Neue Platten vorstellen, diskutieren und bewerten.




Samstag, 30. August 2014

Federal Lights - We Were Found In The Fog
Dirk Samstag, 30. August 2014 0 Kommentare


















Die erste Vorladung (XI)

Personalien:
2010 gründete Jean-Guy Roy in Winnipeg die Band zunächst als Soloprojekt. Mittlerweile wurden Federal Lights durch seine Frau Lori sowie Robert Mitchell und Chris Gaudry zu einem Quartett erweitert.

Tathergang:
Der Singer/Songwriter Jean-Guy Roy nahm 2011 zusammen mit Cam Loeppky (Weakerthans, Imaginary Cities, Cannon Bros) ein erste EP ("Carbon") auf, 2012 standen Festivalauftritte und Tourneen, u.a. im Vorprogramm von Imaginary Cities, Rah Rah und Great Lake Swimmers, auf dem Programm, 2013 wurde die Band vom in Toronto beheimateten Aporia Records unter Vertrag genommen und begann mit den Arbeiten am Debütalbum, das im letzten August veröffentlicht wurde. "We Were Found In The Fog" entstand in Zusammenarbeit mit Loeppky sowie dem Produzenten Rusty Matyas (Imaginary Cities) und findet nun mit etwas Verzögerung nun auch den Weg nach Deutschland.  

Plädoyer:
Emotionaler Folkrock, der seine besten Momente hat, wenn sich zu Jean-Guys Stimme die von seiner Frau Lori gesellt. Am Besten nachzuhören in der tollen Handclap-Indiepop-Single "I See Love". Freunde von ruhigem Folk kommen bei "Reservation Girl" auf ihre Kosten, Richtung Americana geht es mit "Skyline" und rockigere Töne erklingen auf "FLS".  
Wenn für ein Mixtape noch feine Songs im Umfeld so unterschiedlicher Künstler wie Arcade Fire, Rah Rah, Wilco oder Dan Mangan gesucht werden, so kann man auf "We Were Found In The Fog" gut fündig werden.

Zeugen:
Glowing guitars, shimmering vocals and a slew of sparkling sonic accents that come together to form an incandescent experience that's both rousing and soothing all at once.
(CBC Radio 3)

So gesehen ist das Album der Kanadier in unseren Augen zweigeteilt. Sie steht auf der einen Seite durch hymnischen Stadionrock für brillante Festival-Momente. Wir können es uns beim Opener “Sharks” oder “I See Love” wunderbar vorstellen, wie sie mit diesem Sound größere Publikums-Mengen auf einem Festival verzaubern können. Kommt dazu eine spätsommerliche Stimmung hinzu, haben Federal Lights an dieser Stelle alles richtig gemacht.

Und dann sind dort noch Tracks wie der Titelsong des Albums oder der Titel “I Don`t Mind”, die eine Mischung aus sehr ruhigem Country und dann doch irgendwie Pop-Americana Einschlägen präsentieren. Die Songs leben vor allen Dingen – egal aus welcher Stimmung heraus sie entstanden sind – von den großen stimmungsvollen Momenten.

Das Werk wirkt gerade durch diese Zweiteilung sehr homogen und jeder Schritt innerhalb der Songs erscheint uns als Zuhörern logisch. Es vor allen Dingen eben gerade diese Mischung der Stimmungen, die das Werk so liebevoll, interessant werden lassen.
(soundkartell)

Indizien und Beweismittel:




Ortstermine:
04.09. Hamburg, Molotow Exil
06.09. Köln, Die Wohngemeinschaft
07.09. Lingen, Alter Schlachthof (mit Marcus Wiebusch)
08.09. Düsseldorf, Zakk Bar
10.09. Trier, VillaWuller
11.09. Wiesbaden, Schlachthof
12.09. Dresden, Scheune
14.09. Berlin, Ramones Museum
15.09. Hannover, Mephisto
16.09. Münster, Gleis 22

Urteile: 
Nun sind die werten Richter gefragt...


Freitag, 29. August 2014

King Creosote - From Scotland With Love
Dirk Freitag, 29. August 2014 0 Kommentare



















Die erste Vorladung (X)

Personalien:
Der schottische Singer/Songwriter Kenny Anderson nennt sich als Musiker King Creosote.

Tathergang: 
Kaum zu glauben, aber laut Wikipedia hat King Creosote seit 1995 bereits über 40 Platten (inklusive CD-Rs) veröffentlicht, hier aber noch nicht vor Gericht gestanden!
"From Scotland With Love" untermalt als Soundtrack den gleichnamigen Dokumentarfilm der Regisseurin Virginia Health, der nur aus Archivmaterial besteht. Die 11 Titel des Albums wurde von David McAulay und Paul Savage von The Delgados produziert. Als Gäste wirkten Louis Abbott und Kevin Brolly (Admiral Farlow), Pete Harvey und Kate Miguda (Meursault) und Emma Pollock (The Delgados) mit.

Plädoyer:
Das in meinen Augen bisher beste Folkpop-Album des Jahres trägt den Titel "Changing Places" und stammt von Prince Of Assyria. Selbstverständlich konnte der Prinz nur von einem waschechten König übertroffen werden! King Creosote lässt einen Kinderchor erklingen, das Orchester groß aufspielen und gibt dazu den Crooner oder trägt melancholische, kleine Folksongs auf bezaubernde, schlichte Art und Weise vor. Selten hat der Begriff "großes Kino" so gut gepasst wie hier! 
Freunden von Sufjan Stevens, The Delgados, Gorky's Zygotic Mynci und Belle & Sebastian dringend empfohlen.

Zeugen: 
The album opens with Something To Believe In. Let the Beatles comparisons roll in, with its heartbreaking chord change and trembling, gorgeous falsetto in the chorus. The next track, Cargill, sounds like Keane with more fierceness, and the ghost of The Cranberries lingers about. Miserable Strangers carries the brit-pop stylings of What’s The Story, Morning Glory?, with its pop-punk chord progression, xylophone and strings lending majestic flair while backing vocals lend said Oasis vibe. Originally named Fighting And Shafting, the gem For One Night Only breaks up the rest of the album’s decidedly mellow flavor with a much needed kick of adrenalin. Featuring fast percussion, driving guitars, and evoking Broken Social Scene’s song Of Stars And Sons (also used as backing for a cinematic night-on-the-town in the 2006 film Half Nelson), Anderson croons punk with ease.

Bluebell, Cocklebell, 123 begins with a choir of children singing dark material in the way old nursery rhymes are subject to be about. One Floor Down is best heard as an an old dance number, and Crystal 8s is a short instrumental in the songs. All the songs are very pretty, and Anderson’s voice is so sweet that it may struggle to sell harder, rougher emotions, but for a project laced with nostalgia and the gentle touch, this works to his advantage.

The one low point on the album is Yargs, a song more appropriate for a movie Bar Mitzvah than anything culturally specific to the Highlands. The flutes and windpipes are well done, a lovely electric guitar is plucked at the end, but the song could probably have worked better as an instrumental than with any vocals. As it is, it doesn’t quite gel. This isn’t so much the fault of the artist or the material, but because it sounds like polka, which supports the main criticism about polka: no matter how good the polka, it’s still polka.
(Music OMH)

The music-hall canter of ‘Largs’ mingles naturally with the stirringly delicate, string-assisted ‘Miserable Strangers’, both offering a reminder of just how remarkably expressive KC’s voice can be.

With lyrical viewpoints and musical references more diverse than ever, this set is his finest solo release to date.
(Clash Music)

Although the subject matter is small the music itself is widescreen; with lush production and a string section section featuring in many songs. This lends the music a textured aspect befitting its cinematic purpose, and marks a continuation of King Creosote's journey from dishevelled lo-fi troubadour towards a more polished entity.

For many artists this trajectory would be lamentable, yet it's good to hear Anderson's tracks given room to breathe. Some of the arrangements here are almost baroque, such as the majestic 'One Floor Down', one of many tracks on the album to recall Sufjan Stevens, another would be solipsistic songwriter who tackled grander themes in his music.

This project that plays perfectly to his strengths. Never has a life spent on the breadline in Scotland seemed so romantic. The heartbreak and toil inherent in Scottish history have been rendered beautifully by someone who obviously has a strong attachment to the country. This wouldn't work without a Scotsman at the helm. From Scotland with Love stands testimony to the increasing genius of Anderson and his craft.
(Droned In Sound)

Indizien und Beweismittel:





Urteile: 
Nun sind die werten Richter gefragt...

Donnerstag, 28. August 2014

Phillip Boa & The Voodooclub - Bleach House
Dirk Donnerstag, 28. August 2014 0 Kommentare



















Zur Veröffentlichung seines aktuellen Albums hat Phillip Boa  etwas über die Zukunft des Albums zu sagen...

In Zeiten, in denen immer mehr Manager bei Radio, TV und Plattenfirmen davon reden, dass das Format "Album/LP" veraltet bzw. überholt ist und ein Ende dieser Formate prophezeien und fordern.

Meine Meinung: Ein Album atmet eine Zeit, einen Raum, ist ein Dokument, ist die Summe vieler kleiner liebevoller Arbeitsschritte und Ideenaustausch vieler kreativer, andersdenkender Menschen, von Studios, Songschreibern, Musikern über Engineers, Producern, Designern, Fotografen bis hin zu Presswerken, Labels und Vertrieben, Geschäften. Alles Menschen, die Musik lieben. Die das nicht nur für Geld tun, sondern aus Idealismus. Nur noch kleine, unabhängige Vertriebe und Labels wissen noch diesen komplexen, einmaligen Prozess zu realisieren und zu schätzen. Ein Album ist die letzte Bastion der musikalisch Andersdenkenden, der letzten Zweifler, ein ästhetisches, komplexes, zeitloses, schillerndes Konstrukt."Bleach House" und seine liebevoll gestalteten Details sind ein Statement gegen eine Tendenz. (...)

"Bleach House" ist romantisch, laut und atmet komplex, in jeder Beziehung, total expressiv, elegant und naiv in seiner Summe, ähnlich wie diese Worte.

Ich LIEBE Alben; und ich liebe es, Alben zu machen, möchte, dass es mehr ist, als nur die Musik: Liebevoll verpackte Formate; hiermit mal ein Dankeschön an meine Fotografen und Designer Olaf und Jochen, danke auch schon mal an Cargo für die schwierige Realisation.

... und "Bleach House" praktischer Weise gleich in zahlreichen Versionen unter die wartenden Fans gebracht. Jedoch wird es Boas Anhänger mit der Qual der Wahl nicht gerade leicht gemacht, denn nur wer zu den schnellsten 200 gehörte, bekam seine Platte in pink farbenem Vinyl geliefert, der CD Digipack wartet hingegen noch mit 3 Bonus Tracks auf, die jedoch noch von 8 weiteren zusätzlichen Liedern und allerlei Extras in der schicken Limited Collector's Edition übertroffen werden.     

Musikalisch bietet "Bleach House" einen Querschnitt durch das Schaffen von Phillip Boa und seinem Voodooclub und legt dabei sein Hauptaugenmerk auf eine härtere und punk-rockige Gangart im Stile von "Primitive Man" (von "Hair", 1989). Auf der Haben-Seite können hier "The One Who Howls At The Moon", "Down With The Protocols" und "Icons Of Anarchy" verbucht werden, "Beatsey Youth" und "Snake Plissken" hätten sich eher als Bonus Tracks geeignet.

Der Opener "Kill The Future" und "Chronicles Of The Neartbroken", eines der Highlights, würden sich auch nahtlos auf "Aristocracie" (1986) und "Copperfield" (1988) einfügen. Die elektronischen Beats von der Single "Standing Blinded On The Rooftops" und "Baby Please Go Home" lassen an "Boaphenia"-Zeiten (1993) denken, der für Boas Refrains so typische weibliche Gesang stammt nicht mehr von Pia Lund, sondern wird von einer nicht näher vorgestellten Dame, die offenbar "Blade Runner"-Fan ist und sich den Namen Pris gegeben hat, übernommen. Große Unterschiede macht dies nicht, da sie ähnlich klingt und auf dem Titelstück so schön schräg singt wie Pia auf den ersten Alben. 

"Bleach House" wurde produziert von David Vella in den Temple Studios auf Malta, abgemischt von Dougal Lott (Ray Davies, Marina And The Diamonds, Bombay Bicycle Club) in den Londoner Konk Studios und gemastert von Fred Kevorkian (The White Stripes, The National) in den New Yorker Avatar Studios. 

Bereits der treibende Opener „Kill The Future“ lässt keinen Zweifel daran, dass man es mit einem BOA-Output zu tun hat. Die Gitarren zeigen sich aufgekratzt und auch die Rhythmusfraktion lässt sich nicht lumpen. In diesem Sinne schließt sich auch das bassbetonte „The One Who Howls At The Moon“ an, ehe der Titeltrack „Bleach House“ geheimnisvoll übernimmt. Schließlich entwickeln sich auch hier die typischen gemischtgeschlechtlichen Vocals, bevor „Standing Blinded On The Rooftops“ die musikalische Reise dezent unterkühlt fortsetzt. So kennen und lieben die Fans die Mucke des Wahl-Maltesers, der einmal mehr zu einer textlichen Erkundungsreise einlädt. Mit ebenso bandtypischen wie zeitlosen und tanzbaren Sounds empfängt „Baby Please Go Home“ den geneigten Hörer, während „Beatsey Youth“ vergleichsweise harte Klänge anschlägt, um dann mit „Are You The One From Heaven“ aber gleich was fürs Herz hinterherzuschicken. „Snake Plissken“ macht unterdessen wieder ordentlich Druck und „The Fear That Falls“ erinnert an verträumte Tage in den Eighties. Derweil serviert „Ueberblendung“ erneut Futter für den Dancefloor, bevor „Chronicles For The Heartbroken“ zärtlichen Gesang zu einem filigranen Arrangement mit dem minimalistischen Dialog von Langaxt und Schlagwerk verbindet. Zweifellos einer der Höhepunkte der Platte, die ihre Fortsetzung im knackigen „Down With The Protocols“ findet. Ein wenig American Punk findet währenddessen beim zornigen „Icons of Anarchy“ Verwendung, ehe die Bonus Tracks „6AM In A Capital“, „Capping“ und „Ancedonia“ Raum für Spielereien bieten.
(Terrorverlag)


Doch seiner Heimat bleibt Boa trotzdem treu, wenn er in „Beatsey Youth“ „we are from Dortmund and we are proud of it“ singt. Boa ist ein Spezialist für subtile Textzeilen mit fast Dali-Esken Anklängen, die in ihrer Poesie und Melancholie einem Morrisey in nichts nachstehen. Fast liebliche Melodien wie „Are You The One From Heaven“ werden trotzdem nicht kitschig, wenn Boa und seine weibliche Gesangspartnerin mit eingängigen Refrains darüber flirren. Schon der nächste Song „Snake Plissken“ (Titel des legendären John Carpenter Films „Die Klapperschlange” mit Kurt Russel) nimmt wieder ordentlich Fahrt auf, wenn Pillip Boa und Oli Klemm mit ihren treibenden Gitarren über den Song donnern.
So bleibt das Album stets abwechslungsreich. Von Punk über Alternative bis Romantik ist alles dabei.
(Fast Forward Magazine)

Phillip Boa & The Voodooclub auf Tour:

05.11.14 Marburg, Kulturladen KFZ
06.11.14 Mainz, KUZ
07.11.14 Magdeburg, Factory
08.11.14 Dresden, Alter Schachthof
13.11.14 Nürnberg, Hirsch
14.11.14 Karlsruhe, Substage
15.11.14 Köln, Essigfabrik
28.11.14 Bremen, Kulturzentrum Lagerhaus
29.11.14 Hamburg, Markthalle
04.12.14 Göttingen, Musa-Saal
05.12.14 Erfurt, Gewerkschaftshaus
06.12.14 Berlin, Huxleys Neue Welt
07.03.15 München, Strom

Mittwoch, 27. August 2014

Honig - It's Not A Hummingbird, It's Your Father's Ghost
Dirk Mittwoch, 27. August 2014 0 Kommentare



















Eigentlich ist der 07. Dezember der Tag des Honigs, denn dies ist der Gedenktag des heiligen Ambrosius, dem Schutzpatron der Städte Mailand und Bologna, der Krämer, Imker, Wachszieher und Lebkuchenbäcker, der Bienen, Haustiere und des Lernens. Die Attribute des heiligen Ambrosius sind Bienenkorb, Buch und Geißel.

Für einige von uns war aber bereits am letzten Freitag der Tag des Honigs, denn am 22. August erschien nach "Treehouse" (2009) und "Empty Orchestra" (2012) das dritte Album von Honig, zu denen mittlerweile neben Stefan Honig auch Martin Hannaford, Marcel Schmitz, Felix Hornung und Julia Kotowski (Entertainment For The Braindead) zählen. Die Heiligsprechung von Stefan Honig steht noch aus, dürfte nach "It's Not A Hummingbird, It's Your Father's Ghost" aber nicht mehr all zu lange auf sich warten lassen. Die Attribute von Stefan Honig sind die Gitalele (eine Kleinstgitarre in Ukulelengröße), komplexe, ausgefeilte Arrangements (Banjo, Glockenspiel, Flügelhorn, Cello, Geige, Harfe usw.) und introvertierter / extrovertierter Indiefolk zwischen Bon Iver ("Leave Me Now") / Mumford & Sons ("Golden Circle").   



Denn das Album ist ganz und gar nicht gewöhnlich. Schon das kurze und solo vorgetragene Albumintro "Leave me now" klingt nach großem Sehnsuchtsfolk. Nach internationaler Karriere. Nach bombastischem Sound für die große Bühne. Hier ist bereits alles drin, was Honig ausmacht: einprägsame Melodien, gefühlvoller Gesang, liebevoll ausgetüftelte Arrangements. Ein Versprechen, das auch die meisten der zehn folgenden Songs mühelos halten können. "Dear liar" mit seiner farbenfrohen Mandolinen-Hook setzt direkt die nächsten Nadelstiche. Das folgende "Lemon law" ist der verspielteste Song der ganzen Platte, ein Stop-and-Go-Ritt mit Chorgesang und raffinierten Akzentuierungen. Im Laufe der Platte setzt die Band Flügelhorn, Rhodes, Glockenspiel, Cello und Violine ein. Und warum sich Addi 800 (u.a. Björk und Sigur Rós), der für den Mix verantwortlich ist, in die Stimme des Sängers verliebt hat, wird besonders gut in den ruhigeren Stücken wie "Feathers" und "Overboard" nachvollziehbar, in denen Honig seine persönlichen Texte mal kneipenheiser, mal lammzahm vorträgt. Glaubwürdig ist das, kraft- und bedeutungsvoll. Trostspendend. Und grundsympathisch.

Nicht alle Stücke halten das ganz hohe Niveau. "Peaches" und "A boy" zum Beispiel sind zu unentschlossen und zu unausgereift, um als Glanzpunkte durchzugehen. Doch der positive Gesamteindruck überwiegt eindeutig. Hier läuft zwar nicht das beste deutsche Album des Jahres, aber allemal ein bemerkenswertes. Mit "Golden circle", einer eindringlich vorgetragenen Uptempo-Hymne auf die Kraft der Musik, ist sogar ein veritabler Hit vertreten, der sowohl Mumford-&-Sons-Anhänger als auch genrefremde Hörer überzeugen wird.
(plattentests)



Honig auf Tour:
30.09.2014 Jena, Café Wagner
01.10.2014 Leipzig, Werk 2
02.10.2014 Dresden, Beatpol
03.10.2014 Berlin, Privatclub
04.10.2014 Husum, Speicher
07.10.2014 Stuttgart, 1210
08.10.2014 Frankfurt, Ponyhof
09.10.2014 Nürnberg, Club Stereo
10.10.2014 Freiburg, Waldsee
11.10.2014 Konstanz, Kulturladen
12.10.2014 CH-Bern, Rössli Reitschule
14.10.2014 AUT-Wien, Chelsea
15.10.2014 München, Ampere
16.10.2014 Köln, Gebäude 9
17.10.2014 Essen, Zeche Carl
18.10.2014 Münster, Gleis 22
19.10.2014 Hamburg, Knust

Andrew Jackson Jihad - Christmas island






















Andrew Jackson Jihad ist eine Folk-Punk Band um Sean Bonnette und Ben Gallaty aus Phoenix, Arizona. Diese wurde vor zehn Jahren gegründet und mit “Christmas island” erschien kürzlich das fünfte Album der Band. Zwölf Titel mit unter 35 Minuten Spieldauer sagen etwas über die Schlagzahl der Platte aus. Bitterböse Texte, Songstrukturen und die Dauer der Songs sind die deutlichsten Punk-Verweise. Die über weite Strecken akustische Instrumentierung lässt im Kontrast dazu  häufig eine Folk-/ Americana-Atmosphäre entstehen. In der Schnittmenge ergibt das dann wohl Indierock. Die ruhigeren Passagen erinnern auch mal an Conor Oberst, während ein flotter Song wie “Deathlessness” auch von den Violent Femmes stammen könnte. Besonders wird Andrew Jackson Jihad aber eindeutig durch die hörenswerten Lyrics. 

Produziert wurde “Christmas island” von John Congleton, der nicht nur selbst bei The Paper Chase musikalisch aktiv war sondern dessen Liste der bisherigen Arbeiten mit Namen wie Shearwater, Swans, Modest Mouse, David Byrne, St. Vincent, John Grant, Jens Lekman u. v. a. m. beeindruckt.

Christmas Island shoots you down and makes loathing the same thing as self-loathing. But it’s also inspiring to listen to. That’s what happens when you kick ass while getting yours kicked.
Christmas Island is undoubtedly the slowest burner in AJJ's catalogue, seemingly lacking the fervent energy and raw musical creativity of the past. Given time, you'll find its strengths lie elsewhere and you'll be more than willing to change to accommodate them. Long time fans are going to lap this up while newcomers will likely be wondering where this band has been all their lives.
Meine Favoriten auf “Christmas island” sind “Do, Re and me”, “Coffin dance”, “Getting naked, playing with guns”, “I wanna rock out in my dreams” und “Deathlessness”. 

Das Video zu “Temple grandin too”:



Andrew Jackson Jihad Tour:
  • 09.10. Münster
  • 14.10. Berlin
  • 16.10. Stuttgart
  • 19.10. Freiburg
  • 20.10. Köln

Dienstag, 26. August 2014

Dry The River - Alarms in the heart
Ingo Dienstag, 26. August 2014 0 Kommentare























Da schrillten bei mir ein paar Alarmglocken, als ich von einem neuen Dry The River hörte. Denn der Song “New ceremony” Debüts “Shallow bed” aus dem Jahr 2012 klang mir noch in den Ohren. Schon der Opener und zugleich Titeltrack des Nachfolgers sowie das rockige “Hidden hand” machen klar, dass der Fluss der Melodien und Harmonien der Londoner Band in den letzten zwei Jahren nicht ausgetrocknet ist, auch wenn sich die Aufnahmen anscheinend nicht einfach gestalteten. Mit stellenweisen markanten Gitarren und kaum enden wollenden Refrains und Harmonien begeistert mich Dry The River erneut. Der dritte Song “Roman candle” beginnt etwas träge aber spätestens als The Delgados’ Emma Pollock in den Gesang miteinstimmt schwingt sich auch dieser Titel zu einem Favoriten auf. Verwöhnt durch das Wohlgefühl der meisten der Songs gelingt es trotzdem noch “Gethesemane” und “Everlasting love” noch herauszustechen. 

Wurde das erste Album von Peter Katis (u. a. auch The National, Interpol, The Twilight Sad, Jónsi und Fanfarlo) produziert kamen nun gleich mehrere Männer zum Zuge: Charlie Hugall (Florence and The Machine, Ed Sheeran, Kaiser Chiefs), Paul Savage (The Twilight Sad, Arab Strap, Mogwai, Franz Ferdinand) und Peter Miles. Bei den Streicherarrangements durfte sich Valgeir Sigurðsson (Sigur Rós, Björk, Moddi) einbringen. 

Im Vergleich zu “Shallow bed” kommt dem Rock-Anteil gegenüber Folk mehr Bedeutung zu. Einige balladeske Ruhephasen sorgen für Ausgleich. Die aktuellen Titel wirken einen Tick bestimmter und direkter als die des Debüts. Freunde britischer Melodieverliebtheit dürften an “Alarms in the heart” Freude finden.

Cherwell.org:
The whole album nudges Dry The River slightly closer to a more conventional indie rock sound, where some might have hoped that they would take the opportunity to explore some of their more interesting aspects – the harmonizing beauty of a song like ‘Shaker Hymns’ had so much space in which to expand, and yet Alarms In The Heart seems like more of a constriction.

That said, it is still a solid album with some very good songs, and Liddle’s songwriting remains excellent.

Da ich kein in Deutschland mühelos abspielbares aktuelles Video finden konnte gibt es noch einmal “New ceremony”:

Montag, 25. August 2014

Gemma Ray - Milk For Your Motors
Dirk Montag, 25. August 2014 0 Kommentare



















Die guten Nachricht zuerst: Auf "Milk For Your Motors" wird wieder gesungen! Nach dem (größtenteils) instrumentalen "Down Baby Down" ist auf Gemma Rays sechsten Album wieder ihre Stimme zu hören. Wäre ja auch zu schade gewesen...

Auf 13 Songs in einer knappen Dreiviertelstunde wandert Gemma Ray zusammen mit einigen illustren Gästen - das deutsche Filmorchester Babelsberg, Alan Vega (Suicide), Toby Dammit (Iggy Pop), Deke Leonard (The Man Band), Howe Gelb (Giant Sand) und Fiona Brice (John Grant, Placebo) - durch cineastischen Retro-Pop, der mit Spuren von Blues, Soul und Rock'n'Roll behaftet ist und auch schon vor fünf oder sechs Jahrzehnten durchs Radio hätten wehen oder in einem Film von David Lynch Verwendung hätte finden können.

Albumhighlights sind die äußerst eingängigen "Shake Baby Shake" und "Buckle Up" sowie das düstere "Desoto". Nicht zu vergessen "Motorbike", das neben einer Fuzz-Gitarre und einer bedrohlich pluckernden Drum-Machine auch noch den Gastauftritt von Alan Vega zu bieten hat, und das Soundtrack-artige und von Streichern getragene "Rubbing Out Your Name".   




Wir würden nun zu den schlechten Nachrichten kommen - wenn es denn welche gäbe. Denn "Milk For Your Motors" ist das bisher stärkste Album von Gemma Ray!

Das geht bereits beim Opener, dem bluesigen Pop-Walzer „The Wheel“, los und setzt sich nahtlos bei Stücken wie „Shake Baby Shake“ und „The Right Thing Did Me Wrong“ fort. Gemma Ray beweist auch diesmal wieder ein glückliches Händchen, wenn es darum geht, wunderbar dramatische Popsongs zu kreieren, die immer auch eine gewisse mystische und dezent undurchdringliche Aura umgibt.

Sie hat, unter anderem bei Lee Hazlewood, genau studiert, wie die „dunkle“ Seite des Pop funktioniert. Entsprechend süchtig machen Nummern wie „Buckle Up“ oder das in einen angemessenen Retrosound gekleidete „When I Kissed You“, eine wunderbar bittersüße Ode an die ewige Liebe.

Gemma Ray landet soundtechnisch mit Milk For Your Motors ziemlich genau zwischen Down Baby Down und ihrem 2012 veröffentlichten Album Island Fire. Keine schlechte Ausgangsposition, um von dort aus ein paar kleine Ausflüge in Richtung Country („Waving At Mirrors“) oder gepflegter Melancholie („Desoto“) zu unternehmen.
(Musikexpress)


Thematically, all the songs on Milk And Motors would seem to either depict the commencement of relationships or their conclusion, while on occasion almost acting as the vessels of premonition for future events, such is the strength of Rays’ songwriting. The album starts with a the hard, mean, rock breaking blues ‘The Wheel’, which perhaps depicts the trials and tribulations required keep a relationship on course, while acknowledging that one day it will, for whatever reason, eventually end. The relentless grind of the main riff gives way to a beautiful piano interlude that brings some light into this foreboding blues. The mood lightens for the next three Ray compositions – the sexual, self proclaimed ‘volcano pop’ that is ‘Shake Baby Shake’, the jaunty Shadow Morton style bubblegum pop of ‘Buckle Up’ and the 50s guitar flavoured romantic reminiscences of ‘When I Kissed You’.

The highly propulsive ‘The Right Thing Did Me Wrong’ blends the exotic sounds of Les Baxter with 60s popular song, providing a glamorous backdrop for Ray’s cheerful lament. Side One of the album (yes, Milk For Your Motors is thankfully available as a vinyl LP) concludes with a heartfelt but hushed celebration of domesticity, featuring some gorgeous guitar work from Ray.

Side Two of Milk For Your Motors is an altogether darker affair, arguably the darkest songs Ray has yet recorded. ‘Desoto’ is a stunning essay of despondency, underpinned by Ray’s twanging guitar steadily building to an ominous piano outro. Wry black humour dominates Ray’s ‘Waving At Mirrors’, a sick tale of a fatal accident that could be read as a fabulous putdown of our narcissism-possessed society, which musically carries faint echoes of soulful gospel.

The tense and theatrical ‘Motorbike’ takes the Shangri-Las’ ‘The Leader Of The Pack’ on a trip to hell, with a vital cameo from Suicide’s front man, Alan Vega. The result is the best song Alan Vega and Martin Rev never wrote; the faultless intermingling of doomed girl group romantic pop and avant-garde ‘punk’. As with many of the other songs on Milk For Your Motors, the sweet fragility of Ray’s emotional vocal delivery compliments perfectly the hard-edged material she has written. And when Vega lets rip with a ‘Frankie Teardrop’-style scream a minute before the end of the song, an Evil Knievel lift-off is achieved.

‘Out In The Rain’ is a powerful ballad of rejection that would not have been out of place in The Doors songbook, while ‘Rubbing Out Your Name’ swells with sadness buttressed by a beautiful John Barry–style string arrangement. The record closes with a return to the light, with the redemptive strains of the joyful Velvets inflected ‘Old Love’.
(Louder Than War)



Gemma Ray in Deutschland:

19.09.14 Magdeburg, Volksbad Buckau
08.10.14 Berlin, C-Club
09.10.14 Wetzlar, Franzis
11.10.14 Stuttgart, 1210
13.10.14 München, Milla
14.10.14 Hannover, Lux

Sonntag, 24. August 2014

The New Pornographers - Brill Bruisers
Dirk Sonntag, 24. August 2014 0 Kommentare




















So klingt es also, wenn The New Pornographers, das kanadische Indierock-Kollektiv um A.C. Newman, Dan Bejar und Neko Case, ein schillerndes Partypop-Album abliefern! Der "Brill Bruisers"-Schriftzug auf dem Plattencover leuchtet eben so bunt wie das Album, über das Newman, aus dessen Feder 10 der 13 Songs stammen, sagt: 
"a celebration record... After periods of difficulty, I am at a place where nothing in my life is dragging me down and the music reflects that."

Es gibt herrlichen Girl/Boy-Gesang ("Fantasy Fools"), eingängige Refrains ("War On The East Coast"), verschachtelten Harmoniegesang ("Brill Bruisers"), prägnanten Power-Pop ohne ruppige Ecken und knarzende Kanten ("Born With A Sound"), dafür mit viel Synthie-Geplugger wie Grandaddy vor vielen ("Marching Orders") und Stars in den letzten Jahren ("Wide Eyes", "Champions Of Red Wine") und daher leider auch den ein oder anderen seichten Leerlauf wie "Backstairs" oder "Hi-Rise".



Auf BRILL BRUISERS tritt die Band um die Songwriter Neko Case, Carl Newman und Dan Bejar (alias Destroyer) sofort mit dem Titelstück den Beweis an: Da werfen sie sich mit vollem Elan in Form von hymnisch unterlegten „Bo-ba-bababa-bo“-Gesängen ins Getümmel, dass man sich fragt, was für Aufputschmittel hier wohl im Spiel waren.

„War On The East Coast“, aus Bejars Feder, jagt los wie ein Windhund, die „Marching Orders“, von denen Neko Case singt, kommen als Hommage an den Vierviertel-Takt daher, und in „Born With A Sound“ reflektieren Bejar und Case im Duett hübsch darüber, wie das ist mit der Musik im Kopf und dem Songwriting. Live dürften die erfrischend überkandidelten Stücke sicher ein rechter Spaß werden.
(Musikexpress)


Most importantly, Brill Bruisers is very good, informed by the baroque-pop ornamentation of Together, but with a return to the concision, melodicism and dynamism of the band’s first three records. It opens with the title track, which pretty much sets the record’s stall out – it’s sunny, it’s snappy, Newman’s voice is cradled in ornate “baba-ba-ba” backing vocals from the ladies, there’s a cool middle-eight, there’s that curious Pornos frisson of passionate delivery meeting lyrics that are basically incompressible (something that seems to work better for the band when a song has a bit more pizzazz to it).

Perhaps because of the restlessly shifting complexity of the vocal arrangements and short track lengths, there’s a certain flow to the album – a pleasing homogeneity even – that means it can be hard to even credit the fact there are 13 songs on there. The feel approaches that one continuous movement, or lots of little ones, a bubble bath of lustrous sound. That’s not to say moments don’t stand out: ‘Dancefloor Domine’ is twee pop of the most ruthlessly catchy order, ‘Backstairs’s eerie “there is another west” chorus is a grade-A ear worm, ‘Champions of Red Wine’ proffers Challengers -style introspection without the clunky naval gazing. But it’s much harder to spot the joins now. Where before Bejar kind of sounded like the mad scientist who’d crashed everyone else’s party, now his songs now comes liberally doused in Calder, and are in any case as close to Newman’s sensibilities as he’s ever likely to get – the fuzz bomb pop of ‘War on the East Coast’ is probably the most tuneful thing he’ll ever do without an actual voice transplant, while the excellent ‘Born with a Sound’ segues seamlessly from Caulder’s lovely ‘Another Drug Deal of the Heart’.

At the risk of banging on about it, Brill Bruisers – like most albums – isn’t as good as Mass Romantic. But its qualities are manifold, and it is a delight to note that after some 15 years together, the New Pornographers seems to have stopped being a supergroup and turned into a band.
(Drowned In Sound)  

The New Pornographers in Deutschland:

05.12.14 Köln, Gebäude 9



Samstag, 23. August 2014

Elektrik Würms - Musik, die schwer zu twerk
Ingo Samstag, 23. August 2014 1 Kommentare






















Sind Euch die Flamings Lips zu eingefahren, zu langweilig und zu konventionell? Dann greift zu “Musik, die schwer zu twerk”, der EP der Elektrik Würms. Vermutlich verdankt das Album seinen Titel zu einem guten Anteil Miley Cyrus. Wer hätte gedacht, dass man den Namen der jungen Dame und “verdanken” mal in einem Satz gebrauchen kann. 

Die Elektrik Würms sind ein Projekt der beiden Flaming Lips-Musiker Wayne Coyne und Steven Drozd. Unterstützung fanden sie in Nashville in Form der Band Linear Downfall. Deren psychedelischer Rock sowie Prog-Rock, Electro und ein massiver Experimental Anteil bilden die Eckpfeiler dieser wilden musikalischen Wundertüte. 

Die erste (und vermutlich einzige) Single des Albums ist mit dem Yes-Cover “Heart of the sunrise” auch gleich der konventionellste Track des Albums. Angetan bin ich von der treibenden und spannenden Stimmung des Songs “Living” und von “Transform!!!”.

Allmusic.com:
Electric Würms are a band with the creative enthusiasm of bold young upstarts and the kind of practiced restraint that comes with decades of experience, a mix that helps the band separate itself, even if just a little bit, from the Flaming Lips. This allows Musik, Die Schwer Zu Twerk to be an album that caters to the sensibilities of the Lips'-voracious fan base without doing so exclusively, providing an entryway for old-school prog lovers to check out how weird the guys from that little band that did that jelly song have gotten over the last couple of decades.

“Musik, die schwer zu twerk” ist ein Trip und eine willkommene Abwechslung für alle, die neben Post-Rock nach weiteren Ausbrüchen aus vorhersehbaren Indierock-Mustern suchen. 

Das Video zum Opener “I could only see clouds”:


Im Herbst wird mit “With a little help from my fwends” ein Flaming Lips Album mit Cover-Versionen von Beatles-Songs erscheinen. Und da darf dann auch tatsächlich Miley Cyrus mitsingen und die Elektrik Würms interpretieren den Titel “Fixing a hole”:

Ich bin gespannt, wie die Beiträge von Maynard James Keenan, J Mascis, Moby, Phantogram und MGMT klingen werden.

Freitag, 22. August 2014

Highasakite - Silent Treatment
Dirk Freitag, 22. August 2014 0 Kommentare





















Die erste Vorladung (IX)

Personalien:
Die Strickware auf dem Plattencover lässt es schon vermuten: Highasakite  kommen aus Norwegen. Das Quintett besteht aus Ingrid Helene Håvik (Gesang, Zither, Steeldrum), Trond Bersu (Schlagzeug), Øystein Skar (Synthesizer), Marte Eberson (Synthesizer) und Kristoffer Lo (Gitarre, Basstrompete).

Tathergang:
Ein Treffen von Ingrid Helene Håvik und Trond Bersu im Trondheim Jazz Conservatory legte den Grundstein für Highasakite. 2012 veröffentlichte die Band mit "All That Floats Will Rain" ihr Debütalbum, das bis auf Platz 16 der norwegischen Charts kletterte. 
Letztes Jahr erschien mit "Since Last Wednesday" eine erste Auskopplung aus ihrem zweiten Album "Silent Treatment", das von Kåre Chr. Vestrheim produziert wurde, in Norwegen die Spitzenposition der Charts erreichte und nun auch international veröffentlicht wird.

Plädoyer:
Von Jazz ist trotz der Wurzeln der Band nichts zu hören. Stattdessen gibt es frischen bis vertrackten, von Synthie-Klängen dominierten Indiepop zwischen Little Dragon, Björk, The Knife, The Sundays und Cocteau Twins. Der Gesang von Sängerin Ingrid Helene Håvik ist äußerst prägnant und bisweilen ziemlich exaltiert, nur die Steeldrum (besonders ausgeprägt ausgerechnet in einem Song namens "Darth Vader" zu hören) sollte ihr jemand einfach wegnehmen. "Silent Treatment" würde auch ohne die Tribal Percussions gut funktionieren, wie es das folkige "My Only Crime" beweist. "Iran" klingt wie eine seltsame Mischung aus Weltmusik und Pop, ungefähr als träfen Emmelie de Forest, die dänsche ESC-Siegerin aus dem letzten Jahr, auf Le Mystere de Voix Bulgares (Das Geheimnis der bulgarischen Stimmen) und vor den Aufnahmen von "The Man On The Ferry" wurde wohl zu oft Enyas "Orinoco Flow" gehört.    
Wesentlich besser sie die Highlights des Albums, also "Hiroshima", "Lover, Where Do You Live?", "I, The Hand Granade" und die Single "Since Last Wednesday".

Zeugen:
“The night has a thousand eyes”, Ingrid Helene Håvik intones on ‘Since Last Wednesday’, and that images captures a lot of what Highasakite are about. There is a rippling mystery to their best stuff, a bleak and nameless grandeur that draws you in. Their palette of drums, synths, guitars and orchestral flourishes allows for great variation and sweeping crescendos, either supporting Håvik or completely overpowering her, as the situation dictates. When it comes together, it completely justifies their decision to incorporate the supremely daggy flugelhorn – sorry, flugabone, whatever the hell that is.

Håvik follows in the grand tradition of impressively verbose Scandinavians such as Howlin’ Pelle Almquivst, Nina Persson, and uh, the guy from Bomfunk MCs. Like her forebears, though, she undercuts herself with the occasional howler, which while completely understandable from a non-native speaker, tends to break the carefully-woven spell: ‘I, A Hand Grenade’, for instance, goes where you’d expect it to (weapons, terrorists, etc) and then, lamentably, a bit further still. ‘Darth Vader’, on the other hand, is an extended run of metaphors involving Darth Vader, St George, killer bees, and no logic whatsoever. Ok, so it’s pretty endearing in a Norwegian accent, but still. The song itself shoots for a busy, percussive energy, but the band can’t seem to drag the energy out of themselves to do the song justice.

It’s back in a slower, more stately mode that they hit their straps: luckily, that’s where they stay for most of Silent Treatment.
(faster louder)

The notion of awkward turns of phrase is minor though, as tracks like the standout 'Since Last Wednesday' are rapturous highlights. It's as if Pintandwefall were covering Bloc Party's 'I Still Remember' - it's got that rugged Norse accent beaming through urban metro-sprawl, replete with uplifting, twinkling guitars and anthemic hooks. It's desperately traumatic - "He would never buy a weapon and bring it to our home, no/ he would never be foolish and lie about it now/ but no one has seen or heard from him since last Wednesday." Amongst the reluctant despair, the stoic denial, Håvik insinuates a dread, a dire, ghastly alarm. In her standard way, it's cryptic, but there's interpretations of suicide and/or criminal activity to be gleaned. Regardless of the meaning, it's a booming triumph of a track.

We've been waiting a long time for Highasakite's full-length. It would be easy for a record baggaged with so many expectations to falter and flail in it's own try-hardedness, but the band avoid that. There's an occasional human misstep reminding us that these aren't robots churning pristine pop, and that they can concoct foibles, but there's no reason we can't just sweep those issues under the rug. It's easy to overlook any small faults, as the rest of the record is so damn glorious - from the energising barrage of 'I, The Hand Grenade' to the gutsy emotive pill that is 'My Only Crime', Silent Treatment is an onslaught of charm and lose-yourself wilderpop. Pack some sarnies, thermal socks and a flagon of soup, and go for a hike in their illustrious world - just remember to let people know where you've gone... you might be there a while.
(The 405)

Indizien und Beweismittel:





Ortstermine:
01.09.14 Hamburg, Prinzenbar
02.09.14 Köln, Studio 672
03.09.14 München, Ampere
04.09.14 Dresden, Beatpol
05.09.14 Berlin, First We Take Berlin
07.09.14 Berlin, Berlin Festival

Urteile: 
Nun sind die werten Richter gefragt...


Donnerstag, 21. August 2014

The Ramona Flowers - Dismantle And Rebuild
Dirk Donnerstag, 21. August 2014 0 Kommentare




















Die erste Vorladung (VIII)

Personalien:
Hinter der in Bristol residierenden Band The Ramona Flowers stecken Steve Bird (Gesang), Sam James (Gitarre), Wayne Jones (Bass), Dave Betts (Keyboards, Gitarre) und Ed Gallmore (Schlagzeug). 

Tathergang:
Die Band benannte sich nach einem Charakter aus dem Film "Scott Pilgrim vs The World" und nahm ihr Debütalbum unter Anleitung von Andy Barlow von Lamb  in den Distillery Studios in Bath auf. Dem Album, das den selben Titel trägt wie die erste EP aus dem Jahre 2012, gingen zudem die Singles "Brighter", "Lust And Lies" und "Tokyo" voraus, mittlerweile wurde auch "Vultures" ausgekoppelt.

Plädoyer:
The Ramona Flowers spielen Indierock mit elektronischen Hilfsmitteln, so dass sie sich in eine Reihe mit Bastille, The Killers, Hard-Fi oder, wer die Band noch kennt, Mansun stellen dürfen. 
Hinzu kommt mit Steve Bird ein Sänger, der über das Pathos von Bono, das Falsett von Thom Yorke und das - nennen wir es - "Geschmeidige" von Brandon Flowers verfügt. 
Das jazzige "So Many Colours" muss leider unter Totalausfall verbucht werden.

Zeugen:
Yet, while they play the type of made-for-arenas rock-electronica that Muse and Radiohead have made careers out of (the stadium-sized, prickly guitars of opener 'Tokyo' recall the former; singer Steve Bird's delicate falsetto on the title-track tries for the latter), there's something a little too ‘phone advert’ about it all to properly excite. The Bristol group recently toured with Bastille and it's these sanitised "indie" peers (Imagine Dragons, The 1975 et al) that 'Dismantle And Rebuild' sits most comfortably alongside. They'll probably be massive, then.
(NME)

Album opener Tokyo recalls ’90s outfit Mansun; a distorted electronic intro sounding like a malfunctioning hoverbike from Star Wars lurches into earshot before a stop/start electronica based effort furnished with atmospheric guitar strokes create a captivating effort bearing dark undertones. Another single Brighter follows, a cut that features a simple yet effectively soaring chorus that heads off to arena filling stadium rock; all very uplifting stuff.

The title track changes direction, a dubstep like beat and unusual percussion form the verses whilst a reverberating chorus aims for the skies before guitar touches and more varied electronica contributions see the track to its conclusion. The subtly gorgeous Lust And Lies features falsetto vocals amongst upbeat guitar strums with another ridiculously simple chorus of “how right you are” defying its own simplicity alongside warm chord progression to provide a moment of sheer beauty.

World Won’t Wait is another stop/start cut featuring strings and a powerful, emotion charged chorus. Modern World’s slow twanging bass line and high pitched vocals create a pleasant exterior as a sweetly sung chorus then helps mask a darker underbelly of intrigue as Bird’s complaints of “I can’t make sense” hint at mental instability. Skeleton Key lurches along before synths take over alongside a swooning chorus although a questionable chord change sounds misplaced.

Latest single Vultures opens to an unaccompanied stuttering guitar line before another Mansun like track emerges, its synth backed chorus aiming for anthem like status amongst loud/quiet interchanges. The album then becomes a little muddled; firstly, Friend Of The Madness switches between string synths and bouncy guitar pluckings to a repeated message of “shiver and shake, foundations break”.

The jazz inflected So Many Colours is different again, ultimately failing to go anywhere during its confused structure and is rather awful in comparison to the rest of the album. Like A Feather (featuring Lou Rhodes) changes direction again, its subtle beauty probably better placed in a different collection as the album closes to a sound that could be a completely different band.
(Music OMH)

Indizien und Beweismittel:







Ortstermine:
28.11.14 Köln, Gebäude 9
29.11.14 Hamburg, Mojo
30.11.14 Berlin, Heimathafen
13.12.14 Leipzig, Tauchenthal
14.12.14 Darmstadt, Centralstation

Urteile: 
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Mittwoch, 20. August 2014

Circulatory System - Mosaics Within Mosaics
Dirk Mittwoch, 20. August 2014 0 Kommentare




















Die erste Vorladung (VII)

Personalien:
Hinter Circulatory System steckt ein Musikerkollektiv rund um den Songwriter und bildenden Künstler Will Cullen Hart.

Tathergang:
Hurt ist Mitbegründer von The Elephant 6 Recording Company, die seit 1991 zahlreiche Bands wie The Apples In Stereo, The Olivia Tremor Control, Neutral Milk Hotel oder Beulah versammeln, die alle ihre Liebe zum 60er Jahre Psychedelic Pop eint.
Nach dem zwischenzeitlichen Aus für The Olivia Tremor Control gründete Will Cullen Hurt mit einigen ehemaligen Mitstreitern das Ensemble Circulatory System, das seit 2001 drei Alben veröffentlicht hat. Das Doppelalbum "Mosaics Within Mosaics" erschien bei Cloud Recordings, läuft insgesamt eine Stunde und versammelt 31 Songs bzw. Songfragmente und Zwischenspiele.
Diese beruhen auf Aufnahmen, die Hurt im Verlauf der letzten 12 Jahre getätigt hat. Unterstützt wurde er auf "Mosaics Within Mosaics" von Derek Almstead (Faster Circuits), John Fernandes (The Olivia Tremor Control, Dream Boat, Jacob Morris, The New Sound of Numbers, Old Smokey), Heather McIntosh (The Instruments), AJ Griffin (Laminated Cat), Peter Erchick (The Olivia Tremor Control, Pipes You See, Pipes You Don't) und Jeff Mangum & Jeremy Barnes (Neutral Milk Hotel).    

Plädoyer:
Soundschnipsel, Field Recordings, Klangexperimente und zwischendurch immer wieder eine Psychedelic-Pop-Perle, wie aus dem Nachlass von The Beatles oder The Beach Boys. Ähnlich wie bei "Black Foliage: Animation Music Volume One" (1999, 27 Titel) von The Olivia Tremor Control gibt es hier immer wiederkehrende Bausteine, diesmal Mosaike in 8 Teilen ("Mosaic #1" dauert 4:24 Minuten, "Mosaic #6" nur 37 Sekunden), die dem versponnen, vielschichtigen Album jedoch auch keine Struktur geben können. 
Was wäre das für ein Album, wenn jemand Hurt bei der Hand nehmen, zehn Songs (zum Beispiel "If You Think About It Now", "The Reasons Before You Knew", "Conclusions" oder "Open Up Your Lives") aus diesem Sammelsurium auswählen und diese über die Ein- oder Zwei-Minuten-Marke hinaus ausdehnen würde!?  

Zeugen:
The key to Mosaics Within Mosaics, however, is that wherever the rough edge of one suite of enjoined, warping miniatures might end, another fits directly into it, an interlocking cosmos of mosaic orbs. Sure, within each ellipse, a wobbly picture emerges. “If You Think About It Now” rings with classic “White Album” psych pop via pastel-painted Fiery Furnaces ease, vocals smeared and soft, the sonic field deep and mutable. The watery beach swoon and acoustic push of “Tiny Planes on Canvas” organically transitions into into “Mosaic #2″, an organic-electric symphony piece coming from some retro-sci-fi music box.

Even when pieces twitch out of their pretty framework (the sleepy “When You’re Small” skronks out of existence after a brief two minutes), these blips blend their way back into the mix almost immediately. The epic “Stars and Molecules” does all that in one track, moving from radiation-burnt radio signals to lush harmonies, then surfy sway, then balmy, bongo-driven guitar chopping, all before bursting back out into space. “If you’re waiting on some other world, it won’t be too long,” Hart lilts through a fog, bringing the journey into focus.

Many times when reaching out to grab onto a particularly appealing melody or sound, it’ll flit away like a puff of cotton caught on a strong wind — the 52-second “Puffs of Cotton” enforces that quite nicely. The fact that Hart pieced together the album’s 31 tracks and hour runtime from recordings made over the past 12 years, featuring contributions from a wide range of pals including Jeff Mangum and Jeremy Barnes of Neutral Milk Hotel, is both telling and bewildering, a true testament to his vision.

His ability to fuse these too-brief passages makes their too-brief nature that much more beautiful, the brevity of each moment that much more palpable. “There’s just so much love/ There’s just so much hate/ There’s just so much mixed-up conclusions,” Hart croons on highlight “Conclusions”. “We better ask ourselves just what went wrong or right.” Mosaics Within Mosaics, much like life, will float past you in a complicated, blur, but there are so many important, beautiful moments to learn from when you let them, rather than trying to pin them down.
(Consequence Of Sound)

Opener "Physical Mirage/Visible Magic" finds a wobbly-voiced Hart shakily declaring this a "perfectly normal day", and by the time the utterly gorgeous closer "Elastic Empire Coronation" rolls around, he's in full voice, joined by his friends in a kind of declaration of weirdo solidarity: "If you don't believe us, we can slip on by." There are plenty of wonky, wriggling psych-pop tunes to be found amidst Mosaics' endless refractions: spiny and somewhat somber "Bakery Spires" is an ear-pricker of the highest order, as is "Night Falls", a kind of a doo-wop song sung from a vibrating hotel bed. But there's no "Yesterday's World" here, no head-and-shoulders highlight to be had, which gives Mosaics its feel of constant transformation. It's not a record about individual moments; it's about how those moments play off of each other, balance each other out, continue to delight and disorient. With some big pop blowout to look forward to, each listen feels different, the order seemingly shuffled and the arrangements reconfigured. It's possible to  listen to Mosaics 100 times and never quite hear the same record twice.
(Pitchfork)

Indizien und Beweismittel:



Urteile: 
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Dienstag, 19. August 2014

The Forest & The Trees - Missions
Dirk Dienstag, 19. August 2014 0 Kommentare




















Die erste Vorladung (VI)

Personalien:
Das Ehepaar Linnea und Joel Edin kommt aus Stockholm und veröffentlicht Platten unter dem Bandnamen The Forest & The Trees.

Tathergang:
Nachdem sie zuvor bereits bei Tupelo Honeys, der Band von Joel, zusammen gespielt hatten, gründeten sie 2008 The Forest & The Trees und veröffentlichten zwei Jahre später das selbstbetitelte Debütalbum.
Nachdem Linnea ihren Job und Joel die Lust am Studieren verloren hatten, gingen sie für vier Monate vom düsteren Schweden ins sonnige Valencia, um dort Inspirationen zu sammeln. Das Ergebnis trägt den Titel "Missions" und wurde von Johannes Berglund (The Radio Dept., The Knife, Shout Out Louds, I Break Horses) abgemischt. 

Plädoyer:
Positiver, charmanter und luftig-leichter Indiepop, wie er für so viele schwedische Bands, auch ohne vorherigen Spanienaufenthalt, typisch ist. Freunde der Musik von Club 8, Shout Out Louds, The Radio Dept. und The Cardigans könnten Linnea und Joel Edin auf ihrer Mission, die mit 9 Titeln in 35 Minuten ein wenig kurz geraten ist, folgen wollen. 
Eigentlich wären The Forest & The Trees bei Labrador Records in guten Händen.   

Zeugen:
It’s smart, it’s dense, it’s gleeful without edging into the cheesy, and mostly it’s just damn beautiful. It’ll leave you crushed or empowered, longing for a cinematic summer’s romance; while at its core, Missions reminds us of the power that pop music yields to delve into our deepest emotions, wrench at our tear ducts and, hell, even get us dancing. So much for the dreaded ‘sophomore slump’.
(London in Stereo)

The sound of Spain and its influence on the Edins is stark from the opening three tracks here; the skin and bones of The Forest & the Trees has grown some muscle and some optimism under the Valencia sun and it's transformed the carefree and winsome nature of the duo's music into something more focused. 'You're In My Skin' (the only song actually written in Spain) glows hot through Balearic-tinged beats and a driving sugary rush that's reminiscent of many indie-pop acts from the '80s (plus plenty from the Captured Tracks label at the minute) but there's a distinct Cocteau Twins flavour to the song that's a pleasing development. 'Putting Down the Gun' puts you in mind of fellow Swedes The Radio Dept. so it's no surprise to learn that Johannes Berglund is behind the production, expert as he is at crafting pop music with a sharp edge. The aforementioned 'Missions' finds the Edins trading lines and harmonies as they support each other in their choice to move away from Sweden: it's a song as much about growing up and losing that innocence behind snap decisions as it is about regaining it through taking (reasoned) chances.

The version of The Forest & The Trees we found on the first record is never completely forgotten, and can be heard on the baroque, string-laden swoon of 'The Song That Breaks My Heart' and the fragile, frosty folk pop of 'Flesh & Bone'...but the duo could write this sort of stuff in their sleep, so it's more interesting to hear something like 'What We Lost', a song that you could imagine beginning as an acoustic strum in the studio but is transformed by treated drums and a shivering electric guitar line into a storming indie anthem that really does point the way ahead for The Forest & The Trees.
(The 405)

Indizien und Beweismittel:



Urteile: 
Nun sind die werten Richter gefragt...


Montag, 18. August 2014

Spoon - They want my soul
Ingo Montag, 18. August 2014 0 Kommentare






















Von manchen Menschen wird die texanische Band Spoon seit Jahren als die Rettung und Zukunft des Indierock gefeiert. Während die Mitte der 90er Jahre noch recht indierockig begann, weichten die Herren aus Austin die Grenzen zu anderen Genres auf. Da schmeicheln inzwischen Soul und Pop, während Erdigkeit durch etwas Bluesrock simuliert und mit allerlei Effektgeräten höchste Radiokompatibilität sichergestellt wird. Mit den beiden routinierte Produzenten Joe Chiccarelli (Jason Mraz, Alanis Morrissette, The Strokes, The White Stripes, The Shins) und Dave Fridmann (Mercury Rev, The Flaming Lips, MGMG, Tame Impala, Ok Go) geht die Band kein Risiko ein. 

Bereits mit “Ga ga ga ga ga” im Jahr 2007 fand die Band auf die Erfolgsspur. “Transference” im Jahr 2010 klang in meinen Ohren wieder einen Tick kantiger, aber die Verkaufszahlen wurden dadurch nicht gefährdet. Leider nutzt Spoon diese Freiheit nicht in meinem Sinn und so steht mit dem achten Werk “They want my soul” nun ein ziemlich belangloses Werk in den Regalen. Analog zu “Ga ga ga ga ga” sagt die Textzeile “Na-na, na-na, na-na” aus dem Song “Outlier” schon einiges über den Tiefgang der Songs.

Pitchfork stellt Fragen zu dem Album und beantwortet sie auch gleich selbst:
So have Spoon gone soft? Have they been watered-down by commercially-minded collaborators? Have they crushed the DIY dream by leaving indie utopia label Merge? They Want My Soul makes such questions sound about as petty and irrelevant as the thousands of bands that have come and gone (or come, gone, and reunited) since Daniel and drummer Jim Eno started Spoon in the months just before Kurt Cobain's death. They didn't burn out. They're not fading away.
The Guardian kommt zu diesem Fazit:
Meticulous production, a plethora of clever musical references: the danger of this kind of thing is that it sounds a little arid and clenched. There are definitely moments when that happens, when you long for Spoon to relax just a little, in a way befitting a band named after the longest, loosest track on Can’s Ege Bamyasi. But they’re outweighed by moments like the one when Outlier slowly fades into view, a thrilling mass of taut funk drumming and echoing organ stabs, when the prospect of what you might call Spoon’s critical mass being replaced by mass acceptance seems a likely bet.

Die Titel “Rent I Pay”, “Rainy taxi”, “Knock knock knock” und “Let me be mine” sind die relativen Höhepunkte auf dem weitgehend entspannt langweiligen Album. 

Das Video zu “Inside out”:


Und das zu “Do you”:


Spoon 2014 in Deutschland:
  • 02.11. Hamburg
  • 04.11. Köln

Sonntag, 17. August 2014

Engineers - Always Returning
Dirk Sonntag, 17. August 2014 1 Kommentare



















"Always Returning" - endliche Shoegaze- und Dreampop-Weiten. Wir schreiben das Jahr 2014. Dies sind die musikalischen Abenteuer der Band Engineers, die mit ihrer drei Mann starken Besatzung, vier Jahre unterwegs war, um neue Welten zu erforschen, spärische Klänge und Melodien. Viele Lichtjahre von Einsätzen im Formatradio entfernt, dringen die Engineers in Galaxien vor, die zuvor bereits Brian Eno, Spiritualized, Pink Floyd oder Air gesehen haben. 

"Ladies and Gentlemen, we are floating in space!" Wäre dieser Albumtitel nicht bereits vergeben, so könnten ihn sich Mark Peters, Ulrich Schnauss und Matthew Linley auch auf ihrem vierten Trip seit 2005 als Motto nehmen und auf das Plattencover drucken. Die 10 Titel von "Always Returning" wurden von Peters allein zu Hause geschrieben und aufgenommen, bevor sie Schnauss mit einer Mischung aus Ambient und Electronica überzog und Linley dezentes Schlagwerk unterrührte. Simon Phipps und Daniel Land gehören nicht mehr zur Crew, sie haben wohl bei der letzten Mission "In Praise Of More" (2010) ein rotes Trikot getragen.     

Der NME vergibt 8/10 Punkten...
On 'Always Returning', their fourth album, they've delivered yet again. 'Bless The Painter', which spits at a social-media generation obsessed with photographing artworks for their news feeds rather than to admire their beauty, sets a glacial tempo. Centrepiece 'A Million Voices' is a driving, motorik synth masterpiece and 'Searched For Answers' shows subtle restraint, but the album slips up when it get too blissed out for its own good ('Drive Your Car'). Even so, it's about time this lot got the credit they deserve. 


...und auch das Bearded Magazine ist voll des Lobes:
Impressive opener ‘Bless the Painter’, a patchwork of oscillating piano notes, close harmonies and folk inflected guitar along with ‘Fight or Flight’ amply demonstrate Engineers’ turn towards dream-pop pastures is a demonstrable success. ‘It Rings So True’, a dusky folk tune underscored by a billowing cloud of ambient synths and acoustic arpeggio is a highlight, as is ‘Smiling Back’ which shares the same swooning melodicism as purple-patch era Slowdive, before breaking off into a slide guitar solo like something from All Things Must Pass.

The driving synthpop/Krautrock of the excellent 'A Million Voices' motoring along on a persistent bass guitar figure is the closest thing here to all-out pop and while the instrumental drift of ‘Smoke and Mirrors’ seems to deliberately invite comparison with Lost in Translation soundtrack-era Air a tad too much, the track is redeemed by the effortless grace of its 3:43 running time.

A resonating success in repositioning themselves, Always Returning richly deserves to raise Engineers’ profile beyond the critical cognoscenti.



Freitag, 15. August 2014

Celebration - Albumin
Ingo Freitag, 15. August 2014 0 Kommentare






















Zehn Jahre nach der Gründung und vier Jahre nach dem Vorgänger “Hello paradise” veröffentlicht die Band Celebration aus Baltimore mit “Albumin” ihr viertes Album. Die drei Gründungsmitglieder Katrina Ford (Gesang), Sean Antanaitis (fast alle Instrumente und Fords Gatte) und David Bergander (Drums) haben sich um Tony Drummond und Walker Teret ergänzt. Die beiden dürfen offenbar Antanaitis maßgeblich entlasten. 

Markant ist Katrina Fords stellenweise soulige und fast immer raumfüllende Stimme. Mit dieser unterstützte sie bereits TV On The Radio auf “Return to cookie mountain”. Vielleicht war das eine Gegenleistung für Dave Siteks Tätigkeit als Produzent der ersten beiden Alben der Celebrations. Darüber hinaus fallen vor allem die vielfältigen Keyboard und Synthesizer Klänge auf. Kein Song klingt wie einer der anderen und meine Favoriten sind das düstere “Razor’s edge”, “I got sol” und “Chariot”. Einige Synthesizer- und Gitarrenparts klingen schon zugegebenermaßen arg nach Blues oder den 60er Jahren aber trotzdem dürften eher aufgeschlossene Musikfans Spaß an “Albumin” haben als Anhänger des “guten alten Rocks”. 

Celebrations Musik ist schwer einzuordnen. Earbuddy versucht es auf diese Weise:
The best way to define Albumin is more like a free-range jam band album. Or maybe post-modern, post-electronic, post-soul, post-jazz, post-rock. No, that’s ridiculous — let’s just stick with electro soul jam band.[…] In a world where being unique and impossible to pin down seems like a badge of honor, Celebration has won the prize with Albumin. While not an easy album to describe to a friend, it is certainly worth a listen or two — if nothing else, to try to figure out what the fuck is going on.
Das Video zu “Tomorrow’s here today”: