Lambert - Stay In The Dark
























Letztes Jahr sind wir eher zufällig beim Maifeld Derby ins Konzert von Lambert geraten. Zwischen den Auftritten von Get Well Soon und Warpaint im großen Palastzelt sahen wir zum Einbruch der Nacht einen hinter einer Antilopenmaske verborgenen jungen Mann, der die Zuhörer im bestuhlten Parcours d'Amour mit seinem Klavierspiel gefangen nahm. Zwischen zeitgenössischer Klassik und Soundtrack könnte man die rein instrumentale Musik Lamberts verorten, die uns den Trubel, die Hektik und die Lautstärke eines Festivals für eine halbe Stunde vergessen ließ. 

Nach seiner ersten Platte "Lambert" (2014) hat sich der Pianist mit Arbeiten an Soundtracks ("Hedi Schneider steckt fest") oder Piano-Re-Works für Künstler wie Moderat oder Boy beschäftigt und nun mit "Stay In The Dark" ein neues Album vorgelegt, dass tatsächlich ausschließlich in der Dunkelheit der Nacht aufgenommen wurde. 
Auch wenn sich gerade beim Hören der 12 Titel nicht wie vor einem Jahr in Mannheim der dunkle Sternenhimmel über mir erstreckt, so bietet "Stay In The Dark" dennoch eine wohltuende, entspannende Auszeit im Alltag, fern jeder Hektik. Freunden von Max Richter, Ólafur Arnalds oder Yann Tiersen sei Lamberts zweites Album ans Herz gelegt. 




Vergleichbar ist das vielleicht mit den Arbeiten von Chilly Gonzales – doch wo bei dem die Persona immer auch ein Verkaufsargument ist, tritt Lambert völlig hinter seine Stücke zurück. Die sind übrigens keineswegs so „klassisch“, wie man vermuten mag. Wer genau auf das hört, was sich im Hintergrund abspielt, wird oft verstecktes Beiwerk entdecken. Mal etwas, das wie eine Rückwärtsspur klingt, mal ein schüchternes Holzblasinstrument.
Ach, und zu der Sache mit der einfach nachvollziehbaren Melodie bleibt zu sagen: Die steht in „Birds“, dem vielleicht schönsten Stück des Albums, plötzlich doch mitten im Raum, erstaunt über ihre eigene Existenz und ihre dem Albumtitel Lügen strafende Helligkeit. Was für eine feine, kleine Platte.
(Musikexpress)


Lambert live:
20.10.2015 Düsseldorf, FFT
21.10.2015 Leipzig,  UT Connewitz
22.10.2015 Magdeburg, Moritzhof
23.10.2015 Hannover, FZH Lister Turm
24.10.2015 Hamburg, Kampnagel K2
29.11.2015 Berlin, Heimathafen
09.01.2016 Erfurt, Franz Mehlhose
12.01.2016 Nürnberg, Neues Museum
13.01.2016 Saarbrücken, Theater im Viertel
14.01.2016 Karlsruhe, Jubez
15.01.2016 Stuttgart, Merlin
16.01.2016 Wiesbaden, Hessisches Landesmuseum


Hooton Tennis Club - Highest point in Cliff Town






















Angeblich wollten die Herren des Hooton Tennis Clubs zum Zeitpunkt ihrer Gründung im Jahr 2013 Musik mit noisigen Gitarren im The Jesus and Mary Chain Stil machen. Das nun veröffentlichte Debüt “Highest Point in Cliff Town” klingt allerdings durch seine Lässigkeit mehr nach Pavement oder stellenweise sogar so gut gelaunt wie College Rock. Produziert wurde das Debüt von Bill Ryder-Jones, einem der Gründer von The Coral. 

Für den Bandnamen haben sich die Musiker aus Chester und Ellesmere Port beim Hooton Lawn Tennis Club in Little Sutton bedient. Mal sehen, welcher “Hooton Tennis Club” auf Dauer prominenter sein wird. Das Debüt zumindest zeigt keine Ausfälle aber auch keine zwingend mitreißenden Höhepunkte.

Das unterhaltsame Video zu P.O.W.E.R.F.U.L P.I.E.R.R.E.:


Und das zu “Kathleen Sat On The Arm Of Her Favourite Chair”:


Hooton Tennis Club live:
  • 25.09. Hamburg, Reeperbahn Festival
  • 26.09. Berlin, Berlin Independent Night @ Lido

Der Musikexpress zieht Parallelen zwischen der gefühlten musikalischen und tatsächlichen Heimat der Band:
Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man denken, Hooton Tennis Club stammten aus den USA, den Einflüssen von Pavement und Parquet Courts nach zu urteilen. Gerade die nörgelige Gitarre von James Madden und der torkelnde Gesang von Ryan Murphy weisen darauf hin.[...] Ob nun vernehmbar aus Liverpooler Regionen oder nicht – dass man davon auch bei uns etwas hören wird, steht außer Frage.

Spector - Moth Boys
























Bei der Wahl zum Plattencover des Jahres wären Spector ganz weit vorne dabei. Bedanken dürften sie sich dafür bei André Giesemann und Daniel Schulz, die in Hamburg Kommunikationsdesign und Industriedesign studier(t)en und menschenleere Clubs in Berlin, Hamburg und Frankfurt nach durchfeierter Nacht und bei eingeschaltetem Deckenlicht fotografiert haben. 
In dieser Fotogalerie kann man man so unterschiedliche Lokalitäten wie den "Cocoon-Club" oder den "Golden Pudel Club" in voller Nüchternheit und Funktionalität betrachten.

Oder auch den mittlerweile geschlossenen Berliner Club "Rechenzentrum", dessen Foto es aufs Cover des zweiten Albums von Spector geschafft hat. Das Londoner Quintett hat 3 Jahre für den Nachfolger von "Enjoy It While It Lasts" benötigt und dabei den Gitarrenrock-Part reduziert sowie den 80er-Synthie-Pop-Anteil deutlich erhöht. Mit Christopher Burman war 2013 auch tatsächlich der Gitarrist ausgestiegen, so dass nur Fred Macpherson (Gesang), Thomas Shickle (Bass), Jed Cullen (Synthesizer, Gitarre) und Danny Blandy (Schlagzeug) verblieben. Macphersons Gesang erinnert zeitweise an Tom Smith von den Editors, während sich seine Kollegen eher an Pulp, Hurts, White Lies oder den Killers orientieren. 

Bei der Wahl zur Platte des Jahres - wie werden Spector und "Moth Boys" dort absteigen? Lasst es uns wissen!




Schon im Opener „All The Sad Young Men“ sind Spectors Einflüsse für ihren neuen Sound – Simple Minds und A-ha – unüberhörbar. Das führt dazu, dass sich die Londoner zu waghalsigen Songs hinreißen lassen, etwa dem cheesy „Believe“, dessen Synthesizer man sich lieber nicht allzu lange aussetzen sollte, wenn man keine körperlichen Schäden davon tragen möchte. Solche Eskapaden hätte man eher auf dem neuen Hurts-Album erwartet.
Dass Spector auch anders und wesentlich besser können, beweist „Bad Boyfriend“, das eine gelungene Verknüpfung zwischen dem vom Debüt bekannten und dem auf MOTH BOYS vorherrschenden Sound schafft. Die Londoner schlittern mit diesem Album auf gefährlich dünnem Eis, schaffen es aber, sich mit Songs wie dem Indie-Disco-Hit „Stay High“ vor dem Einbrechen in den See bedeutungsloser 80s-Kopisten zu retten.
(Musikexpress)




The results speak for themselves. A series of vignettes showcasing modern life and all of its ironies and idiosyncrasies, there’s an air of breezy tragicness to their newest record. There’s still those moments of bombast – the delicious funky rhythm of ‘Cocktail Party’ or the soaring chorus of ‘Bad Boyfriend’ – but they come matched with intricate moments of detail. Glorious 80s-style synth hooks laced with an exquisite seediness, the band set poignant scenes and transform them into technicolour pop anthems.
The wit of their first album’s still present – with a frontman like Fred MacPherson it could never not be – but it feels to be part of a bigger picture this time around. Perfectly pop yet delicately dark, Spector really have redefined themselves.
(DIY Mag)




The record comes front-loaded with the band's best two songs to date in "All The Sad Young Men" and "Stay High". The former brings Smiths-like melancholy to the dancefloor before exploding into life on the kind of chorus you wish Brandon Flowers still wrote. The latter soars to even greater heights, with MacPherson delivering a one-man assault on the tedious nature of modern romance as he muses "where we're going we don't need roads / set menus or two-for-one codes / these are the ways that we show our love".
The rest of the record doesn't quite live up to its two openers, but much like the band's first LP, somewhat uninventive instrumentation is masked by the charm and character of MacPherson. His delivery consistently highlights the nagging sense of sadness hinted at in the lyrics and the album feels a lot more genuine and meaningful as a result. 
There's certainly no subtlety to the instrumentation, however - the likes of "Decade of Decay" and "West End" reveal heavy '80s pop influences that define the album's second half. With so many artists reading from the 'cool 80s' bible written by The Smiths and Joy Division, it's nice to hear guitar music embracing a bit of cheesy disco.
On Moth Boys Spector learn from the shortcomings of their debut and comfortably eclipse its quality. With tongue firmly in cheek, the four-piece named their first record Enjoy It While It Lasts, and on the evidence of their follow-up they can savour the ride a little longer.
(The Line Of Best Fit)


Das Platten vor Gericht August Mixtape



Hören und sehen worüber wir schreiben: Das Platten vor Gericht-Mixtape mit Musik aus unseren August-Vorstellungen.

1. Black Book Lodge – 27 Years
2. The Maccabees – Marks To Prove It
3. The Wooden Sky – Saturday Night
4. Family Of The Year – Make You Mine
5. Natalie Imbruglia – Instant Crush
6. Monday Tramps – This Town
7. Kafka Tamura – Bones
8. Beach House – Sparks
9. Drinks – Hermits On Holiday
10. Albert Hammond Jr. – Born Slippy
11. Madsen – Sirenen
12. Little Boots – Better In The Morning
13. Destroyer – Girl In A Sling
14. Paul Smith And The Intimations – Break Me Down



Platten vor Gericht:
Platten vor Gericht // August 2015
auf tape.tv.

Neue Gerichtstermine: September / Oktober

























September

04.09.
a-ha – Cast In Steel
Fenster – Emocean
Helena Hauff – Discreet Desires
Georg Holm + Orri Páll Dýrason – Circe
Lambert – Stay In The Dark
Outfit – Slowness
Public Image Ltd. – What The World Needs Now…
Schnipo Schranke – Satt
The School – Wasting Away And Wondering
Spector – Moth Boys

11.09.
Beirut – No No No
Ben Folds – So There
Duran Duran – Paper Gods
Empire Escape – You Are Not Alone
Richard Hawley – Hollow Meadows
The Libertines – Anthems For Doomed Youth
Low – Ones And Sixes
Stereophonics – Keep The Village Alive
The View – Ropewalk

18.09.
Enno Bunger – Flüssiges Glück
CocoRosie – Heartache City
Darwin Deez – Double Down
Federal Lights – Coeur de Lion 
Die Goldenen Zitronen – Flogging A Dead Frog
Glen Hansard – Didn’t He Ramble
Mercury Rev – The Light In You
Metric – Pagans In Vega
Robert Forster – Songs To Play
Lana Del Rey – Honeymoon
Telekinesis – Ad Infinitum

25.09.
Chvrches – Every Open Eye
The Dears – Times Infinity Volume One
Julia Holter – Have You In My Wilderness
New Order – Music Complete
Silversun Pickups – Better Nature
Youth Lagoon – Savage Hills Ballroom


Oktober

02.10.
Born Ruffians – RUFF
Editors – In Dreams
Girls Names – My Arms Around A Vision
John Grant – Grey Tickles, Black Pressure
Ms. John Soda – Loom
Saybia – No Sound From The Outside
Wanda – Bussi

09.10.
Hurts – Surrender
Swim Deep – Mothers

16.10.
Deerhunter – Fading Frontier
Evening Hymns – Quiet Energies
Here We Go Magic – Be Small
Luke Haines – British Nuclear Bunkers
Maritime – Magnetic Bodies / Maps Of Bones

23.10.
Joanna Newsom – Divers

30.10.
EL VY – Return To The Moon

Paul Smith and the Intimations - Contradictions


















Nach einigen lauen Aufgüssen hat mich das Maxïmo Park Album “Too much information” aus dem letzten Jahr positiv überrascht. Bevor sich dieser Trend festigen konnte, wandte sich der hyperaktive Sänger Paul Smith erst einmal anderen Projekten zu. So erschien ebenfalls letztes Jahr noch “Frozen by sight”, eine Zusammenarbeit mit Field Musics Peter Brewis. Und nun folgte als Paul Smith and the Intimations ´nach “Margins” aus dem Jahr 2010 das zweite Solo-Album des Briten. 

“Contradictions” ist bei weitem nicht so widersprüchlich, wie es der Titel vermuten lässt. Ähnlich “Margins” zeigt es Smith’ tiefgründigere Seite. Es ist einen Tick weniger abwechslungsreich als das Solo-Debüt aber im Grunde eine willkommene Bereicherung des Maxïmo Park Spektrums. Nur fehlen leider die Alleinstellungsmerkmale und zündenden Momente. “The deep end”, “Before the perspiration falls”, “People on sunday” (wer hört noch “Menschen am Sonntag” im Refrain des Songs?), “Coney island”, “The mezzanine floor” und “Fluid identity” sind nette bis starke Songs, doch auch auf einem Maxïmo Park Album wären sie nicht aus dem Rahmen gefallen. Paul Smith’ Stimme ist einfach zu prägend. Und die ein oder andere gute bis bereichernde Idee hätte die Kollegen der Stammband bestimmt beitragen können. 

Irre ich mich, oder hat Paul Smith sich nicht schon zum nächsten Maxïmo Park Album geäußert? Ich freue mich darauf. 

Das Video zu “Break me down”:
Paul Smith – Break Me Down from Gemma Yin Taylor on Vimeo.

Und das zu “Coney island”:
Paul Smith - Coney Island (4th Of July) from PIASGermany on Vimeo.

Paul Smith auf Tour:
  • 12.09. Frankfurt
  • 13.09. Köln
  • 14.09. Leipzig
  • 17.09. München
  • 18.09. Berlin
  • 19.09. Hamburg

The line of best fit:
After several years of ups and downs, it's great to see Paul Smith is still writing great music. When a track of his is played, one instantly recognises that smoggy twang that has made him such a Northern icon. Where the latter Maxïmo Park albums lacked the songs and momentum that fans were looking for, and his debut suffered slightly, Contradictions is certainly a step in the right direction and sees Paul on the rise once again. This album is a dark horse, a grower, and one that current fans and newcomers to his music will appreciate alike.  

WhiteTapes:
Bis auf den rockigen Ausbruch bei “People On Sunday” erkundet Paul Smith mit seiner Band in ausgefeilteren Arrangements mit eloquent erzählten Geschichten und allerlei klanglichen Fabtupfern, seine Vorstellung anspruchsvoller Popmusik. Den Spaß, den die Musiker im Studio hatten, merkt man allen Songs an. So fehlt es den in einen leichten LoFi-Dreampop gehüllten Stücken auch nicht an der typischen Infektiösität von Maxïmo Park, der man sich nur schwer entziehen kann. 

Destroyer - Poison Season
























Album des Monats im Musikexpress sowie im Rolling Stone. Eine 9,5 Punkte-Wertung im Spiegel. Und das sind nur die herausragenden Reaktionen im deutschsprachigen Raum auf "Poison Season", das zehnte Album von Destroyer. 

Die kanadische Band um Dan Bejar, der nebenher auch noch The New Pornographers betreibt, zeigt sich auch im 20. Jahr ihres Bestehens noch wandlungsfähig und konnte Dank des Erfolgs von "Kaputt" (2011) den Traum einer orchestralen Instrumentierung in die Tat umsetzen. Nun säuseln und schwelgen die Streicher, trötet das Saxofon, erschallen Bongos, Congas und Maracas, so dass man gar nicht mehr weiß, ob dies in ein Broadway-Musical, einen verrauchten Jazz-Club oder eine unterkühlte Bar im 80er Jahre Chic gehört. Offensichtlich auf jeden Fall ins Spitzenfeld vieler Jahresbestenlisten. Auch hier bei Platten vor Gericht?

Überlassen wir die Lobhudelei der oben genannten Fachpresse und lassen exemplarisch die Musik von "Times Square" und "Girl In A Sling" erklingen:


Eine Platte, die sich nicht erst ganz allmählich erschließt, sondern von Anfang an als großer Wurf angelegt ist – was nicht bedeutet, dass sie tatsächlich gleich alle ihre Trümpfe auf den Tisch legt. POISON SEASON beginnt dementsprechend amtlich mit einer Ouvertüre – der ersten Tuchfühlung mit dem „Times Square“. Streicherwiege, Pianotupfer, ein sanftes Innehalten, Dan führt uns an der Hand. Warum uns dabei Jesus ganz außer sich, verheißungsvolle writings on the wall, blühende Rosen begegnen – das wird sich ja vielleicht noch zeigen. Oder auch nicht, denn Dan Bejar bleibt in seinen Lyrics so literarisch andeutungsreich, gleichzeitig verklärt und raffiniert, wie man ihn kennt. Merken muss man sich vorerst ohnehin nur diese Zeile: „You could fall in love with Times Square“. Genau in der Mitte der Platte lädt uns der „Times Square“ dann zum big Schwof ein, als Bowie-70s-Schunkler mitsamt glühender Leadgitarre und Saxofonsolo in beachtlicher Rücklage. „You could fall in love!“ Da ist es längst passiert. Und schließlich als Reprise nach 50 Minuten, mit verwehenden Geigen. Seufz.
(Musikexpress)




Es ist oft geschrieben worden, dass Bejar etwas mit David Bowie am Laufen hat, mit dem frühen Bowie der ersten Alben, die man als „versponnen“ bezeichnen kann. Destroyer macht aber eigentlich etwas, das Bowie mit seiner letzten Single, „Sue (Or In A Season Of Crime)“, versuchte: Jazz und schwelgerische Orchestermusik mit Poesie zu verbinden. Während Bowie aber Scott Walker nacheifert und also die Dekonstruktion, wenn nicht Destruktion anstrebt, ist Bejar ganz der späte Romantiker, der amerikanische Musicals und Vaudeville, Barry Whites „Rhapsody In White“ und Isaac Hayes’ „Hot Buttered Soul“ zusammendenkt. Angesichts der musikalischen Pracht, der Percussion und der tropischen Schwüle von „Poison Season“ könnte man auch sagen: Der brasilianische Schamane Marcos Valle arrangiert die Harlekin-Lieder von Momus. Und wenn wir schon bei New York sind: Bei „Dream Lover“ tönt ein Saxofon, das an Bruce Springsteens Großstadt-Epen „Rosalita“ und „Kitty’s Back“ erinnert. Das beschwingte Arrangement von „Hell“ beginnt mit Streichern und Trompete wie bei Michael Nyman oder dem Penguin Cafe Orchestra und steigert sich dann zu einem wirren sinfonischen Finale – in drei Minuten.
(Rolling Stone)






Alles auf dieser grandiosen, in verschiedenste Jahrzehnte ausgreifenden Platte widersetzt sich dem Hit, bleibt lieber ins Detail verliebt als in Refrains - und ist genau in dieser zu Herzen gehenden Verzagtheit das Größte und Selbstgewisseste, was dieser erstaunliche Musiker bisher vollbracht hat.
Gleich dreimal kehrt er, jedes Mal signifikant variiert, an den "Times Square" des ersten Songs zurück, eine burleske Musical-Melodie aus der Broadway-Mottenkiste, in der Bejar das Wort "Square" so genüsslich zerdehnt wie einen süßen Kaubonbon. "Dream Lover" stürmt dann, mit kreischenden Saxophonen und peitschenden Drums quer über den Platz, als wäre es 1973 und Springsteens E-Street-Band eine Horde Straßenmusikanten. "Forces From Above" flüchtet vom Urbanen ins Exotische, als würden kühle Achtziger-Popper wie Talk Talk oder Scritti Politti zum Beat nu-yoricanischer Latino-Bands grooven. "Hell" schließlich evoziert mit sehnenden, zupfenden Streichern, die Zeit der Kutschen und Zylinderhüte: "Baby it's dawn, look what I've become: scum/ A relic, a satellite (…) It's hell down here", singt er, sich selbst plötzlich ertappend, beim Hineinträumen in die Schicksale, Dramen und Geräusche, die Times Square gesehen und gehört hat.
(Spiegel)


Destroyer live in Deutschland:
13.11.15 München – Kammerspiele
14.11.15 Köln – Luxor
15.11.15 Berlin – Lido

Little Boots - Working Girl
























Es war einmal, vor langer Zeit (2009) in einem weit entfernten (Vereinigten) Königreich, dort wurden zwei junge Prinzessinnen (La Roux und Little Boots) als die Zukunft des Elektropop gehandelt und mit Single-Hit-Ehren bedacht ("In For The Kill", "Bulletproof", "Remedy"). 

So könnte die Geschichte von Victoria Christina Hesketh, besser bekannt als Little Boots, beginnen, doch leider hat diese nach einem märchenhaften Aufstieg kein Happy End genommen. Eigentlich für keine der beiden Pop-Protagonistinnen. 

Little Boots konnte im weiteren Verlauf ihrer Karriere nicht an die Erfolge ihrer ersten Singles ("New In Town", "Remedy") und des Debütalbums "Hands", das in England auf Platz 5 der Charts kam, anschließen. "Nocturnes" strandete 2013 nur auf dem 45. Rang der Hitlisten, die Dame wurde von ihrer Plattenfirma fallen gelassen und von "Working Girl", auf Hesketh' eigenem Label veröffentlicht, wurden in ihrem Heimatland gerade einmal 1.425 Kopien in der ersten Woche verkauft, was nur für Platz 67 reichte.

Betrachtet man sich die durchschnittlichen Bewertungen der professionellen Plattenkritiker, zusammengetragen von Metacritic, so ist dieser Abstieg nicht nachzuvollziehen: Hier liegt "Working Girl" mit 64/100 Punkten nur knapp hinter "Hands" (68) und "Nocturne" (69). 

"Working Girl" klingt in seinen besten Momenten nach dem, was Saint Etienne, Kylie Mnogue oder die Pet Shop Boys in den 90ern so präsentierten. Wer also auf eingängigen, synthetischen Pop (erweitert um House- und R'n'B-Elemente) steht, der sollte es einmal mit "Working Girl", an dem zahlreiche Produzenten, wie Ariel Rechtshaid (Madonna, Brandon Flowers), Peter Wade (Natasha Bedingfield, Kylie Minogue) oder Jas Shaw von Simian Mobile Disco, werkelten, versuchen. 


Having been through the major label pop mill and taken the jelly fillets out of her stage gear, the classically-trained 30-year-old now runs her own label and knows whereof she sings. There are motivational numbers such as Get Things Done, with its great elastic-bass hook. But more often Hesketh is in the trenches. Against the Nineties club whumps of No Pressure, she notes: “The city treats you like a stranger/ Though you’ve been here a hundred times before/ Playing the game, you need a changer.”
There’s pouty fun (though little innovation) on Better in the Morning. Hesketh should take more risks. The most experimental track, Taste It, is the high point of an album that makes great commuting company.
(The Telegraph)




The album keeps its BPM up and its personal stakes high, as Hesketh articulates the ennui of a high-powered life. “I don’t like where I am and my friends don’t understand,” she sings on “No Pressure”. On “Business Pleasure”, she asserts, “I’m not your girl in the machine.” And on “Better in the Morning”, she bounces through a sing-song melody to talk herself out of feeling defeated at the end of the day. The production is lively and fun throughout, but ringed with after-hours melancholy. Hesketh sings as if she’s trying to claw her way out of isolation, hoping for someone, anyone, to hear her.
Little Boots packs her share of sarcasm into Working Girl, but above all she insists fiercely on her own humanity. She arranges her insecurities on a familiar pop framework, her struggles and doubts laid bare. The chirping “Help Too” carries some of the heaviest lyrics Hesketh has written — it might be her most tender song yet. Boots has refined her technical skills and curation choices over the past two albums, but her biggest breakthrough on Working Girl is just how much she’s now willing to let us in.
(Consequence Of Sound)




From the title track to the deep-house "Heroine" and "Business Pleasure," the theme of feminine empowerment is threaded loosely throughout, though "Get Things Done," with its kitschy disco affectations and girl-power hook ("We know how to get things done!"), sounds less like a modern feminist anthem and more like the theme song to Amy Schumer's recent "80's Ladies" sketch.
And while the reggae-influenced keyboards and bouncy, early-'90s house bass of "The Game" provide some nifty nostalgia-triggering tricks that are ultimately in service of rather pedestrian melodies and lyrics ("Play that game, break that chain"), tracks like the standout "Help Too," a bittersweet electro ballad worthy of Robyn, display an understated sophistication and vulnerability: "Baby, let me know if you're cold, you can have my sweater/Call me up in pieces, I'll put you back together." It's in moments like these that Little Boots seems to have found the perfect fit.
(Slant Magazine)


Madsen - Kompass
























Zehn Fakten zum neuen Album von Madsen:

1. Fast genau 3 Jahre nach der Veröffentlichung von "Wo es beginnt" stand "Kompass" am 14. August in den Plattenläden. Hinsichtlich der höchsten Chartpositionierung konnte das neue Album aber nicht mit seinem Vorgänger mithalten: Platz 5 statt Rang 2.

2. "Kompass" kann als Download, CD und Vinyl (in der limitierten Version als Doppel-LP mit CD) erworben werden. Wer etwas mehr Geld (ca. 40,- €) in der Tasche hat und sich über eine Bonus-CD, ein Kochbuch, eine Autogrammkarte und eine Kochschürze freut, der kann auch zur limitierten Fan-Box greifen. 

3. Auf besagter Bonus-CD, "The Real Hits - Volume 1", sammeln Madsen Songs, die bei Proben entstehen und nicht direkt zur Band passen. Dieser Lieder (zwischen Schlager, Metal und Hip Hop) werden auch über die Seite The Real Hits unter Pseudonymen veröffentlicht. 


Da Madsen ja auch nicht forever eighteen und grün sind, sondern gestandene Berufsrocker, wirkt das mitunter wie Alarmismus-ploitation, ja, Alarmismus-Porn. Etwas menschlicher kommen dagegen die holprigen Love-Texte oder der latent mackerige Kumpelkult rüber. Die machen zwar auch keinen Spaß, doch die Band wirkt irgendwie mehr bei sich. Die Kulisse von all dem findet sich dabei zugestellt von Gitarrenwänden aus der Kompressorhölle. Warum man als Indie-Punker 2015 so klingen möchte, wie es Accept Anfang der 80er immer versucht haben, wird wohl das Sound-Geheimnis des Zeitgeistes bleiben. Immerhin etwas, denn jedes Geheimnis tut diesem Album der dröhnenden Offensichtlichkeiten gut.
(Musikexpress)


4. Vor ihrem sechsten Studioalbum fasste die Band ihre Karriere auf "10 Jahre Madsen live" zusammen. Dabei lag der Compilation ein tolles Konzept zugrunde: "Unter dem Motto "5 ALBEN - 5 NÄCHTE" präsentierte die Band an jeden Abend ein Album in kompletter Länge. Passend zur Bandkariere wurden die Clubs von Abend zu Abend größer: Molotow (Album: Madsen), Logo (Album: Goodbye Logik), Knust (Album: Frieden im Krieg), Gruenspan (Album: Labyrinth) und Markthalle (Album: Wo es beginnt). Es gab zahlreiche Gastauftritten anderer Künstlern wie König Boris von Fettes Brot, Thees Uhlmann, Porky von Deichkind u.v.m."

5. Als Vorbote erschien bereits am 12. Juni der Song "Sirenen" samt Video:



6. "Kompass" wurde in Berlin gemeinsam mit dem Produzenten Moritz Enders (Casper, Kraftklub, Revolverheld) aufgenommen. Letztendlich schafften es von über 40 Songs 12 auf das Album.

7. Einer der ausgemusterten Songs war vielleicht "Inkognito". Dieser findet sich nun im Soundtrack zum Kinderfilm "Rico, Oskar und das Herzgebreche" wieder:



Schnell fragt man sich: Wie weit darf Bruderliebe eigentlich gehen? Wann befreien Johannes und Sascha ihren Blutsverwandten an vorderster Front endlich von seinem Leid? Irgendwann muss doch auch mal Schluss mit lustig sein. Es ist ja nicht so, dass der gute Sebastian erst seit gestern das Aushängeschild mimt. Der Kerl versucht sich nun schon seit über zehn Jahren als Sänger der Band. Und was ist das Ergebnis? Texte mit dem Tiefgang eines Einweg-Tauchsieders, vorgetragen von einer Stimme, die klingt, wie ... ach, keine Ahnung. Das Getröte ist so dermaßen blutleer und melodiefremd, dass mir nicht mal eine passende Vergleichsohrfeige dazu einfällt.
Schnell macht sich Panik breit. Hektisch skippe ich mich durch die Tracklist. Meine Hoffnung: elf weitere Songs, die – Bitte! Bitte! – eine ähnlich aggressive Richtung einschlagen wie der Opener. Ich will mir nämlich gar nicht vorstellen, wie das "Stimmchen" im Rampenlicht wohl klingen mag, wenn der Background drei Gänge runterschaltet. Doch den Gefallen tut mir die Band natürlich nicht.
Zwischen durchaus gefälligen 'Wir covern ohne zuzugeben dass wir covern'-Momenten à la "Leichter", "Ich Trink Nur Eben Aus", "Fluten" und "Graue Welt" (Ace Frehley, Weezer, Green Day, Queens Of The Stone Age, Beatsteaks, Foo Fighters) geht es erwartungsgemäß auch diverse Male ruhiger zu. So präsentiert sich der Zweisamkeits-Filler "Küss Mich" umgeben von monotonem Piano-Geklimper, während der Titeltrack zwischen Indie-Polka und schlaffem Gitarrenpop hin und her pendelt.
Es geht aber noch schlimmer. Die beiden angezerrten Halbballaden "Unerreichbar" und "Über Die Berge" narkotisieren selbst eingefleischte Fernsehgarten-Dauergucker. Dass mit voluminösen Black-Sabbath-meets-T.Rex-Erinnerungen ("Leuchttürme") noch ein bisschen Boden gut gemacht wird, interessiert zum Finale hin nur noch am Rande. Zu tief sitzt der Stachel des Leids.
(laut)


8. Als Single wurde der Song "Küss mich" ausgewählt. Mit diesem Titel werden Madsen Niedersachsen beim "Bundesvision Song Contest" vertreten. 



9. Anker, Flamme und Friedenstaube - wie schön wäre doch ein Kompass gewesen! Zum schrecklichen Plattencover hatten zwei der Madsen-Brüder etwas zu sagen: „Außerdem war von Anfang an klar, dass auf keinen Fall ein Kompass auf das Cover soll.“ (Sebastian Madsen) (Warum eigentlich, "Sirenen" beginnt auch ganz platt mit Sirenengeheul!?) und "Wir finden vor allem, dass es sehr gut aussieht. Mit der Flamme und der Friedenstaube kann sich jeder ausmalen, was er darin sieht." (Sascha Madsen)

10. Madsen gehen mit "Kompass" auf Tour:

03.09.2015 Berlin | Room Service
27.10.2015 Hannover | Capitol
28.10.2015 Magdeburg | Altes Theater
29.10.2015 Münster | Skaters Palace
31.10.2015 Berlin | Columbiahalle
01.11.2015 Köln | E-Werk
03.11.2015 Frankfurt | Batschkapp
04.11.2015 München | Backstage Werk
05.11.2015 Wien | Arena
07.11.2015 Kaiserslautern | Kammgarn
08.11.2015 Karlsruhe | Substage
10.11.2015 Dresden | Alter Schlachthof
11.11.2015 Hamburg | Grosse Freiheit 36
12.12.2015 Linz | Posthof Großer Saal
13.12.2015 Graz | Orpheum
15.12.2015 Zürich | Dynamo
16.12.2015 Basel | Sommercasino
18.12.2015 Würzburg | Posthalle
19.12.2015 Erfurt | Stadtgarten
20.12.2015 Rostock | Mau Club
05.02.2016 Hamburg | Mehr! Theater am Großmarkt



Albert Hammond, Jr. - Momentary Masters

























So viel The Strokes war lange nicht. Eigentlich egal, ob man nun die ersten beiden Soloalben ("Yours To Keep", 2006, und "¿Cómo Te Llama?", 2008) von Albert Hammond, Jr. zum Vergleich heran zieht oder das letzte reguläre Album der Indierocker aus New York ("Comedown Machine", 2013), das (leicht umgewandelte) "This is it!"-Gefühl kam dabei nicht auf. 

Doch auf "Momentary Masters" findet man den ein oder anderen Song - etwa "Drunched In Crumbs", "Coming To Getcha", "Razor's Edge" oder "Touché" - der einen an den minimalistischen Garagen Rock der Anfänge von The Strokes denken lässt. Das Problem dabei ist nur: Albert Hammond, Jr. ist als Sänger eben nicht Julian Casablancas und sein dünner, hoher Gesang nur wenig überzeugend. Man stelle sich einmal vor, Paul Banks würde den Opener "Born Slippy" singen! Noch nicht einmal die Bob Dylan-Coverversion "Don't Think twice" ist gesanglich besser als das Original.
Dass es aber mit der Stimme und Lässigkeit eines Casablancas allein auch nicht getan ist, zeigte dieser selbst letztes Jahr mit "Tyranny". Dann doch lieber "Momentary Masters" auflegen und hoffen, dass Julian Casablancas, Nick Valensi, Nikolai Fraiture, Albert Hammond, Jr. und Fabrizio Moretti gemeinsam noch einmal ein solch rückwärts gerichtetes Album aufnehmen, wie dieses hier.


Hübsch anzuhören und ungemein eingängig ist die Platte von Anfang bis Ende. Jeder Song ergibt für sich absolut Sinn und ist bis ins kleinste Detail schlüssig arrangiert. Dass Hammond, Jr. einen unverwechselbaren Sound hat, spricht für ihn. Dass er seine Komfortzone nur selten verlässt, allerdings nicht. Lied für Lied zieht "Momentary masters" vorbei, ohne wirklich bleibende Eindrücke zu hinterlassen. An cleveren Geistesblitzen mangelt es immerhin nicht: Kunstgriffe wie das Hochgeschwindigkeitsriff in der Bridge von "Caught by my shadow" oder der genial verpeilten Schrammelpart in "Touché" sind absolut liebenswert. Auch das blechern vorbeischeppernde "Side boob" lädt zum Mitwippen ein, wobei hier eine etwas voluminösere Produktion sicher nicht geschadet hätte.
Die größte Schwäche in Hammonds Songwriting ist dessen Vorhersehbarkeit. Viel zu selten retten geniale melodische Einfälle die Lieder vor der Mittelmäßigkeit. Wenn etwa "Coming to getcha" sich zum Refrain aufschwingt, kann man gar nicht anders, als zustimmend zu nicken. Viele Songs laufen jedoch ins Leere und rufen nicht viel mehr als ein Schulterzucken hervor: "Losing touch" besitzt etwa ein euphorisches Finale, der Weg dorthin ist jedoch mit reichlich Banalität gepflastert. Auch die Single "Born slippy" weckt in der federleicht dahinhüpfenden Strophe Hoffnungen auf Größeres, erstickt diese jedoch nachhaltig im erschreckend langweiligen Refrain.
(Plattentests)


Songs wie der atemlos stampfende Postpunkritt ‚Side Boob‚ oder das tropicale ‚Power Hungry‚ mit seinem abgedämpften Groove deuten zwar ausnahmsweise den so nötigen Schritt aus dem ansonsten so unverhohlen herrschenden Schatten von Hammond, Jr.’s Stammband an, wollen theoretisch Neues wagen, sind dazu praktisch aber nicht in der Lage und somit noch unerfüllender als all die aufgefahrenen Nähen zu potentiell nostalgischen Strokes-B-Seiten: der letzte Kniff, (das gewisse Etwas), die klippenspringenden Überraschungmomente, die genialen Funken, die ‚Momentary Masters‚ aus dem in ständige Relation setzenden Kurzzeitgedächtnis heraus heben würden, sie fehlen einfach.  Alleine der markante Gitarrensound und die sehr routinierte Aufbereitung bewahren die 36 Minuten nicht davor, ein am Ende paradoxes Bild abzugeben, wenn die Platte einerseits durchwegs charmant und kurzweilig mit jedem Durchgang wächst, letztendlich aber trotzdem nur nichtssagend und gefällig plätschert. Die Kerne der Kompositionen entwickeln eben nur wenig Gravitation, und inmitten der Lyric-Standards bleibt vieles schlicht zu oberflächlich, denn hinter der mühelosen Ausstrahlung gibt es nur wenig zu entdecken, das für sich selbst stehend tatsächlich nachhaltigen Eindruck hinterließe.
So ist es geradezu ärgerlich, dass beispielsweise ‚Coming to Getcha‚ an sich ein großer, dramatischer Song hätte sein könnte, Hammond, Jr. dem Geschehen aber nicht nur wegen seiner limitierten Gesangsmöglichkeiten einfach nicht den nötigen und verdienten charismatischen Kick geben kann, den die Nummer bräuchte, um ihr ganzes Potential abrufen und zünden zu können. Weswegen ‚Momentary Masters‚ dann auch zu keinem Zeitpunkt die faszinierende Anziehungskraft eines ‚Tyranny‚ ausstrahlen kann, dafür aber wohl dennoch mehr Leute glücklich machen wird. In Summe wirkt das wie der auf eine extrem solide Basis gestellte, aber leergeräumte Rohbau, auf dessen Fundament Casablancas und Co. gut und gerne sogar das zuverlässigste Strokes-Album seit ‚First Impressions of Earth‚ erbauen hätten können.
(heavypop)


Albert Hammond, Jr. in Deutschland:

03.12.15 Hamburg, Nochtspeicher
04.12.15. Berlin, Lido



Drinks - Hermits on holiday






















Drinks hatte ich bereits in der Vorstellung von Sweet Baboos “The boombox ballads” erwähnt. Es handelt sich um ein Projekt der in Los Angeles lebenden Waliserin Cate Le Bon und des kalifornischen Gitarren-Freaks Tim Presley, der auch als White Fence auftritt.

In der Pressemitteilung wird Cate Le Bon als walisisches Landmädchen dem in San Francisco quasi auf der Straße aufgewachsenen Presley gegenübergestellt. Erstmals für ein Projekt vereint haben die beiden ein sehr rohes Debüt fabriziert. Wer dieses dauerhaft in entsprechender Lautstärke hört, sollte sich seinen Nachbarn zuliebe überlegen, tatsächlich Einsiedler zu werden. Das klingt schon wesentlich mehr nach Straße oder gar Garage denn nach walisischer Landidylle.

Während ich “Boombox ballads” noch als stellenweise “verschroben” beschrieb, muss ich für “Hermits on holiday” zu drastischeren Worten greifen: Bei diesem Experiment mit eingestreuten Gitarreninfernos sucht man Harmonien und Erlösung weitgehend vergeblich.
 
“Cannon mouth” und “Hermits on holiday” bieten dem geneigten Hörer m. E. den relativ gefälligen Einstieg.

Das ist mit Sweet Baboo, Cate Le Bons Drinks und H. Hawklines “In the pink of condition” ja schon so eine kleine “Welsh invasion” dieses Jahr. Da ist ja fast für jeden Geschmack etwas dabei.

Das Video zum Titelsong:

Pitchfork.com:
Most of Hermits on Holiday is pretty spontaneous and free-form, but it rarely lapses into the stuff of jam-band nightmares. An interviewer recently asked Le Bon and Presley whether they intended Hermits to be a psych album. "I don't even know what those words mean anymore," Le Bon replied. Instead, the pair play like kids trying to light a fire with sticks and flint: there's a distant possibility something might take, but really it's all about the thrill of scrubbing around in the dirt.

10 Schallplatten, die uns gut durch den September bringen


























10. Suede – Dog Man Star Live At The Royal Albert Hall (Box Set) (04.09.15)

















9. The Beta Band – Champion Vinyl (Vinyl Single) (18.09.15)

















8. Elbow – Asleep In The Back (04.09.15)

















7. a-ha – Cast In Steel (04.09.15)

















6. Enno Bunger – Flüssiges Glück (18.09.15)

















5. Duran Duran – Paper Gods (11.09.15)

















4. Elbow – Leaders Of The Free World (04.09.15)

















3. New Order – Music Complete (2LP, Clear Vinyl) (25.09.15)

















2. Noel Gallagher’s High Flying Birds – Where The City Meets The Sky: Chasing Yesterday: The Remixes (2LP) (25.09.15)

















1. Beirut – No No No (Coloured Vinyl) (11.09.15)