Mia. - Biste Mode
























Biste Mode, dann schreibst du einen Verriss über das mittlerweile sechste Album von Mia. Beispiele gefällig? Bitteschön:

Die Gähnfabrik "Biste Mode" setzt den seit Jahren andauernden Sinkflug der fettnäpfchenerprobten Berliner fort. Ihre Live-Energie konnten sie nie auf Platte bannen, aber was sie zuletzt mit "Willkommen Im Club" und "Tacheles" ablieferten, hatte den muffigen Charme von Omas Häkeldeckchen. "Biste Mode" tanzt unter der bereits sehr niedrig angelegten Erwartungshaltung Limbo. (...)
In "United States Of Ich & Du" wagen Mia Elektro-Machtspiele mit ihrer Vergangenheit, bleiben aber altbacken und zahnlos. Die Selbstzitate "Sekunde" und das qualvoll jodelnde "Lauffeuer" geraten blutlos.
Mit "Queen", "Du Wirst Vermisst" und "Berg & Tal", bietet Madame Zeckentaxi, deren Nina Hagen-Werdung munter fortschreitet, erbärmlichen Kirmestechno im Stil von David Guetta und ihrem DSDS-Nachfolger DJ Antoine. In diesem Umfeld fällt selbst der schlageresque Titelsong "Biste Mode", in dem Mieze Katz' Stimme ein leichter Hauch Hildegard Knef umweht, positiv auf.
Nicht erst während "Schick Mich", dem Duett mit dem Ex-Polarkreis 18-Sänger Felix Räuber, würde man sogar lieber einer Frida Gold-Platte lauschen. All die bisher überstandenen Qualen sind jedoch nichts im Vergleich zu der Hölle, die einen in dem mit Tangowerk entstandenen "Geld" erwartet. Ein achtminütiges und komplett dumpfbackiges Wirrwarr, das so gerne Genre-Grenzen einreißen möchte, aber nur plump, blind und Kopf voran gegen Mauern rennt.
(laut)


Auch das achtminütige "Geld" als Abschlusstrack knüpft dort an, taugt dagegen allerdings nur als waschechter Rausschmeißer. Der Text ist kaum mehr als eine lose Wortsammlung und die Soundideen bleiben ein überdrehter Flickenteppich aus Clubbeats und Reggae-Rhythmen. Tatsächlich hält die Berliner Raveszene der Neunziger-Jahre wieder kratziger Einzug auf "Biste Mode", als es auf den letzten Mia.-Alben der Fall war. Offenbar standen jedoch die falschen Erinnerungen an diese Zeit Modell, denn die Umsetzung bleibt wenig stilecht.
So ist die "Berg & Tal"-Fahrt mit einem Beat untermalt, den Deichkind höchstens ironisch verwerten würden und Mieze Katz dazu schon mal vorgreift: "Das Feuilleton zerreißt mich". Nicht immer ist allerdings Angriff die beste Verteidigung, denn dafür müssten Mia., als Band nun schon 18 Jahre alt, in dieser Sparte erst einmal noch stattfinden. 
(Plattentests)


Und dann gibt es leider auch jede Menge mit größtmöglicher Brutalität auf Club und Dancefloor produzierte Electro-Stücke, die fast ausnahmslos misslungen sind und von Frida Gold stammen könnten, so tot und leer pumpen hier die Beats und Synthies. Schade um ein paar wirklich hübsche Lieder, aber mit diesem leider sehr geschmacksunsicheren Album gehen ehemalige Kernkompetenz und Bedeutung der Band weiter verloren.
(intro)


Musikalisch bewegen sich MIA. mittlerweile irgendwo zwischen DJ Antoine, Deichkind auf Ritalin und dem musikalischen Anspruch der Instrumentals zum Alltime-Smasher „Crazy Frog“. Mit Progressivität oder Progression hat dieses Album so viel zu tun wie Claus Weselsky mit einem „Schönes Wochenende“-Ticket. Mit anderen Worten: MIA. gehen den Weg des geringsten Widerstandes. Ein bisschen Elektro mit „ein paar kritischen Aussagen“, die aber trotzdem wie ganz viel Zuckerguss schmecken, funktionieren heutzutage ja immer, gell?
(igittbaby)




Biste nicht Mode, dann ignorierst du Rummelplatz- und Großraumdisko-Musik ("Berg & Tal", "Queen", "Nachtgestalten" usw.) und Totalausfälle (u.a. "Brunowitzjacke", "Geld") und setzt die Häkchen in deiner iTunes Bibliothek nur bei Songs wie "Lauffeuer", "Biste Mode", "Sekunde", "Vielleicht bleib ich" sowie "Einmal mehr" und bildest dir ein "Biste Mode" wäre nur eine EP. 




Mia. unterwegs:
07.10.15 München, Backstage
08.10.15 Nürnberg, Hirsch
09.10.15 Wien (A), Flex
16.10.15 Zug (CH), Galvanik
17.10.15 Wiesbaden, Schlachthof
18.10.15 Krefeld, Kulturfabrik
22.10.15 Stuttgart, ClubCANN
23.10.15 Jena, F-Haus
24.10.15 Gießen, MUK
29.10.15 Wilhelmshaven, Pumpwerk
30.10.15 Leipzig, UT Connewitz
31.10.15 Worpswede, Music Hall
03.11.15 Köln, Live Music Hall
04.11.15 Hamburg, Große Freiheit 36
05.11.15 Berlin, Huxley's Neue Welt


Desaparecidos - Payola
























Wenn Conor Oberst so richtig wütend ist, ruft er seine Jungs (Landon Hedges, Matt Baum, Denver Dalley und Ian McElroy) zusammen und schreit sich zu einschneidenden Gitarrenriffs und polternden Drums den Frust von der Seele. Was ihn so in Rage geraten lässt? Die amerikanische Einwanderungspolitik, der Überwachungsstaat und die immer weiter um sich greifenden Auswirkungen des Kapitalismus. "Payola" hat also mit dem Bright Eyes-chen Dreigestirn aus Indiepop, Folk und Country nichts zu tun, sondern läuft Amok zwischen Punk, Hardcore-Rock und Emo.  

Produziert wurde das Album selbstverständlich von Mike Mogis und mit Tim Casher von Cursive oder Laura Jane Grace von Against Me! fanden sich weitere bekannte Gastmusiker im Studio ein. Wer das Werken der Desaparecidos, die 2002 mit "Read Music/Speak Spanish" ihr Debütalbum veröffentlichten und in den letzten Jahren mehrmals in den Tiefschlaf versetzt bzw. wieder aufgeweckt wurden, kontinuierlich verfolgt hat, dem wird auffallen, dass bereits gleich 6 Titel in den letzten Jahren auf 3 Singles veröffentlicht wurden. Da "Payola" aber in seinen 40 Minuten stolze 14 Songs runterreißt, gibt es dennoch genug Neues zu entdecken. 
"Payola" sei Freunden von Hüsker Dü, Fugazi oder der Pixies empfohlen, wer es eher sanfter und weniger stürmisch mag, sollte die Finger von der Platte lassen oder es erst einmal mit dem offensichtlichen Hit des Albums ("Te Amo Camila Vallejo") oder dessen gemäßigsten Song ("10 Steps Behind") versuchen.

Sehen wir doch einmal nach, wie "Payola" von den Kritikern aufgenommen wurde:

Mit Wut im Bauch und sehr viel Hingabe singt Conor Oberst Post-Hardcore-Rocksongs, die zu keiner Zeit wirklich böse sind, aber unbedingt ernst genommen werden wollen. Anders als die meisten Emo-Kollegen vermittelt Oberst jedoch hauptsächlich politische Inhalte. „The Left Is Right“ gibt die Richtung vor, die Band schlägt sich auf die Seite von Hackern und der Occupy-Bewegung, wettert gegen rechte Ideologen und leicht zu Radikalisierende, womit ausdrücklich auch diejenigen gemeint sind, die daheim via Facebook aus der Anonymität heraus dümmliches Gedankengut verbreiten. Die Texte sind gut, wichtig und richtig. Aber was nützt’s, wenn’s nicht rockt? Doch die Desaparecidos lassen nichts anbrennen. Songs wie „Radicalized“, „Underground Man“ oder „Te Amo Camila Vallejo“ atmen den Geist von Hüsker Dü und erinnern an die Zeit, als man noch glauben durfte, dass alternative Rockmusik die Welt verändert. Vielleicht keine Platte für die Ewigkeit, aber genau die Portion Polit-Emo-Core, die der Sommer 2015 nötig hat.
(Musikexpress)




Die Desaparecidos stellen sich auf die Seite der Occupy Bewegung und singen gegen Ungerechtigkeiten an. Lange hat man es einer Band nicht so sehr abgenommen, dass sie mit ihrer Musik tatsächlich was ändern könnten. Musikalisch wird nicht bei einem der 14 Songs auf die Bremse getreten, sie verstärken die unzufriedenen Texte, die zu den dringlichsten seit langem gehören. Einzig allein “10 Steps Behind” scheint zuerst etwas ruhiger zu werden, doch erübrigt sich dieser Gedanke auch nach der Hälfte des Songs schon wieder.
Mit unruhigen Gitarren, die zwischen simplen Akkordprogressionen, abgedämpften Rhythmuspatterns und melodischer Finesse wechseln, treibenden Drums und der kratzigen Stimme von Conor Oberst erklingen 14 Stücke, die alle einem Grundsound folgen und keiner total aus der Reihe fällt. Dennoch gibt es in jedem Song das eine Element, das auffällt und hängen bleibt. 
(Radio Q)


„Payola“ liefert die battle hymns für alle, die sich schon einmal an Geldautomaten gekettet, Regierungsgebäude gestürmt, Häuser oder Bankenviertel besetzt haben. Verkleidet als knuffiger Punkrocker verleiht Conor Oberst den 99 Prozent eine Stimme – er wütet charmant gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit, als ob er nie etwas anderes getan hätte. (...) Unverschämt lässig verwendet er klassische Punkrock- und Powerpop-Muster („Golden Parachutes“, „Search The Searches“), mischt etwas Hardcore unter („Radicalized“, „Backsell“), macht den Thermals Konkurrenz („City On The Hill“), spielt mal nicht den Introvertierten, sondern das Zoon politikon.
(Rolling Stone)



Das Platten vor Gericht Juni Mixtape



Hören worüber wir schreiben: Das Platten vor Gericht-Mixtape mit Musik aus unseren Juni-Vorstellungen.

1. SOAK – B a noBody
2. Torres – Sprinter
3. Les Jupes – Everything Will Change
4. Duke Special – Nail On The Head
5. Of Monsters And Men – Crystals
6. The Lilac Time – No Sad Songs
7. FFS - Johnny Delusional
8. Leftfield – Bilocation
9. Crocodiles – Crybaby Demon
10. Kid Wave – Best Friend
11. Other Lives – Easy Way Out
12. Lightning In A Twilight Hour – The Memory Museum
13. Lord Huron – The World Ender
14. Bang Gang – Silent Bite
15. Wolf Alice – Sink



Platten vor Gericht // Juni 2015 from Platten vor Gericht on 8tracks Radio.



Refused - Freedom























Refused aus Umeå waren eine sehr wütende Band. Vor allem Dennis Lyxzén trat sowohl mit seinem Gesang als auch mit seinen politischen Ansichten aus dem Umfeld des linken Rands des Parteienspektrums kompromisslos auf. 1991 gegründet veröffentlichten Refused bis zur ersten Auflösung im Jahr 1998 drei Alben. Mit “The shape of punk to come” und vor allem der starken Single “New noise” hinterließen die Schweden ein würdiges Erbe. 

Einen großen Teil der Ernte dafür fuhren die Herren erst 2012 im Rahmen einer Reunion und einer Tour über 84 Auftritte ein. Ende 2012 gab die Band ihre erneute Auflösung bekannt. Doch bereits Ende 2014 überlegten es sich die Schweden anders und nun folgt mit “Freedom” endlich das erste neue Album seit 1998. Das aktuelle Line-up besteht aus Dennis Lyxzén, Kristofer Steen, David Sandström und Magnus Flagge.

Kompromisslos und erfolgsarm will die Band offensichtlich nicht mehr sein. Auch “Freedom” ist vorwiegend Hardcore und Punk, doch in einer gezähmten Variante. Der Alternative/Metal Anteil ist merklich größer geworden und unkontrollierte Ausbrüche wurden durch konventionellere Strukturen ersetzt. Bei zwei Songs (“Elektra” und “366”) durfte mit Shellback gar ein Pop-Produzent an die Regler, der auch schon für Taylor Swift, Pink, Maroon 5 und Avril Lavigne tätig war. Für die weiteren Titel ist diesbezüglich Nick Launay verantwortlich. Der konnte zuletzt u. a. mit Nick Caves “Push the sky away” überzeugen und kann eindrucksvolle Referenzen seit Anfang der 90er Jahre vorweisen (u. a. Killing Joke, INXS,Silverchair, Yeah Yeah Yeahs und Maxïmo Park).

Durch die verklärte Verehrung des Vorgängers “The shape of punk to come” wird “Freedom” viele Fans enttäuschen. Ich kann mir “Freedom” jedoch besser und “am Stück” anhören. Daher empfehle ich “Freedom” als eines der besten Alben des Jahres für Menschen, die laute Gitarren und Geschrei mögen. Vor allem wegen des Songs “Old friends / new war”.

Laut.de mag das Album ebenfalls:
Letztendlich bleibt auch bei "Freedom" die großartige Musik hängen, dieser ungewöhnliche und wilde Stilmix, den vermutlich nur Refused so spielend einfach hinkriegen. "Freedom" klingt nicht verkopft, nicht gezwungen, sondern so leicht und frei, wie ein Debüt. Der Druck und die hohen Erwartungen, die mit diesem Album unweigerlich verbunden sind, werden achselzuckend weggerockt. Refused haben es tatsächlich geschafft, den Kopf frei zu kriegen. "Freedom" beseitigt innerhalb von 40 Minuten jegliche Skepsis oder Zweifel, die im Vorfeld angebracht waren. Refused are fucking back.
Spex.de ist hingegen skeptisch:
Es ist ausgezeichnet produziert, stilistisch abwechslungsreich und ziemlich belanglos. Freedom heißt es und zielt leider im Einzelnen wie im Gesamten auf den kleinsten gemeinsamen Nenner ab, wenn über die Flüchtlingspolitik der Europäischen Union, post-kolonialistisches Gehabe und fanatischen Atheismus abgeätzt wird.

Der Opener “Elektra”:



Das deutsche Publikum in Aufruhr versetzen wird die Band bei diesen Gelegenheiten:
  • 29.08. Gräfenhainichen (Festival)
  • 11.10. Hannover
  • 12.10. Stuttgart
  • 13.10. Stuttgart

Neue Gerichtstermine: Juli / August
























Juli

03.07.
The Legends – It’s Love
Ezra Furman – Perpetual Motion People
Lucy Rose – Work It Out

10.07.
Aurora – Running With The Wolves

14.07.
The Good Life – Everybody’s Coming Down

17.07.
The Chemical Brothers – Born In The Echoes
MS MR – How Does It Feel
Tame Impala – Currents

24.07.
Gwenno – Y Dydd Olaf

31.07.
The Maccabees – Marks To Prove It
Albert Hammond, Jr. – Momentary Masters


August

07.08.
Chelsea Wolfe – Abyss
Gloria – Geister
Mac DeMarco – Another One
The Phoenix Foundation – Give Up Your Dreams
The Telescopes – Hidden Fileds
Frank Turner – Positive Songs For Negative People

14.08.
The Good Life – Everybody’s Coming Down
Madsen – Kompass

21.08.
Boy – We Were Here
Paul Smith And The Imitations – Contradictions
The Fratellis – Eyes Wide, Tongue Tied
Natalie Imbruglia – Male
Sea + Air – Evropi
Sven van Thom – So geht gute Laune

28.08.
Beach House – Depression Cherry
Destroyer – Poison Season
Foals – What Went Down
Yo La Tengo – Stuff Like That There


Wolf Alice - My Love Is Cool
























Es läuft gut für Wolf Alice. Ihre ersten beiden EPs ("Blush", 2013, und "Creature Songs", 2014) wurden überaus wohlwollend aufgenommen, so dass sich Ellie Rowsell (Gesang, Gitarre), Joff Oddie (Gitarre), Theo Ellis (Bass) und Joel Amey (Schlagzeug) schnell auf der viel beachteten Sounds of 2015-Liste der BBC wieder fanden. Gemeinsam mit Alt-J tourten sie im Frühjahr durch die größten Hallen des Kontinents, bespielen aktuell mit ihnen die einschlägigen Festivals und zierten das Cover des NME. Gute Werbung also für ihr nun veröffentlichtes Debütalbum "My Love Is Cool", das aktuell bei Metacritic einen Score von 78/1010 aufweist und in England auf Platz 2 der Charts einstieg. 

Ich durfte das Londoner Quartett in Offenbach als Support von Alt-J und vor einigen Tagen beim Best Kept Secret Festival (hier finden sich Berichte, Fotos und Setlisten der Tage eins, zwei und drei) live sehen und musste feststellen, dass mir Wolf Alice zu lauten und harten Rock mit Grunge-Einschlag lieferten. Meine Erwartungen an "My Love Is Cool" waren also nicht allzu hoch.

Vielleicht liegt es am Produzenten Mike Crossey (Arctic Monkeys, Blood Red Shoes, The Kooks), dass sich die Band auf ihrem ersten Tonträger deutlich gezähmter, vielfältiger und poppiger präsentiert als während eines Konzertes. Direkte Vergleichsmöglichkeiten bieten die frühen Singles "Bros" und "Fluffy", die für das Album noch einmal neu aufgenommen wurden. Und so finden sich neben den breitbeinigen Rock-Songs ("You're A Germ", "Moaning Lisa Smile", "Giant Peach", "Fluffy") im Stile der 90er Ikonen wie Pixies, Sonic Youth, Hole oder The Breeders auch eingängige Indiepop-Songs ("Bros", "Freazy"), lieblicher Folkpop ("Turn To Dust", "Swallowtail" - mit Ausnahme der letzten 40 Sekunden) und Elektro-Spielereien ("Silk", "Soapy Water").   




Statt Folk setzen Wolf Alice süßen Pop und Grunge in einer infektiösen Mischung ein. Dabei ist das Album weniger rockig, als der Grunge-Vergleich vermuten lässt. Die Londoner haben vielmehr ein atmosphärisches Werk geschaffen, mit dem sie sich sowohl vor The Stone Roses, als auch Hole, Elastica und My Bloody Valentine verneigen. So öffnet “My Love Is Cool” auch erst einmal mit der ruhigen Ballade “Turn To Dust” und der wunderbar sentimentalen Mid-Tempo-Nummer “Bros”, bevor bei “Your Loves Whore” und “You’re A Germ” die Gitarren etwas mehr zum Einsatz kommen. Bei ersterem in etwas bombastischerer Manier und bei letzterem mit deutlichen Punk-Anleihen. Es ist diese Mischung aus packender Atmosphäre und juvenilem Rock, die “My Love Is Cool” so einzigartig macht. Denn Wolf Alice liefern damit eine beeindruckende Bandbreite, in der sie immer zu begeistern wissen. Egal, ob es sich um das einfühlsame “Silk”, oder den schweren Rock von “Giant Peach” handelt, Wolf Alice liefern ein Debüt ab, das in dieser Art lange kein Newcomer geschafft hat.
(White Tapes)




Das cool groovende Freazy erinnert an die Rave-o-lution der Stone Roses, Giant Peach in seinem atonalen und trotzdem Glam-Rock-artigen Gitarrenzorn könnte auch von Courtney Love aus ihren besten Tagen bei Hole stammen. Und You're A Germ mit seinem krachigen Riff und dem plakativen Laut-leise-Kontrast mag gar ein Zitat von Blurs Song 2 sein. Doch es geht auch sensibler: Der Eröffnungssong Turn To Dust ist eine verhuschte Folk-Ballade, in der die Sängerin Ellie Rowsell über die Sterblichkeit räsoniert. Das gleich darauffolgende Bros lebt vornehmlich von seiner hübschen, gar nicht so harmlosen Melodie, die einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf will. 
Wolf Alice nehmen all diese Einflüsse versiert auf, jeder Song ist ein Kleinod, das mit mehrmaligem Hören wächst. Man könnte aber auch sagen, Wolf Alice haben Probleme, eine eigene Stimme zu finden, weil die alten Stimmen zu laut sind und zu schön klingen. Aber wenn diese Geschichte ein Märchen ist, und wenn Wolf Alice noch nicht gestorben sind, dann werden sie, darauf ist My Love Is Cool ein großes Versprechen, in naher Zukunft womöglich ein bahnbrechendes zweites Album vorlegen.
(Zeit)




Wolf Alice in Deutschland:
19.11.15 Köln – Luxor
20.11.15 Berlin – Lido
22.11.15 Leipzig – Täubchenthal
22.11.15 Hamburg – Übel & Gefährlich


Bang Gang - The Wolves Are Whispering
























Der Isländer Barði Jóhannsson scheint ein Tausendsassa zu sein: Musiker, Soundtrack-Komponist, Autor, Moderator einer TV Sendung, Regisseur und Designer. Es scheint kaum einen kreativen Job zu geben, den er noch nicht ausgeübt hat. Zusammen mit Keren Ann betreibt er das Projekt Lady & Bird, Starwalker heißt seine Kollaboration mit Jean-Benoit Dunckel (Air) und Bang Gang nennt er sein eigenes musikalisches Projekt, bei dem er seit 1996 wechselnde Partner begrüßt und bereits auf vier Veröffentlichungen zurückblicken kann. 

"The Wolves Are Whispering" heißt seine soeben erschienene Platte, die eine siebenjährige Entstehungsgeschichte zu verzeichnen und mit Keren Ann, Helen Marnie (Ladytron), Jófríður Ákadóttir (Pascal Pinon, Samaris) und Bloodgroup einige bekannte Gast-Musiker aufzuführen hat. Den düster-bedrohlichen Klängen des Albums ist sowohl Jóhannssons Nähe zu den spacig-sphärischen Sounds von Air als auch seine Fähigkeit, bewegte Bilder mit stimmungsvollen, epischen Soundtracks zu unterlegen, anzuhören. 

Highlights sind jedoch die Songs, die versuchen, aus diesem warmen, aber teilweise zu monotonen Wohlklang ein wenig herauszubrechen, etwa "The Sin Is Near" mit Bloodgroup und "Silent Bite" mit Helen Marnie von Ladytron. Den Mehrwert, den "The Wolves Are Whispering" durch seine Gastsänger erhält, kann man aber auch vollkommen anders  interpretieren: 

Doch trotzdem wirken die “feat.”-losen Songs gelungener. “Out Of Horizon”, der direkt nach “The Sin Is Near” angestimmt wird, trägt zum Beispiel maßgeblich zum Vergessen des von Elektro-Sounds traktierten und zugegebenermaßen schaurigen Anfangs der Platte bei.
Das Lied zeigt auf, Jóhannsson braucht keine Unterstützung von anderen – weder aus der Elektro-Sparte, noch von einer multikulturellen Sängerin.
Durch diesen zweiten Track und den später folgenden Song “Silent Bite” gewinnt der Tonträger an Abwechslung. Ein statuiertes Exempel dafür, dass melancholisch-depressive Zeilen wie Open your eyes / Give yourself to him tonight / Fell Alive / Whipe your tears away (“Silent Bite”) nicht mit ebensolcher Musik unterlegt sein müssen. Auch mit etwas lockererem Pop vermögen sie noch zur selben Wirkung.
Das sieben Jahre lange Warten auf “The Wolves Are Whispering” war demnach also schon lohnenswert, allerdings hätte es sich letzten Endes noch mehr ausgezahlt, wenn Bang Gang sich keine Hilfe von außerhalb ins Boot geholt hätte. Denn diese “Hilfe” hat seinem vierten Album lediglich Schwachpunkte verliehen.
(Radio Q)




“The Sin is Near,” featuring Bloodgroup, is quite possibly the best track on the album. A heavy beat, low atmospheric synth and perplexing lyrics create an all-around great song. Using this as our first taste of Bang Gang’s music may not have been the best idea, because we are left longing for another stellar track later in The Wolves Are Whispering, and our palettes are, unfortunately, never satisfied.
“Out of the Horizon” marks an immediate change from the record’s first track. Though not as beautiful as “The Sin is Near,” its music is more organic and it moves quickly. “My Special One” is where The Wolves Are Whispering becomes glaringly average. The lyrics are syrupy, the music is lazy and it is simply boring.
There are few noteworthy tracks afterward. However, “Lonely Bird,” featuring Keren Ann, and “Silent Bite,” which features vocals by Helen Marnie, are relative stunners amid the frozen tundra of The Wolves Are Whispering. Perhaps they are so noticeable because they break up the monotony, but the talent is also undeniably there.
Luckily, The Wolves Are Whispering finishes strong. The last track, “We Will Never Get Along” is rousing and inventive. It, with its naked piano intro and clear vocals, is heart-wrenching and a great closer to what could have been an amazing album. Had every track been as special as the first and last, this record would have been a triumph for Bang Gang.
(mxdwn)




Slow Club - I Swam Out To Greet You
























Auch wenn der Record Store Day bereits ein paar Tage zurück liegt, sei noch auf "I Swam Out To Greet You" von Slow Club verwiesen, dass digital oder als LP noch käuflich erworben werden kann. Charles Watson und Rebecca Taylor veröffentlichten ein Jahr nach ihrem letzten Album "Complete Surrender" eine Zusammenstellung von 12 bisher ungehörten Coverversionen und setzen dem Trend der Wiederveröffentlichungswelle, die an diesem Tage über die Plattenkäufer hereinbricht, etwas Individuelles entgegen. 

Slow Club entschleunigen Klassiker wie "Disco 2000" von Pulp heran, überführen Synth-Pop ("Seasons (Waiting On You)" von Future Islands) in folkige Indiepop-Gefilde, verneigen sich gleichsam vor renommierten, allseits bekannten Künstlern, wie Bob Dylan (I Threw It All Away") oder Burt Bacharach & Hal David ("Make It Easy On Yourself"), und persönlichen Lieblingen (Chad vanGaalen "Willow Tree", The Mae Shi "Lamb And Lion") und behalten dabei den Lo-Fi-Charakter der Aufnahmesessions ("Killing Moon") inklusive quietschender Stühle ("Blue Harbour") bei.  

Hier ist die komplette Trackliste:
A1. I Couldn’t Say It To Your Face – Arthur Russell
A2. Willow Tree – Chad VanGaalen
A3. I Threw It All Away – Bob Dylan
A4. Lamb And Lion – The Mae Shi
A5. Desperado – The Eagles
A6. Birds – Neil Young
B1. Seasons (Waiting On You) – Future Islands
B2. Disco 2000 – Pulp
B3. Blue Harbour – The Wave Pictures
B4. Killing Moon – Echo And The Bunnymen
B5. The Prophet – Jamie T
B6. Make It Easy On Yourself – Burt Bacharach & Hal David




Lord Huron - Strange trails






















Ben Schneider schrieb schon Songs, bevor er aus Michigan über Frankreich und New York nach Los Angeles zog. 2010 gründete er dann Lord Huron und veröffentlichte erste EPs. Nach und nach rekrutierte er seine Band. 2012 erschien das Debütalbum “Lonesome dreams”, nun legte Lord Huron mit “Strange trails” nach. 

Seine Solo-Herkunft scheint in einigen Singer/Songwriter Songs und Passagen durch. Ansonsten steht Lord Huron aktuell für gefälligen Indiefolk. Wegen Ben Schneiders Stimme kommt man um Vergleiche mit Mumford & Sons und My Morning Jacket kaum herum. 

Während man (vor allem in englischsprachigen Medien) überwiegend positive Reviews zu “Strange trails” findet, erscheinen mir die Mehrzahl der Songs auf diesem Album zu austauschbar, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Die erwähnenswerten Titel sind nach meinem Empfinden “Until the night turns”, “La belle fleur sauvage”, “The world ender”, “Meet me in the woods”, “The yawning grave” und der versöhnliche Abschluss mit “The night we met”. Während vorwiegend die flotteren Songs im Stile von Mumford & Sons überzeugen, reichte das Material offensichtlich nicht für 14 gute Songs.

At nearly an hour, Strange Trails tends to drag in its back half, the songs there largely slower retreads of those that have come before. For background music it is quite enjoyable, but under closer inspection much of the material simply doesn’t hold up. Because of this, Strange Trails is ultimately a somewhat exhausting listen due in part to its sheer scope and ambition. But like many great epic Westerns, it proves a rewarding, aesthetically satisfying artistic statement, one that requires a great deal of patience and investment to fully unfold. Those willing to make the investment will not be disappointed. 

“Meet me in the woods”:

Lightning In A Twilight Hour - Fragments Of A Former Moon



Bobby Wratten. Wem dieser Name nichts sagt, möchte bitte erstmal die Lobhudelei Robert Wratten, and Songs As Map Of The Human Heart (allein der Titel!) lesen. Der Mann, dem eigene (wenn auch nicht sehr aktive) last.fm-Seiten gewidmet sind, hat mit The Field Mice und Trembling Blue Stars Indiepop-Geschichte geschrieben.


Quelle: Lightning In A Twilight Hour

Unter dem Namen Lightning In A Twilight Hour und der Mithilfe von Beth Arzy (Trembling Blue Stars / Aberdeen), Anne-Mari Davies und Michael Hiscock (The Field Mice) erschien im April sein neues Album 'Fragments Of A Former Moon' über das spanische Indiepopperlenlabel Elefant Records. Und ein besseres Zuhause hätte Wratten für seine Platte nicht finden können.



Filled with the kind of desperately sad songs that almost revel in their bleakness yet offer the listener solace through the painfully tender melodies and words, the album is a reliably glorious bummer. After starting off almost sprightly with a couple songs that have some forward motion and have Wratten's moping vocals offset by the light-as-air singing of Beth Arzy (who takes the lead on track two, the spy movie-influenced and almost cheerful "The Pattern Room" and "Night Traveller" later on), the record takes a turn for the gloomy with a string of slow, sad, love-lost songs and a trio of ambient instrumentals […] that provide a perfect soundtrack for a day spent in bed with the covers pulled over your head. (allmusic.com)

Die bei allmusic angesprochenen ambient instrumentals empfinde ich persönlich leider eher etwas störend. Auf einer vorab im Februar erschienenen EP waren vier von sieben Songs ebenfalls Instrumentals. Vielleicht hätte Wratten einfach die drei "richtigen" Songs der EP mit aufs Album nehmen sollen. Dann wäre es noch schöner geworden, als es ohnehin schon ist.


Quelle: Lightning In A Twilight Hour

Life In Film - Here It Comes



Man könnte mir vorwerfen, dass ich mal wieder etwas spät dran bin mit der Vorstellung einer Platte. Zugegeben: Erschienen ist 'Here It Comes' von Life In Film bereits Anfang März. Aber: Eine Band, die mich vier Jahre lang auf ihr Debutalbum warten lässt, muss verkraften können, dass sie erst über drei Monate nach Veröffentlichung hier Erwähnung findet.

'Get Closer' hörte ich Anfang 2011 zum ersten Mal, als das Tracklisting für den dritten Teil der immer tollen King Kong Kicks-Compilationreihe zusammengestellt wurde. Und seitdem immer wieder.



Gut, dass ich Life In Film nicht schon früher kannte, gegründet haben sie sich nämlich schon 2008. Das hätte sieben lange Jahre Wartezeit bedeuten können…

Aufgenommen mit Produzent Stephen Street (Blur, Morrissey), werden auf dem Erstling "Here it comes" Jangle-, Britpop und Indierock verschmolzen. […] Die Band um Sänger Samuel Fry und Gitarrist Edward Ibbotson macht vieles richtig. "Here it comes" ist unprätentiös ("Alleyway"), ergreifend ("Are you sure"), retro ("Get closer") und mit Sicherheit ehrlich ("Forest fire"). Unaufgeregt spielen die Briten auf ("The idiot") und können dabei sentimental sein, ohne peinlich zu werden ("Anna (please don't go)"). Mit "Set it off" wird der Rock auch einmal zum treibenden Motor, und "Carla" ist wohl eine der schönsten Balladen von der Insel. (plattentests.de)



Das Debütalbum der britischen Band Life In Film kombiniert recht disparate Elemente. Insbesondere dank der Stimme von Samuel Fry kommt man kaum umhin sich an die frühen, prä-Stadion-Rock Kings Of Leon erinnert zu fühlen und natürlich ist dann auch der Gedanke an Strokes-Gitarren nicht weit, aber gerade eben in die Gitarrenparts schleichen sich Anklänge an die britische Schule des Jingle-Jangle-Indie-Pops der 80er ein. Wenn man so will: die Kings Of Leon auf der Achterbahn mit Johnny Marr. (taz.blogs)



Tourdaten (diesmal ganz besonders ohne Gewähr – das Konzert, das ich besuchen möchte wurde mittlerweile schon zwei Mal verschoben…):

16. September Köln (Blue Shell)
17. September München (Kranhalle)
18. September Stuttgart (Club 1210)
19. September Nürnberg (Nürnberg Pop Festival)
20. September Berlin (Magnet Club)
21. September Hamburg (Knust)
23. September Salzburg (Rockhouse)
24. September Wien (Chelsea)
25. September Dornbirn (Spielboden)

Wildhoney - Sleep Through It
























Fans von Lush und Fear Of Men könnten auch Gefallen an "Sleep Through It" finden, wenn sie aufbrausende Gitarrenwellen im Stile von My Bloody Valentine nicht stören. Aufgrund eines gehörigen Noise-Anteils verbietet sich hier auch, trotz des Albumtitels, das Label "Dreampop". Natürlich gibt es auch eine Ausnahme von der Regel: das instrumentale "FSA". Meine Anspieltipps heißen "Seventeen", "Maybe You're Crazy" sowie "Fall In" und "Owe You Nothing", die mich besonders an die eingangs erwähnten Lush bzw. Fear Of Men erinnerten.

Wildhoney ist ein aus Baltimore stammendes Quintett, das sich dem Shoegaze verschrieben und Anfang des Jahres in den USA sein Debütalbum veröffentlicht hat. "Sleep Through It" kann über die Bandcamp-Seite für kleines Geld digital bezogen werden, über den Shop des Labels kann man auch die LP ordern, muss aber aufgrund der hohen Versandkosten tiefer in die Tasche greifen.


‘Owe You Nothing’ sports a twee edge, with downcast lyrics that hinge on sugary vocals, backed by a jagged wall of sound in the latter half. Truth be told, we’ve heard that sound plenty of times before. But, Wildhoney do add to the mixture, there’s accessible pop-centric melodies combined with lo-fi charm, they’re delivered with a frenetic energy that bowls the listener over. ‘Maybe You’re Crazy’ is a good example of this. It sucks you in with catchy vocals and then hits with a wave of noise.
If a heavy dose of noise pop is your thing, then Wildhoney’s ‘Sleep Through It‘ will be right up your street! It’s full throttle most of the way, with a short breath for air during ‘Tea Leaves’ and ‘FSA’, otherwise it doesn’t let up. The standouts ‘Seventeen’, ‘Fall In’, ‘Molly’ and the title track are worth the price of admission alone. Wildhoney aren’t taking themselves too seriously and are producing some really fun noise pop along the way.
(Sounds better with Reverb)




The songs on Sleep Through It tend to take a linear approach, but one that’s buoyed by the shading of the music. Concision is the name of the game on tracks like “Owe You Nothing” and album highlights “Seventeen” and “Fall In.” Here, the vocals aren’t buried in the mix, but presented at an often slightly lower volume, centered for a clarity that works to the group’s advantage. This balancing showcases their strength at designing sparkling earworms while guitars warp and peel back around them. The particular clean-guitar tone used on much of the album brings to mind something a friend once referred to as “that 80s alternative” sound: a layered, sweeping timbre you may be familiar with from albums like Kiss Me, Kiss Me, Kiss Me (The Cure), What Does Anything Mean? Basically (The Chameleons), and Ocean Rain (Echo & the Bunnymen), a sound that only certain chorus pedals can truly replicate.
Some of the last generation of shoegazers have fallen on hard times lately — a quick once-over of the new A Place to Bury Strangers album will help you get my meaning here. But it’s good to know that newer bands like Wildhoney are out there. Sure, they haven’t exactly changed the game with Sleep Through It, but they’ve manged to create a deft and thoroughly enjoyable album, and it makes me excited to hear what they’ll sound like on their second and third albums.
(Tiny Mixtapes)


Other Lives - Rituals






















Other Lives hieß am Anfang ihrer Karriere noch Kunek. Erst 2009 erfolgte die Umbenennung der Band aus Stillwater, Oklahoma. Die bis 2012 veröffentlichten Alben und EPs inklusive des hier von vielen Richtern für gut befundene Vorgängerwerk "Tamer animals" konnten weitgehend unter Folk und Americana eingeordnet werden. Kontakte bis hin zu Auftritten als Vorband für Radiohead und Atoms For Peace scheinen die Band um Jesse Tabish, Jonathon Mooney und Josh Onstott inspiriert zu haben. 

Neben stellenweise verführerischen Melodien und packenden Harmonien im Stile der Fleet Foxes und The National Lässigkeit besticht die Band nun zusätzlich durch vielschichtige und durch Streicher angereicherte Arrangements. Und in den richtigen Momenten kommen dann noch Elektroelemente hinzu. Die Band hat viel Zeit und Energie in diese 14 Titel investiert. Und das hört man. 

Die Liste der von mir besonders empfohlenen Songs gerät recht lang: Da sind “Pattern”, “Reconfiguration”, “Easy way out”, “Need a line”, “English summer” und vor allem “2 pyramids” zu nennen. 

“Rituals” verlangt dem Hörer etwas Geduld ab, ist ein ein wirklich hörenswertes und vielseitiges Album. 


Listening to Rituals is like slipping into a hazy dream or listening to a classical thrift shop find. It’s charming and enveloping, but more importantly, it sets up Other Lives for future efforts now that their folk ties have been shed.

“Easy way out”:


Other Lives live (z. T. auf Festivals):
  • 09.07. Hamburg
  • 10.07. Rüsselsheim
  • 13.07. Stuttgart
  • 17.07. München

Tigercats - Mysteries
























Irgendwo habe ich kürzlich gelesen, dass sich Throw That Beat In The Garbagecan wiedervereinigt haben und an einem neuen Album arbeiten. Das wären tatsächlich tolle Aussichten, wenn sie sich bestätigen sollten. 

Wie bekomme ich jetzt die Kurve zu den Tigercats, einem aus London stammenden Quintett, das erst sein zweites Album veröffentlicht hat? Eigentlich gar nicht so schwer, denn "Mysteries" erscheint über Fortuna Pop!, was schon fast eine bestimmte musikalische Ausrichtung vorgibt. Und in diesem Fall (Indie-/Twee-Pop mit Girl/Boy-Gesang) tendieren sowohl Throw That Beat als auch Tigercats in die gleiche Richtung. 

Auch bei den Engländern gibt es mit Duncan Barrett einen Komponisten, Sänger und Gitarristen mit leicht nasalem Gesang, der immer wieder an den richtigen Stellen von weiblichem Gesang unterstützt wird. Dieser stammt von Laura Kovic (Keyboards, Gesang), die zusammen mit Barretts Bruder Giles (Bass), Johnny Evans (Schlagzeug) und Paul Rains von Allo Darlin' (Gitarre) die Band vervollständigt. Zudem ist auf "Mysteries" Terry Edwards (Tindersticks, Gallon Drunk) auf einigen Stücken an der Trompete bzw. am Saxophon zu hören. 

Da Giles Barrett in den Londoner Soup Studios arbeitet, konnte die Band dort viel Zeit verbringen, was dem DIY-Charme leider etwas abträglich war (das ist Throw That Beat erst mit ihrem vierten und fünften Album passiert). Ein wenig mehr rumpelnde Gitarren wie in "So Haunted" hätten dem Album ebenfalls gut getan. Insgesamt ist die zweite Hälfte mit der Single "Sleeping In The Backseat" oder auch "Too Sad To Tell You" und "Wendy And Lisa" besser gelungen als die erste. 




Distortion is aplenty, albeit less heightened, and there are still aspects of adolescent grievances here, but there is a new-found introspection present, evinced on the downbeat brilliance of "Too Sad To Tell You" and "Sleeping In The Backseat" which, even at its most soporific, has its hurried indie disco moments. 
Mysteries triumphs within its predilection for melody and nuance: "Wheezer" and "Too Sad To Tell You" both predominate in terms of juxtaposition; the former’s brass inclusions add joyous, contemplative warmth - thanks to prolific collaborator Terry Edwards - while the latter exposes the band’s propensity for beautifully adept songcraft and accomplished guitar work. Its seeming 'downfall' is in its unassuming quality that shares a likeness with many other bands of the indie pop persuasion. While there's nothing wildly new here, Tigercats aren't the kind of band to try and woo you with effusive tricks and surprises, and all the better for it. 
Subtly recalling some of the softer moments of C86, singer Duncan’s salient vocals are still a distinctive aspect, and they're particularly lovely when interplayed with keyboardist Laura’s. While Isle of Dogs retained a jauntier, elemental and traditionally indie guitar-pop formula that deftly captured youthful petulance, Mysteries is its more confident, cultivated counterpart. In short, they’ve honed their craft and matured without eschewing their admirably innate pop sensibility.
(The Line Of Best Fit)




‘Junior Champion’ kicks off proceedings, it’s upbeat guitars chiming, the tone is spot on. It seems to be a song about playing chess but not quite to grandmaster level, losing pieces down the sofa, great kissing and most of all the thrill of being with someone you really want to be with. The song playfully bounces and skips, both Duncan and Laura’s vocals perfectly pitched together. It’ll leave you smitten and it’s immediately Check in favour of Tigercats.
‘Laura and Cesar’ slows the pace to a pleasant stroll. It’s one of two tracks with Laura on lead vocals (the other being ‘Sleeping in the Back Seat’) and is reminiscent of the Pastels most recent album which can only be a positive. ‘King of Vic’ is a bit of a departure from previous Tigercats, sounding like of a less bombastic Arcade Fire. It’s drama is brilliantly done.
First single from this album, ‘Sleeping in the Back Seat’, is a half-asleep tale of touring, waiting, staring out the window, endless roads, missing loved ones, familiar songs on the radio. It rolls along with a beautiful yearning, its hook will bury itself in your brain. It sounds like a hungover ‘Enola Gay’. ‘Wendy and Lisa’ is a slow, wistful story of regrets and apologies. It closes the album in a delicate, sombre mood.
There are no weak tracks on the album. It represents a more polished, confident sounding band. One that have grown up a little (but not too much) from the fun of their debut album. It’s still indie-pop at heart and, like any of the best examples from the genre, it whisks the listener seamlessly through feelings of joy, despair and overall contentment.
(Overblown)


Kid Wave - Wonderlust
























Erinnert sich noch jemand an Louise Wener, die in der Britpop-Hochphase zwischen 1995 und 1997 mit ihrer Band Sleeper drei Alben in den englischen Top 10 platzieren konnte? Und The Jesus & Mary Chain kennt doch wohl jeder, oder?
Wenn ihr beide Fragen mit "Ja" beantwortet habt, dann könnt ihr euch vorstellen, wie "Gloom" klingt und warum mir der Song von Kid Wave ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat.  

Kid Wave, die ihren Ursprung in Schweden haben, aber nun in London residieren, verbinden auf "Wonderlust" das, was Ende der 90er Jahre dies- und jenseits des Atlantiks im Indie-Segment angesagt war: Britpop (Sleeper, Teenage Fanclub), Shoegaze/Dreampop (Lush, The Jesus & Mary Chain) und Alternative Rock (The Breeders, PJ Harvey). Freunde dieser Künstler sollten dem Debütalbum von Lea Emmery (Gesang), Mattias Bhatt (Gitarre), Serra Petale (Schlagzeug) und Harry Deacon (Bass) eine Chance geben. Als Anspieltipps würde ich "Wonderlust", "Gloom" und "Walk On Fire" empfehlen, das düster-dronige "Baby Tiger" schlägt in seiner Black Rebel Motorcycle Club-Mäßigkeit ein wenig aus der Reihe.




This is ground that hasn’t just been well trodden, it’s become ancient, and going into ‘Wonderlust’ means trying yet again to turn off any preconceived notions of what a band inspired by “‘90s indie rock” is going to come up with. For the most part, Kid Wave stay true to the genre - there’s the slinky, lulling guitars (‘; the whimsical and lethargic vocals splattered with melancholy - “some say dreaming is waste of time / I can’t get you out of my mind” Lea Emmery croons on stand-out single ‘Honey’, for example - and an overall lo-fi, sun-drenched sheen that of course nods back to the recordings of the day.
Kid Wave succeed the most when they go huge on the hooks and choruses. ‘Gloom’ for example is straight out of the Pavement textbook, but there’s a lush quality to Emmery’s vocal and a scale to the driving melody of it that makes it sound poised for bigger things, and there’s a moment of choral voices that ups the euphoria in a way The Pains of Being Pure at Heart regularly achieve. ‘Sway’, one of the album’s more tender tracks, nails that nostalgic feeling of longing for escape and hammers home the notion that this is a band dreaming of sunshine in even the gloomiest moments. With ‘Wanderlust’, Kid Wave are proposing a summer that lasts all year long, but they’re willing to enjoy a few nights of twilight along the way.
(DIY




Title track ‘Wonderlust’ kicks the album off in fine style, after a surging intro, the song calms down during the verse until the chorus kicks in when things get a bit heavier. Next up is last year’s sublime single ‘Gloom’, don’t let the title put you off, its anything but gloomy. Opening with an explosion of drums and guitars, it grabs your attention through jangling guitar riffs and haunting vocals. ‘Best Friend’ showcases their skill for writing brilliant melodies, but interspersing them with massive drums, you know to keep us on our toes. But there is a lingering melancholy as the chorus simply says “Do you remember when we were best friends?”
The albums highlight though is ‘Baby Tiger’, Opening with a wall of feedback and droney noise, it suddenly changes and the riff kicks in. This is one of the heaviest tracks on the album, and shows that Kid Wave aren’t just jangle pop merchants, more importantly it’s lots of fun too. ‘I’m Trying to Break Your Heart’ is another stand out moment, woozy guitars intertwine perfectly with understated vocals and huge drums. ‘Dreaming On’ brings the album to a close. As the title hints, there is a lurid dreamlike feel to it. Ethereal vocals romp with a tender acoustic guitar, but instead of all hell breaking loose, Dreaming On slowly lilts to its beautiful outro.
(god is in the tv)