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Samstag, Mai 18, 2013

The National – Trouble will find me

cover

Bezüglich The National herrscht im Kreise der PvG-Richter weitgehend Einigkeit. “Alligator” landete auf Platz 16 der “besten Alben der Jahre 2000-2009”, auch “Boxer” und “High violet” erzielten hohe Wertungen. 1999 in Cincinatti, Ohio gegründet und inzwischen nach New York City umgesiedelt nahm die Band über zwei Alben Anlauf, bevor mit “Alligator” der Grundstein für eine Entwicklung auf höchstem Niveau gelegt wurde. Trotz der begrenzten Speicherkapazität der mp3-Player sollte man die vier Alben seit “Alligator” immer bei sich haben und beim Vergleich mit den älteren Werken fiel mir heute auf, dass diese praktischerweise Titel in alphabetischer Reihenfolge tragen.

Grundlegende Veränderungen findet man auf “Trouble will find me” nicht. Im Gegensatz zu “High violet” verführen einige Songs den Hörer aber schon von Beginn an. Matt Berningers Baritonstimme wirkt noch tragender und prägender und kann gleichgültig, gelangweilt und einfühlsam in gleichem Moment klingen. Die filigranen Arrangements entblättern ihre Wucht stellenweise erst nach einigen Durchläufen. Eine diesbezügliche Sackgasse konnte ich auf “Trouble will find me” noch nicht entdecken. Und so geht es mir auch mit The National: Ihre Grenzen hat die Band noch nicht erreicht. Nur für die Bewertungsskalen wird es langsam eng.

Consequence of sound:

The end result is a new kind of National album — still dark and neurotic, obsessed with modern-day paranoia, but also bursting with an unlikely optimism and a very 2013 zest for life. It’s approachable without compromise and confident enough to be itself, not another Alligator or High Violet, but unmistakably from the outset Trouble Will Find Me. Come what may, The National sound ready to face it.

“Don't swallow the cap”, “Sea of love”, “This is the last time”, “Graceless” und “Humiliation” sind die stärksten Songs auf dem unglaublich guten und vielschichtigen Album.

Das Video zu “Demons”:

Im Juni wird die Band auf den “Southside” / “Hurricane” Festivals auftreten, bevor sie im Herbst zu diesen Terminen wiederkehrt:

  • 04.11. Berlin
  • 05.11. Düsseldorf
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Freitag, Mai 17, 2013

Noah And The Whale - Heart of nowhere

cover

Seit der Gründung im Jahr 2006 vollbrachten Noah And The Whale das Künststück, jedem ihrer drei Alben eine eigene Grundstimmung zu verpassen. Innerhalb dieses “Claims” tobt sich die englische Band auf “Heart of nowhere” nun aus. Da blinzelt die Unbekümmertheit von “Peaceful, the world lays me down” um die Ecke, es ist Platz für die von mir hoch geschätzte Melancholie auf “The first days of spring” und im Kern wird der locker flockige Indiepop von “Last night on earth" fortgeführt. Das Label “Folk” kann man bei der Charakterisierung dieser Platte getrost in der Schublade lassen. 

Durften in der Vergangenheit Laura Marling und Emmy the Great den weiblichen Gegenpart zu Charlie Finks Gesang übernehmen, wird dafür beim Titelsong Anna Calvi eingespannt. So entsteht auch gleich ein Höhepunkt, der zum erfreulich rockigen “All through the night” überleitet. Die folgenden Songs vervollständigen das durchgängig hörens- und liebenswerte Album. Die PvG-Richter kamen für “Last night on earth” zu keinem eindeutigen Urteil, vielleicht tun wir uns mit “Heart of nowhere” einfacher.

Bereits mit der CD/DVD Edition von “The first days of sping” ließ die Band ihre filmischen Ambitionen durchschimmern. “Heart of nowhere” ist nun das musikalische Gegenstück zu dem gleichnamigen Kurzfilm. Aus meiner Sicht hätte das Album in der Spielzeit gerne die des Kurzfilms deutlicher übertreffen dürfen.

Clashmusic.com:

From epic single ‘There Will Come A Time’ to the nostalgically blissful ‘Lifetime’, this band has succeeded at writing an exceptional album that’s both intimate and full of pop-hook goodness, all without using over-the-top production techniques.

Der Song “Lifetime”:

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Donnerstag, Mai 16, 2013

Daft Punk - Random Access Memories

















Acht Jahre nach "Human After All" erscheint mit "Random Access Memories" - wenn  man den Soundtrack zu "Tron" außen vor lässt - das vierte Album von Daft Punk. Und es menschelt auf dem neuen Album der roboterbehelmten Guy-Manuel de Homem-Christo und Thomas Bangalter!

Selbstverständlich frönen Daft Punk im Verlauf der fast 75 Minuten dem Funk, House und Disco-Sounds, sowie den elektronischen Spielereien und dem Stimmverzerrer, sie unternehmen aber auch Abstecher in Richtung Jazz, Rock und Softpop. Durch den Einsatz zahlreicher Gäste erfährt die hinlänglich bekannte Musik des Duos genau das, was im ersten Song gemeinsam mit Nile Rodgers (Gitarre) und John Robinson (Schlagzeug) gefordert wird: "Give Life Back To Music". 
Giorgio Moroder plaudert im 9-minütigen "Giorgio By Moroder" über sein Leben und Julian Casablancas lässt "Instant Crush" so klinken, dass es auch ein Kandidat für das letzte Album der Strokes hätte sein können - inklusive eines Gitarrensolos. "Within" präsentiert und Chilly Gonzales am Piano, Pharrell Williams darf gleich auf zwei Titel eine Portion Soul beisteuern ("Get Lucky", "Lose Yourself To Dance") und dann wären, neben den Gesangsbeiträgen von Todd Edwards und Panda Bear, im unglaublich opulent ausgestatteten "Touch" noch Paul Williams (wohl ein Star in den 70ern) als Sänger zu vermerken.

Giorgio Moroder wurde nicht etwa für einen musikalischen Gastbeitrag eingeladen, sondern als Märchenonkel besetzt. Er erzählt von den Anfängen: Ich wollte Musik machen, bin mit kleinen Auftritten von Disko zu Disko getingelt, habe im Auto geschlafen … Der Wahnsinns-Arpeggiator-Track, der dazu ertönt, klingt kurioserweise nach »Supernature«, dem größten Hit von Moroders französischem Gegenspieler Cerrone – ein kleiner Roboterscherz am Rande. Daneben gibt es Ausflüge in Richtung Americana und Broadway, zu Santana-Jazz-Funk, Zapp-Electro-Funk und ins Autotune-Wunderland. Das Album zeigt Daft Punk gewissermaßen in einem Puppenstadium, in dem sie sich noch entscheiden könnten, (für das nächste Album in weiteren acht Jahren) entweder als Fleetwood Mac zu schlüpfen oder als ABBA.
 
Man mag einem Werk, das großteils über Imperativbotschaften wie »Lose Yourself To Dance«, »Get Lucky« und »c’mon, c’mon, c’mon!« funktioniert, unrecht tun, es über seine textliche Ebene entschlüsseln zu wollen. Aber genau besehen wird die Philosophie des Albums sehr schlüssig dargelegt. Zwischen den Tanzeinlagen ist viel von Unsicherheit und Orientierungslosigkeit die Rede (»Please tell me who I am!«, fleht die Roboterstimme in »Within«), illustriert mit Klangbildern von Schwerelosigkeit (Funksprüche der letzten NASA-Mondlandemission Apollo 17 von 1972) sowie aus Unterwasserwelten. Zwei Roboter auf Identitätssuche? Ein herrlich klassischer Topos: die fast perfekte Maschine, der gerade ihr Defizit an emotionaler Empfänglichkeit bewusst wird (»You’ve almost convinced me I’m real«, schmachtet 70er-Pop-Star Paul Williams in »Touch«), die aber noch nicht versteht, dass genau diese Einsicht sie schon zum Gefühlswesen macht – im Normalfall zu einem rasenden, das irrational gegen jede programmierte Logik handelt. Die Folgen waren bisher (in einem Kanon von, sagen wir, 2001: Odyssee im Weltraum bis Terminator) unweigerlich: Aggression, Selbstzerstörung, Drama. Daft Punk räumen komplett auf damit. Ihre Revolution (diesmal ohne 909) klingt nach Bombast und setzt zugleich auf eine neue Mildheit. Auf das Ausagieren aller Konflikte im Gesellschaftstanz, gepaart mit der Hoffnung auf ein freudiges Ereignis, amouröser Art womöglich. Eine Revolution der Nonchalance.
 
Nebenbei funktioniert Random Access Memories auch auf einer noch allgemeingültigeren und sympathisch schlichten Ebene. Es ist eine Album gewordene Erkenntnis, die von Firmenfeier bis Hochzeitsparty und von 1977 bis in alle Ewigkeit gilt. Disco geht immer.
(Spex)


Es ist ein seltsam gediegenes Werk, handgemacht in der Anmutung, fast schon traditionell in den Mitteln: Disco für Leute, die mit Disco bislang nichts anzufangen wussten. Verschwunden ist das Zusammengesampelte, Klangteppichartige ihrer bisherigen Alben: Dass Daft Punk einmal als DJs begonnen haben, ist kaum noch herauszuhören, so viele Gäste sind diesmal an der Produktion beteiligt, von Strokes-Sänger Julian Casablancas bis hin zum Swing-Entertainer Chilly Gonzales. Es muss eine inspirierende Zeit im Studio gewesen sein, so frisch klingt das Ergebnis – als wäre endlich freigelegt worden, was von Beginn an tief im Innern der Elektronik steckte, aber stets verschämt blieb: verschwitzter, in die Beine fahrender Funk.

Die Wendung zurück beginnt mit Give Life Back to Music, einem programmatischen Titel, in dem Nile Rodgers seine Gitarre scratcht wie damals, als er mit seiner Band Chic den Funk in Richtung Disco trieb, schwillt zu bombastischen Soundwänden an, wie man sie von Earth, Wind & Fire kennt, macht vor Phillysound-Zitaten nicht halt. Mit jedem Gast wird ein anderer Dancefloor beackert, mit jedem Track geht es ein Stück weiter ins Vergangene: The Game Of Love startet bei Barry White, endet in einem Inferno aus Beats, lässt in der Mitte aber viel Raum für schwelgende Geigen-, Piano- und Percussion-Parts. Für die Dauer eines Stücks tritt sogar die Produzentenlegende Pharrell Williams aus der Kulisse und schiebt die Rhythmusspur ganz weit nach vorne. Mit dem virilen, als Single ausgekoppelten Get Lucky landen Daft Punk dann endgültig in der Old School. Nicht dass sie deswegen Renegaten wären und die elektronische Musik infrage stellten. Sosehr echte Instrumente diesmal im Vordergrund stehen, wenn es in die Details geht, fühlt man sich immer noch wie in einem Raumschiff, auf dem Weg in unendliche Weiten, begleitet von spacigen Effekten und retrofuturistischen Computerstimmen. "I knew this could be the future of music" ist so eine Sentenz, die im Titel Giorgio by Moroder kein Geringerer als Giorgio Moroder selbst auf die Umlaufbahn setzt. Während Daft Punk früher einen Sound machten, der in seiner vollkommenen Künstlichkeit handgefertigt wirkte, liefern sie nun mit echten Musikern an echten Instrumenten echtes Handwerk, das seine Wucht erst aus der Elektronik im Hintergrund bezieht.

In der Wirkung ergibt das ein Brett von einem Album, das das Beste aus Digital und Analog auf hinreißende, humorvolle und extrem tanzbare Weise vereint. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass die Partys des meteorologisch so verhalten begonnenen neuen Jahres demnächst maßgeblich mit Klängen aus der Daft-Punk-DJ-Kiste in Wallung kommen werden.   
(Die Zeit)

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Mittwoch, Mai 15, 2013

No Joy - Wait To Pleasure



Wenn man sich den Opener des zweiten und aktuellen Albums der in Montréal ansässigen Band No Joy anhört, vermutet man nicht unbedingt lediglich zwei junge Frauen, die für dieses Songmonster verantwortlich sind:

"E" funktioniert als Opener vor allem deshalb so gut, weil man am Anfang noch keine Ahnung hat, was passiert. Das hypnotische Schlagzeug paart sich mit dem kratzigen Bass, White-Gluz' beinahe abwesend klingender Gesang wirkt von Sekunde zu Sekunde einnehmender, bis nach gut zwei Minuten schließlich das Getöse beginnt und unbarmherzig alles durcheinanderwirft. (plattentests.de)



Während man selbst noch völlig geflasht von diesem Einstieg ist, poltern Jasamine White-Gluz und Laura Lloyd durch die nächsten Songs, als hätten Shoegaze und Dreampop in den beiden Mädels ihre ultimativen Genreköniginnen gefunden, postwendend gekrönt und links und rechts neben Kevin Shields gethront.

Warum noch den Epigonen zuhören, wenn My Bloody Valentine selbst nach sagenhaften 22 Jahren endlich wieder ein Album am Start haben? Im Falle von No Joy beantwortet sich diese Frage ziemlich leicht: Ihr zweiter Wurf legt nach dem vielversprechenden Debütalbum nochmal eine ganze Schippe drauf und fällt im direkten Vergleich zum mancherorts etwas zu sehr in den Himmel gelobten „m b v” kaum ab. Facettenreicher und produktionstechnisch feinfühliger als der Erstling mischen sich auf „Wait To Pleasure” genretypische Gitarrenschichten mit kleinen elektronischen Spielereien. (auftouren.de)



Mit ihrem geballten, fast aggressiven Sound heben sie sich vom Stil ihrer (durchaus befreundeten) Kolleginnen Best Coast, Puro Instincto oder auch Vivian und Dum Dum Girls ab. Ihre Musik enthält Shoegazing-Elemente, aber in einer atypisch düsteren, ja bedrohlichen Ausprägung. Hinter den schwelgerischen Soundkaskaden scheint häufig eine melancholische, bitter-süße Popmelancholie auf – gut verpackt in einer kompromisslosen Krachmaschinerie. (arte.tv)

Dienstag, Mai 14, 2013

The Pigeon Detectives - We Met At Sea

















Einen Originalitätspreis werden The Pigeon Detectives sicherlich nicht mehr gewinnen. "We Met At Sea" ist bereits ihr viertes Album und kann sich weder in der Hitdichte noch hinsichtlich der Platzierung in den britischen Charts mit "Wait For Me" (2007, Platz 3, 4 Hit-Singles) und "Emergency" (2008, Platz 5, 2 Singlehits) messen, sondern folgt eher "Up, Guards And At 'Em!" (2011, Platz 30, keine erfolgreiche Single).

Matt Bowman (Gesang), Oliver Main (Gitarre), Ryan Wilson (Gitarre), Dave Best (Bass) und Jimmi Naylor (Schlagzeug) brauchen für ihre 10 Titel nur knapp 32 Minuten und liefern rumpelnd-rauhen Garagenrock ("I Won't Come Back") ab und schielen mit tanzbarem Indierock in Richtung Two Door Cinema Club ("Light Me Up"). The Pigeon Detectives bezeichnen sich selbst als Live-Band und so wurde in den Cottage Road Studios in ihrer Heimatstadt Leeds zusammen mit Produzenten Matt Peel (The Crookes) und Sound Engineer Andy Hawkins (Kaiser Chiefs) versucht, diese energetischen Qualitäten  unverfälscht aufzufangen. Zumindest das ist ihnen gut gelungen.   



Die zehn Stücke der Schnösel sind wie üblich tanzbar und warten mit nichtigen Texten übers Jungsein auf. Von Ironie der Postmoderne ist zum Glück aber keine Spur zu finden, gleichzeitig da THE PIGEON DETECTIVES erfrischend kräftig zupacken, vor allem die Rhythmusgruppe. Das krachende "I Won't Come Back" sei genauso wie "Where Are You" und "Can't You Find Me" (sehr Eighties; Post Punk ist wieder en vogue) als Beispiel genannt. "Unforgettable" erweist sich als größter Ohrwurm unter vielen, was im Zusammenhang mit der im Verhältnis betrachtet härteren Ausrichtung tatsächlich eine Sogwirklung erzielen kann.

Nerviger Pop wie "Light Me Up" oder "I Don't Mind" ist und bleibt in dieser Sparte aber entbehrlich und wäre angesichts der Chart-Tauglichkeit der übrigen Kompositionen nicht notwendig gewesen. Mit "No State To Drive" ist vermutlich ein Stück dieser Machart zu viel aufs Album gerutscht - zumindest nach Auffassung von Hörern, die nicht berufsjugendlich sind. Die Texte möchte man ab einem Alter von 25 nicht mehr mitsingen.

FAZIT: THE PIGEON DETECTIVES gefallen wegen ihres ruppigen Sounds bei gleichzeitig üppiger Produktion und aufgrund der Hitdichte von "We Met At Sea". Ansonsten gilt aber: Die Band steht DIRTY PRETTY THINGS oder THE RIFLES und RAZORLIGHT in nichts nach, ist aber entsprechend wenig originell.
(Musikreviews)


rockender britischer stakkato-powerpop, der zwar nicht besonders progressiv und originell ist, aber mächtig laune macht und eigentlich jede indierockparty stilsicher bereichern kann. es ist schön, das es zum glück immer noch solche working class-pub-bands wie the pigeon detectives gibt. poetischer tiefgang ist eben nicht ihr ding. die band räumt ja sogar ein, nicht besonders tiefgehende lyrics zu haben ("we're not the kind of band who preach..."), sondern ihren gesamten schwerpunkt auf die intensität und eingängigkeit ihrer rockenden gitarrren-hooklines und beats zu legen. das gelingt zwar nicht immer, da einige songs doch recht austauschbar wirken, doch auf ganzer albumlänge mag man diesem kompromislosen hooligan-britpop dann doch nicht wirklich böse sein. songs wie "i won't come back", "animal" oder "where you are" sind superbe rocker die für vieles entschädigen. wer the enemy oder the cribs mag wird 2013 an the pigeon detectives nicht vorbeikommen.
(Revolver Club)

The Pigeon Detectives in Deutschland:

15.05.13 Hamburg, Molotow
16.05.13 Köln, Luxor
17.05.13 Frankfurt, Nachtleben
21.05.13 Berlin, Grüner Salon

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Montag, Mai 13, 2013

Savages - Silence yourself

cover

Nicht nur wegen der ähnlichen Stimme erinnert mich “Silence yourself” über weite Stecken an PJ Harvey. Fast so ungestüm wir diese in ihren Anfangstagen kommt das Debüt der Londoner Band Savages daher. Erst vor 1,5 Jahren gegründet verschafften sich die vier Damen schon als Support von British Sea Power und mit der ersten Single vor knapp einem Jahr Gehör. Das steigerte sich bis zur Veröffentlichung von “Silence yourself” zu einem mittelschweren Hype. Als Label las ich “Post Punk”, “Indie Rock”, “Goth” und bestimmt noch ein paar weitere. Definierend sind für mich die kräftigen Gitarren, einige prägende Bassläufe, Jehnny Beths Stimme und die Ausgewogenheit zwischen tragenden Melodien und harten bis verzerrten Klängen. Und überraschend ist Duke Garwoods Klarinettensolo am Ende des Songs “Marshal Dear”.

In zwei “Manifesten” erklärt sich die Band:

SAVAGES’ INTENTION IS TO CREATE A SOUND, INDESTRUCTIBLE, MUSICALLY SOLID, WRITTEN FOR THE STAGE AND DESIGNED WITH ENOUGH NUANCES TO PROVIDE A WIDE RANGE OF EMOTIONS. SAVAGES ARE A SELF-AFFIRMING VOICE TO HELP EXPERIENCE OUR GIRLFRIENDS DIFFERENTLY, OUR HUSBANDS, OUR JOBS, OUR EROTIC LIFE, AND THE PLACE MUSIC OCCUPIES INTO OUR LIVES. SAVAGES’ SONGS AIM TO REMIND US THAT HUMAN BEINGS HAVEN’T EVOLVED SO MUCH, THAT MUSIC CAN STILL BE STRAIGHT TO THE POINT, EFFICIENT AND EXCITING.

SAVAGES is not trying to give you something you didn’t have already, it is calling within yourself something you buried ages ago, it is an attempt to reveal and reconnect your PHYSICAL and EMOTIONAL self and give you the urge to experience your life differently, your girlfriends, your husbands, your jobs, your erotic life and the place music occupies in your life. Because we must teach ourselves new ways of POSITIVE MANIPULATIONS, music and words are aiming to strike like lightning, like a punch in the face, a determination to understand the WILL and DESIRES of the self.
This album is to be played loud in the foreground.

“Strife” und “She will” sind m. E. die besten Titel des Albums. Die Songs auf “Silence yourself” decken ein recht breites Spektrum ab und lassen Substanz vermuten, welche den Hype überstehen könnte. Auf das zweite Album wäre ich gespannt.

Mal sehen, ob die Richterurteile so vielseitig ausfallen, wie es The Quietus vermuten lässt:

Ultimately, Savages are going to be a divisive band, but better to be hated and loved than trundle along with watery, anaemic music that says nothing no matter how original it might be.

Pitchfork.com schlägt sich klar auf eine Seite:

The album cuts through a world of chatter and distraction because it practices what it preaches, transmitting its message directly through the primal, bone-rattling force of its songs.

Die Debüt Single “Flying to Berlin” live, weil der Song nicht auf dem Album ist:

Savages live:

  • 16.05. Köln
  • 17.05. Berlin
  • 19.05. Frankfurt
  • 18.06. Berlin (als Support von Portishead)
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Sonntag, Mai 12, 2013

Deerhunter - Monomania

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Deerhunter verbreitet in vielerlei Hinsicht den Charme einer Indieband. Da sind z. B. die bislang veröffentlichten Alben. Das Debüt erschien 2005 auf dem lokale Label Stickfigure. Obwohl offiziell ohne Titel, wird es “Turn it up faggot” genannt. Abhängig davon, ob die Beigabe zum “Microcastle”-Album namens “Weird era cont.” als eigene Platte gezählt wird, veröffentlicht die Band aus Athens, Georgia um den Mastermind Bradford Cox (der Solo als Atlas Sound unterwegs ist) mit “Monomania” ihr fünftes oder eben sechstes Album seit der Gründung im Jahr 2001. Eine repräsentative Website wurde Deerhunter nicht spendiert, statt dessen gibt es ein paar Infos auf der Site des Labels 4AD und ein mäßig gepflegtes Blog. Obwohl das Vorgängerwerk “Halcyon digest“ zwar kein wohlwollendes PvG-Urteil ab an anderer Stelle Kritikerlob einheimsen konnte und in vielen Bestenlisten des Jahres 2010 auf oberen Rängen erschien, hat die Band offensichtlich ihren Indiestatus beibehalten. Ich bin gespannt, ob das auch nach “Monomania” so bleiben wird.
Mit der aktuellen Platte wandelt die Band nämlich absolut stilsicher und souverän im Grenzbereich zwischen Alternative und Indierock. Gegenüber die teilweise fahrigen und scheppernden Vorgängern klingt “Monomania” schon fast gefällig. Mit “Leather jacket II” ist ein veritabler Indiekracher enthalten. “Dream captain” steht diesem kaum nach. Direkt darauf folgt mit “Blue agent” ein relaxter Lo-Fi Song. Die Alternative-Anleihen im Stile von Sonic Youth, Dinosaur Jr. und The Breeders sind die Elemente, die mir “Monomania” sympathisch machen. Die ruhigeren und verträumteren Songs komplettieren das vielfältige Gesamtbild.
Laut.de bringt es auf den Punkt:
Nirgendwo sonst steht die Hymne so dicht am Wahnsinn.
Im Zentrum aller Bemühungen stehen aber immer die Melodien, die Distortion wird niemals zum reinen Selbstzweck. Sicherlich ist das die größte Leistung des Quintetts aus Atlanta. Ihre Stücke sind feingliedrige, sensibel komponierte Konstrukte, die durch die vielen Effekte an Charakter gewinnen. Massenkompatibilität geht anders, steht hier aber ohnehin nicht auf der Agenda. Und doch gibt es auch auf "Monomania" einige große Pop-Momente, die ohne Hall und Verzerrung auskommen.
Wie es sich für eine Indieband gehört, kann ich nur ein bezüglich der Aufnahmequalität bescheidenes Live-Video zu “Neon junkyard” anbieten:
Im Herbst besucht die Band Deutschland und Österreich:
  • 23.10. Hamburg
  • 25.10. München
  • 27.10. Wien
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Samstag, Mai 11, 2013

Primal Scream - More Light

















Gut, dass uns Bobby Gillespie gleich im 9-minütigen Opener mitteilt, dass wir das Jahr „2013“ schreiben, denn ansonsten könnte man im Verlauf von „More Light“ auch denken, zwischen 1968 oder 1972 zeitgestrandet zu sein. Auf ihrem zehnten Studioalbum geben uns Primal Scream nämlich wieder mehrmals The Rolling Stones und lassen die Gospel- und Soul-Sängerinnen jubilieren. 

5 Jahre sind seit „Beautiful Future“ vergangen, anscheinend ausreichend Zeit, um 13 Songs zu schreiben, die annähernd 70 Minuten dauern. Hinzu kommen in der Deluxe Edition 5 weitere Titel plus ein Wetherall-Remix von „2013“. Dabei werden auch eigene Schaffensphasen zitiert: „It’s Alright, It’s OK“ steht „Movin’ On Up“ („Screamadelica“, 1991) sehr nahe, der Dub von „Vanishing Point“ / „Echo Desk“ (1997) findet sich in kleinen Prisen wieder und „Tenement Kid“ sowie „Invisible City“ hätte auch auf dem extremsten Primal Scream Album „XTRMNTR“ (2000) eine gute Figur abgegeben. David Holmes konnte als Produzent gewonnen werden, Robert Plant („Elimination Blues“), Mark Stewart von The Pop Group ("Culturecide") sowie Kevin Shields, Davey Henderson und Jason Faulkner sind zu hören - nur die Auferstehung des Saxofons hätten sich Bobby Gillespie & Co. Wirklich sparen können!



„Mehr Licht!“ sollen angeblich – hoch umstritten – die letzten Worte Johann Wolfgang von Goethes gewesen sein. Mehr Licht hatten sich nach dem letztem Primal-Scream-Album auch die Fans der Band aus Glasgow gewünscht: Der als oberflächlich missverstandene Pop-Wurf BEAUTIFUL FUTURE aus dem Jahr 2008 wurde weitläufig geschmäht und fristet heute ein Schattendasein im Werk der Genre-Hüpfer. (...)
Selten dürfte die Welt eine so elektrisierende Oldie-Show gesehen haben. Opener und Leadsingle des zehnten Primal-Scream-Studioalbums MORE LIGHT versucht nun, diese Kraft zu bewahren. „2013“ ist ein neunminütiges Prog-Pop-Stück mit einem sich sofort einbrennenden Saxofon-Hook (oh ja, Saxofon – Feinde dieses Instruments mögen sich von dieser saxofondurchsetzten Platte fernhalten) und einer kreischenden Gitarrenfigur von Kevin Shields (My Bloody Valentine) im Refrain. Leider kann der Text dazu nicht mithalten: „Punkrock came and went and nothing changed, was it just a pose?/What happened to the voices of dissent? Getting rich I guess.“ Gähn. Von „einem“ Bobby Gillespie erwartet man sich einfach mehr Vision, mehr Licht. Das Album bleibt zwiespältig: Jede Großartigkeit wie das Disney-Sinfonien in Voodoo-Country einarbeitende „River Of Pain“ gleicht eine Banalität wie „Sideman“ aus. Zum Schluss wird es dann sogar ärgerlich: „It’s Alright, It’s OK“ ist SCREAMADELICA-Malen-nach-Zahlen – welches das so aufrührerisch beginnende Album dann mit einem „Ooh la la, it’s alright“-Chor beendet. Eine von der Plattenfirma in Auftrag gegebene Arbeit nach der erfolgreichen Nostalgietour? Spekulation. Ebenso wie die Frage, ob diese Band jemals wieder in der Lage sein wird, ein Album zu veröffentlichen, das sich mit dem einstigen Standardniveau von VANISHING POINT oder XTRMNTR messen lassen kann.
(Musikexpress)


‘River Of Pain’ tackles domestic violence amid voodoo grooves and swirling psychedelia. ‘Tenement Kid’ is an apocalyptic electro-lullaby for the child victims of Cameron’s current economic war on the poor. ‘Walking With The Beast’ is a blissful Beatles-y sift through the aftermath of a riot. Over some motorik psych-funk, ‘Culturecide’ dissects breadline living in benefit-capped “holocaust central’’ – a bleak ocean of “graveyard flats… breezeblock prisons’’ where minimum wagers at “the bottom of the pyramid’’ live “like a refugee in your own country’’. Throughout, ‘More Light’ illuminates the rotting underbelly of the Big Society.
At nearly 70 minutes, though, it would be pretty draining if it didn’t have a few lighter moments. Thankfully the Primals supply. Garage rocker ‘Invisible City’ celebrates society’s diversity of degradations: crack zombies, kebab-shop punks, suburban swingers and “polysexual gutter stars’’, chanting “I love this city, such a beautiful city!’’. Closer ‘It’s Alright, It’s OK’ is all bongos and rave piano jubilance even while declaring that in this “asphyxiation culture there’s no place for the weak/People circle like vultures waiting for someone to break’’, and subliminally suggesting mass suicide as a solution.
As on ‘XTRMNTR’, sonic assaults add an alien punch, grace and gravity to tracks like ‘Hit Void’ (complete with a saxophone making the sound of a Kraken dissolving) and ‘Relativity’ (with its lovely pastoral coda that sounds like Tame Impala cycling in the Dordogne). But at heart ‘More Light’ is a twisted urban soul record, even throwing Latino bossa nova rhythms into ‘Goodbye Johnny’ and coming on like a Ronettes covers band on ‘Sideman’. As such it marks Primal Scream’s third cultural renaissance. As inventive and relevant as they’ve ever been, it’s an alarm call for a comatose nation being slowly drained of lifeblood. It’s exactly what 2013 needs: more fight.
(NME)

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Freitag, Mai 10, 2013

MS MR - Secondhand Rapture


















Musikalisch sind MS MR (gesprochen Miss Mister) schnell mit Florence & The Machne zu verwechseln, da dem glamourösen, bombastischen Pop (Piano, Streicher, Synthies und bollernde Drums, alles durch reichlich Hall aufgeplustert) prägnanter Frauengesang in den Mittelpunkt gestellt wird. 

Ab heute sollte im Plattenladen deiner Wahl MS MR jedoch nicht mit der amerikanischen 80er Jahre Pop-Band Mr. Mister verwechselt werden! Obwohl Lizzy Plapinger und Max Hersenow sich musikalisch auch an den Sounds dieser Zeit orientieren und gelegentlich ("Twenty Seven") verdächtig nach den Eurythmics klingen. 


Bekannt wurden MS MR im letzten Jahr durch ihren Blog, die bewährte Masche die eigenen Gesichter zunächst zu verbergen und den Song "Hurricane", der es in Deutschland bis auf Platz 38 der Charts schaffte. Die bereits 2012 veröffentlichte "Candy Bar Creep Show" EP offerierte zudem die Songs "Bones", der die Band auch in ihrer amerikanischen Heimat bekannter werden ließ, da er im Trailer zur dritten Staffel von Game of Thrones verwendet wurde, "Dark Doo Wop" und "Ash Tree Lane", die sich wie die neue Single "Fantasy" alle unter den 12 Songs des Debütalbums "Secondhand Rapture" befinden. 
Da sich der im Retro-Sound erfahrene Tom Elmhirst abschließend der Songs annahm, dürften die Doo-Wop-Einflüsse auch Freunde von Duffy und Amy Winehouse ans Plattenregal mit dem Buchstaben M locken. Aber Vorsicht vor Mr. Mister!


(...) auf "Second Hand Rapture" wickeln sich die Tracks dunkel und pompös um die Kernmelodie. MS MR schreiben keine offensichtlichen Hits, sondern entwickeln vielmehr Begleitmelodien für die Momente, in denen man in einen düsteren Regenschauer hinter dem Fenster starrt. Aber auch für die letzten Blicke in den Spiegel, kurz bevor man sich schick einkleidet, um den coolen Club zu entern, in dem alle wieder so anonym sind, wie es MS MR vielleicht gerne geblieben wären. Mit "Second Hand Rapture" könnte diese Mischung aber vielleicht sogar in den Charts funktionieren. Und Indie- und Elektro-DJs werden für diesen beweglichen Schwermut-Pop sicherlich ohnehin ein Plätzchen in ihren Plattentaschen finden.
(Weser-Kurier)

MS MR in Deutschland:

04.07.2013 Berlin, Berghain
05.07.2013 Hamburg, Übel & Gefährlich
08.07.2013 München, Ampere
09.07.2013 Köln, Gebäude 9
19.07.2013 Gräfenhainichen, Melt! Festival

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Donnerstag, Mai 09, 2013

Francis International Airport - Cache



Das Muster des neuen Francis International Airport Albums lag schon etwas länger auf meinem Schreibtisch. So richtig habe ich mich da nicht ran getraut. Der Vorgänger In The Woods war eine meiner liebsten Platten des Jahres 2010 und ich befürchtete, dass die fünf Österreicher dies mit ihrem neuesten Werk nicht wiederholen werden können. Wahrscheinlich hätte mein Schreibtisch die CD irgendwann assimiliert, wäre Dirk nicht auf mich zugekommen und hätte gefragt, ob ich Lust hätte, das neue Album vorzustellen. Klar!

Wenn sich Befürchtungen bewahrheiten… Francis International Airport gehen einen neuen Weg. In Anspielung auf den Titel des Vorgängers tut die Presseinfo kund, dass "die Band den Wald weitegehend hinter sich" lässt. Anstelle indie-typischer Gitarrenriffs gibt es "dramatische Synthesizer-Einsätze mit 80er Avancen". Toll!, denke ich noch vor dem ersten Hördurchgang, mag ich bestimmt - das Kavinsky Album höre ich rauf und runter, mehr 80er geht ja gar nicht. Nach dem Hören weiß ich allerdings, dass die Liaison FIA und 80er -zumindest für mich- leider nicht funktioniert.

Man kann das natürlich auch ganz anders sehen:

Dafür gibt es Instrumentalpassagen, die herrlich funktionieren und in eine fabelhafte Klangwelt entführen, ohne sich in Prog-Gefilden zu verlieren. Die Stücke bleiben poppig trotz ihrer detaillierten Architektur. In gewagten Harmonieübergängen (wie bei dem Stück »March«) offenbart sich außerdem eine bemerkenswerte Experimentierlust. »Great Deeds« ist gemäß dem Titel großer harmonischer Rock-Pop, in dem geisterhafte Gitarren jedoch nur als Rückkopplungen hervortreten. (intro.de)

FRANCIS INTERNATIONAL AIRPORT - THE RIGHT ONES from siluh records on Vimeo.


Mit pulsierenden elektronischen Bässen, überwiegend aus dem Rechner gezogenen Drum-Beats und vorsichtig aufgetragenen Keyboardteppichen arbeitet das Wiener Quintett auf "Cache" grundsätzlich zeitlos, ohne den Einfluss persönlicher Helden aus den 1980er Jahren allerdings zu verleugnen. (Wiener Zeitung)

Konzerttermine (ohne Gewähr)
22.05. Leipzig, Werk 2
23.05. Berlin, Haus Ungarn (ex .HBC)
24.05. Hamburg, Uebel & Gefaehrlich

Mittwoch, Mai 08, 2013

Vampire Weekend - Modern Vampires Of The City

















10 Fakten zum neuen Album von Vampire Weekend:

1. "Modern Vampires Of The City" ist das dritte Album von Vampire Weekend und wird wie seine Vorgänger über XL Recordings veröffentlicht.

2. Es wird zwar ebenfalls als CD, LP und als Download veröffentlicht, kommt aber, anders als "Vampire Weekend" (2008) und "Contra" (2010), ohne jegliche Bonustracks aus. Es bleibt also bei 12 Titeln und einer Spielzeit von knapp 43 Minuten.

3. Als Produzenten war erneut Vampire Weekend-Mitglied Rostam Batmanglij tätig. Mit Ariel Rechtshaid (We Are Scientists, Usher, Major Lazer) wurde erstmals ein Außenstehender hinzugezogen.

„Modern Vampires Of The City“ ersteht zu quietschenden Bettfedern und Peanuts-Piano. Ezra Koenig verschlafen vom roten Sonnenaufgang „the early day still flickers in your eyes“. In dieser fantastischen Eröffnung titels „Obvious Biycycle“  klingt er noch unschuldig wie ein 50s-Crooner, später wird seine Stimme vom Vocoder verzerrt werden, sich überschlagen und brechen. Dazu zitiert sich die Band durch die Musikgeschichte: Man hört den Shuffle-Rhythmus von Buddy Hollys „Peggy Lee“ und (mutmaßlich) die Flöten aus Celine Dions „My Heart Will Go On“ („Unbelievers“), den West-Coast-HipHop von Souls Of Mischief („Step“), Barock-Pop („Don’t Lie“), R&B („Everlasting Arms“), Elvis-Costello-Power-Pop („Finger Back“), Gospel und Boney M („Worship You“). Nichts davon klingt natürlich wie die Vorbilder, alles klingt wie Vampire Weekend. Man hat diese wundervolle Band wegen ihres Umgangs mit schwarzen und weißen Musiktraditionen schon mit den Talking Heads verglichen, doch während die nervös, kompliziert und ungesund bleich waren, sind Vampire Weekend lässig, verspielt und vornehm blass. In „Ya Hey“ ziehen sie den Outkast-Überhit auf links, und aus dem selbstverliebten Lover wird ein Zweifler: Zion wird dich nicht lieben und erst recht nicht Babylon, nicht dein Vater- und nicht dein Mutterland, singt Koenig, und der Tag reist in die Nacht – „my soul swooned as I faintly heard the sound of you spinning ,Isrealites‘ into ,19th Nervous Breakdown‘“. Und dann eröffnet der Choral „Hudson“ das Tor zur Ewigkeit: „The time has come/ The clock is such a drag/ Oh, you who change your stripes/ Can wrap me in the flag.“ Doch das ist nicht das Ende. „You take your time/ Young lion“, chorknäbelt Koenig in einer hübschen Coda, die klingt wie von Wes-Anderson-Komponist Mark Mothersbaugh ausgedacht. Er hat Zeit, denn er weiß: Vampire sind unsterblich.
(Rolling Stone)

4. Nicht nur ein neuer Produzent, sondern auch unterschiedliche Aufnahmeorte (New York, Los Angeles und Martha's Vineyard) und -techniken (etwa das Pitch Shifting) sowie analoges Studioequipment sollten dem mittlerweile typisch gewordenen Sound von Ezra Koenig (Gesang, Gitarre), Rostam Batmanglij (Keyboard, Gitarre, Gesang), Chris Tomson (Schlagzeug, Perkussion) und Chris Baio (Bass, Gesang) entgegen wirken.


5. Als erste Single wurde Mitte März die Doppel-A-Seiten-Single "Diane Young"/"Step" veröffentlicht. Diese erreichte Platz 50 in den englischen und Platz 20 in den alternativen US-Charts. Ihre 10 vorherigen Singles waren auch nicht viel erfolgreicher.


6. Diane Young eröffnete den ersten amerikanischen Hautpflegesalon und ihre eigene Produktreihe feiert aktuell den 30. Geburtstag. Was gäbe es da Schöneres als ein Ständchen von Vampire Weekend?  

7. Anfang Mai wurde mit "Ya Hey" eine zweite Single noch vor der Album-Veröffentlichung nachgeschoben. 

8. Die Veröffentlichung von "Modern Vampires Of The City" wurde in den USA für den 06. Mai angekündigt. Aufgrund von unerwarteten Verzögerungen in der Produktion der physischen Tonträger musste diese jedoch kurzfristig um eine Woche nach hinten verschoben werden. Am deutschen Erscheinungsdatum ändert sich jedoch nichts: 10. Mai 2013.

9. Metacritic weist derzeit einen Durchschnittswert von 77/100 Punkten aus. "Vampire Weekend" kam auf 82 von 100 Punkten, "Contra" auf 81 - da ist also noch Luft nach oben, da erst 8 Kritiken berücksichtigt wurden, darunter ein Verriss (20/100) von Alternative Press: 
In the end, Modern Vampires just seems to fade into a dull glow that will still be overshadowed by the band's explosive self-titled debut.    

When everything here lines up the right way--and it more often than not, it does--Modern Vampires is the perfect album for the coming Atlantic summer. Think of it like saltwater taffy: bright and sweet, with plenty to chew on. (Entertainment Weekly)

Overall, Modern Vampires Of The City conveys one hell of a sense of permanence from a band that once seemed ephemeral and frivolous. (Clash Music)

Full of heart and full of ideas, it’s big, clever and brilliantly odd. (This Is Fake DIY)

10. Apropos "Luft nach oben": Das Cover ziert ein berühmtes Foto aus dem Jahre 1966, das von Neal Boenzi am Tag mit New Yorks höchster Luftverschmutzung aufgenommen wurde, die 169 Menschen das Leben kostete.

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Dienstag, Mai 07, 2013

Cayucas - Bigfoot

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Nachdem er schon einige Jahre musikalisch tätig war, veröffentlichte Zach Yudin 2011 unter dem Namen Oregon Bike Trails seine erste Single. Später rekrutierte er seinen Zwillingsbruder Ben Yudin (Bass) sowie Banah Winn (Keyboards), Casey Wojtalewicz (Drums) und Christian Koons (Gitarre) um die Band Cayucas zu gründen. Offensichtlich erschien den Kaliforniern die Küstenstadt zwischen Monterey und Los Angeles als geeignete Namensgeberin. Über das Label Secretly Canadian kam das Quintett Band mit dem Produzenten Richard Swift (The Shins-Mitglied und Produzent u. a. für Damien Jurado, The Mynabirds und Foxygen) in Kontakt, der sie zu Aufnahmen nach Oregon lockte. Das Ergebnis klingt aber wesentlich mehr nach Kalifornien als nach dem Standort des Studios. Beeinflusst wurde Zack Yudin angeblich durch elektronische Musik während seines Aufenthalts in Japan. Darüber hinaus lässt sich eine gewisse Wertschätzung älterer Bands seiner Heimat wie The Beach Boys und The Tornadoes nicht leugnen.

Terrorverlag.de:

Cayucas servieren gut gelaunten Pop, der überschwänglich aus den Boxen perlt und die Sonne zum Strahlen bringt. Wenn es also mal wieder regnet, einfach zu „Bigfoot“ greifen und zumindest für 30 Minuten steht dem entspannten Sunshine-Feeling nichts mehr im Weg.

Das farbenfrohe Cover passt recht gut zur Musik der Band. Nicht nur wegen einiger Rhythmen drängen sich Vergleiche zu Vampire Weekend auf. Die acht kurzweiligen Songs kommen relaxt und zeitglich beschwingt daher und dem Hörer fällt es schwer, dieser unbeschwerten Gute Laune-Attacke zu entgehen. Auf dem homogenen Werk vermag ich weder Höhe- und Tiefpunkte erkennen, aber “High school lover” wird als Hit gehandelt:

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Montag, Mai 06, 2013

The Phoenix Foundation - Fandango

















Nachdem sich die Neuseeländer reichlich Zeit für eine Veröffentlichung in Europa ließen und bei uns erst mit ihrem vierten Album "Buffalo" debütierten, überrollen uns The Phoenix Foundation nun gleich mit einem 78-minütigen Doppelalbum, für das sie 15 Monate in vier unterschiedlichen Studios verbrachten und das im abschließenden, fast 18-minütigen "Friendly Society" kulminiert. 
Ausladend, überbordend, langatmig und opulent sind passende Adjektive für "Fandango", das im soften 70er Jahre Rock fußt ("Black Mould", "Morning Riff") und sich gelegentlich in Richtung Psychdelic / Progressive Rock ("Modern Rock", "Corale") und 80er Jahre Pop ("The Captain", "Evolution Did") ausbreitet. Die Referenzen reichen von Pink Floyd über ELO und Can bis hin zu Talk Talk und Crowde House, deren Neil Finn auch in die Entstehung von "Fandango" involviert war. 

Dazu sagt Samuel Flynn Scott, der Frontmann des Sextetts (Lukasz Buda, Conrad Wedde, Tom Callwood, Chris O'Connor und Will Ricketts): “damn the zeitgeist, i still rejoice in the pan-sexual opulence of a double gate-fold vinyl album. honestly, i’m thoroughly satisfied that we have made 80 minutes of tripped-out pop oddities that pays absolutely no attention to the short form game of contemporary music. this is test match music – maybe it’s prog or psyche-folk – whatever it is, it’s music that we thought about a lot, worked on a lot and cared about in the minutiae.”  



Nun erscheint das neue Werk in Form von Fandango und nimmt den Hörer mit auf eine schwer abgedrehte Reise, wobei das Wort „schwer“ eigentlich völlig falsch gewählt ist, denn schwer ist an dem Album absolut nichts. Im Gegenteil scheint man die ganze Zeit über auf Wolken zu schweben und eigentlich klingt das Album beim oberflächlichen Hören fast nach Easy Listening. Wer aber nur oberflächlich zuhört, der unterschätzt das Album massiv, denn hinter der ganzen weich anmutenden Fassade hat das Album es faustdick hinter den Ohren.

Denn alles durchzieht eine psychedelische Aura, die nicht greifbar scheint. Die Gitarren driften ab, elektronische Klangteppiche geben dem Album eine ätherische Grundstimmung, gleichzeitig ist man im Indierock, 70s Rock, teilweise sogar Gothic Rock, wenn es mal düster wird und Folk und nichts ist von dem anderen trennbar.

Fandango ist nicht zu beschreiben, sondern zu erleben. Musik, die im Radio nicht auffallen würde und dennoch qualitativ über allem, was sonst so läuft, so weit höher schwebt. Eigentlich Musik zum Zurücklehnen und Treibenlassen – wohin ist egal, denn die Reise durch die Musik ist das eigentlich Wichtige…
(alternativmusik)

Mit den dunklen Klängen von „Black Mould“ startet die Langrille in Slow Motion, um vermittels „Modern Rock“ mehrstimmigen Psych-Folk hinterherzuschicken. „The Captain“ ist die erste Singleauskopplung, welche als melancholische Ballade daherkommt, für deren Vocals Lukasz Buda zuständig ist. Im entspannten Midtempo schließt sich „Thames Soup“ an und auch „Evolution Did“ lässt sich ebenso wie „Inside Me Dead“ nicht aus der Ruhe bringen. Hektisch geht es bei der PHOENIX FOUNDATION vermutlich niemals zu, denn auch „Corale“ ruht in sich, um zum Ende hin eine gewisse Spannung aufzubauen, die mit geheimnisvoll-verzerrten Stimmen einhergeht. Vogelgezwitscher eröffnet derweil das beschwingte „Supermutant“, während mit dem verspielten „Walls“ tatsächlich das Tempo anzieht. Das rhythmusbetonte „Morning Riff“ schaltet kurze Zeit später jedoch wieder einen Gang zurück, wohingegen „Sideways Glance“ mit smoothen Keyboard-Klängen ums Eck kommt. Über nahezu 18 Minuten Spielzeit zelebriert der Sechser das finale „Friendly Society“ als psychedelisches Epos, bei dem noch mal – in entschleunigter Weise – alle Register gezogen werden.

Bei aller Getragenheit versteht es die PHOENIX FOUNDATION, den nötigen Druck aufzubauen, um den Hörer zu fesseln. Die Kombination aus psychedelischen, progressiven, countryesken und Indie-Rock-Pop-Anteilen geht ins Ohr und lässt die Hektik des Alltags für einen Moment vergessen.
(Terrorverlag)

The Phoenix Foundation in Deutschland:

20.05.13 Berlin, Bi Nuu
21.05.13 Hamburg, Prinzenbar

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Sonntag, Mai 05, 2013

Colin Stetson - New history warfare vol. 3: To see more light

cover

Colin Stetson ist eigentlich eher ein Artist als ein Musiker. Er entlockt seinem Saxofon Töne, die nur wenige Zuhörer diesem Instrument zuordnen würden. Statt auf Samples setzt er auf eine Atemtechnik, die ihm annähern “unendlich” lange Spielsequenzen erlaubt und vervollständigt wird seine Kunst durch raffinierte Aufnahmemethoden.

Während er sich zeitweise als Tour- und Studiomusiker für Arcade Fire, Feist, Tom Waits, TV On The Radio, The National, David Byrne und Bon Iver verdingt tritt er auch im Jazz-Umfeld und mit Soloalben an. “To see more light” ist das nun veröffentlichte dritte Werk seiner “New history warfare”-Reihe und wer trotz grundsätzlichen Interesses mit den beiden Vorgängern nicht warm wurde, sollte Stetson eine weitere Chance geben. Natürlich ist “To see more light” eher ein Hypnosetrip als ein locker-flockiges Indiepopalbum. “To see more light” lässt sich nicht mal so “nebenher” hören und kann vermutlich die ein oder andere Herzrhythmusstörung verursachen. Doch sobald Justin Vernons Stimme (der sich als Gast anscheinend für Stetsons Dienste für Bon Iver erkenntlich zeigt) erklingt, tritt Stetsons Musik bescheiden in den Hintergrund. Daher sind die Songs “And in truth”, “Who the waves are roaring for” und “What are they doing in heaven tonight?” ein guter Einstieg für Saxofon-Skeptiker und Vernon-Fans ans Herz gelegt. Doch auch die Instrumental-Titel klingen einen Tick zugänglicher als die auf “New history warfare vol. 2: Judges”. Und darüber hinaus sind sie nach The Knifes “Shaking the habitual” die bislang intensivste Musik des Jahres.

Vampster.com:

Stetsons Soloalbum "New History Warfare Vol. 3: To See More Light" besteht im wesentlichen nur aus ihm, seinen Lungen und Alt-, Tenor- und Bass-Saxophon. Dass die Musik auf diesem Album also nicht gerade der Norm entspricht, kann sich jeder problemlos selbst ausrechnen. Dass Colin Stetson keine Musik für jedermann macht, ist auch klar. Aber anstrengend ist "New History Warfare Vol. 3: To See More Light" trotzdem nicht. Wer seinen Kopf frei macht, zuhört, wie Stetson in einem Dämmerbereich zwischen Jazz, Ambient und Indie unterwegs ist, der kann ein kleines musikalisches Wunder erleben. […] "New History Warfare Vol. 3: To See More Light" hat einen experimentellen, mutigen Grundcharakter. Es kann gar nicht anders sein: Wer sich ohne Scheuklappen diesem Album öffnet, wird es lieben.

Zwei Videos geben Einblicke in Colin Stetsons musikalische Welt.

  • "Among the sef" & "In mirrors"

  • "Part of me apart from you" & "Who the waves are roaring for”

Den Song “High above a grey green sea” gibt es dort als Stream.

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