Samstag, 13. Februar 2016

Emma Pollock - In Search Of Harperfield
























Das Ende von The Delgados liegt mittlerweile mehr als 10 Jahre zurück. Seit dieser Zeit veröffentlichte Emma Pollock zwei Soloalben ("Watch The Fireworks", 2007, und "The Law Of Large Numbers", 2010) sowie insgesamt zwei Alben als Teil der Musikerkollektive von The Burns Unit ("Side Show", 2010) und The Fruit Tree Foundation ("First Edition", 2011). In den letzten 5 Jahren hatte sie sich ziemlich rar gemacht und war lediglich bei einem Song auf dem letzten Album von Dry The River ("Alarms In The Heart", 2014) als Gastsängerin zu hören gewesen. 

Jetzt erschien bei Chemical Underground recht still und heimlich ein neues Album der Schottin: "In Search Of Harperfield" lotet auf 11 Songs das Spektrum von schwermütigem Kammerpop mit satten Streicherarrangements ("Intermission", "Dark Skies") über klassischen englischen Folk zur Akustikgitarre ("Monster In The Pack", "Clemency") bis hin zu verspieltem Gitarrenpop ("Parks And Recreation"), der mit "Vacant Stare" seinen noisigen Höhepunkt erreicht, aus und steht damit dem Schaffen der Delgados näher als ihre früheren Veröffentlichungen. Da wäre es doch schade, wenn "In Search Of Harperfield" nahezu unbemerkt bleiben würde!




The influence of both the classic and contemporary is omnipresent on this LP, 'Alabaster' evokes thoughts of Kate Bush - 'King Of the Mountain' and John Grant's latest release all at once. 'Vacant Stare' pulls together a vocal nod towards Susanne Vega with a rambunctious and scrappy chorus that would be at home on a Pavement record. 'Don't Make Me Wait' has blustering violins and immediate grumbling guitar designed to represent ever changing emotions, something Sufjan Stevens does masterfully. It's within this variation that we find moments of pure ecstasy as you hear contentment within Pollock's delivery and lyrics while its accessible production style maintains consistence.
(The 405)




In Search Of Harperfield tries to make sense of ever-evolving life, exploring family secrets, ageing, death and role reversal. It seeks to understand love and loss – it is the sound of the sadness of time passing wrapped up in the sweetest soundtrack. The songs examine the history that pulses through familial veins, each chapter consolidating the singer's well established ability to encase flawless storytelling in enchanting melodies and razor sharp stanzas.

The opening scenes are set through 'Cannot Keep A Secret' with its sorrowful lament, stormy piano turbulence, uncertain confessionals, the ebb and flow of wave-crashing crescendos, before the sassy punch of 'Don't Make Me Wait', which switches between jagged, Elastica-esque riffs and seraphic vocal refrains carried on dreamy strings.

'Alabaster' has an ominous tincture – sinister synths and creeping self-doubt, elegiac strings and thudding, building beats. "These little secrets do betray you see, written in the creases of the smile you flash at me," she sings with a sense of menace. Lyrically, this album is Pollock's most accomplished work, with a cohesive thread throughout. Her elegant vocals are given the appropriate centre stage reverence, thanks in part to the talents of her husband and producer Paul Savage.
(The Quietus)

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Freitag, 12. Februar 2016

The Jezabels - Synthia
























Beim Blick auf das Plattencover von "Synthia" muss man den australischen Jezabels, die einen Hang zur biblischen (Bandname) und mythologischen (Albumtitel) Namensfindung haben, beinahe prophetische Fähigkeiten attestieren. Denn nur wenige Wochen vorm Erscheinen ihres dritten Albums und einer anstehenden Welttournee musste das Quartett alle Konzerte absagen, da sich Keyboarderin Heather Shannon, bei der vor drei Jahren Krebs diagnostiziert wurde, einer entsprechenden Behandlung unterziehen musste und nicht in der Lage war Sydney zu verlassen.

Der Albumtitel, eine Kombination aus "Synthesizer" und "Cynthia", dem Beinamen der griechischen Göttin Artemis, zeigt bereits an, dass Nik Hayley Mary (Gesang), Heather Shannon (Keyboards), Kaloper (Schlagzeug) und Sam Lockwood (Gitarre) musikalisch neue Wege einschlagen. Denn Heather Shannon, die sich im Verlauf der letzten Jahre zahlreiche Retro-Synthesizer angeschafft hatte, lässt den modifizierten Klang der Band von diesem Instrument dominieren. Erinnerungen an den Sound der 80er Jahre werden wach und durch Äußerungen der Sängerin Hayley Mary, die den Bandnamen u.a. auch auf Cyndi Lauper bezogen haben möchte, unterstützt.

Eingebettet ist "Synthia" in zwei epische Songs ("Stand And Deliver" und "Stamina"), die beide die 7-Minuten-Marke durchbrechen. Treibende elektronische Beats prallen auf wuchtige Gitarrenwellen, schmachtende Balladen stehen neben düster schimmernder Rock-Oper und über allem thront der Synthiepop. Drama, Opulenz, Pathos, Bombast, Theatralik - The Jezabels lassen fast keinen Effekt ungenutzt. Obwohl dies alles höchst clever gemacht und angenehm zu hören ist, lässt "Synthia" leider das, was Cyndi Lauper in den 80ern massenhaft hatte, nämlich eingängige, wiedererkennbare und ihr klar zuordenbare Hits, missen.    




Mit jeweils sieben Minuten Länge umrahmen das eröffnende »Stand And Deliver« mit Spoken-Word-Intro von Edie Sedgwick und »Stamina« als dramatisch schmachtendes Finale diese Platte und geben die Konzeption als großes, mit Herzblut geschaffenes Werk vor. Dazwischen orientiert sich »Synthia« an allem, was zeitgemäßen, von den 1980ern inspirierten Synthie-Rock ausmacht. Hinzu kommt die Stimme von Haley Mary, deren Hingabe bisher noch jeden Beat von seiner Durchschnittlichkeit enthoben hat. Dazu kommen die erst auf den zweiten Blick erkennbaren Gender-Themen, die »Synthia« durchziehen. Alles in allem kein Album für die Ewigkeit, aber ein außergewöhnliches Funkeln für den Moment.
(intro)




Seinem Grundkonzept bleibt das Quartett treu, aus den dicht gewobenen Keyboardteppichen entwickeln sich die Melodien erst sanft, werden wie in „Come Alive“ langsam aber unaufhaltsam zum Sturm oder packen in „My Love Is My Disease“ überfallartig zu.

Kernelement bleibt der Gesang, welcher melancholisch, mysteriös, lasziv oder theatralisch die Stimmung regiert, sich manchmal in derartig in die Höhe schraubt, dass es fast ein wenig überzeichnet wirkt.

Der Hüftwackler „Pleasure Drive“ und „Unnatural“ sind unverhohlene Verneigungen vor den Eighties, in Dream-Pop Gefilden bewegt sich „A Message From My Mothers Passed“. Dass die Songqualität nicht leidet, wenn in Sachen Bombast abgespeckt wird, beweist „Flowers In The Attic“.

Am Ende schließt sich mit „Stamina“ nicht nur wegen seiner Laufzeit der Kreis zum Opener, es wird noch einmal alles in die Waagschale geworfen, was – wie hier richtig zusammengesetzt – den perfekten Pop-Song formt. Seinen Vorgänger übertrifft das Album, hinterlässt trotzdem den Eindruck, dass auch diesmal der letzte Zug zum Tor fehlt. Bei aller Gefälligkeit wird die Platte ab der Mitte ein wenig vorhersehbar, es fehlt das überraschende Element.
(musikblog)


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Donnerstag, 11. Februar 2016

Savages - Adore life






















Die Hand auf diesem Cover stelle ich mir eiskalt vor. Das könnte an der auf dem Album "Adore life" enthaltenen Musik liegen, welche "The Skinny" so beschreibt:
With fearless approach and razor sharp delivery, Adore Life is so bruisingly intimate that it feels like a surgical hand taking grasp of your gut. When Savages speak, you listen.
Das Debüt "Silence yourself" der Savages ließ mich 2013 vor allem gespannt auf den Nachfolger zurück. Nun ist "Adore life" da und die Londoner Band sieht es als Kollektion von Liebesliedern. Diese Idee kam mir bei den ersten Durchläufen nicht. Und auch nicht bei den nächsten.

Savages knüpfen musikalisch an ihr erfolgreiches Debüt an. Post Punk mit harten Gitarren, auch eine rohe PJ Harvey höre ich erneut heraus aber unauffälliger wegen der kompromissloseren Gitarren in den übrigen Titeln. 

"Evil", "Adore", "T.I.W.Y.G." und "I need something new" sind meine Favoriten auf "Adore life". Wer "Silence yourself" anstrengend fand, wird es mit "Adore life" schwer haben. Wer auf krachige Musik mit Damengesang steht, dürfte die Platte mögen. 

"Adore":

"The answer":




Im März besucht die Band Deutschland:
  • 03.03. Köln
  • 09.03. Hamburg
  • 10.03. Berlin
  • 11.03. München
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Mittwoch, 10. Februar 2016

DIIV - Is The Is Are
























Trägt man den Namen Philippus Aureolus Theophrastus Bombastus von Hohenheim, so ist es verständlich, dass man sich den "Künstlernamen" Paracelsus gibt. Auch (oder vor allem?) wenn man als Arzt, Alchemist und Mystiker in der Schweiz des 15./16. Jahrhunderts gelebt hat.

Vom berühmtesten Zitat des Paracelsus, das in der Umgangssprache häufig gekürzt als "Die Dosis macht das Gift" genutzt wird, hat Zachery Cole Smith offensichtlch noch nichts gehört, denn er packt "Is The Is Are" gleich mit 17 Songs voll, die stattliche 64 Minuten laufen.

Smith startete 2011 ein Soloprojekt namens Dive, zu dem im Verlauf der Zeit Andrew Bailey (Gitarre), Devin Ruben Perez (Bass), Colin Caulfield (Keyboards, Gitarre) und Ben Newman (Schlagzeug) stießen, so dass man sich, zumindest der Schreibweise nach, einen neuen Namen verpasste. Die Aufnahmen des, nach "Oshin" (2012), zweite Album von DIIV zogen sich aufgrund fehlgeschlagener Aufnahmesessions mit Chet "JR" White (Girls), Drogenproblemen, Gefängnisaufenthalt, Entzug und Streitigkeiten innerhalb der Band in die Länge. 

Letztendlich setzte sich Smith selbst auf den Produzentenstuhl, so dass "Is The Is Are", welches an unterschiedlichen Orten in Brooklyn aufgenommen wurde, endlich fertiggestellt werden konnte, um am 05. Februar als DoLP, CD und Kassette veröffentlicht zu werden.

"Is The Is Are" sieht Smith selbst in der Tradition von "Bad Moon Rising" und "Tago Mago", jedoch werden die Noisepop- und Krautrock-Anleihen deutlich von Shoegaze und Dreampop überlagert. Statt in Sonic Youth und Can tauchen DIIV viel häufiger in den Sound der frühen The Cure ein. Der säuselnd-gehauchte Gesang von Zachery Cole Smith wird sicherlich nicht in die Annalen der Rockmusik eingehen, sondern sogar nach von dem des Models Sky Ferreira, die gleichzeitig die Freundin des Sängers ist, auf "Blue Boredom (Sky's Song)" übertroffen.

Die Platte mit dem Nonsense-Titel erhielt viele gute Kritiken und wurde prompt zum "Album des Monats" im Musikexpress gewählt. Bei den Stellungnahmen der einzelnen Kritiker viel was auf? Klar, viele waren der Meinung, dass das Album zu lang sei.


Zum Noiserocker oder gar zum Avantgardisten wird Smith damit natürlich nicht. Seine Profession liegt nach wie vor im melodischen, ätherischen, hypnotischen Segment, in den filigranen, verhallten Arpeggios, in der Repetition. Dream Pop, Post-Punk, Krautrock, das sind die Koordinaten, zwischen denen DIIV sich auch auf IS THE IS ARE am liebsten bewegen. Mal in Form einer geradezu kokett unverhohlenen Verbeugung vor Neu! und deren pulsierender, stoisch nach vorn strebender Motorik („Is The Is Are“), mal in Form einer kühlen, verwunschenen Soundlandschaft, zu der Sky Ferreira als Gast lasziv ins Mikro spricht, am liebsten aber in Form von schier endlos um den Beat kreiselnden Gitarren .

DIIV würden immer verdrogte Musik machen, egal unter welchen Umständen, sagt Zachary Cole Smith. „That’s just how my mind works.“ Wenn sie weiterhin so klingt, wie auf diesem sehr gekonnt ausbalancierten, jederzeit kurzweiligen und stetig wachsenden Album, soll einem das nur recht sein.
(musikexpress)




Cole designed the long-delayed ‘Is The Is Are’ (which he recorded and produced himself) to be an ambitious and revelatory answer to his critics. Naysayers, prepare for a shock. Its 17 flab-free tracks shift from luxuriant interwoven guitar (‘Valentine’, ‘Dopamine’, the magnificent ‘Healthy Moon’) to blasting noise (‘Incarnate Devil’, ‘Dust’) and show there’s more to DIIV than reverb, indie-pop and controversy. The 31-year-old also obliterates the idea that his talent has succumbed to smack – these are some of the most powerful, personal and persuasive rock songs you’ll hear this year.

DIIV’s main weapon is the guitar, and it’s fetishised here. An amp crackles before opener ‘Out Of Mind’, which shares an upbeat sensibility with second track ‘Under The Sun’. They form a euphoric introduction that updates ‘Oshin’’s hazy glow with new urgency. ‘Bent (Roi’s Song)’ introduces a muddier sound and tangible despair. Cole mutters despondently about an addicted friend (“I lost you when you said one hit couldn’t hurt a bit”) over deathly feedback. But his lead guitar evokes hope, cutting through like sunlight between rain clouds. It does the same over the desperate wail of ‘Mire (Grant’s Song)’, one of two homages to Sonic Youth (the other is ‘Blue Boredom’, on which Ferreira delivers Kim Gordon-style spoken word vocal).

It ends after 64 minutes with ‘Waste Of Breath’, which kicks from slow rumble into shoegaze wig out, steered expertly by Cole’s hammering guitar. Its final note lingers, leaving the impression ‘Is The Is Are’ could be DIIV’s definitive statement. Forget all the baggage, this is just a band in a room, and the noise they make is thrilling. 
(NME)




DIIV in Deutschland:

30.03.2016   Köln, Gebäude 9
31.03.2016   Berlin, Lido
01.04.2016   München, Orangehouse
10.04.2016   Hamburg, Uebel & Gefaehrlich

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Dienstag, 9. Februar 2016

Money - Suicide Songs
























Die Laune des einen oder anderen Karnevalisten dürfte sich derzeit, also noch vor Aschermittwoch, auf dem Tiefststand befinden. Warum dem Regen und Sturm nicht einfach vorm Kaminfeuer sitzend zusehen und - passend zur Stimmung - "Suicide Songs" auflegen?

Ja, "Suicide Songs" dreht sich textlich um die Todessehnsucht, den Weltschmerz, Depressionen und Traurigkeit. Dazu singt und jammert sich Jamie Lee die Seele aus dem Leib, mal ganz spartanisch zur akustischen Gitarre, mal zu düsteren Streicher- oder dramatischen Bläsereinsätzen und hin und wieder öffnet er mit seinen Bandkollegen Charlie Cocksedge und Billy Byron den bunt schillernden Psychedelic Rock Baukasten und entnimmt diesem zum Beispiel eine Sitar oder die Anleitung für epische, scheinbar nie enden wollende Songs. 

Man denkt an die frühen Alben von The Verve, an Zeiten, als Conor Oberst auf seinen Platten noch qualvoll jammerte, oder an die intimen, berührenden Momente der letzten Villagers-Platte. 
Oder an den zuvor vorgestellten King Charles, denn genau wie dieser nehmen Money einen bereits zuvor veröffentlichten Song ("I'll Be The Night", das 2012 auf der Single-B-Seite von "So Long (God Is Dead)" erschienen war) neu auf, um den musikalischen Richtungswechsel im Vergleich zum Debüt ("The Shadow Of Heaven", 2013) zu manifestieren. 





Im Zentrum der neuen Stücke steht aber die Stimme des Frontmanns. Sein Vortrag ist intensiv; kraftvoll und verletzlich zugleich. Um diese Intensität nachzuvollziehen, muss man ein wenig seine Geschichte kennen: während des Aufnahmeprozesses zog er zurück nach London, denn in Manchester zogen ihn Selbstzweifel und Alkohol in eine ungesunde Spirale.

„Suicide Songs“ wirkt wie ein Befreiungsschlag. Jamie Lee schwankt und leidet, aber er singt gegen die üppige Instrumentierung an und geht am Ende als zitternder Sieger aus diesem Kraftakt hervor.

Aus diesem Grund ist „Suicide Songs“ nicht einfach nur ein weiteres melancholisches Gitarrenalbum; es ist vielmehr eine emotionale Achterbahnfahrt, an dessen Ende der Hörer überwältigt und geläutert aussteigt. Ein zerbrechliches und strahlendes kleines Wunder, welches noch lange nachwirkt und das Zeug zu einem Klassiker hat.
(Nicorola)


Jahres-Listen-Kandidat in spe bleibt das hymnisch-verträumte„You Look Like A Sad Painting (…)“, welches spätestens beim Einsatz der Streicher verzweifelt den Weltschmerz-Schalter sucht. Aber wie gut das alles ist! Zwischen dem Vorgänger The Shadow of Heaven und der Arbeit an SUICIDE SONGS lag ein Jahr der Selbstzerstörung und der erneuten Frage nach Sinn und Unsinn des Lebens – ein Thema, welches die Platte in seinen besten Momenten an die traurig-schöne Welt des Albums YOU & ME von The Walkmen erinnern lässt, das dieses Gefühl von versoffen-taumelnder-Rummelboxer-Welt am passendsten in Sound kleidete.

Drum kauft wie hört dieses Album und seid nicht der Typ, den Jamie in „All My Life“ mit den Worten „I don’t wanna be the guy on the bench without money“ besingt. Habt Money, habt diese Platte!
(musikexpress)


Düster und morbide sollen diese sein. Was im Angesicht der überbordenden Geste der Stücke – genauso wie der löblichen Naturbelassenheit der meisten Klänge – ein wenig Gefahr läuft, unterzugehen. Jamie Lee stürzt sich theatralisch in seine Indie-Arien, behängt deren Verästelungen mit Lametta und singt dann Dinge wie »I’m married to the sky, I’m a servant of the hour. I’m open as time, and I’m perfect without power«. Die organische Detailarbeit fasziniert, die Streicher beflügeln, anstatt zu verleimen, und so ausgiebig ins Blech gepustet wurde im Indie seit The Antlers’ wunderbarem »Familiars« nicht mehr. Ein Songtitel wie »You Look Like A Sad Painting On Both Sides Of The Sky« erscheint wie ein Relikt aus der Blütezeit des Emo. Weil aber nichts so traurig gehört wird, wie es komponiert wurde, ist aus der Henkersmahlzeit dann doch noch ein unverhoffter Ohrenschmaus geworden. Höchste Zeit also, das Küchenmesser aus der Stirn zu ziehen und sich wieder mit dem Leben zu vertragen.
(intro)


Money in Deutschland:

29.02.16, Hamburg, Molotow
05.03.16, Berlin, Kantine am Berghain


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Montag, 8. Februar 2016

King Charles - Gamble For A Rose

























Wegen des Sturmtiefs "Ruzica" werden heute reihenweise die Rosenmontagsumzüge abgesagt. Somit hat man also mehr Zeit, zu Hause im Warmen zu sitzen und gute Schallplatten aufzulegen. Vielleicht ja diese...

Als was sich Charles Costa Jahr für Jahr verkleidet, dürfte relativ schnell klar sein, denn unter dem Pseudonym King Charles hat er nun mit "Gamble For A Rose" sein zweites Album veröffentlicht. Den überdrehten Pop von "LoveBlood" (2012) hat er dabei hinter sich gelassen und zeigt sich nun gereifter, nachdenklicher und melancholischer - so nennt man das doch, wenn in jeden dritten Song die Streicher groß aufspielen, oder? Am leichtesten lässt sich dieser Wandel beim Song "Coco Chitty" nachvollziehen, da er sich in unterschiedlichen Versionen auf beiden Alben befindet. 

Seinen Anteil an der Hinwendung in Richtung Folkrock hat sicherlich Marcus Mumford, der die 12 Songs produzierte. Zudem fanden sich im ländlichen Studio in Exeter Charlie Fink und Tom Hobden (Noah And The Whale) oder auch Winston Marshall (Mumford & Sons) ein, so dass "Gamble For A Rose" ein guter Tipp für Fans dieser Bands geworden ist, die von den letzten Noah And The Whale- bzw. Mumford & Sons-Alben enttäuscht waren. 



Opening track ‘Loose Change For The Boatman’ eases us in, as the romantic crescendo erupts into Charles’ signature fast-paced lyrics and arena-standard energy. This passionate love story is the perfect opener as Charles combines what we love from him with his new musical direction.

Tracks such as ‘Gamble For A Rose’ and ‘Carry Me Away’ are for the lazing around and reminiscing as you’re lulled into a sentimental state. As Charles serenades your ears, crooning over his guitar, you can’t help but focus on each lyric…real powerful stuff.

Listen out for ‘Choke’, with it’s dramatic, fast-paced instrumental and ‘Coco Chitty’, an evolved version of the original on ‘Loveblood’. Both tracks are definitely a highlight on top of the already unveiled singles.

As a whole, the album is a creative masterpiece, showcasing King Charles’ musical ability and embroidered with influences from Mumford & Sons. It’s obvious so much of Charles’ heart and soul has gone into this LP and it is definitely worth it.
(Never enough notes)




Wo ist er hin, unser glamouröser König? Verschwunden, verloren, verbannt. Noch trägt Charles Costa trotzig seinen Ehrennamen King Charles, aber für GAMBLE FOR A ROSE müsste er eigentlich seine Krone einmotten. Aus dem überkandidelten Sonnenkönig des Freak-Folk im Piratenkostüm ist ein braver, fast schon bescheidener Folk-Bruder geworden.

Schuld an diesem Wandel sind die alten Freunde von Mumford & Sons, die ihm schon immer mal hilfreich zur Seite standen. Nun hat Marcus Mumford gleich durchgehend die Regie übernommen: Der König und sein berühmter Kumpel zogen sich auf einen in Exeter gelegenen Bauernhof zurück, um GAMBLE FOR A ROSE aufzunehmen. Wahrlich keine Umgebung für einen Herrscher.

Das Ergebnis der ausgiebigen Audienz ist also zwar lange nicht mehr so aufregend, durchgeknallt, wild durch die Genres wütend oder gar verwegen wie die bisherigen Werke von King Charles, aber dafür mit hübschen Songs, ein paar prima eingängigen Melodien und recht viel Herzschmerz ausgestattet. So haben King Charles und sein nichtswürdiger Vasall doch tatsächlich jenes beste Mumford-&-Sons-Album aufgenommen, das den Originalen in den vergangenen Jahren partout nicht gelingen wollte.
(musikexpress)



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Samstag, 6. Februar 2016

Tindersticks - The waiting room






















Fast 25 Jahren nach ihrer Gründung erreichen die Tindersticks so langsam das Alter und die gelassene Souveränität, welche sie seit ihrem Debüt verkörpern. Immer thront Stuart Staples erhabene Stimme über den Songs zwischen fragiler Intimität und orchestraler Erhabenheit. Ich tue mich schwer mit der Genre-Bezeichnung "Kammerpop", aber die Tindersticks definieren diese für mich ein Stück weit. 

Während einige ältere Alben durchaus Längen aufweisen machen Staples Vocals, die melancholische Grundstimmung, die vielleicht noch einen Tick orchestraler geraten Arrangements, die schleppende Dynamik und die bereichernden Duette mit starken Frauen aus "The waiting room" ein fast durchgehend überzeugendes Album. 

Sowohl die Tindersticks als auch Staples solo belieferten in der Vergangenheit Filme mit Soundtracks. Für "The waiting room" ging man den umgekehrten Weg und ließ zu allen Songs Kurfilme anfertigen. Das Ergebnis wird als "The waiting room film project" aufgeführt. 

Aus dem homogenen Album stechen "Second chance man", das von einer markanten Bassline geprägte "Were we once lovers", "The waiting room" und das dramatische "We are dreamers" mit Gesang von Jehnny Beths von den Savages hervor.

Intro.de:
Wie von den Tindersticks gewohnt, ist »The Waiting Room« von einem jazzigen, an Chansons erinnernden Stil geprägt: Aus zunächst abstrakten Ideen wachsen griffige Strukturen, an denen man sich festhalten und innehalten kann, bis im Leben endlich etwas passiert. Dieses Album ist ein Ereignis: hintersinnig und subtil, aber auch sehr intensiv.
Das Video zu "Were we once lovers":


Für "Hey Lucinda" wurde auf Gesang der verstorbenen Lhasa de Sela zurückgegriffen:


Neben einigen Vorführungen des Film-Projekts bietet die Band auch Konzerte:
  • 13.02. Berlin
  • 14.02. Berlin
  • 11.03. München
  • 12.03. Stuttgart
  • 13.03. Köln
  • 14.03. Hamburg
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Freitag, 5. Februar 2016

KEØMA - KEØMA

























Zum ersten Mal ist mir Kat Frankie eigentlich erst vorletztes Jahr musikalisch begegnet, als sie auf "Feelings aus der Asche" von Olli Schulz die letzte Strophe des Titelsongs sang und ich hätte schwören können, dass es sich dabei um Annika Norlin (Hello Saferide) handeln würde. 

Das zweite Mal stieß ich auf den Namen Kat Frankie, als ich erfuhr, dass sie gemeinsam mit Get Well Soon "When You’re Near To Me", den Titelsong von "Schulz und Böhmermann" singt.

Zum dritten Mal las ich von Kat Frankie, einer in Berlin lebenden australischen Singer/Songwriterin, als ich über die Teilnehmerliste des deutschen Vorentscheids zum ESC 2016 stolperte. Gemeinsam mit dem Kölner Musiker Chris Klopfer tritt sie als KEØMA am 25.02.16 gegen Woods Of Birnam, JoCo u.a. an. 

"KEØMA" ist das mit 12 Songs bestückte Debütalbum des Duos, das melancholisch-sehnsuchtsvollen Synth-Pop oder folkig-verträumten Chillwave beinhaltet, den KEØMA selbst als "Night Drive Pop" bezeichnen. Dabei wechseln sich Kat Frankie und Chris Klopfer beim Gesang ab oder ergänzen sich gegenseitig, lassen die dezenten Bass- und Gitarren-Klänge von Keyboard-Schwaden umnebeln und unterlegen das Ganze mit unaufdringlichen Beats. Maximilian Hecker trifft Club 8 trifft The xx. Oder so ähnlich. 
Mit "Protected"  wollen sie das Ticket nach Stockholm lösen:  




Die wiederum kritische Nachfragen, ob es den die Albumveröffentlichung begleitenden Promo-Husarenritt mitsamt Beteiligung am ESC-Vorentscheid denn überhaupt gebraucht hätte, spielend beiseite wischen. Hat man sich nämlich erst eingefunden in "Keøma", interessieren statt derlei Haarspaltereien nur noch die Songs. Ob die nun von pluckernden Beats geprägt werden wie in "Black", von Handclaps getrieben sind wie das hervorragende "Ghosts" oder sich wie "Street lights" am ausladenden Indierock versuchen, ist dabei zweitrangig – was die Band auch ausprobiert, es funktioniert. Im Falle des schwermütigen "Pines" sogar so gut, dass man versucht ist, das Prädikat "Hit" zu vergeben. Am Ende steht schießlich ein Album voller Songs, die das Potenzial haben, sie irgendwann mal gedankenverloren als "unser Lied" zu bezeichnen. Ob nun für Stockholm oder nicht, ist dann eigentlich egal. Zum Glück.
(Plattentests)




Songs wie "Black", "Gone", "Righteous", "Pines" oder die aktuelle Single "Protected" kommen ganz reduziert mit ein bisschen Gitarrengezupfe, sanften Percussions und Synthie-Flächen daher, was sie angenehm unaufdringlich und geschmeidig macht. Überhaupt klingen die Songs von KEØMA nie überladen, sondern haben sehr viel Luft zum Atmen und entwickeln mit wenigen Mitteln eine tolle Intensität.
Das Wellenrauschen und die Steel Drum-ähnlichen Klänge in "Blue Lagoon" sollen wohl karibisches Flair versprühen, klingen aber etwas künstlich. In "Adrien" und "Streetlights" schwächelt Chris in den hohen Tonlagen ein bisschen, die Songs klingen insgesamt etwas blass.
(n-joy)




Beide waren lange als Solo-Songwriter unterwegs, nun versuchen sie es zu zweit. Zart und elfengleich kühl wabert Frankies düsterer Gesang, dagegen wirkt Klopfers warme Kopfstimme beinahe wie honigsüßer Kitsch. Beinahe, denn instrumental halten sich Keøma so gekonnt zurück, dass kein Dichtestress aufkommt. Bei »Adrian« dürfen die Stimmbänder fast unbegleitet wirken, sie werden nur von splittrig-filigranen Drums und Hall gestützt. James Blake würde das sicher gut gefallen, auch wenn zum großen Maestro dann doch noch eine Portion Minimalismus fehlt. Das eine oder andere Roadtrip-Motiv können sich Keøma aber nicht verkneifen: Plötzlich sitzt der Hörer nicht mehr in der düsteren Lounge, sondern im Zug Richtung Norden. »I don’t want you to walk aways.« Aber wer spricht denn von Weggehen? Mit »Keøma« im CD-Player wird selbst der Weg zur Dorftanke zum epischen Wanderlust-Abenteuer. Ein Roadtrip ist da völlig überflüssig.
(intro)


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Donnerstag, 4. Februar 2016

Eleanor Friedberger - New View

























Ob Alex Kapranos den Text der vierten Franz Ferdinand Single aus dem Album "You Could Have It So Much Better" in "Eleanor Put Your Record On" ändern wird, wenn er "New View" gehört hat? 

Vermutlich nur dann, wenn er zeitlosen, entspannten, 70er-Jahre Folkrock bar jeder Ecken und Kanten mag. Ein wenig Neil Young, etwas mehr von Bob Dylan, hier und da eingeflochtene, warme Orgel-Klänge und in jedem Song ein Gitarrensolo. Vom Indierock der Fiery Furnaces ist Kapranos' Ex-Freundin auf ihrem, nach "Last Summer" (2011) und "Personal Record" (2013), dritten Soloalbum also ziemlich weit entfernt. 

Viele Kritiker schätzen "New View" dennoch (oder gerade deswegen) und so weist Eleanor Friedbergers Album aktuell bei Metacritic einen Durchschnitt von 80/100 Punkten auf:   


It's comforting and surprising, full of trad sounds electrified by the off-kilter vision of an artist whose recognition as one of Americana's finest voices is long overdue. (Uncut)

New View isn’t the crowning jewel in Friedberger’s catalogue, but it is a beautiful, unadorned meditation on life’s most delicate mysteries: potential, narrative, and the passage of time. (Pretty Much Amazing)

Just when it all seems familiar, you're struck by a specific detail and realise you’ve started to smile. (The Skinny)

Like avowed influences Van Morrison and Neil Young, Friedberger on New View travels in fluid, seamless melodies, and uses them in service of lyrics that revel in poeticism. (Los Angeles Times)





The Chicago-bred singer-guitarist works one of rock's finest faux-British accents, sounding like an early-Seventies prog-folkie. It's a perfect vocal vibe for music that can recall the very late Beatles and New Morning-era Dylan. (Rolling Stone)

Friedberger’s offbeat delivery and lyrical quirks seem to balance nicely with this straightening out of the musical backdrop. New View is about a new home in more ways than one, then. (The Guardian)

New View furthers Friedberger's quest to declutter, finding great pop and occasional profundity in getting to the point and letting her tunes ring clear. (Mojo)

At times New View can seem like a concept record detailing Friedberger's ambivalence about her main gift: spinning fragile memories and feelings into accessible songs. (Pitchfork)



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Mittwoch, 3. Februar 2016

Turin Brakes - Lost Property

























Mit den Bezeichnungen "New Acoustic Movement" und "Quiet Is The New Loud" wurden vor 15 Jahren einige Bands (wie I Am Kloot oder Starsailor) bedacht, deren Debütalben sich auf intime, akustische Musik in Tradition von Simon & Garfunkel oder Jeff Buckley konzentrierten. Einige dieser Bands haben leider seit gefühlten Ewigkeiten keine Platte mehr veröffentlicht (Kings Of Convenience) oder sind zur Kirmes-Kapelle verkommen (Coldplay). 

Die als Duo gestartet Turin Brakes wurden ebenfalls diesem von Musikkritikern geschaffenen Begriffen zugeordnet, sind aber in den letzten Jahren zu einer vierköpfigen Band (Olly Knights, Gale Paridjanian, Rob Allum und Eddie Myer) angewachsen und haben im Verlauf von nun sieben Studioalben ihren Sound (Folk, Sixties Pop, Westcoast-Rock) weiterentwickelt und an Komplexität und Bombast hinzu gewonnen.

Wer dachte, dass sie ihren besten Alben "The Optimist LP" (2001) und "Ether Song" (2003) keinen weiteren großen Wurf mehr folgen lassen könnten, sieht sich Dank "Lost Property" getäuscht. Für wen die persönlichen "Top 20 Songs" der Turin Brakes bereits für alle Zeiten fest zementiert waren, der sollte unbedingt "Brighter Than The Dark",  "Save You" und "Jump Start" hören. Wer mit dem Bandnamen bisher noch gar nichts anfangen konnte, hat nun einen guten Grund bei den Turin Brakes einzusteigen, denn zumindest die drei genannten Alben sind sehr empfehlenswert.

Und bevor wir zu den Kritiken, Videos und Konzertterminen kommen, hier noch meine persönlichen "Top 20 Songs" der Turin Brakes:

1. "Pain Killer" ("Ether Song", 2003)
2. "Long Distance" ("Ether Song", 2003)
3. "Underdog (Save Me)" ("The Optimist LP", 2001)
4. "Feeling Oblivion" ("The Optimist LP", 2001)
5. "Save You" ("Lost Property", 2016)
6. "Stalker" ("Dark On Fire", 2007)
7. "Brighter Than The Dark" ("Lost Property", 2016)
8. "Sea Change" ("Outburst", 2010)
9. "Self Help" ("Ether Song", 2003)
10. "Dark On Fire"  ("Dark On Fire", 2007)
11. "Panic Attack"  ("Ether Song", 2003)
12. "Jump Start" ("Lost Property", 2016)
13. "Time And Money" ("We Were Here", 2013)
14. "Fishing For A Dream" ("JackInABox", 2005)
15. "Emergency 72" ("The Optimist LP", 2001)
16. "Last Chance" ("Dark On Fire", 2007)
17. "Average Man" ("Ether Song", 2003)
18. "Mind Over Money" ("The Optimist LP", 2001)
19. "Something In My Eye" ("Dark On Fire", 2007)
20. "Stone Thrown"  ("Ether Song", 2003)




Bereits der Opener, das mit einem bestechenden Groove unterlegte „96“, überzeugt restlos. Die vier Musiker müssen in den vergangenen zwei Jahren eine Menge entspannte West-Coast-Platten aus den 70er-Jahren gehört haben, denn ihr Sound kommt 2016 so komplett stressfrei daher, wie nie zuvor. Und das ist durchaus als Kompliment zu verstehen.

Unter der kompetenten Regie von Ali Staton (Madonna, La Roux) frönen Turin Brakes in Stücken wie „Keep Me Around“ und „Hope We Make It“ ihrer Vorliebe für geschmeidige Harmoniegesänge und verträumte Gitarrenklänge. Dabei verliert sich die Band erstaunlicherweise nie in kitschigen Gefilden, sondern kriegt immer noch rechtzeitig die Kurve. Ihre größten Wirkung entfalten Turin Brakes allerdings immer dann, wenn sie Passagen absoluter innerer Konzentration mit unerwarteten Energieausbrüchen kombinieren wie im Song „Brighter Than The Dark“, der exemplarisch für ihren überraschenden neuen Höhenflug steht.
(musikexpress)




Where many acts seventeen years into a career that has seen them achieve modest commercial success would be more than happy to dial in material or retreads of a proven formula, Lost Property may very well be the most satisfying of Turin Brakes’ career. There’s certainly no shortage of great Turin Brakes tunes, with the first third of the album drawing you in and reminding you exactly why you like this band so much and preparing us for “Rome”, a song that confirms that they’re still more than capable of penning substantial hit singles. It’s a song which is destined to become a live favourite with irresistible guitar hook and chorus combo, as well as an undeniably commercial edge which Turin Brakes have used to good effect throughout their career on songs like “Underdog (Save Me)”, “Painkiller”, and the aforementioned “Sea Change”.

“Rome” doesn’t overshadow the rest of Lost Property though, as the careworn “Save You” and the stripped back “Martini” are easily as good as anything that Olly Knights and Gale Paridjanian have penned in their careers. Also of note is “Hope We Make It”, a tune which, vocals aside, you could easily mistake for being an unforgivably obscure Neil Young number – It’s the most obvious reference to North American folk / roots rock on Lost Property, though repeated listens also hint at a subtle Tom Petty influence, and I’m sure time will reveal others as you return to this album.

Lost Property ends with “Black Rabbits”, a tune which I couldn’t figure out if I liked at first – it initially seems an oddly downbeat note to end an album on, at least until about four minutes in, where a wave of sound engulfs you and seemingly drags you overboard, where you will seemingly be abandoned until a vocal lifebelt is thrown to you in the last minute and drags you back onboard, leaving you breathless and wondering what the hell happened. It’s not something I ever expected to experience on a Turin Brakes album, but then again, it’s those old friends that you don’t keep in touch with you that have the habit of springing the most memorable surprises on you. Hell, you may not see them again for a few years, but you know when you do, they’ll make you smile.
(backseat mafia)


Turin Brakes in Deutschland:

22.04.16 Hamburg, Molotow
23.04.16 Berlin, Musik & Frieden
24.04.16 Köln, Luxor
25.04.16 Frankfurt, Zoom
27.04.16 München, Strom


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Dienstag, 2. Februar 2016

Das Platten vor Gericht Januar Mixtape



Hören und sehen worüber wir schreiben: Das Platten vor Gericht-Mixtape mit Musik aus unseren Januar-Vorstellungen.

1. Rachel Platten – Stand By You
2. David Bowie – Sue (Or In a Season of Crime) (Pseudo Video)
3. Hinds – Garden
4. Ghost – Cirice
5. Faith No More – Sunny Side Up (Live from the Fillmore, Detroit)
6. Daughter – Doing The Right Thing
7. Suede – Like Kids
8. Mystery Jets – Telomere
9. Get Well Soon – It's Love
10. Sivert Høyem – Sleepwalking Man



Platten vor Gericht:
Platten vor Gericht // Januar 2016
auf tape.tv.

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Sia - This Is Acting

























Nur der selbsternannte Popversteher unter uns Plattenrichtern hat "1000 Forms Of Fear" mit 8,5 Punkten ein wohl verdientes Urteil zukommen lassen. Die übrigen Richter hielten ihre hohen Wertungen für andere Platten zurück, so dass das letzte Album von Sia bei Platten vor Gericht nur auf einen bescheidenen Durchschnitt von 6,167 Punkten kam, was nur für einen 220. Rang im Jahr 2014 reichte.

Kann man nun von "This Is Acting" mehr erwarten? Vermutlich nicht, denn einerseits fehlt dem Album ein Über-Hit wie "Chandelier" und andererseits wies die Neuseeländerin bereits selbst darauf hin, dass es sich hierbei im Grunde um eine Sammlung von Songs handelt, die sie für andere Künstler geschrieben habe, die von diesen jedoch abgelehnt worden waren. Wenn das nicht mal ein ungewöhnliches Konzeptalbum ist!

Rihanna gefielen weder "Reaper" noch "Cheap Thrills" so richtig, Shakira, Beyoncé und Katy Perry lehnten diesen oder jenen Song ab, Adele komponierte gemeinsam mit Sia u.a. den Song "Alive", wollte ihn aber nicht mit auf ihr Album "25" nehmen. Nur "One Million Bullets" trägt nicht den Makel der Abgewiesenen. 

So richtig schlecht lief das Songwriter-Geschäft für Sia im letzten Jahr dennoch nicht, denn Kate Pierson, Kelly Clarkson, Shakira oder Carly Rae Jepsen nahmen Titel der Australierin auf. 
Richtig schlecht sind Lieder wie "Bird Set Free" oder "Alive" natürlich nicht, denn sonst hätte sie Sia sicherlich nicht unter ihrem eigenen Namen veröffentlicht. Und die Produktion von Greg Kurstin, Jesse Shatkin oder Kanye West ist natürlich auch mehr als nur zeitgemäß (was man selbstverständlich so oder so sehen kann). Einigen Songs merkt man durch Sias Interpretation auch deutlich an, für wen sie ursprünglich gedacht waren, problematisch wird dies jedoch dann, wenn sie stimmlich mit den potentiellen Sängerinnen nicht mithalten kann.

Bevor unser selbsternannter Popversteher in den höchsten Tönen von den 11 der 14 Songs schwärmen kann (bei "Move Your Body" und "Sweet Design" wird selbst ihm das nicht gelingen und "Cheap Thrills" ist das "Saturday Night" (Whigfield) für alle aktuell 13- bis 17-jährigen Mädchen), lassen wir die anderen Kritiker zu Worte kommen:


„Cheap Thrills“ etwa hat sie mit Rihanna im Kopf geschrieben. Das ist angesichts des Dancehall-Beats, eines ausgelassenen Kinderchors und des sehr betonten Samstagnacht-Lebensgefühls leicht nachzuvollziehen. Aber dann zeigte sich die berühmte Barbadierin wählerisch und lehnte das Angebot ab. Pech gehabt, kann man da nur sagen. Zumal es kein Einzelfall war. Die allüberall gefeierte Adele Adkins hätte „Alive“ fast genommen, entschied sich im letzten Moment aber doch anders. Dabei sind die Ähnlichkeiten zwischen 25 und THIS IS ACTING nicht zu überhören. Fast in jedem Song spürt man Sias hysterisches Bemühen, mit Material an den Start zu gehen, das sich für die großen Auftritte eignet – Halbzeitpause beim Super Bowl und aufwärts.

Diesen Ehrgeiz unterstützt sie mit dem voluminösen Stimmumfang einer Volldiva. Das ist hoffnungslos übertrieben, wenn es wie in der Ballade „Space Between“ in katastrophale Krächzlaute ausartet. Oder wenn in „Sweet Design“ zu große Nähe zu Beyoncé entsteht. Diese Tortur hat die Frau aus Adelaide nicht nötig. Sie sollte sich auf ihre eigenen Stärken besinnen.
(musikexpress)




Die beiden Eröffnungsballaden Bird Set Free und Alive, ursprünglich für 25 geschrieben, sind tatsächlich an Adele-igkeit nicht zu überbieten. Songs wie Move Your Body (mit famosen Hihat-Gewitter) und Cheap Thrills (mit Dancehall-Vibe) wiederum passen zu jedem Popstar diesseits von Katy Perry. Ohne es zu wollen, enthüllt das Album viel von der Leere von aktuellem "Ich bin stark! Du bist stark! Lass uns feiern!"-Pop.

Sia kann singen, aber hier röhrt sie vor allem. Die stimmliche Dramaturgie ihrer frühen Alben oder Arbeiten mit dem britischen Triphop-Duo Zero7 fehlt. Trotz aller Hooks: This is Acting ist ein unbefriedigendes Album. Aber, immerhin, mit seinem offenen Spiel mit Kunst und Kommerz tausendmal provokanter als Perücken-Kapriolen bei Saturday Night Live.
(Zeit Online)

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Montag, 1. Februar 2016

Neue Gerichtstermine: Februar / März


























Februar

05.02.
Jacob Bellens – Polyester Skin
Field Music - Commontime
Junior Boys – Big Back Coat

12.02.
Bosse – Engtanz
Basia Bulat – Good Advice
The Corrs – White Light
Jochen Distelmeyer – Songs From The Bottom Vol. 1
Flowers – Everybody’s Dying To Meet You
Kristofer Aström – The Story Of A Heart’s Decay
Kula Shaker – K 2.0
Me And My Drummer – Love Is A Fridge
The Jezabels – Synthia

19.02.
Animal Collective – Painting With
Choir Of Young Believers – Grasque
Isolation Berlin – Und aus den Wolken tropft die Zeit
Jordan Klassen – Javelin
Pinkshinyultrablast – Grandfeathered 
Ra Ra Riot – Need Your Light
Sarah And Julian – Birthmarks
Wild Nothing – Life Of Pause

26.02.
Charity Children – Fabel
Kakkmaddafakka – KMF
Sarah Neufeld – The Ridge
The 1975 – I Like It When You Sleep, For You Are So Beautiful Yet So Unaware Of It
Santigold – 99 Cents
School Of Seven Bells – SVIIB
Steve Mason – Meet The Humans
Yuck – Stranger Things


März

04.03.
The Coral – Distance Inbetween
Polica – United Crushers
Miike Snow – III
Nada Surf – You Know Who You Are
Violent Femmes – We Can Do Anything
Wintersleep – The Great Detachment

11.03.
Aurora – All My Demons Greeting Me As A Friend
Emmy The Great – Second Love
Jeff Buckley – You And I
The KVB _ Of Desire
L’Aupaire – Flowers
Tanita Tikaram – Closer To The People
Woog Riots – Alan Rusbridger

18.03.
AnnenMayKantereit – Alles nix Konkretes
Grant-Lee Phillips – The Narrows
James – Girl At The End Of The World
Liima – ii
The Magnetic North – The Prospect Of Skelmersdale
Primal Scream – Chaosmosis 
Iggy Pop – Post Pop Depression
Underworld – Barbara Barbara We Face A Shining Future

25.03.
The Thermals – We Disappear
Birdy – Beautiful Lies


The Joy Formidable – Hitch

26.03.
Bob Mould – Patch The Sky

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Sonntag, 31. Januar 2016

Sivert Høyem - Lioness






















Nach dieser Vorfreude und da anscheinend "norwegische Tage" auf Platten vor Gericht angesagt sind, gehört nun "Lioness" vorgestellt.

Es ist schon kurios mit Sivert Høyem. Einerseits prägte er mit seiner Stimme die vor fast zehn Jahren aufgelöste Band Madrugada. Daher drängen sich bei seinen Solo-Alben stets entsprechende Vergleiche auf. Gleichzeitig erinnert seine Stimme an Nick Cave, Leonard Cohen und Stuart A. Staples von den Tindersticks. Gefangen zwischen diesen mächtigen Referenzpunkten bewegt sich Høyem souverän und er liefert mit "Lioness" ein überwiegend düsteres Singer/Songwriter/ Alternative-Werk ab. Weder im Stil noch in der Qualität weicht er somit maßgeblich von den  vorangeganenen Soloalben wie zuletzt "Endless love" ab. So darf er auch gerne weitermachen. Titel wie "Sleepwalking man", "Fool to your crown", "Lioness", "V-O-I-D" und "The boss bossa nova" sind zeitlos schön. Einen erfrischenden Gegenpol zu Høyems Vocals stellt Marie Munroes Beitrag zu "My thieving heart" dar.

Das Video zu "Sleepwalking man":




Terrorverlag.com:
„Lioness“ ist kurz gesagt ein weiterer außerordentlich gelungener Longplayer aus dem Hause HØYEM, den man gar nicht mehr dem CD-Player entnehmen möchte. Als Sahnehäubchen wird der Skandinavier im März wieder auf bundesdeutschen Bühnen zu sehen sein. Ich bin begeistert und werde mir auch den Konzertgenuss bestimmt nicht entgehen lassen!

Na dann mal los:
  • 10.03. Dresden
  • 11.03. Berlin
  • 12.03. Hamburg
  • 14.03. Köln
  • 18.03. Frankfurt
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Samstag, 30. Januar 2016

Hanne Kolstø - While We Still Have Light


























Verweilen wir noch einen Tag länger in Norwegen und bei einer weiteren jungen, experimentierfreudigen Singer/Songwriterin, die im Gegensatz zur gestern vorgestellten Synne Sanden jedoch bereits zweimal, mit „Stillness and Panic” (2014) und “Forever Maybe” (2015), bei Platten vor Gericht vorstellig wurde. 

Hanne Kolstø scheint äußerst kreativ zu sein, denn "While We Still Have Light" ist bereits ihr fünftes Album in fünf Jahren. Und stilistisch lässt sie sich auch nicht ganz so leicht einfangen und -ordnen wie ihre Kollegin. 

Exemplarisch seien das rockige "Only One" genannt, das einem zunächst ein PJ Harvey-Gefühl vermittelt, um dann von einem herrlichen Streicher-Arrangement gebändigt zu werden, oder "Bordermind", das, frei nach Björk, vertrackte elektronische Rhythmen offeriert und diese später bei "Mono" unerwartet auf Streicher prallen lässt, oder das sich unverhofft in ein Synthiegewand kleidende "I Like You" oder "I Hate You Don't Leave Me", bei dem man gar nicht recht weiß, ob man noch einem Rocksong oder einer Therapiesitzung beiwohnt, oder "White Noise Static" mit seinem Saxofon-Gedudel... Gut, das hätte sich Hanne Kolstø sparen können, dennoch ist "While We Still Have Light" ihr bisher bestes, hier vor Gericht gestelltes Album.  




Das macht der Norwegerin derzeit keiner nach: Popmusik von einer konstanten Brillanz. Nach dem textlich direkteren Vorgänger besticht »WHILE WE STILL HAVE LIGHT« wieder mehr durch Raffinesse und kluges Songwriting in einer souveränen Mischung aus dunkel und Pop. Wobei »souverän« garantiert nicht meint, dass sie und ihr vielköpfiges Team die sichere Bank gewählt hätten, im Gegenteil.

Diesmal hat der etablierte Avantgarde-Komponist Eivind Buene leicht aparte Streicherarrangements beigesteuert, und das sorgt hin und wieder für eine ungewöhnliche Färbung der mit viel Aufwand produzierten Songs. Es sind zwar einfache, klare Lieder, aber mit Instrumentenfülle, einem geradezu akribischen Sound Design ausgeführt, reich und voluminös, aber nie erschlagend oder bombastisch. Wunderbar, wie etwa im letzten Song »White Noise Static« überraschend noch ein Saxofonsolo von André Roligheten (Albatrosh) alles zuvor Gehörte toppt und abrundet. Ob Hanne Kolstø in 12 Monaten wohl wieder mit einem neuen, tollen Album aufwartet? Wir wagen es nicht träumen.
(norische-musik)


It is perhaps evident from Kolstø’s opening gambit, ‘Bordermind‘, all irregular beats and fancy loops, that Björk has been a regular feature of her musical landscape over the years, but this will be the one and only occasion that Kolstø resembles anything approaching the quirky Icelandic pop genius. Instead there is a whole marquee full of comparisons with various female singer/songwriters that seem to have been absorbed into her sound. When you hear the closing salvo of ‘This Town’ and ‘White Noise Static’, for example, it doesn’t take much of a stretch of the imagination to envisage that our Norwegian heroine is no stranger to bed-hugging, lonesome, melancholy nights listening to Kate Bush‘s ‘This Woman’s Work’ on constant repeat, half empty wine glass lying forlornly by the bedside lamp until the witching hour at least.
(God is in the TV)


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