover gemacht war; Daphni, das Einmannprojekt mit elektronischer (weitgehend instrumentaler) Musik für den Club-Kontext. Das vierte Caribou-Album, OUR LOVE, nun bestätigt den Anfangsverdacht, den die Schon-lange-vorab-Single, der Soundcloud-Wundertrack „Can’t Do Without You“ (bei Redaktionsschluss mehr als 1,3 Millionen Mal gespielt), angedeutet hatte: Die Caribou- und Daphni-Musiken nähern sich an, finden zuei-nander, die Grenzen verschwimmen, die beiden Alter Egos morphen zusammen zu einem musikalischen Charakter.

Das Endprodukt dieser Metamorphose könnte unter Umständen bei den Menschen, die in der Indie-Disco zu Songs wie „Odessa“ und „Bowls“ verzückt ihre Körper bewegt haben, für leichte Verwirrung sorgen. OUR LOVE ist Musik, die sich vom Indie-Rock entfernt, eine Art Hyper-House, dessen Alleinstellungsmerkmale sich der begnadeten Hand Dan Snaiths verdanken: perlende Analog-Synths, verhaltene Basslines, hiphoppige Beats, Gesangssamples von alten Soul-Platten, die Snaith wer weiß wo aufgetrieben hat, Minimalismus mit funky, souly Vibes, kurze Streichersätze, von Snaith-Freund Owen Pallett arrangiert, Bezüge auf den zeitgenössischen Electronic-Soul, Richtungs- und Stimmungswechsel zur rechten Zeit. Und dieses Gespür für poppige, melancholische Melodien, die wahrscheinlich dafür verantwortlich sind, dass die Caribou-Musik auch außerhalb der Club-, House- und Elektronik-Zirkel gemocht wird.


Man hört dieses Album wie eine perfekte Pop-Platte wieder und wieder. Und es ist eine Pop-Platte – die beste, die man derzeit finden kann. Dazwischen immer wieder dieser elegische, von Effekten verfremdete Falsett-Gesang. Die recht clubbige erste Single „Can’t Do Without You“ deutete es an: Dieses vierte Caribou-Album ist eine schwelgerische Angelegenheit. Tendenziell melancholisch zwar, doch ist es fast unfassbar, wie sehr diese Stücke die Welt umarmen wollen. Shoegaze-Haltung und die Endorphine im Überschwang – hier schließt sich das nicht aus. Für einen Aha-Moment sorgt vor allem der Titeltrack „Our Love“, der plötzlich in eine Bassline mündet, die an die frühen LFO erinnert, dann scheint es so, als entfache Kevin Saunderson mit seinem Inner City-Synthesizer pure Ekstase, bis einem gewahr wird: Hier spielt Owen Pallett, der auch auf einigen anderen Tracks mitwirkt, sein Cello. Der wunderbarste stille Moment ist der beatlose R&B-Song „Second Chance“, gesungen von Jessy Lanza, die sich in Aaliyah-Manier von Synthesizer-Arpeggios begleitet eine zweite Chance herbeiwünscht. Ganz, ganz groß. Oh ja, Our Love ist mehr als nur ein würdiger Nachfolger von Swim.
(Groove)



Dienstag, 16. Dezember 2014

Beck - Morning phase
Ingo Dienstag, 16. Dezember 2014 0 Kommentare






















Bei all dem musikalischen Output, welchen Beck in Form von zwölf Alben in 29 Musikjahren so erzeugte, blieb mir gerade das für ihn ungewöhnlich gewöhnliche “Sea change” in Erinnerung. Nur mit einem derart ausgeglichenen Album konnte Beck damals im Jahr 2002 überraschen. Mit Produzent Nigel Godrich gelang ihm eine sehr persönliche und intime Platte, die Becks Fähigkeiten als Songwriter in den Mittelpunkt stellten. Zwischenzeitlich hat sich Beck mit “Guero”, “The information” und “Modern guilt” ausgetobt. Offensichtlich war die Zeit nun wieder reif für ein ruhiger Beck Album. 

Nun zwölf Jahre später und sechs Jahre nach “Modern guilt” knöpfte Beck mit “Morning phase” an “Sea change” an. Zum Teil finden sich darauf Titel, die bereits vor Jahren entstanden sind. Nun spielte er diese und neue Songs mit den gleichen Musikern ein, die er auch bei “Sea change” um sich scharrte. 

Wenn Beck seine Singer/Songwriter Fähigkeiten in den Mittelpunkt stellt, klingt das wie auf “Morning phase”: Nach Folk und verträumten Pop.

“Morning phase” lebt auch von der Stimmung, die der Hörer mitbringt. Das Album kann recht belanglos vor sich hinplätschern. Aber “Morning phase” kann auch einfach nur wundervoll und heimlich mitreißend wirken. Das Album landete nicht nur wegen der langen Wartezeit auf ein neues Lebenszeichen von Beck in vielen Jahresbestenlisten. 

“Morning”, “Say goodbye”, “Blue moon” und natürlich “Turn away” sind meine Anspieltipps auf “Morning phase".

Music OMH:
Morning Phase rounds out with its strongest tracks, Country Down and Waking Light, both musically lush and lyrically optimistic. The album ends as Beck wakes up ready to face a new day. Whether his melancholy morning is a phase or part of a larger cycle to which he may return in the future (the latter is more likely), Beck proves once again here that he’s a tremendously versatile artist, capable of excelling throughout the musical spectrum.

“Waking light” live bei Conan:

Montag, 15. Dezember 2014

Jack Ladder And The Dreamlanders - Playmates
Dirk Montag, 15. Dezember 2014 0 Kommentare




















Tim Rogers croont auf "Playmates" zu synthetischen 80er Jahre Klängen, wie Gabriel Bruce im letzten Jahr auf "Love In Arms" oder wie Nick Cave in seinen Alpträumen, aus denen er seit 1996 und der Zusammenarbeit mit der Synthie-Pop-Ikone Kylie Minogue schweißgebadet aufwacht. Cave gelang es sich den Verlockungen der New Romantic-Einflüsse und Synthie-Sounds (zumindest diesen) zu erwehren, Rogers nicht. Und so singt dieser nun mit tiefer Stimme zu Beats aus dem Drumcomputer über Liebe und Tod, bewahrt sich dabei aber seinen Humor und lässt uns immer wieder an Herrn Cave denken.

Der ebenfalls aus Australien stammende Tim Rogers nennt sich als Musiker Jack Ladder, hat zur Unterstützung seine Dreamlanders (Kirin J. Callinan, Laurence Pike und Donny Benet) dabei und hat mit "Playmates" in Australien bereits sein viertes Album veröffentlicht. Dass es nicht immer die Sounds der 80er Jahre sein müssen zeigen unter anderem die akustische, zu Bossa Nova-Rhythmen schunkelnde Ballade "Let Me Love You" und der verstörende Rock 'n' Roll von "Reputation Amputation", der tanzbare Beats aufkreischende Gitarren treffen lässt. Gesanglich werden Jack Ladder And The Dreamlanders übrigens auf zwei Songs ("Come On Back This Way" und To Keep & To Be Kept") von Sharon Van Etten begleitet.
      


The music is still fed through the framework of 80’s rock, but is decisively modern and of the time. Ladder is paced at the forefront, his baritone as intoxicating as ever and his dry gallows humour traced across his incisive lyrics. His crack team execute this vision masterfully. There isn’t a scarce trace of ego in these songs. Every buzzsaw guitar solo, drop of feedback, keyboard line and production trip serving the atmosphere the song demands. Whether it’s the morose loss of "Come On Back This Way", the sinister moping horror trickling through "Neon Blue", the nod to flat out metal aggression of "Reputation Amputation" or the old world romanticism at the heart of "To Keep and Be Kept".
Playmates is the strongest record Jack Ladder has written yet. It’s a record that looks deep into human nature and desires and throws them back at you, with a neat glass of whiskey and a knowing nod. Its achieved using tools of a traditional rock band, with the end product both of our time and timeless.
(The AU Review)


True to the Gary Numan mould of pop music there is little room for virtuosity, every guitar or xylophone melody feels perfectly calculated and placed, the simple but effective nature of the melodic lines rendering some of the songs a classic anthemic quality, which is at the same time understated.

This backdrop allows Jack Ladder the space to match his heartbeat to the drum machine, bringing all the passion and life to the songs as he pleads, purrs and croons his way through these ten remarkable tracks.

One of the things that sets Ladder apart from his contemporaries is his lyrics. Slow Boat to China opens with the image “I watch the whale ride the wake / throwing fountains at the sun,” while on what should be the next single To Keep and to Be Kept, a wry sense of humour shows through the deadpan – “and me, I’ve always been a country of one / since we met, border control’s all come undone.”

Reputation Amputation adds diversity to the album’s sound by showing Ladder’s rock'n’roll leanings, his howls adding credence to all those Nick Cave comparisons while an incredibly distorted guitar and almost dance-like beat brings to mind Marilyn Manson’s The Beautiful People.

The delicate Let Me Love You is a standout track and a gloriously understated love song, with Ladder’s vocals mixed to the front, the acoustic instrumentation sounding crisp and natural, not a synth to be found.

If you are not a fan of 1980s pop or are sick of bands with synthesisers and snare reverb – don’t be fooled. This is not a genre record, but a clever and rewarding album that should be making all the Best Australian Releases lists for 2014 in a few months. Highly recommended if you like: music.
(Beat)

Sonntag, 14. Dezember 2014

The Afghan Whigs - Do the beast
Ingo Sonntag, 14. Dezember 2014 0 Kommentare






















Die Afghan Whigs wurden allein schon wegen ihres Vertrages mit Sub Pop dem Grunge zugeordnet. Das mag auch dem Alternative Rock der Band gerecht werden, nicht aber Greg Dullis soullastigem Gesang. Mit diesem bereichert er nicht nur The Afghan Whigs sondern auch The Twilight Singers. Ferner war Dulli u. a. als Sänger der Backbeat Band und mit Mark Lanegan als Gutter Twins auf deren Album "Saturnalia" aktiv. Auf dem vorletzten dEUS Album “Keep you close” war er ebenfalls zu hören. 

The Afghan Whigs entstanden 1986 aus The Black Republicans. Dort waren Greg Dulli und Bassist John Curley bereits gemeinsam aktiv. Über Curley lernte Dulli den Gitarristen Rick McCollum kennen und deren Affinität zu R&B war vielleicht der Grund, dass The Afghan Whigs aus der Taufe gehoben wurden. Diese Vorliebe äußerte sich verborgen in einigen Rhythmen der Band aber vor allem in Dullis Gesang. Und dieser ist auch bis heute das Alleinstellungsmerkmal der Band. Er überdauerte die ersten 15 Jahre der Bandgeschichte und wurde sowohl bei der ersten Reunion im Jahr 2006 als auch bei der “Wiederbelebung” seit 2011 zelebriert. Verloren hingegen ging leider mit Rick McCollum dessen Gitarrenspiel.

“Do the beast” ist das siebte Album der Band aus Cincinnati und damit ihr erstes in diesem Jahrtausend. Viele von Dullis musikalischen Freunden durften darauf mitwirken. “Do the beast” bietet überzeugendenden Alternative Rock und eine gute Bühne für Dullis Gesang. An der ein oder anderen Stelle ist das vielleicht einen Tick überladen, aber in der Gesamtheit ist “Do the beast” zwar nicht das beste Afghan Whigs Album aber eines der besten Rock Alben des Jahres. 

Laut.de sieht es etwas anders:
So ist "Do To The Beast" die bisherige Krönung des ohnehin hochwertigen Schaffens der Whigs.
Throughout the album, Dulli seems to be treating the band’s own career in the same way he treats an old R&B record: as raw material for his current obsessions. As he nears 50, he’s able not only to play up the rough grain in his voice as he grasps for high notes on “Lost in the Woods”, but also to take in the breadth of his career to date. If his catalog is a car, he’s stripping it of its parts and refashioning something newer, more streetworthy. So Do to the Beast may not always sound like an Afghan Whigs album, but it operates like one, scavenging the darker corners of pop history to create something personal, vital, and urgent.

Für den 11.02.2015 in ein Auftritt der Band in Hamburg geplant. 
 
Das Video zu “Algiers”:

Freitag, 12. Dezember 2014

2:54 - The other I
Ingo Freitag, 12. Dezember 2014 1 Kommentare






















Jeder Musikfan könnte sich einen Bandnamen analog zu dem der Londoner Band 2:54 bilden: Einfach die Lieblingsstelle der Lieblingssongs über die Zeitmarke identifizieren. Für 2:54 war es “A history of bad men” der Melvins. Für mich wäre es vielleicht 2:40… oder 4:18… oder doch 3:50...

Die beiden Schwestern Colette und Hannah Thurlow wurden in Irland geboren, wuchsen aber in Bristol auf. 2007 gründeten sie die Punk Band The Vulgarians. 2010 wurde darauf 2:54 und eine musikalischer Aufbruch in Richtung Alternative Rock. Grob umreißen lässt sich das mit den Bands, welche sie auf Tour begleiteten: Melissa auf der Maur, Warpaint, The XX, The Maccabees und den Wild Beasts. Garbage, PJ Harvey, Tori Amos und The Cure kann man auch als Referenzen finden. 

Das selbstbetitelte Debüt erschien 2010. Nun legt die Band um die beiden Damen mit “The other I” nach. Die Grundausrichtung hat sich nicht geändert, aber das Zweitwerk wirkt definierter und bestimmter als das Debüt. Vage Goth und Shoegaze Andeutung sorgen für eine gedämpfte aber trotzdem packende Stimmung. 

Einzigartigkeit beweisen 2:54 nicht mit jedem ihrer Songs, aber “Blindfold”, “In the mirror”, “Sleepwalker”, “Crest” und vor allem “Raptor” zeigen gut, was in der Band steckt.

Bei der ersten Vorladung im Jahr 2012 traf die Bahn auf milde gestimmte Richter. Ich bin gespannt, wie der Wiederholungsfall gewertet wird.

Die poetischen Worte überlasse ich dem Terrorverlag:
Man möchte genau verstehen und fühlen, realisiert aber, dass man sich dem nur annähern kann. Denn hier ist alles zur rechten Zeit am rechten Ort. Ein Zustand, wie er eben nur in jenem Moment passieren kann, der nicht zu erklären, nicht zu greifen ist, der nur ein einziges Gefühl ist: pure Liebe, zur Musik, zu den Worten, zum Leben. Und wenn man wiederum in irgendeiner Weise versucht, diese zu Musik und Worten zu machen, dann ist ein solches, zutiefst weises Album das Ergebnis.

Das Video zum Opener “Orion”:

Donnerstag, 11. Dezember 2014

The Coral - The Curse Of Love
Dirk Donnerstag, 11. Dezember 2014 0 Kommentare




















Sprachen wir gestern noch bei der Vorstellung von Saint Saviours "In The Seams" über deren Produzenten Bill Ryder-Jones, so wenden wir uns heute dessen früherer Band zu, denn auch The Coral haben kurz vor Jahresschluss mit "The Curse Of Love" noch still und heimlich ein neues Album veröffentlicht.

Doch so ganz neu ist die Platte eigentlich nicht, denn "The Curse Of Love" gilt als das verschwundene The Coral-Album und wurde zwischen 2005 ("The Invisible Invasion") und 2007 ("Roots & Echoes") aufgenommen, also auch noch mit Bill Ryder-Jones, der damals selbst noch nicht richtig wusste, ob er der Band den Rücken kehren oder doch noch dazu gehören wollte.

Die restlichen Mitglieder von The Coral haben seitdem ohne Ryder-Jones nur "Butterfly House" (2010 Platz 40 bei Platten vor Gericht mit 7,375 Punkten) veröffentlicht, obwohl ihre ersten fünf Alben in nur sechs Jahren erschienen waren. Nun haben sie also "The Curse Of Love" aus dem Archiv ausgegraben, schließen somit für Coral-Fans eine Lücke, bringen sich wieder in Erinnerung und können vielleicht auch neue Freunde für ihren Psychedelic-Retro-Folk-Rock gewinnen. 




Jedoch sind sich die Kritiker uneins bezüglich der Qaulität von "The Curse Of Love": Während der NME 8/10 Punkten und der Musikexpress 4 Sterne vergeben...

'The Curse Of Love' is a neat record, filled with the mystic folk and lithe psychedelia that made them so refreshing back in the day. The knowledge that it was produced on a Tascam eight-track recorder adds to the dusted off aesthetic, but the real goods are in the dream-like, Lennon-flavoured beauty of 'Gently' and the powerful fuzz-bombs of 'The Watcher In The Distance', songs that should never have gathered dust in the first place. 

Alles klingt noch psychedelischer als gewohnt, eine träumerische Art verschafft sich Platz und James Skelly berichtet andächtig über die britische Geschichte und Natur. Inspiration kommt von den altbekannten Vorbildern The Doors, Love und Echo & The Bunnymen. Beim Anblick des Covers muss man auch an Caravan denken, die Farbgebung ähnelt der auf In The Land Of Grey And Pink. Ohne den Druck, einen Hit abliefern zu müssen, fließt alles wie von selbst zusammen, ganz ungestört.    




... kommt The Line Of Best Fit nur auf 4/10 Punkten und hätte das Album lieber im Archiv verblieben gewusst:

Some pretty minimalist instrumentation keeps The Curse of Love firmly in the realm of middle-of-the-road folk, although the album suffers from some really odd production choices. The weird, wobbly synth that runs through "Wrapped In Blue" and "You Closed the Door" sticks out like a sore thumb in an otherwise consistent sounding LP, whilst the two instrumental tracks "The Second Self" and "Nine Times The Colour Red" mis-fire horribly.

There are a few moody, atmospheric highlights – "View From The Mirror" and "Willow Song" both achieve an eerie kind of beauty – but for the most part The Curse of Love doesn’t offer any of the pop hooks that made early Coral albums so enjoyable.  "The Watcher In The Distance" makes an attempt at anthemia that falls flat on its face, and otherwise James Skelly’s vocal talent feels wasted on a record that miserably plods along.

The album’s real saving graces are its opening and closing title tracks, which share the same chorus but evoke different feelings. "Curse Of Love (Part One)" starts things off on a bit of a downer, with Skelly moping about “shadows against the wall”, whilst part two ends the record on a New Flamenco-inspired high. It’s an intriguing choice that mirrors the tone of the album, which starts depressingly and perks up towards the end.

(...) The band’s strength has always lied in melodic psychedelia and ska, and whilst this isn’t their first attempt at folk, it’s by far their weakest. Considering their reputation as one of the Noughties' most inventive indie bands, it probably would have been for the best if The Curse Of Love had stayed lost.




Mittwoch, 10. Dezember 2014

Saint Saviour - In The Seams
Dirk Mittwoch, 10. Dezember 2014 0 Kommentare




















Auch Becky Jones möchte sich mit ihrem im November erschienenen zweiten Album "In The Seams" noch hoch in den Jahresabschlusscharts platzieren. 

Wer mit dem bürgerlichen Namen der Engländerin zunächst nichts anzufangen weiß, der kennt vielleicht ihr unter dem Künstlernamen Saint Saviour veröffentlichtes Debütalbum "Union" (2011) oder ihre Stimme von einigen Tracks (z.N. den Singles "I Won't Kneel" oder "Paper Romance") von Groove Armada aus dem Jahre 2010. 

Wer auch bei dieser Auflistung passen muss, dem sei verraten, dass ihr Gesang häufig mit Kate Bush, Elizabeth Fraser oder Sinéad O'Connor verglichen wird. Mir kommen beim Hören von "In The Seams" noch Goldfrapp, Feist und Joanna Newsom in den Sinn.
Auf die elektronischen Elemente, die ihre Arbeit zuvor immer begleiteten, hat Jones nun vollkommen verzichtet, statt dessen gibt es düsteren, verletzlichen, intimen und handgemachten Kammerpop (Piano, Akustikgitarre, Streicher, kaum Rhythmusinstrumente), der zusammen mit dem Singer/Songwriter, Produzenten und früherem The Coral-Mitglied Bill Ryder-Jones und dem Manchester Camerata Orchestra entstanden ist.      

Die Kritiken sind durchgängig gut bis sehr gut (nur Mojo straft das Album mit 4/10 Punkten ab), einen ersten Eindruck können die Videos zu "I Remember" und "Let It Go" vermitteln:

With In The Seams she is fully committed to a rich, baroque, string-soaked body of songs which is as inviting as it is distant. Jones has made something incredibly personal. While many songwriters try and capture the magic of letting you into their private thoughts – and fail through insincerity - Saint Saviour is able to weave an entire universe above your head with songs of remembrance and forgiveness. There's a frailness to her approach that is hugely seductive. This isn't a pitying whine she's letting out, and nor has she had enough – there's a huge strength that propels each song forward, gently.

The heart may be broken, but it still beats hard. That said, this album isn't going to make you an emotional wreck (well, not entirely). Where 'Nobody Died' and 'Intro/Sorry' could easily see you gently weeping through your commute or while you're up too late with a crap bottle of wine, there's enough light too. Naturally, the light makes the shade even darker, but this is pop music and where would we be without melodrama?
(The Quietus)


Beginning with the ocean's sigh, Saint Saviour's newest release, In the Seams, is a collection of beautifully constructed songs that organically unfurl as the album progresses. The songs gracefully build around complex lyricism. In just over four minutes, "Let it Go" explores the battles of time, purpose, solitude, and fantasy. The entire album is packed with these explorations, each song a delicate microcosm exploring a minute world filled with such weighty decisions. This album is not one to be listened to half-attentively, for its magic lies in those tiniest of details. With mindful ears, the listener will become aware that each line from the strings strengthens a song's meaning. A lush, mournful swell builds at the beginning of "Nobody Died," while a jumpy finger-picking establishes a lilting quality for "Devotion." A haunting mood is evoked by "James," as a swirl builds around the bell kit's line, which is then handed off to the piano. Saint Saviour establishes an ethereal world all her own on this album, beckoning the listener to its sound as a siren calls a sailor to the rocks. Be careful, lest you miss the sharpness of its poignant lyricism amid such orchestral beauty.
(Culture Collide)


The album begins with a sound that resembles both rushing waves and the sigh of wind blowing through the trees. A warm metallic drone and an arpeggiated piano passage play beneath her softly intoned humming as she sings, “I’ve made considerable mistakes / tried to be someone else. I’ve smoothed the creases from my face / fought a war for myself,” on opening track “Intro (Sorry)”. It is a breathtaking introduction to the record, one that perfectly encapsulates the mood of the album as a whole.

In an ideal world, the record’s latest single “Let It Go” would be that one song to thrust Saint Saviour’s career into the stratosphere. She damn well deserves it, but such success is uncertain in the age of auto tune. Jones sings, “Every second I get older there’s a line / I get down and pray for time / Every moment is a boulder being fired / Every night a day has died.” The tender pianistic chords, panoramic strings and Liz Fraser-esque vocal phrase that concludes the song are all exquisitely rendered. With a chorus that revels in the power of now, the track is the most commercial offering on the album, perfectly suited for the soundtrack of a brooding indie film or even something more mainstream.

“Intravenous” recalls the fragile compositional style of English singer-songwriter Vashti Bunyan and the pastoral chamber folk of Caroline Lavelle’s album A Distant Bell. Accompanied by a delicately plucked harp and a gently strummed guitar, Jones sings of the intoxicating effects of “a love that’s simplified and pure”. She then meditates on the subject of fame and happiness, as “Sad Kid” describes a “wandering troubadour” who left town ages ago to claim his spot in the limelight, only to return unfulfilled, despite his success. When she breaks out in a soothing hum during the song’s interlude, its tone carries more emotional gravitas than all the vocal histrionics in the world could ever deliver.

Percussion is used sparingly throughout, appearing only when it suits the mood of the piece, as in the case of the soaring “Let It Go”, during the climax of “James”, and on the lovely “Bang”. It is the quieter moments that are the most spellbinding though, and the album’s lead single “I Remember” sounds like it dropped from the clouds above. Ryder-Jones’s gossamer arrangement lets the pure beauty of Saint Saviour’s voice breathe and blossom throughout. She sings, “I remember when we were skin and bone, tough and cruel / But bruises brown and fade away.” Waxing nostalgic about youth, loneliness and friendships that dissolved, she contemplates the fate of all those who were such an integral part of her life as a child.

Following the baroque pop of “Craster”, the mood lightens a bit with the playful, finger picking folkiness of “Devotion”. It is a testament to the talent of both producer and songwriter that the uptempo mood of the track doesn’t derail the flow of the album. One might have thought that Jones would have run out of steam by this point in the record, but they’d be sorely wrong. “James”, a haunting song about a bullied adolescent boy, arrives at the end of the record to silence any potential detractors. The sound of giggling children gives way to the wintry tone of a vibraphone. Its swirling melody is duplicated in the piano line, as strings are tenderly wrapped around the song like a bright, silvery bow. Songs such as these were designed to be played endlessly on repeat.
(Pop Matters)


Dienstag, 9. Dezember 2014

Otto A. Totland – Pinô
Olly Golightly Dienstag, 9. Dezember 2014 1 Kommentare



Schön, dass ich diese Platte noch vorstellen kann. Als mein Interesse an diesem Album geweckt wurde, war die wunderbar aufgemachte und auf 350 Stück limitierte Vinyl-Auflage schon längst vergriffen und erzielte auf discogs Preise von über 70 Euro (und tut dies immer noch). Im November erschien dann für alle Zuspätgekommenden eine zweite, weniger aufwendig gestaltete Version der Schallplatte.

Totland ist kein Unbekannter. Zusammen mit Erik Skodvin produzierte er zwischen 2005 und 2011 drei Alben unter dem Projektnamen Deaf Center und legte gerade mit der ersten Platte „Pale Ravine“ der sterbenden DIY-Elektronika einen verhuschten und doch in kräftigen, wenn auch dunklen Farben leuchtenden Blumenstrauß auf das Sterbebett. Das dunkle Norwegen, mit Death Metal im Kopf und Streicher-Samples auf der Tastatur. Und nun „Pinô“. Totland spielt Klavier. Seine Kompositionen sind kurz, auf den Punkt, intensiv und doch flüchtig wie der Horizont bei Sturm. Bei Totland geht es nicht um Perfektion, sondern um den Moment. Um das, was in eben jenem Moment sonst noch geschieht. „Pinô“ ist kein Album, bei dem nur das möglichst perfekte Ergebnis zählt, sondern der Prozess ebenso penibel dokumentiert wird. Ein Klavier, ein paar Mikrofone, der Raum. Zwischen Komposition und Improvisation sitzt man als Hörer, so scheint es, ganz nah bei ihm, schaut ihm, nein, hört ihm über die Schulter. Das Fenster steht offen, das echte Leben weht hinein, das Husten des Toningenieurs Nils Frahm, ein heftig krähender Rabe fliegt draußen vorbei, das Knarzen des Hockers, Totlands Atmen und nicht zuletzt die Anschlaggeräusche der Tasten: Diese Elemente vervollständigen die ohnehin schon fragilen Stücke zu einer Sammlung von Sollbruchstellen des Herzens. (Das Filter)

Otto A Totland - Pinô (album teaser) from sonic pieces on Vimeo.


Nils Frahm, der Totlands Album aufgenommen und gemastert hat, sagte einmal in einem Interview, dass in der Musik eigentlich schon längst alles erdenkliche gemacht wurde: Aufnahmen wurden schneller und langsamer gedreht, hoch- und runtergepitcht und rückwärts abgespielt - immer auf der Suche nach neuen Extremen. Nach alldem sehnen sich die Hörer nach Stille. Und wie wir uns sehnen! Anders als Nils Frahm, erzählt uns der Norweger Otto A. Totland hier auch wirklich nur die zarten, kleinen Geschichten. Keine Wutausbrüche, keine Aufregung. Wie viele vor ihm geht auch Totland ungewöhnlich mit seinem Instrument und der ganzen Aufnahmesituation um, doch zeigt er uns die Verbindung von Mensch und Klavier noch viel ehrlicher - lässt uns noch dichter bei ihm stehen, während er spielt: Wir hören seinen Stuhl knarzen, die Mechaniken zwischen den Tönen, die Vögel vor dem Fenster und sein Atmen. (mono-Ton)

Otto A Totland live at Miasmah/ Sonic Pieces HQ Berlin, Oct 5th 2013 from sonic pieces on Vimeo.


Die Stücke folgen einem eigenen Spannungsbogen: mal spielt Totland eine aufstrebende, fast beschwingte Melodie wie im titelgebenden “pinô”, dann wiederum nimmt er das Tempo zurück wie im zögerlich vorgetragenen “seveen”. Er nutzt Pausen, um Tönen Gewicht zu geben, fügt Zäsuren ein, überrascht mit Dissonanzen und spielt sprudelnde Arpeggios. In “solêr” bildet die Melodie einen Dialog, der zwischen Trauer und Trost wechselt. “north way” beschwört Bilder einer norwegischen Landschaft herauf, schroff und sanft zugleich. “jonas” bildet einen Bruch in der Gesamtheit des Albums, der dumpfe Klang steht im Kontrast zu der hüpfenden Melodie, die an ein Karussell oder eine Spieluhr denken lässt. “closer” hingegen vereint erneut Melancholie und Hoffnung und bildet einen wunderbaren Abschluss des Albums. (thepostrock.de)



Montag, 8. Dezember 2014

She & Him - Classics
Ingo Montag, 8. Dezember 2014 0 Kommentare






















She & Him erschienen mir schon immer als grundsätzlich interessante Mischung: Eine musikalisch gehemmte Schauspielerin und ein recht angesehener Folk Musiker. Das könnte eigentlich klappen. Nur leider erschien mir die Musik auf den bisherigen vier Alben als zu belanglos, um mich wirklich dauerhaft begeistern zu können. 

Während die drei “Volume” Alben ("Volume 2", "Volume 3") zum größten Teil aus Eigenkompositionen aus Zooey Deschanels Feder bestanden, veröffentlichten sie und M Ward bereits im Jahr 2011 mit “A very She & Him Christmas” ein Weihnachtsalbum voller Coversongs. 

Mit der Veröffentlichung von “Classics” zu dieser Jahreszeit und mit Songs aus den 30er bis 70er Jahren, welche in Begleitung eines Orchesters eingespielt wurden, zielen die beiden offenbar in die gleiche Richtung. Das klingt meist nach gedimmter Atmosphäre in einer Jazz Lounge, mal ein wenig nach Songs wirklich alter Filme und ab und zu auch nach Folk. 

Der bekannteste Titel auf “Classics” dürfte “Unchained melody” sein, Weitere Songs stammen im Original u. a. von Charles Aznavour, Aretha Franklin und Dusty Springfield. Den besten Eindruck machten bislang auf mich “Stay awhile”, “Time after time” und “Teach me tonight”. 

Als dezente Untermalung des Weihnachtsfestes dürfte “Classics” eine gute Figur abgeben. Ich würde mich wundern, wenn ich das Album im neuen Jahr erneut ausgraben würde. 

Der Rolling Stone scheint positiver gestimmt:
The surprisingly loungy results are unusually daring for these two: Deschanel and Ward pare back the melodrama of "Unchained Melody" and Johnny Mathis' "It's Not for Me to Say," incorporating midcentury jazz and soul crooning into their endearing retro-kitsch. The combination is charming.

“Time after time” inklusive eines kurzen Interviews:

Sonntag, 7. Dezember 2014

The Smashing Pumpkins - Monuments to an elegy
Ingo Sonntag, 7. Dezember 2014 1 Kommentare






















Über die Glanztaten der Smashing Pumpkins in den 90er Jahren müssen wir nicht reden. Nach der Trennung im Jahr 2000 ist die Band oder das was Billy Corgan davon übrig lies bereits seit 2006 wieder aktiv. Mit “Monuments to an elegy” erscheint nun bereits das dritte Studioalbum der Band seit der Wiederbelegung der Marke und das neunte Studiowerk seit der Gründung im Jahr 1988. 

Unzweifelhaft ist auch, dass Billy Corgan über die Zeit entweder seltsamer wurde oder diese Eigenschaft einfach deutlicher zu Tage trat. Einige seiner Äußerungen und Kommentare sowie Teil seines musikalischen Outputs waren ebenso speziell wie seine Veröffentlichungspolitik. Bereits seit 2009 schwebte der Name “Teargarden by Kaleidyscope” über einigen Releases. Das angeblich auf 44 Songs bestehende Gesamtkunstwerk stellt sich bislang so dar:
  • Die EP “Songs for a sailor”
  • Die EP “The solstice bare”
  • Die beiden Songs “Lightning strikes” und “Owata”
  • Das Album “Oceania” aus dem Jahr 2012.
“Monuments to an elegy” könnte somit die vorletzte Veröffentlichung dieser Reihe sein, den ein weiteres Album mit dem Titel “Day for night” ist bereits für 2015 angekündigt. Gefühlt wird Corgan zur Aufnahme und Darbietung der Songs auf der Bühne auch ca. 44 Musiker eingespannt haben. Bei den Aufnahmen zu “Monuments to an elegy” nahm Mötley Crües Tommy Lee den Platz am Schlagzeug ein. 

Stimmlich unverkennbar wirkt “Monuments to an elegy” musikalisch erstaunlich kompakt. Corgan kommt bei den neun Songs meist rasch zum Punkt. Es scheint als suche er aktuell das ideale Mischungsverhältnis von Gitarren zu Synthesizer Sounds ermitteln zu wollen. Gut gelingt das m. E. bei den Songs “Tiberius”, “Anaise!” und “Drum + fife”. Weniger überzeugen können “Being beige” und “Run 2 me”. Das klingt noch nicht so schlecht wie bei den Killers aber vor der Richtung kann man nicht früh genug warnen.

“Monuments to an elegy” ist kein Meilenstein aber eine nette Verlängerung des Mythos “Smashing Pumpkins”.

Since the original Pumpkins split in 2000, there have been many disappointments for hardcore Corgan devotees, but ‘Monuments To An Elegy’ is not one of them. It’s an accomplished rock record that’s a very welcome addition to the band’s enduring history.

“Being beige”:

Samstag, 6. Dezember 2014

The Dø - Shake Shook Shaken
Dirk Samstag, 6. Dezember 2014 0 Kommentare




















Vor einigen Wochen veröffentlichte das französische Duo The Dø sein drittes Album "Shake Shook Shaken". Und durch das ganze Schütteln, Ruckeln und Zuckeln haben Olivia Merilahti und Dan Levy wohl auch alle Skurilität und Experimentierfreude abgestreift. 

Die 12 Songs des Albums kommen ungemein eingängig und einprägsam daher ("Trustful Hands"), konzentrieren sich vollkommen auf elektronischen und synthetischen Pop ("Anita No!") und unterlegen diesen mit tanzbaren Beats ("Miracles (Back In Time)"), die auch perfekt in die 80er Jahre Disco gepasst hätten ("Despair, Hangover & Ecstasy"). 
Als würden Lykke Li und Austra gemeinsame Sache machen, als wäre Soko die kleine Schwester von Robyn. 

Alle Lobpreisungen sind somit vollkommen gerechtfertigt:    

Sie haben einen schon beim ersten Song. „Keep Your Lips Sealed“ findet genau die richtige Balance zwischen Penetranz, überraschend wuchtigem Beat, cleverem Rhythmus und Olivia Merilahtis zuckersüß kieksender Stimme. Das französische Indiepop-Duo macht auf seinem dritten Album einen großen Schritt in Richtung Synthie-Sound – und damit dem Zuhörer viel Freude. Bei The Dø gleicht kein Song dem anderen. Von glamourösem Disco-Pop („Miracles“) über Elektropop-Hymnen wie „Lick My Wounds“ hin zu R&B-Elegien wie „Opposite Ways“. Fast alle Stücke sind das, was man „tanzbar“ nennt. Manchmal schleicht sich da gar ein zartes Moloko-Gefühl ein. Sich in diesen Melodienstrudel ziehen zu lassen – ein großer Spaß.
(Rolling Stone)


Abgesehen vom abschließenden Fast-Instrumental „Omen“, das wie ein Bewerbungsstück für Future-Action-Filme klingt, kommen sie in jedem Song auf den Punkt. „Do you really want to go back in time?“, fragt Merilahti immer wieder, bis es sich eingebläut hat. Die Musik wird von elektronischen Flächen getragen und am Ende kommt eine bedrohliche Orgel hinzu. Die quirligen Folk-Rock-Ansätze und latinisierten Cabaret-Kreuzzüge, bei dieser Band früher immer ein Thema, kommen nicht mehr vor. Direktheit ist gefragt. „You walk straight ahead into the wall“, insistiert die Sängerin. Es hat manchmal etwas von der Brachialität einer Florence Welch, in anderen Momenten ist man näher bei Karin Dreijer Andersson dran. Trotzdem bleibt Raum für Eigenheiten. Der Reggae-Touch in „Anita No!“ überrascht und Syndrum-Einsatz macht „Opposite Ways“ großartig. So bleibt die gewohnte Dø-Qualität bestehen.
(Musikexpress)


"Shake shook shaken" beginnt mit dem fleißig nach vorne marschierenden "Keep your lips sealed", einer semi-melodramatischen Club-Nummer, deren Beat auf zwingende und verführerische Art unter Beweis stellt, dass der soundästhetische Richtungswechsel dem Duo gut zu Gesicht steht. Die Instrumentierung des folgenden "Trustful hands" könnte auch prima einem Robyn-Song zugrunde liegen und mit "Miracles (Back in time)" haben The Dø dann wohl mal wieder so etwas wie einen Hit im Gepäck. Nicht der erste, wenn man sich mal an "On my shoulders", "The bridge is broken" oder "Too insistent" zurück erinnern möchte. Irgendwas ist da also in der DNA dieser Band, ein Gen, für das andere Künstler sonst etwas machen würden.

Im melancholischen Album-Highlight "Sparks" gehen die Konserven-Streicher und Merilahtis Stimme eine verheißungsvolle Liaison ein, aus der letztlich alle als Gewinner hervorgehen. Im weiteren Verlauf von "Shake shook shaken" ziehen The Dø immer öfter auch das Tempo an und schielen dabei mehr als nur verstohlen auf das Tanzparkett. Denn wenn das flackernde Neonlicht auf die dichten Bodennebelschwaden trifft, dann fühlen sich Merilahti und Levy 2014 richtig wohl. Was nicht heißen soll, das man nicht auch gute Introspektiven in petto hätte. In "A mess like this" erlaubt sich das Duo eine kleine, wohlverdiente Dancefloor-Pause und hebt in schwindelige Austra-Hemisphären ab.
(Plattentests)

The Dø live:
21.02.15 Hamburg, Mojo Club
22.02.15 Berlin, Postbahnhof


Freitag, 5. Dezember 2014

Tim Wheeler - Lost Domain
Dirk Freitag, 5. Dezember 2014 0 Kommentare



















Tim Wheeler ist der Sänger und Hauptsongwriter der Band Ash. Nach 22 Jahren, 8 Alben und 53 Singles veröffentlichte der 37-jährige dieses Jahr sein erstes Soloalbum. Der Grund dafür ist nicht innerhalb der Band zu suchen, sondern stellt Wheelers persönliche Verarbeitung der Demenz-Erkrankung und des späteren Todes seines Vaters George dar. 

Entsprechend intim sind sowohl die Texte als auch die Musik geraten. Von gitarrigen, temporeichen Ausflügen in Richtung Punk oder Rock, wie bei Ash, ist somit nichts zu hören. Statt dessen herrschen die leisen und ruhigen Töne vor, gibt es gelegentlich emotionale Ausbrüche, stets untermalt oder angetrieben von Streichern und Bläsern, so dass Piano- & Orchesterballaden wie "Vigil" wie eine Kreuzung aus Coldplay und The Divine Comedy klingen.  Das 10-minütige Opus magnus "Medicine", im Zentrum des Albums platziert, wird (wie später der Titelsong) überraschenderweise zusätzlich mit Synthieklängen unterlegt, das jazzige Instrumental "Vapour" lädt zum Skippen ein.

Tim Wheeler  nahm die 11 Songs von "Lost Domain" im New Yorker Studio von Ash größtenteils allein auf. Als Gäste sind u.a. Andy Burrows (ehemals Razorlight) und das Londoner Metropolitan Orchester zu hören. Einen Teil der Einnahmen aus dem Verkauf des Albums stiftet Wheeler an eine wohltätige Organisation, die Alzheimer-Betroffene und deren Familien unterstützt.



Snow In Nara sets the pace as the opening track – a relaxed and laid-back instrumental that’s miles away from Ash’s previous material. The tone is reflective and wistful, a tone that’s only amplified by the following End Of An Era: built around some beautiful piano chords, this shows a new side of Wheeler that may surprise those used to the guitar heroics of the past. There’s also some inspired use of strings throughout the album, giving already emotional songs such as Hospital and Vigil an added poignancy.
Strings come to the fore too on the ambitious centrepiece of the record, Medicine. Somehow never managing to overstay its welcome, despite the fact it’s a full 10 minutes long and is an understandably bleak mediation on the finality of death, Medicine shows just what a great songwriter Wheeler has matured into. It takes some doing to be this unashamedly personal without being accused of slipping into self-indulgence, but he does it nicely here.
Lost Domain could be described as a concept album in the true meaning of the word. Every song tackles illness and death (with the exception of the two instrumentals), and the record is sequenced in such a way that it can be divided into three parts: the initial shock of the diagnosis, which leads into hospital visits and death, and eventually the final coming to terms with mortality and a focus on celebrating the departed person’s life.
It’s Wheeler’s focus on this celebration of life that gives Lost Domain its added edge – the heartbreaking Vigil is, as you’d expect, upsetting and sad, given that it describes George’s final moments in his hospital bed while surrounded by his family, but Wheeler turns it into a comforting eulogy for his father, with the refrain of “you are not alone” sounding particularly touching. The gorgeous Hold and First Sign Of Spring see Wheeler tackling the notion that ‘life goes on’ to beautiful effect, while the slightly Divine Comedy-esque instrumental Vapour makes for a nice break after all the heartbreak.
Lost Domain acts as both a lovely tribute to Wheeler’s father, and further confirmation of his talent as a songwriter. He’s come a long way from songs about Jackie Chan and the Girl From Mars, and this is a painful, poignant, but ultimately life-affirming eulogy.
(musicOMH)



With the help of Andy Burrows, Neon Indian and the London Metropolitan Orchestra, he constructs pop heartbreakers dissecting their last moments together and the grief-stricken aftermath (‘Hospital’, ‘Vigil’, ‘Hold’) capped with his trademark chest-burster choruses. It can be a harrowing listen, but Wheeler sugars the anguish with slabs of OMD synthpop on the title track and 10-minute centrepiece ‘Medicine’.
(NME)

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Das Platten vor Gericht November Mixtape
Olly Golightly Donnerstag, 4. Dezember 2014 0 Kommentare



Hören worüber wir schreiben: Das Platten vor Gericht-Mixtape mit Musik aus unseren November-Vorstellungen.

1. The Wilderness Of Manitoba – Leave Someone
2. Martin Kohlstedt – LEH
3. Foxygen – How Can You Really
4. Cloud Boat – Carmine
5. Stars – Turn It Up
6. The Travelling Band – Hands Up
7. The Twilight Sad – There’s A Girl In The Corner
8. Woods Of Birnam – I’ll Call Thee Hamlet
9. Pink Floyd – Louder Than Words
10. Bonnie ‘Prince’ Billy – We Are Unhappy
11. The Foreign Resort – Alone
12. Musée Mecanique – The Open Sea
13. Desperate Journalist – Cristina
14. Marble Arch – Heartshake
15. Antemasque – 4am
16. Baxter Dury – Pleasure
17. Bored Nothing – Ice-Cream Dreams
18. Wooden Arms – Tide
19. The Primitives – Lose The Reason



The Rural Alberta Advantage - Mended With Gold
Olly Golightly 1 Kommentare



Nach einem sehr guten The Rural Alberta Advantage-Konzert vor ein paar Tagen im Kölner Luxor, wird es Zeit, auch das aktuelle Album hier mal kurz zu erwähnen. Oliver Peel kommentierte die Vorgängerplatte mit den Worten: "Ich fand die Liveauftritte besser" und diese Aussage stimmt auch dieses Mal wieder - was allerdings, wenn man die Band mal live erlebt hat, nicht groß verwundert: Die drei Kanadier sprühen auf der Bühne nur so vor Energie.

Wenn man dann nach einem Konzert wieder eine Platte auflegt, ist man im ersten Moment ein wenig enttäuscht. Ist natürlich völliger Quatsch, 'Hometowns' und 'Departing' sind zwei hervorragende Alben und auch die im September erschienene dritte Platte 'Mended With Gold' ist toll - aber man wünscht sich beim Hören immer wieder zurück vor die Bühne. Hoffentlich kommen The Rural Alberta Advantage bald wieder.



So, genug von den Livequalitäten geschwärmt. Was kann 'Mended With Gold'?

Urgency has always played a large part in the Rural Alberta Advantage sound, and their folksy indie rock anthems, despite being a tad formulaic, never feel disingenuous. That distinct heartland punk bite dominates the first half of the album, with sweaty crowd-pleasers like "Our Love..." and "On the Rocks" leading the charge, due in large part to the fiery sticks of drummer Paul Banwatt, who can go from tasteful to downright feral in an Alberta minute and does so throughout the album, but it's in Mended With Gold's second half that the band feels the most engaged. Beginning with the snowy Springsteen shuffle of "Runners in the Night," the band plays around with its architecture by re-appropriating the provincial folk of fellow countrymen like Gordon Lightfoot ("To Be Scared") and Neil Young ("The Build") and then shooting it through with just enough Arcade Fire-blasted indie rock melodrama to get the blood pumping, while simultaneously keeping things grounded to the basement floor. Nowhere is that more apparent than on the one-two punch of "Vulcan, AB" and "Not Love or Death," both of which manage to toss in the kitchen sink and remain afloat. Both songs are epic. (allmusic.com)



Wie ihre kanadischen Kollegen Arcade Fire beherrschen The Rural Alberta Advantage das Spiel mit großen Emotionen. Und im Unterschied zu Win Butler und seiner Band genügen ihnen dafür drei Live-Musiker. Vor allem Schlagzeuger Banwatt sorgt für enorme Dynamik und Druck im Sound der Band, während Edenloff mit prägnanter Stimme Songs darbietet, die direkt ins Herz zielen. Auf dem Album "Mended With Gold" zieht sich ein Thema wie ein roter Faden durch alle Songs: die Idee, dass Brüche und Verletzungen gekittet und wichtiger Teil der persönlichen Geschichte eines Menschen werden. Und am Ende etwas viel wertvolleres dabei herauskommt, als nur makellose Perfektion. (tonspion.de)