Donnerstag, 25. August 2016

The Rifles - Big Life























Manchmal ist weniger eben doch mehr. Schade, dass Joel Stoker (Gesang, Gitarre), Lucas Crowther (Gitarre, Gesang), Robert Pyne (Bass), Grant Marsh (Schlagzeug) und Dean Mumford (Keyboard) diese Tatsache nicht bewusst ist, denn sonst hätten sie ihr fünftes Album nicht so voll gepackt.

"Big Life" macht seinem Namen alle Ehre, ist als Doppelalbum konzipiert, läuft eine Stunde, bietet 18 Songs und damit den ein oder anderen zu viel. Aber The Rifles wollten oder konnten sich von keinem der Titel trennen und ihren Fans eine besonders üppige Freude bereiten. 

Bei der Streichliste hätte ich ihnen aber auch nicht helfen wollen, denn die Qualität der Britpop-Songs variiert nur leicht, dies jedoch auf einem eher mediokren Niveau. So wuchtig, ungestüm und einprägsam wie auf "No Love Lost" (2006) präsentierten sich The Rifles leider nie wieder. "Groundhog Day", "Turtle Dove" und "Wall Around Your Heart" kommen diesem Standard noch am nächsten. Das sanfte, mit einem Kinderchor ausgestattete "Young For A Day" und die Madness-Kopie "Johnny Was A Friend Of Mine" sorgen für etwas Abwechslung im ansonsten sehr einheitlichen Soundbild. Beim von Keyboard-Klängen durchzogene "Independent" hätte man sich noch etwas mehr Experimentierfreude gewünscht. Mit "Victoria" hat es ein Song gleich doppelt auf das Album geschafft, warum weiß nur die Band. Die akustische Version wäre, im Sinne einer höheren Varianz, vollkommen ausreichend gewesen.    




Die Freiheit hört man den Kompositionen an: Da glänzen dezente Bläser bei "Big big life", lässt maßgeschneiderter Keyboardeinsatz das schöne "Independent" Luft schnappen, zaubern Stampf-Takt und Stromgitarren dem passend betitelten "Motorway" beinahe einen Cadillac unter den Classic-Rock-Arsch. Klar ist auch, dass bei einem solch üppigen Paket zuweilen weniger Spannendes zutage tritt. "Caught in the summer rain" und "Numero uno" bilden die leicht ausgelutschte Talsohle der ersten Hälfte, während Teil zwei von "Big life" hinten raus merklich schwächelt. Immerhin klanglich unterscheiden sich erster und zweiter Tonträger kaum, und so hauen The Rifles mit "Big life" einfach mal ihr Haribo-Color-Rado XL heraus, inklusive Überraschungen wie "Jonny was a friend of mine", einer tollen, von Piano und Basslauf getragenen Hommage an einen alten Freund und an gute Zeiten. Die hat man mit "Big life" ähnlich wie mit einer großen Tüte Gummibonbons – ist der Inhalt ein bisschen zu viel des Guten, pickt man sich eben das heraus, was gefällt.
(Plattentests)


Nun folgen mit BIG LIFE neue Songs – und zwar gleich 18 Stück, verteilt auf zwei CDs oder vier LP-Seiten. Die Ausrede fürs Überformat war zu erwarten: Man habe aus den 18 kein Dutzend machen wollen. Selten ein Beleg für kreativen Rausch, eher für fehlende Qualitätskontrolle. Totale Ausfälle gibt es jedoch nicht. Echte Höhepunkte aber auch nicht. Die Ausnahme: das süß lärmende „Caught In The Summer Rain“, denn Songs, die einen so schönen Titel haben, müssen auch gut sein – alte Britpop- Regel. Ansonsten ist die Musik der Rifles arg gemütlich geworden, die Wut oder Mod-Affinität der frühen Phase ist verschwunden. Weniger The Jam, mehr Eddie & The Hot Rods. Wird das Alter sein.
(musikexpress)


The Rifles in Deutschland:

03.10.16 München – Backstage
04.10.16 Aschaffenburg – Colos-Saal
05.10.16 Berlin – Lido
06.10.16 Hamburg – Logo
08.10.16 Köln – Udderground



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Mittwoch, 24. August 2016

Kid Canaveral - Faulty Inner Dialogue























Endlich wieder einmal eine überzeugende Indiepop-Platte! 

Das Spektrum von Kid Canaveral reicht auf ihrem dritten Album von elektronisch geprägten Sounds, die Freunde von The Postal Service und Stars gefallen werden ("Gun Fhaireachdain", "Listen To Me"), bis hin zu gitarrenlastigem Indierock im Stile von The Twilight Sad ("Tragic Satellite", "Lives Never Lived"). Zudem besitzt das Quintett, zu dem noch Rose McConnachie (Bass), Scott McMaster (Schlagzeug) und neuerdings Michael Craig (Keyboard, Laptop) zählen, mit David Mac Gregor (Gitarre) und Kate Lazda (Gitarre, Synthesizer) zwei Sänger, die entweder einzeln oder gemeinsam die Aufgabe am Mikrofon übernehmen.

"Faulty Inner Dialogue" kann über die Bandcamp-Seite auf gelbem Vinyl bestellt werden. Vor einigen lobenden Worten noch das Video zu "First We Take Dumbarton": 




(...) new album Faulty Inner Dialogue hides sensitive songwriting about selfies and self-doubt behind a shimmering façade of catchy riffs and glitchy beats.

Three albums in, the band have established an identifiable and unique sound while still keeping the courage to play around with genre, appropriating slacker rock on ‘Tragic Satellite’ and recalling the synth pop of Klaxons on ‘Lifelong Crisis of Confidence.’ New recruit Michael Craig, joining on keys and laptop, helps build upon the electronic elements which were scattered around the edges of 2013’s Now That You are a Dancer, adding melodic depth to tracks like ‘Callous Parting Gift’ which would have come off sounding a little shallow with the band’s previous setup but which is presented as a fully realised example of Kid Canaveral’s magpie approach to pop song construction.

Lead single ‘First We Take Dumbarton’, is a ready-made radio hit (or would be, if there were any justice in the world) concealing cynical observations on social media saturation and virtue signalling behind a melodic, sing-alongable smokescreen. Despite the new developments, the new record retains the core of mischievous guitar pop that defined their debut Shouting at Wildlife. David Macgregor’s wry songwriting – always sharp without being sharp-elbowed, witty without being whimsical – has matured well, though his choice of subject (breakups and quarter-life crises), is perhaps a little more embittered than it used to be.
(The List)


Opener ‘Gun Fhaireachdain’ blatantly serves as an introduction to the album, featuring half-sung, half-spoken vocals alongside heavy use of electronic sounds that rise and fall, adding to the intensity of this introduction.

However, the following track, ‘First We Take Dumbarton’ introduces us to the more traditional, indie style, which is displayed throughout the album, with constant bass, and guitar notes, adding to the repetitive musical style of the track.

‘Tragic Satellite’, ‘Lifelong Crisis of Confidence’ and ‘Lives Never Lived’ display recognisable heavy guitars and melodic vocals, which add up to create archetypal indie tracks.

There are tracks on the album, that display a more electronic sound; ‘Callous Parting Gift’, ‘Pale White Flower’ and ‘From Your Bright Room’ experiment with this underlying electronic style, complementing the more traditional indie style flowing throughout.

‘Ten Milligrams’ and ‘Twenty Milligrams’ feature as purely spacious, experimental, instrumental efforts offering an opportunity for the band to display their musical ability outside their usual lyrical focused style.

Faulty Inner Dialogue is a strong and confident album, which uses space to experiment freely and maintain Kid Canaveral’s obvious talent in creating memorable indie tracks.
(Ravechild)


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Montag, 22. August 2016

Thom Sonny Green - High anxiety






















Thom Sonny Green ist Alt-Js Schlagzeuger. Mit der Erfolg der Indierock-Band hat er sich offensichtlich die Mittel und Freiheiten geschaffen, ein Solo-Album aufzunehmen. Dieses klingt ein wenig so, als würde eben der Alt-J-Schlagzeuger seine Spuren für die Band aufnehmen. Die verbleibenden Freiräume füllt er vornehmlich mit sphärischen Synthie-Klängen. Diese erzeugen esoterische bis beklemmende Stimmungen. Bis auf wenige Schnipsel handelt es sich bei "High anxiety" um ein Instumentalalbum. 

21 Tracks erscheinen auf den ersten Blick als abschreckend große Zahl, 71 Minuten Spieldauer relativieren die Erwartungshaltung ein Stück weit. Trotz der beschränkten musikalischen Mittel ist "High anxiety" recht abwechslungsreich geraten. Mit gefallen vor allem die düstereren Soundcollagen des Herrn Green. Namentlich sind das "System", "Ping", "Oakland" und "Grounds".

Alt-J Fans qualifizieren sich nicht automatisch als dankbare Hörer für "High anxiety". Dazu bedarf es schon einer Vorliebe für elektronische Musikspielereien oder eines Gemütszustands, in dem dem Konsumenten vieles egal ist. Zu allen Tracks des Albums gibt es auch Videos, welche die jeweiligen Stimmungen verstärken sollen.

"Ping":

"System":


Spaß machen die Spielereien auf Greens Website: Dort kann man selbst an einigen Tracks "rumschrauben".

Intro.de:
Musikalisch paaren sich Drones, Clicks & Cuts und sphärische Synthie-Flächen mit Schlagzeug-Samples und Field Recordings. Die Stimmung wabert von hoffnungsvoll zu bedrohlich, von gespenstisch zu vertraut. Das Kopfkino läuft derweil auf Hochtouren. Es zeigt einen Film, der nur im Entfernten mit Alt-J zu tun hat. Und das ist auch gut so.
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Sonntag, 21. August 2016

Roosevelt - Roosevelt






















Da lange ich doch schon wieder bei einem Retro-Cover und Retro-Musik. Doch während ich bei Bear's Den enttäuscht war, kann ich Roosevelt bzw. seinem gleichnamigen Debüt unvoreingenommen begegnen. 

Roosevelt ist Marius Lauber, 25 Jahre jung und ursprünglich aus Viersen. Außer Till Brönner gab es bislang nicht viele Musiker aus dieser Stadt, deren Ruf auch über den Ozean hallte.

Pitchfork.com:
Roosevelt's debut is a cocktail of disco, French touch, Ibiza house, yacht rock, and electropop that evokes some crowded Tiki-torch dancefloor lost on the Mediterranean coast. The fact that Roosevelt is being released on Joe Goddard’s Greco-Roman label is no surprise, as it shares a sort of spiritual kinship with some of Hot Chip’s more bombastic moments, while mimicking some of their nerdy charm. Every song on the record contributes to this air of reverie, a testament to Roosevelt’s strength as a producer, as one track languidly slips into the next. If anything, it can get a little too laid back—it’s the kind of record that's so uniform it ends before you realize it.

Schon mit Beat!Beat!Beat! verschaffte er sich musikalisch Gehör, dort noch am Schlagzeug. Als Roosevelt macht er der Band wahrlich keine Konkurrenz, tritt er doch in einem gänzlich anderen Genre auf: Lauber hat seinen sweet spot zwischen Disco und (Synth-)Pop gefunden. Als Einfluss nennt er u.a. Caribou, mit Hot Chip war er bereits auf Tour und auf deren Label fand er auch Unterschlupf. Ich bin üblicherweise nicht besonders anfällig für Disco-Pop, aber Roosevelt klingt aktuell und das Retro-Feeling vermittelt er mit einem Augenzwinkern. Das klingt schon ganz schön souverän für ein Debüt. Vielleicht liegt das auch ein Stück weit an Chris Coadys Mix-Künsten, den auch Künstler wie !!!, Beach House, The Antlers, Yuck, Zola Jesus und TV On The Radio vertrauten.  

"Belong", "Colours" und "Fever" sind meine Empfehlungen für "Roosevelt". Disco-/Synthpop-Fans können das Album auch einfach mehrfach am Stück genießen. 

Das Doppelvideo zu "Colours / Moving on":


In den nächsten Wochen tritt Roosevelt noch auf zwei Festivals in Deutschland auf, anschließend macht er sich auf den Weg, die USA zu erobern. Im Herbst wird er dann wieder in deutschen Hallen unterwegs sein:
  • 31.08. Berlin - Pop Kultur Festival
  • 18.09. Darmstadt - Golden Leaves Festival
  • 14.10. München
  • 15.10. Leipzig
  • 17.10. Köln
  • 18.10. Hamburg
  • 29.10. Düsseldorf - New Fall Festival


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Samstag, 20. August 2016

I Have No Mouth And I Must Scream - I Have No Mouth And I Must Scream























Heute ein wenig Shoegaze aus Berlin: Von der ersten, als Kassette veröffentlichten EP (2012) bis zum Debütalbum hat es ein wenig gedauert und auch das Lineup der Band, die sich nach einer post-apokalyptischen Kurzgeschichte von Harlan Ellison benannte, hat sich mehrfach gewandelt.  Bastian Stein (Gesang, Gitarre) ist seit den Anfangstagen dabei und wird derzeit (wohl) von Markus Mocydlarz (Gitarre), Angy Lord (Keyboard) und Sara Neidorf (Schlagzeug) unterstützt. 

I Have No Mouth And I Must Scream bezeichnen sich selbst als Shoegaze / Post-Punk-Band und daher müssen neben den obligatorischen My Bloody Valentine und The Jesus & Mary Chain auch Joy Division und The Cure als Referenzen für die düsteren Klänge gennant werden. Bei dem Bandnamen muss man schließlich auch schwarzmalen. 

"I Have No Mouth And I Must Scream" (11 Titel, 47 Minuten) ist über die Bandcamp-Seite digital, als Kassette oder Vinyl zu beziehen.




Das auf den Pfaden von My Bloody Valentine wandelnde "Shadow" trifft trotz aller Zerstreutheit punktgenau ins Herz, während das ungestüme "Fourth wall" all jenen Feuer unterm Hintern macht, die "Warsaw" für den eigentlichen, weil besseren Joy-Division-Erstling halten. Fast schon post-rockig kommt im Vergleich dazu der Einstieg des Openers "Paint" daher, der sich zunächst gut eineinhalb Minuten aufbaut, um schließlich mithilfe schrammelnder Stromgitarren in den Post-Punk-Himmel aufzusteigen.

Währenddessen zieht das im Vergleich zu den anderen Songs geradezu poppige "Classic rock song" den imaginären Hut vor Robert Smith und macht es sich als längstes Stück genau dort richtig gemütlich, wo es für eine Weile hartnäckig bleiben wird: im Gehörgang. Dazu gesellt sich das kurz vorm Finale auch die melancholische Schwermut von "Void", bis der eigentliche Abschluss mit "YLT" endgültig dafür sorgen sollte, dass I Have No Mouth And I Must Scream demnächst der letzte Schrei auf der rabenschwarzen Post-Punk-Party sind – pun intended. 
(Plattentests)




„Paint“ öffnet das Album und zeigt gleich, wie sehr die Band instrumentelle Teile mag, die oft als Outros dienen. Der Song hat einen sehr schönen, kettenartigen Rhythmus, der zusammen mit der verträumten, melancholischen Stimme in die Welt von I Have No Mouth and I Must Scream entführt. Stark ist es, wie der Song fast wortwörtlich mit eingängigen und strammen Gitarrenriffs „explodiert“.

Am besten klingt die Band bei emotionalen, melancholischen Songs. Sehr stimmungsvoll ist „Drowing“, wo wieder besonders der Gesang zu einer intimen und zart-traurigen Atmosphäre beiträgt. Manchmal erinnert die Stimme an Dream-Pop-Bands wie DIIV und Parks, Square and Alleys. Unterschwellig bedrohlich klingt hier der Bass, als ob man wirklich in dieser wässerigen dunklen Atmosphäre ertrinken könnte. Intim und dunkel klingt auch „Shadow“, ein sehr ruhiger Song. Das Lied erweckt das Bild eines warmen Zimmers in Halbdunkelheit, wo nur das schimmernde Mondlicht durch die Gardinen hereinfließt. Diese Ruhe strahlt auch „Careless Talk“ aus. Hier verlangsamt sich der Rhythmus von den vorherigen „Bridges Behind“ und „Fourth Wall“, die von schreienden Shoegaze-Gitarren, treibenden Drums und pulsierenden, melodischen Bass-Lines gekennzeichnet sind. Dunkel und weich ist auch „Void“, die erste Single des Albums. Das Video dazu fängt die Stimmung des Tracks mit Farben und Lichterspielen perfekt ein. Dunkelblau und lila, verschwommen, mit schimmernden, glänzenden Momenten fließt der Song geschmeidig wie Seide.

Etwas überraschend wirkt die akustische Gitarre in „PKD“, die zusammen mit dem weniger hallenden Gesang dem Lied einen Hauch 90-Jahre Alternative-Rock verleihen. Auch im letzten Song des Albums sind sie zu hören. „YLT“ schließt langsam und mit einem nostalgischen Klavier-Outro das Album ab.
(Pretty In Noise)


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Freitag, 19. August 2016

Ask For Joy - New Private Window























Heute ein wenig Shoegaze aus Austin, Texas: Aaron Rossetto betreibt das Projekt Ask For Joy im Alleingang als Songschreiber, Musiker und Produzent. Musikalisch bleibt er seinen Vorbildern der frühen 90er Jahre, My Bloody Valentine ("Pinprick Eyes"), Slowdive ("Slow Kiss") und The Jesus & Mary Chain ("Cherry Popsicle"), treu. 

Auch hinsichtlich seiner Veröffentlichungen bleibt er konsequent und setzt auf EPs: seit 2005 sind deren acht erschienen, die aktuell ist mit 7 Songs ausgestattet, kommt bei einer Spielzeit von 31 Minuten einem kurzen Album schon recht nahe, trägt den Titel "New Private Window" und ist zum Beispiel über die Bandcamp-Seite von Ask For Joy zu beziehen.

Aaron Rossetto zu seiner aktuellen Veröffentlichung:

New Private Window shines a light into a slightly darker corners of the mind: romance three ways, sensual (“Slow Kiss” and “I Shiver I Shake”), raunchy and coercive (“Cherry Popsicle”), and ill-fated (“Lovers Interred”); and acutely heightened sensations of another nature altogether (“Pinprick Eyes”). The music is my attempt to unite the pop songwriting influences and multipart harmonies I grew up with and the fuzzy, pitch-bent, all-enveloping guitar-driven sound that I love in post-punk music. Building up layers of guitar tracks, synthesizers, and thick choir-like background vocals gives the songs on the EP a sense of impenetrability and shelter from prying eyes (or ears)--in much the same way as, say, opening a private browser window would do.




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Donnerstag, 18. August 2016

.Klein - Bengal sparks






















Lutz Nikolaus Kratze ist ein toller Name, aber es ist nachvollziehbar, dass der Musiker für seine musikalischen Ambitionen einen griffigeren Titel sucht. Mit .Klein würde er fündig. "Bengal sparks" ist der dritte Longplayer des Hamburgers. 

Mit "Bengal sparks" liefert .Klein ein unterhaltsames Album voller kleiner Indietronic-Perlen. Bei einigen Songs werden dem Hörer Mosaiksteinchen vorgeworfen und er muss daraus selbst etwas konstruieren. Bei anderen Titeln herrscht ein entspanntes Lo-Fi-Feeling, von welchem er sich angenehm berieseln lassen kann. Die Mischung dieser beiden Ausprägungen empfinde ich als gelungen. Hinzu kommen etwas Eels-Verschrobenheit, ein paar Notwist-/Console-Momente und ab und zu gar Beck-Einfälle. Da macht Herr Kratze schon vieles richtig. 

"Nicotine princess", "Parkinglot" und "Cages" sind meine Favoriten auf "Bengal sparks". Die beiden Remixe am Ende des Albums zeigen weitere Facetten des Künstlers. Ich halte diese für entbehrlich, aber als Track 14 und 15 sind sie ok.

Curt.de:
Er klaut gleichermaßen bei Hip-Hop, Funk, Elektro und Americana. Hat Lust auf Indietronic, Exotica, Weltmusik und sophisticated Indie-Mania. [...] Bengal Sparks klingt bei aller Vielschichtigkeit sehr entspannt und versprüht eine trip-hopige Lässigkeit mit noble-nordischem Charme.

Das tolle Video zu "Nicotine princess":


Und das zu "Low rider":


"Silly you" live:

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Mittwoch, 17. August 2016

Math And Physics Club - In This Together























Großer Feiertag für alle Freunde von Indie-, Jangle- und Tweepop im Stile von The Smiths, Belle & Sebastian, The Field Mice und The Lucksmiths im Allgemeinen und Fans von Math And Physics Club im Besonderen. Denn die Band hat in den Archiven gewühlt, vergriffene EPs, rare Vinyl-Singles und unveröffentlichte Songs zusammengetragen und auf einem Album versammelt. 

In umgekehrt-chronologischer Reihenfolge starten Math And Physics Club mit ihrem neuen Song "Coastal California, 1985" und arbeiten sich mit 16 Liedern durch 10 Jahre Bandgeschichte, so dass selbst Komplettisten nur zwei Coverversionen ("Angel Gone" von Beat Happening und "You're So Good To Me" von The Beach Boys) missen werden.


The songs are in reverse chronologic order, starting with a new track called 'Coastal California 1985', a piece which fits frighteningly well into the stable of other Matinee Records artists such as Northern Portrait and Bubblegum Lemonade.  'Across The Paper' is a lovely ukelele number, telling the story of a break-up but in a whip-smart way, with the lyric "I could of been just right for you, you just didn't know it yet" anchoring the sentiment. 

'Movie Ending Romance' is jangle pop at it's finest, a 2-plus minute piece of perfect pop music, Seattle's answer to Stuart Murdoch. 'Graduation Day' swells with Bert's litling voice and a string arrangement that doesn't overwhelm the musicianship. 'Sixteen and Pretty' is gorgeous and goosebump inducing,  a story of youth, love, and vulnerability told from a boys perspective. When the music stops and Bert sings "I'm kissing my first kiss, I'm wishing my first wish", you realize it's not the music that makes these songs so good, it's Berts voice.  

The final song, 'Weekends Away', is the oldest song on the album, but bookends the newest song 'Coastal California, 1985' spot on, with the lyric "we'll drive all night and let the miles stretch out behind" tying the album in a perfect bow.
(Soundblab)




Musically, the band have clearly been raised on a diet of the finest indie bands and are not ashamed to wear their influences proudly on their chests (which is not a bad thing here). The Smiths/Morrissey shine brightly on 'When We Get Famous”, 'Graduation Day' and 'Nothing Really Happens', while Belle and Sebastian certainly infuse both the title track and 'Baby I’m Yours'. 
There’s also a nod to Jens Lekman on 'Sixteen And Pretty' and 'Across the Paper', but it is the songs that aren’t as easily traceable that leave the biggest mark such as 'Do You Keep A Diary?', 'The Sound of Snow' and 'Coastal California, 1985', all of which are pure joy. 

If like me, you have worn out your Lucksmiths records, then this album is definitely one for you. Indeed 'Weekends Away' not only steals its title from the opening line of the Lucksmiths’ 'Southernmost”, but also takes inspiration from their classic 'A Year of Driving Languorously'. 

I’ve not even got round to mentioning probably one of Math and Physics Club’s best loved songs – the sweet jangle of 'Movie Ending Romance', but I want to get out into the sunshine, wind the windows down and drive down leafy country lanes heading to a forgotten sandy cove with this album as my soundtrack. 

So far this is easily the best compilation album of the year and quite possibility the only one you’ll need in 2016. 
(pennyblackmusic)

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Dienstag, 16. August 2016

The Avalanches - Wildflower



Mit den Avalanches verbinde ich hauptsächlich einen mittelmäßigen Remix des Belle & Sebastian Songs I’m A Cuckoo. Von ihrem im Jahr 2000 erschienenen Album Since I Left You nahm ich höchstens die gleichnamige Single wahr. 16 Jahre nach ihrem Debüt legen die Australier jetzt ihr zweites Album Wildflower vor. Vermutlich wollten sie mit der Veröffentlichung dieses Sommeralbums warten, bis mal wieder ein Sommer vor der Tür steht, der diesen Namen auch verdient – und haben es jetzt doch so unter die Leute gebracht.

Sollen wir darüber reflektieren? Lamentieren? Oder uns lieber treiben lassen über diese Wildblumen-Wiese, durch die ein sonniger Vibe weht wie durch alle Beach-Boys-Platten zusammen – mit tirilierenden Querflöten, Harfen-Glissandi, hochgestrichenen Violinen, E-Piano-Klimpereien, inhaltsbefreiten, aber vokalreichen Chorverlautbarungen und Vogelgezwitscher? Wo geloopte 60s-Soul-Chanteusen beim Wörtchen „Sunshine“ verhaftet werden und der Auftritt einer Akustikgitarre tatsächlich mit Wellenrauschen unterlegt wird. Wo Psychedelia nichts ahnt von schlechten Trips. Und der nächste Saturday-Night-Life- oder Motown-Bass ist garantiert auch nie zu weit weg. (musikexpress.de)


The Avalanches - The Wozard of Iz [Music Video] from Danny Brown on Vimeo.


Und wenn man sich schon 16 Jahre Zeit lässt, dann kann man ruhig 21 Tracks auf einmal herausbringen. Die sind ziemlich HipHop-heavy geworden: Neben MF Doom und Biz Markie gastiert auch Danny Brown bei zwei Stücken: Auf der überdrehten Vorab-Single „Frankie Sinatra“ brechen er und Doom die Humpta-Humpta-Zirkusmelodie mit ihrem Flow auf. Auch über dem betörend-psychedelischen Sample von Tommy James & The Shondells macht sich Browns Sprechgesang gut. Old School-HipHop und Psych-Pop sind die zwei Pole, die The Avalanches auf „Wildflower“ zusammenbringen. (byte.fm)



The Avalanches | Frankie Sinatra from DIVISION on Vimeo.



The Avalanches - Because I'm Me [Wildflower] from faustidioteque on Vimeo.


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Montag, 15. August 2016

My Jerusalem - A little death























Wo wir gestern bei Songs zu TV-Serien waren... kürzlich lief mit "Death valley" ein Titel der US-Band My Jerusalem bei "Suits". Vermutlich halten sich einige Musiker vornehmlich mit Einnahmen aus solchen Quellen über Wasser. 

Die einzige Konstante bei My Jerusalem war bislang Jeff Klein, der musikalisch bei Touren und Studioaufnahmen "The Twilight Singers" und "The Gutter Twins" unterstützte. Hinzu kamen je nach Verfügbarkeit Musiker, die er u. a. aus seiner Arbeit für u. a. Okkervil River, und The Polyphonic Spree kannte. Für das aktuelle Album "A little death" operierte der Amerikaner mit einer festen Band und das Ergebnis spricht für sich. Jon Merz überzeugt mit seiner Gitarrenarbeit und auch weiteren Ideen und Fähigkeiten des Multiinstrumentalisten wurde Platz eingeräumt. Kyle Robarge am Bass und Grant Van Amburgh am Schlagzeug leisten solide Arbeit. Da wurde aus einigen Studiomusikern tatsächlich eine starke Band, welche verschiedenste Einflüsse von Indierock über Stoner Rock, Alternative und Post Rock routiniert verarbeitete. Die Pressemitteilung spricht von einer Mischung aus Nick Cave & The Bad Seeds und Echo & The Bunnymen und lässt mich zustimmend nicken und noch Mando Dia als weitere Referenz hinzufügen. 

Besonders gut gefällt mir der Titel "Eyes like a diamond mine"; selten verstanden sich Alternative und Indierock so gut wie bei diesem Song. Darüber hinaus können mich auch "Young leather", "Rabbit rabbit", "Done and dusted" und "Jive for protection" überzeugen. So kann und sollte Indierock 2016 klingen.

Revival Media:
‘Post-Modern Narcissism, Doom Wop, Anti-Soul, Mercy Beat, CroonCore, Hell Rock, Psychosomatic Post Coital Gothic Revivalism’. This is what the band lists themselves as their genres. Whilst you might think that this is a little excessive, My Jerusalem have hit some of those nails pretty well on the head. [...] My Jerusalem have brought something much more appealing to some genres than others. With the darker side of country / indie to the more ambient side of the tracks that feature, even with a glimmer of pop sprinkled into the mix. It’s definitely got an area that could be seen as improvement, but for the majority of the record it will be a shining star for new listeners.

Das Video zu "No one gonna give you love":


"Rabbit rabbit":

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Sonntag, 14. August 2016

Greg Laswell - Everyone thinks I dodged a bullet






















Durch einen Podcast stieß ich auf Greg Laswell und dessen aktuelles Album "Everyone thinks I dodged a bullet". Als meine Recherchen dann zeigten, dass es sich dabei bereits um seinen siebten Longplayer handelt seine Songs häufig in Filmen und Serien Verwendung finden wunderte ich mich, dass er mir noch nicht früher begegnet ist. Da ich "One Tree Hill", "Cold Case", "Without A Trace", "Smallville", "True blood", schon gar nicht "Grey's Anatomy" und fast alle anderen Serien in denen seine Songs erklangen jemals schaute, klärte sich dieses Phänomen rasch auf. Lediglich bei "The Blacklist", "Damages" und "Suburgatory" hätte er mir auffallen können.

Vornehmlich ruhige Singer/Songwriter-Nummern, Folkrock, etwas Dreampop; der Kalifornier liefert die Blaupause für gefällige Titel, welche bei TV-Serien nicht weiter stören und emotionale Momente simulieren dürfen. "Dodged a bullet", "Lifetime ago" und "Not the same man" packen ein Stück weit auch mich, aber über Albumlänge reicht es dann noch nicht für Begeisterung. Doch selbst weniger gelungene Songs auf "Everyone thinks I dodged a bullet" sind immer noch gut genug für die meisten der oben erwähnten Serien. 

Popmatters.com:
I can imagine this album finding an audience among like-minded lost lovers who need to wallow for a time in such pleasant-sounding melancholia. It’s a good album for that, but anyone hoping for deeper meanings should look elsewhere.

"Dodged a bullet": 

"Lifetime ago":


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Samstag, 13. August 2016

Fear Of Men - Fall Forever






















Beim Einlesen meiner Schallplatten bei Discogs (ein Hoch auf die neue, offizielle App!) ist mir auch das zweite Album von Fear Of Men wieder in die Hände gefallen. Schönes golden-schwarz marmoriertes Vinyl, die ersten Besteller erhielten auch noch eine Kassette mit Demoversionen dazu, so dass ich auch noch auf den Speicher muss, um mein altes Tape Deck herunter zu holen. 

Stilistisch bleibt sich das Trio aus Brighton nur bei der Gestaltung der tollen Plattencover treu, musikalisch verlassen sie ihren gewohnten Shoegaze/Dreampop-Rahmen und experimentieren mit elektronischen Rhythmen und synthetischen Klängen. Oft ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass dem Produzenten Tom Morris (Bloc Party, Outfit, Woman's Hour) im Studio ein Missgeschick unterlaufen sein muss, wenn Jessica Weiss' zerbrechlicher Gesang von "Blue Monday"-ähnlichen Beats und düsteren Soundschlieren unterlegt wird, die zunächst nicht zueinander passen zu scheinen. Gewöhnungsbedürftig.

  
With Jessica Weiss’ vocals more pronounced than ever, there’s no hiding place for the band’s stark, mythical songwriting. Guitars sound like they’re peering up to the surface from underwater, drum parts are scattered and pronounced, while Weiss has no time for the abstractions that snuck into ‘Loom’. From ‘Undine’’s proud declaration “I’ve done things that mark me out” to the record’s bleak, closing line (“I don’t need you, but I want you so much / Fall forever, fall together”), there’s such a clear purpose behind Fear of Men’s lovely-on-the-outside, subtly saw-toothed pop.

With opener ‘Vesta’, they match Roman goddess imagery with ominous effects. ‘Ruins’ sounds like Chromatics if they ditched the Drive-style high life for a grizzly mountain trek. And in ‘Island’ and ‘Sane’, they’ve written their sharpest melodies to date.

There’s still plenty of room for Fear of Men to grow, but without outside influence, they’re already masters of a unique craft.
(DIY)




For this second endeavor, Fear of Men sought a fuller sound; indeed, Fall Forever has a lot more weight to it. The album incorporates electronic tones and synths that fill out the mix and give the album a more imposing tone that ties it all together better as a whole. The tradeoff to this, though, is that there are fewer of the standout, ear-catching tunes that littered their first LP. The stark "Ruins" is one that rises above the atmospherics, carried by minimalist, droning synths and Weiss' stripped-back vocals. "A Memory" is another, with its Cocteau Twins-ish air and lighter tone. In the end, Fall Forever feels more like an exploratory step forward than a head-to-toe reinvention of the band; it will be even more interesting to see where they go from here.
(Under The Radar)


Fear Of Men in Deutschland:

20. 09.2016 Düsseldorf, FFT
26. 09.2016 Berlin, Kantine am Berghain


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Freitag, 12. August 2016

Bear's Den - Red earth and pouring rain






















Nun bin ich bekanntlich nicht der größte Folk Music Fan. Doch bei Bear's Den muss ich feststellen, dass deren Debüt "Islands" im Folk/Americana-Stil stellenweise überzeugen konnte, während dem Nachfolger "Red earth & pouring rain" die eigene Note fehlt. Gründungsmitglied Joey Haynes verließ Anfang des Jahres mit seinem Banjo die Band. Die Engländer nutzten die Chance, sich neu zu erfinden. Zurück blieben brauchbare Melodien und Harmonien, allerdings erscheint mir das Ergebnis zu glatt gebügelt. Und was die Synthie-Teppiche in dem Konstrukt verloren haben, erschließt sich mir auch nicht. Nun ja, es passt zum 70/80er-Retro-Pop-Feeling und zum Album-Cover... aber dann doch lieber Folk...

Andere Meinung gefällig? Plattentests.de:
Auf dieser Ebene haben Andrew Davie und Kevin Jones das auf "Islands" dominante Banjo beinahe komplett gestrichen sowie weitere Folk-Elemente in den Hintergrund treten lassen. Synthies und elektrische Gitarren bestimmen nun das Bild und erschaffen einen atmosphärisch-geschlossenen Sound, der sich durch alle Songs zieht und so für eine unheimlich dichte Stimmung sorgt, die stellenweise von den charakteristischen Harmonien der Briten aufgebrochen wird. Eine bemerkenswerte Weiterentwicklung.

"Emeralds", "Auld wives" und "Gabriel" gefallen mir wirklich gut, darüber hinaus fühlte ich mich von "Red earth & pouring rain" überwiegend gelangweilt. 

"Gabriel":


Bear's den wagen sich aus der Höhle auf deutsche Bühnen:
  • 23.10. Hamburg
  • 24.10. Köln
  • 26.10. Berlin
  • 27.10. München
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Donnerstag, 11. August 2016

Adam Green - Aladdin























Auf dem A Summer's Tale Festival, bei dem wir gerade verweilen, wird auch Adam Green auftreten. Aber irgendwie haben die Veranstalter hier eine Chance verpasst, denn zu ihrem Konzept gehört eigentlich, dass neben Konzerten auch Lesungen stattfinden, Workshops angeboten, Filme gezeigt werden usw. 
Nun hat Adam Green vor einigen Wochen nicht nur ein Album namens "Aladdin" veröffentlicht, sondern auch einen über Kickstarter finanzierten, dazugehörigen Film. Hätte sich doch angeboten, diesen mit ins Programm aufzunehmen, oder? 

Hier gibt es einem Trailer zum Pappmaché-Kulissen-Film mit Macaulay Culkin, Devendra Banhart u.a. zu sehen:




Das Album besteht aus 13 kurzen Songs (keiner überspringt die 3-Minuten-Marke) in typischer Adam Green-Marnier. Man darf also einigen tollen Songs lauschen ("Fix My Blues", "Me From Far Away", "Never Lift A Finger"), muss aber auch Albernheiten wie den "Bithday Mambo" oder das instrumentale "Chinese Dance Theme" überstehen. Zwischendurch gibt es noch sechs kurze Text-Fragmente aus dem Film zu hören, so dass "Aladdin" auf 19 Titel in etwas weniger als 30 Minuten kommt. 




Während der Film offenbar ein Herzensprojekt gewesen ist, wirkt das dazugehörige Album wie eine Pflichtübung. Adam by Numbers gewissermaßen. Der sympathische Kauz kann natürlich nicht viel falsch machen, doch ein wenig ernüchtert ist man mittlerweile schon, wenn man das grandiose Frühwerk mit diesem lauwarmen Aufguss von typischen Green-Manierismen vergleicht. Mitte der 2000er erschuf der talentierte Musiker Songzyklen voller Detaildichte und Schönheit, die sich durch ihre musikalischen Ideen und unvorhersehbaren Streiche gleichsam in Herz und Hirn festsetzten. Ein Song von Adam Green dreht sich im Jahre 2016 deutlich langsamer, auf furiose Tempowechsel oder streichergetränktes Croonen verzichtet er. 

Die Stücke sind vergleichsweise trocken arrangiert und flirten wie in »Nature Of The Clown« hie und da mit Ahnungen von Motown-Soul. Die alte Genialität kann er aber momentan nicht mehr kanalisieren. Postpubertären Quatsch wie »Do Some Blow« braucht es wirklich nicht mehr. Trotzdem: »Me From Far Away« hat das Zeug zum Instant-Klassiker, und »Phoning In The Blues« weckt sympathische Erinnerungen an die Songs seines 2005er-Meisterwerks »Gemstones«.
(intro)




Jetzt geht der große Junge, der sich für ein paar Spielzeiten als hübsch verpeiltes Hätschelkind des Unterhaltungsbetriebs empfahl, in die Vollen: So viele Lieder, so viele Gedankenspiele und musikalische Verspult- und Verspieltheiten auf dem engen Raum eines Albums, das hätte auch schiefgehen können. Tut es aber nicht. Green zaubert wunderbar verträumte Melodien aus dem Hut (besonders stark: „Fix My Blues“, „Never Lift A Finger“), ganz bei sich und seinen Roots und ohne dabei entfernt an den Dreampop dieser Tage zu erinnern.

Er hat eine ausgesucht transparente Produktion auf seiner Seite, die für klare Verhältnisse sorgt: Bariton, Bass, Beats, der Rest ist Schmuckwerk. Dazu kommt dieser Adam-Green-Witz, der uns schon aus Titeln wie „I Only Take Cocaine“ anspringt und sich musikalisch in einem Einminüter wie „Birthday Mambo“ fortsetzt – der Sänger trödelt mit verschnupfter Stimme durch den Song, als hätte er gerade einen Gesangswettstreit mit Ringo Starr ausgerufen. Drei Stücke weiter meldet er sich in einer beatlesken Holperbal lade auffordernd zu Wort: „Do Some Blow (With Me)“. Zwischen diese Mini preziosen lässt Adam Green kleine Vokal sequenzen fallen, Hörbuchschnipsel, in denen Grundsätzliches geklärt wird: „Are aliens natural? Sure, all technology is natural.“
(musikexpress)


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Mittwoch, 10. August 2016

Das Platten vor Gericht Juli Mixtape



Hören worüber wir schreiben: Das Platten vor Gericht-Mixtape mit Musik aus unseren Juli-Vorstellungen.

1. Drowners – Another Go
2. Bat For Lashes – Sunday Love
3. Ladyhawke – Dangerous
4. Throws – The Harbour
5. Beyond The Wizards Sleeve – Iron Age
6. Hannah Georgas – Don’t Go
7. Band Of Horses – Casual Party
8. Peter Bjorn And John – What You Talking About?
9. Linda Guilala – Fobia Social I
10. Message To Bears – I’ll Lead You There
11. Deftones – Hearts / Wires
12. Biffy Clyro – Flammable
13. Big Deal – Say Yes
14. Metronomy – Old Skool
15. Jack Palmer And Amanda Palmer – 1952 Vincent Black Lightning
16. Mick Harvey – Deadly Tedium
17. Hot Hot Heat – Mayor Of The City
18. Mikroboy – Leicht
19. Alexis Taylor – So Much Further To Go
20. Kent - Den sista sången
21. The Amazing – Ambulance
22. Trade Wind – Lowest Form
23. Ben Abraham – Speak
24. Why We Run – Hallway



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