Freitag, 29. April 2016

Mull Historical Society - Dear Satellite
























Vor einigen Tagen konnte Colin MacIntyre auf der Jahreshauptversammlung der Mull Historical Society nicht nur seinen ersten Roman "The Letters Of Ivor Punch" sondern auch sein siebtes Album "Dear Satellite" vorstellen. Er legte kurz die Verbindung zwischen den beiden Werken dar, die über den Protagonisten Ivor Punch erreicht wurde, berichtete, dass das Album, wie auch dessen Vorgänger "City Awakenings" (2012), auf dem Label Xtra Mile Recordings erschienen sei und dass er als Produzenten erneut Don Morley gewinnen konnte. Als erwähnt wurde, dass dieser bereits mit Adele, Grinderman und Sting zusammen gearbeitet hatte und sich für "Back To Black" von Amy Winehouse verantwortlich zeichnete, ging ein leises Raunen durch den Gemeindesaal in Mull. Als MacIntyre seine Rede mit folgenden Worten beendete...

“I couldn’t be happier with the album. It is 10 songs, 36 minutes, and it feels like a perfect distillation of what I can do, and my best work. I’ve really pushed myself as a songwriter and tried to challenge myself to evolve sonically and capture a unique atmosphere within the album. There is a lot of space in it, lushness, but also it feels punchy and melodically pop. It is about home, getting home, leaving home, finding home, whatever planet or street or field you live on. Whatever home means to you. I think having a new music publishing deal with BMG/Xtra Mile Music has also made me reach for higher. I’m so excited to see it enter the world. It looks bloody good too!”

... brandete tosender Applaus im Saal auf. Zu Recht, darf man konstatieren, nachdem man "Dear Satellite" gehört hat.




The ten tracks here range in character and texture, but all generally fall into MacIntyre's wheelhouse of warmly crafted, introspective guitar pop. Leading the pack are the aforementioned single "The Ballad of Ivor Punch," the dark and quirky "Bones," and the heartfelt jangle of "Each Other." Album opener "Build Another Brick" is also a lovely bit of pop balladry with its big, hooky chorus and unique transitions. If the remaining cuts don't quite live up to the artistry MacIntyre showed in his early years, their lived-in portraits of love, family, and mortality come from the heart and fill in the mortar on another solid MHS release.
(all music)




Recording together in rural Oxfordshire, MacIntyre spent time wandering around fields and tumbledown churches, and even took some lyrics from gravestones he stumbled upon.

By rights then, this could have been an exercise in pretty, pastoral, gothic lullabies. Instead, Morley’s high sheen, pop production and MacIntyre’s optimistic spirit and meandering imagination fills Dear Satellite with dreamy, acoustic-pop songs that hold cinematic ambition and lush, swelling, crescendos. The combination works a charm, and MacIntyre sounds more energised and alive than he has in years.
(Drowned In Sound)


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Donnerstag, 28. April 2016

Teleman - Brilliant Sanity























Wenn meine Freundin eine Band nach nur wenigen Tönen erkennt, dann muss es sich entweder um Depeche Mode handeln oder besagte Gruppe ist stilistisch sehr klar zu definieren. Bei"Brilliant Sanity" war dies um so erstaunlicher, da sie dessen Vorgänger "Breakfast" (2014 mit einem guten 33. Platz bei Platten vor Gericht bedacht) nicht besonders häufig gehört und Teleman auch nur einmal im Vorprogramm von Franz Ferdinand live gesehen hatte.  

Das Quartett erhob sich aus den Ruinen von Pete & the Pirates und hat sich deutlich von deren rumpelndem Indierock distanziert. Statt dessen wird ihr eingängiger Gitarrenpop - "Glory Hallelujah" ist, einmal gehört, kaum noch aus den Gehörgängen zu bekommen - deutlich von cheesy Synthie-Klängen geprägt. Da der Opener auch noch den Titel "Düsseldorf" trägt ist es nur noch ein kurzer Gedankensprung bis hin zu Kraftwerk. Produzent Dan Carey (Sia, Bat For Lashes, Hot Chip) hat den Sound von den Gebrüdern Thomas (Gesang) und Johnny Sanders (Gitarre), Pete Cattermoul (Bass) und Hiro Amamiya (Schlagzeug) im Vergleich zum Debütalbum noch ein wenig glatt gebügelt, an den richtigen Stellen poliert und in Richtung 80er geschoben. 

Die guten Kritiken für "Brilliant Sanity" lassen vermuten, dass Teleman auch dieses Jahr für eine Platzierung unter den Top 40 bei Platten vor Gericht gut sind:


Der Opener von „Brilliant Sanity“ hört nämlich auf den Namen „Düsseldorf“ (was Sanders sogar recht gut ausspricht). Ein vergnügt sommerliches Stück, mit abgehackten Rhythmen und trippelnder Melodie, das Britpop-Anleihen und krude Dance-Elemente vereint. Auch die weiteren Stücke zeichnen sich durch einen hohen Faktor Sonnenschein aus. Die Synthies erklingen tänzelnd, und je nach Songtempo, säuselnd, die Gitarren bilden ein warmes Bett und der Gesang klingt teils schwelgerisch, teils verschmitzt freudig, was allen Songs auf diese Weise eine durchweg sympathische Note verleiht. Dabei fällt es beinahe schwer, die Highlights richtig zu benennen, da das Album eine sprudelnde Dynamik entwickelt, bei der man sich ganz schnell verträumt lächelnd ertappt, ohne, dass man genau weiß, warum. Teleman präsentieren mit ihrem Zweitwerk ein Album, das bei allem Pop-Appeal nie in Kitsch oder Gefälligkeit verfällt, sich an Sonnenanbeter und Träumer richtet, nicht vor Experimenten zurückschreckt und das vor allem eines will: gehört werden.
(White Tapes)





All das, was dieses Zweitwerk ausmacht, ist in einem spielerischen Akt der Art-Pop-Produktion mit Dan Carey in London in Form und Farbe gebracht worden und darf jetzt für sich beanspruchen, wie aus einem Guss zu klingen. Das macht das neue Teleman-Album zu einem Elf-Song-Ohrwurm, der sich mit jedem Hördurchlauf besser anfühlt. Wiedererkennen garantiert das leicht verwackelte Falsett von Sänger Thomas Sanders (von dem jemand mal behauptete, es sei das schnöde Ergebnis eines Pitchingprozesses), und wenn er vom „Devil In My Shoe“ singt, klingt das wie ein Kuschelpop-Ereignis.

Vergleiche findet man in dieser ambitionierten Vielfalt gern: BRILLIANT SANITY hat etwas von den Singalong-Freuden, die auf den ersten beiden Alben der Briten James zu finden waren, und von der Art, wie alt‑J aus komplexen Harmonien höchst eingängige Songs bauen.
(musikexpress)




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Mittwoch, 27. April 2016

PJ Harvey - The hope six demolition project






















Zu PJ Harveys neuem Album "The hope six demolition project" kann man viel sagen und schreiben. Man muss natürlich erwähnen, dass Recording Sessions für dieses neunte Album der Dame im Somerset House in London öffentlich "abgehalten" wurden. Ebenso könnte man darauf hinwesien, das sie die Songs auf Reisen in den Kosovo, nach Afghanistan und Washington D.C. schrieb und nebenbei das Gedicht-/Photobuch "The hollow of the hand" abfiel. Die Fotos stammen übrigens von Seasmus Murphy, der seit "Let England shake" all ihre Videos drehte. Und kaum eine Vorstellung des Albums kommt ohne Verweis auf die politischen Botschaften, vor allem im Song "The community of hope" auf. Inhaltlich wandte sich PJ Harvey im Vergleich zu "Let England shake" sowohl von der Vergangenheit als auch von ihrer Heimat in Richtung der USA und aktuellen Themen zu.

Doch letztendlich sollte es ja um die Musik gehen und die ist nicht spektakulär ausgefallen. Selten fielen zwei nacheinander von ihr veröffentlichte Alben derart ähnlich aus. Mit dem letzten Album "Let England shake" aus dem Jahr 2011 fuhr sie sehr ordentliche Chartplatzierungen ein. An die Verkaufszahlen des hervorragenden "Stories from the city, stories from the sea" kam "Let England shake" aber nicht heran. Die Erfolge der Vergangenheit verschafften PJ Harvey for "The hope six demolition project" viel künstlerische Freiheit, die weitgehend ungenutzt blieb. Einen Tick rockiger geraten und etwas agressivere Bläser, ansonten Indierock, Alternative, Folk Rock und ein paar psychedelische Klänge. Das kannte man bereits vom Vorgänger.

"The hope six demolition project" ist ein gutes Album. Bei dem Versuch die hörenswerten Songs aufzuführen merkte ich, dass mir doch fast alle gefallen (besonders allerdings der Opener, "Near the memorials to Vietnam and Lincoln", "The orange monkey", "Medicinals" und "The wheel"). Nur hat sich bislang keiner wirklich nachhaltig einbrennen können. Mit zum Teil gleichen Musikern (John Parish ist ja eh gesetzt) und gleichen Produzenten (Parish und Flood) wurde aus dieser Platte eine amerkanische Fortsetzung von "Let England shake". Das sei ihr hiermit verziehen. Aber ich hoffe nun lässt sich PJ Harvey nicht weitere fünf Jahre Zeit um dann einen dritten Aufguss zu präsentieren.

Pitchfork.com hingegen meint:
Whatever her geopolitical intentions, The Hope Six Demolition Project is her most exhilarating rock album in years, yoking the siren-like catchiness of her last great America-influenced album, Stories From the City… to the swamp-tarnished filth of her classic first three records, Dry, Rid of Me, and To Bring You My Love. It’s leering, brash, and dissonant, but also not without its warmth: Despite the bleakness of the guided car tour in "The Community of Hope," there’s a driving optimism to its droning guitar and steady drums.

Das Video zu "The wheel":




Und das zur zweiten Single "The community of hope":



Am 20.06. wird Frau Harvey Berlin mit einem Konzert erfreuen.

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10 Schallplatten, die uns gut durch den Mai bringen


























1. Richard Ashcroft – These People (2LP) (20.05.)

 
















2. Travis – Everything At Once (29.04.)

 
















3. Oscar – Cut And Paste (13.05.)

 
















4. Malcolm Middleton – Summer Of 13 (27.05.)


















5. Anohni – Hopelessness (06.05.)

 
















6. Kent - Då Som Nu För Alltid (20.05.)



















7. Drangsal – Harieschaim (Limited Edition) (22.04.)

 
















8. Mikroboy – Leicht (29.04.)

 
















9. The Wallflowers – Bringing Down The Horse (13.05.)

 
















10. The Boxer Rebellion – Ocean By Ocean (Limited Edition Pink Vinyl) (29.04.)

 














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Dienstag, 26. April 2016

Bob Mould - Patch The Sky























Im Februar letzten Jahres trat Bob Mould in der Letterman Show auf und rockte das Studio so sehr, dass der Staub aus den Dachsparren rieselte. Wer erwartete, dass der ehemalige Hüsker Dü- und Sugar-Frontmann mit seinem neuen Album nun an den Grundgerüsten des punkigen Rocks wackeln würde, sieht sich (zumindest größtenteils) bestätigt. 

Für "Patch The Sky" zog sich Mould für über ein halbes Jahr zurück, sinnierte über den Tod (sowohl den seiner Mutter als auch den einiger enger Freunde), das Ende einer langen Beziehung und die stetig kürzer werdende Lebenserwartung (der Mann ist schließlich auch schon 55 Jahre alt) und fasste seine Erkenntnisse in 12 Songs zusammen, die inhaltlich sehr düster geraten sind und musikalisch zwischen eingängigem Gitarrenpop und kraftvollem, energetischen Punkrock stehen. Gleich die ersten beiden Songs des Albums, "Voices In My Head" und "The End Of Things" könnten stellvertretend für die zwei Seiten dieser Medaille stehen. Auf den ersten Veröffentlichungen seiner Band Sugar hatte Bob Mould die unterschiedlich starken Eruptionen noch nach ihren Ausschlägen sortiert und auf "Copper Blue" und dem deutlich heftigeren Nachfolger "Beaster" separiert. Hier folgt Schlag auf Schlag, fast genau so, wie das Schicksal zuletzt Mould selbst traf.

"Patch The Sky" ist das zwölfte Soloalbum von Mould und zeigt diesen, wie auch seine beiden Vorgänger "Silver Age" (2012) und "Beauty & Run" (2014) in guter Form. Der Musikexpress fasst es treffend zusammen, auch wenn man bei "Hold On" und "Lucifer And God" nun wirklich nicht von Füllmaterial sprechen kann:

Mit SILVER AGE (2012) und BEAUTY & RUIN (2014) brachte Mould dann zwei knackige, rostfreie Fuzz-Power-Pop-Platten raus, und PATCH THE SKY fügt sich nahtlos in dieses Spätwerk ein.

Gut, ein bisschen suhlen sich diese Alben in ihrer Gefälligkeit – fette, helle Akkorde; locker federnde Rhythmen, bei denen weder Musiker noch Hörer in Gefahr kommen, sich irgendwas zu zerren – aber Bob Mould hat sich die Freiheit erspielt, in seiner Komfortzone zu agieren. Dabei entsteht Füllmaterial („Hold On“, „Lucifer And God“), aber auch schöne Sugar-Gedächtnisnummern (das an „Fortune Teller“ erinnernde „Pray For Rain“); und auf „Hands Are Tied“ stellt man fest, dass Mould die halsbrecherischen, knalligen Zweiminüter immer noch beherrscht. Am hörenswertesten sind aber die langsameren Stücke hintenraus: „Black Confetti“ hat einen hypnotischen, plättenden Groove, und das wehmütige, vor Verzerrung flimmernde „Monument“ ist der perfekte Closer.







Metacritic bestätigt Moulds gute Verfassung mit 84/100 Punkten für "Patch The Sky":

Mould’s in a dark place right now: bile in his gut, pain in his heart, doom on his mind. It’s the end of days, people. He makes it sound so fun. (Magnet)

It’s the contrast of sparkling melodic effervescence and Mould’s obsidian soul that drives the tracks on Patch The Sky. Here, Mould has turned up the contrast between anger and melody, and found some sense of enlightenment. (The Line Of Best Fit)

Patch the Sky is something of a darker twin to the 2014 "Beauty and Ruin," itself an album filled with grief and reckoning. But the music, in contrast to the often bleak, edge-of-despair lyrics, is cleansing. (Chicago Tribune)

It's good to know that, like you and me, he's swimming hard against the ever increasing tide of shit and still, in the main, coming up smelling of roses and refusing to back down. (The Quietus)





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Montag, 25. April 2016

DMA's - Hills End



Es ist ja so eine Sache mit den Vorschusslorbeeren. Letztes Jahr feierte ich Songs wie 'Lay Down' und 'Delete' der australischen Band DMA’s. Ehrlich gesagt feiere ich sie heute immer noch. Ärgerlich nur, dass die Erwartung an das Album dann so immens hoch ist.

HILLS END ist mit seinen gefälligen Songs bestimmt kein schlechtes Album, und am Gesang von Tommy O’Dell gibt es nicht groß was auszusetzen, aber den Songs fehlt es einfach an Charakterstärke. Vor allem macht es einem HILLS END trotz gefälliger Lieder unmöglich, auf den Britpop-Verweis zu verzichten. (musikexpress.de)

Für diejenigen, die es nicht wissen sollten: Der Britpop-Verweis, von dem hier die Rede ist, zielt auf Oasis. Oder?

Viel mehr Sinn macht es das Debütalbum der Australier stilistisch am anderen Ende des ehemaligen Britpop-Kriegs der 90er zu verorten […]. Dass sich Blur’s Dave Rowntree bereits als Fan des Down Under-Trios geoutet hat darf insofern als symptomatisch gewertet werden – und zudem näher bei den tatsächlichen Referenzen. 'Hills End' orientiert sich in seiner akustisch unaufgedunsenen Leichtigkeit am Baggy-Flair von 'Leisure', lässt eine dezente Neo-Psychedelika-Schlagseite zwischen den Zeilen aufblitzen, borgt sich Gitarrenspuren von Johnny Marr, den Smiths und aus den ausklingenden 80ern, klingt in seiner Verbindung aus halbverzerrt angeschrammten Gitarren und sehnigen Rhythmusarbeit aber vor allem und mehr als alles andere wie ein natürliches Amalgam aus den Vermächtnissen der Stone Roses und den La’s. (heavypop.at)





Mit über 40 Titeln in der Hinterhand haben DMA’s das Album gemacht, das sie wirklich machen wollten. Dazu konnten sie auf ihre Demos zurückgreifen, die teilweise neu eingespielt wurden. 'Hills End' ist dadurch noch einmal eine ordentliche Steigerung gegenüber ihrer selbstbetitelten Debüt-EP, die bei uns im vergangenen Mai erschienen ist. Anders als auf der EP geht es auf 'Hills End' mit Songs wie 'Timeless', 'Too Soon' und 'Lay Down' wesentlich zackiger und rockiger zu. Gleichzeitig bietet das Album aber auch neue Akustik-Balladen wie 'Melbourne' oder 'The Switch'. (herzmukke.de)





Tourdaten (ohne Gewähr)

07.05.2016 Hamburg – Molotow
09.05.2016 Berlin – Musik & Frieden
10.05.2016 Köln – Luxor
11.05.2016 München – Strom
12.05.2016 Wien – B72


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Sonntag, 24. April 2016

Dead Leaf Echo - Thought & Language



Ein Album, das schon 2013 erschien, aber aus zwei Gründen hier vorgestellt werden kann: Erstens erschien es Anfang April 2016 dank Reptile Music erstmals in Deutschland. Zweitens ist das sowieso unerheblich, da die Platte auch durchaus Ende der 80er-/Anfang der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts hätte erscheinen können und jedem Freude bereiten dürfte, der die klirrenden Gitarrenklänge der Pale Saints schätzt oder am verhuschten Gesang von Moose Gefallen findet.

Dead Leaf Echo sind in New York zuhause. Das Quartett, das seinen Namen Vladimir Nabokovs Roman Lolita entlieh, besteht aus LG Galleon (Gitarre, Bass, Gesang), Ana Breton (Gitarre, Keyboards, Gesang), Christo Buffam (Gitarre, Keyboards) und J. Parker (Schlagzeug). Der Sound des Albums wurde von John Fryer mitgestaltet, der unter anderem auch schon für Chapterhouse und His Name Is Alive tätig war.

Verschwommen, vintage und leicht, „Thought & Language“ klingt wie der beste Shoegaze aus den 90ern. […] 70 Minuten lang führen Dead Leaf Echo durch ihre eigene Klangwelt, die Noise, Drone, Shoegaze, Indie und Dreampop mischt. Nouveau Wave nennen sie ihren Stil, der so ausgedehnt wie gleichzeitig kompakt ist. Dead Leaf Echo schaffen sehr breite Atmosphären, die mal träumerisch, mal zerschmetternd klingen, aber immer folgen sie einem Strang, der das Album durch die 16 Tracks zusammenhält. […] Die New Yorker spielen die Sprache der Wellen, wie einer der besten Tracks, „Language of the Waves”, suggeriert. Dieser Song hat eine wellenartige Dynamik vor allem dank des Gesangs. Hier mischen Dead Leaf Echo Shoegaze, Wave und Noise und klingen am besten: verträumt, doch immer mit einer gewisse Klangdichte. (prettyinnoise.de)



Von der Musik auf „Thought & Language“ kann man sich buchstäblich treiben lassen, so dicht und doch beweglich ist sie. Für Shoegaze-Fans ein absolutes Muss, da einem hier eine Menge davon offenbart wird, was man an dem Genre lieben gelernt hat. Aber auch ungeschulte Ohren sollten sich dieses Werk mal zu Gemüte führen, es ist auf jeden Fall eine Erfahrung wert. (deepground.de)



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Samstag, 23. April 2016

The Magnetic North - Prospect Of Skelmersdale























Bei last.fm kann man als User, auch wenn nach dem letzten Update leider sehr viele andere Funktionen eingeschränkt wurden und die Seite leider nicht mehr taugt, um interessante Konzerte in beliebigen Städten zu suchen oder seine eigenen besuchten Konzerte zu dokumentieren, nach verfolgen, wie oft man ein Album gehört hat. Im Jahr 2016 haben sich bei mir "Not To Disapppear" von Daughter und "Love" von Get Well Soon in den ersten drei Monaten deutlich von den anderen Platten abgesetzt. Jedoch nähert sich ihnen mit großen Schritten "Prospect Of Skelmersdale" von The Magnetic North.

Das zweite Album von Hannah Peel (John Foxx And The Maths), Simon Tong (The Verve, Blur, Gorillaz), Gawain Erland Cooper (Erland & The Carnival) wirft, nachdem das Debüt "Orkney: Symphony Of The Magnetic North" ein Konzeptalbum über die Orkney Inseln, auf denen Cooper seine Kindheit verbrachte, war, nun einen Blick auf die Geschichte des Ortes Skelmersdale, in dem Tong aufwuchs. Ob auf dem dritten Album dann die Eigenheiten des nordirischen Craigavon, dem Heimatorte von Hannah Peel, ins Visier genommen werden?

Wenn es erneut so schönen, verträumten, verschachtelten und orchestralen Folkpop gibt, wie auf "Prospect Of Skelmersdale", dann sehr gerne!  


Lo-fi folk blends with rich string arrangements and exquisite interplay between vocalists Erland Cooper and Hannah Peel while found recordings such as documentaries, public information films and even sat-nav directions are frequently worked into the mix.

"Death in The Woods" is a particularly captivating number with jaunty, fairytale folk and whispered lyrics offering enticing glimpses of a town endowed with magic and mystery. "Signs" covers the whole spectrum of low and high production values. It opens with what sounds like an Open University lecture and a grainy drum machine. Acoustic guitar strumming accompanies murmuring vocals which are slowly wrapped in expansive string arrangements.

"Exit" is more sparse. Piano and guitar melodies give prominence to tender lyrics. A crescendo of strings gently builds and collapses as fireworks explode. It feels like the end of the main act with the remaining three songs providing a sublime encore. "The Silver Birch" gushes frolicking melodies, "Northway Southway" is mighty and gentle and a cover of "Run of The Mill" by George Harrison, a famous early advocate of Transcendental Meditation, ties the album up neatly.

Prospect of Skelmersdale presents a hazy sequence of tales and images. It’s not easy to piece together or get one’s bearings, but it doesn’t really matter. It’s music to get lost in as the trio transcend the bricks and mortar of the mundane world to reach a higher plain.
(Drunken Werewolf)




Opening track Jai Guru Dev starts with a raga-like drone and chanted group vocals before a sampled female voice with perfect BBC diction invites us to ‘hold hands around the outer perimeter of the Golden Dome site’ in order to bless the opening of the centre at the Ideal Village. A blessing like this, as well as being a simple prologue, is a kind of affirmation giving the musicians symbolic freedom to further tackle their subject. Pennylands does so with urgent acoustic guitar and more overlayed group vocals as well a string section – chamber pop meets the BBC Radiophonic Workshop.

Death In The Woods feels like one of the record’s defining moments, describing the quotidian in exalted terms – a combination of banality and spirituality, synthy blips and earthy vocals. Sandy Lane once again makes use of sampled speech, acoustic guitar and gently ornamental strings. The result is something like a cross between John Cameron’s Kes soundtrack and the orchestral (or-kestral?) pop of the Divine Comedy.

Signs combines history lesson (a telling reference to Thomas More’s Utopia) with a melancholy personal narrative, Cooper’s voice swelling in and slipping out of the mix to great effect, while Little Jerusalem is maybe Peel’s standout vocal performance, another tale of small-town ennui and loneliness set before a musical backdrop that threatens to swoon into Cocteau Twins territory, but restrains itself throughout.

Remains Of Elmer is striking for its manipulation of found sounds and its repeated, descending electric guitar part, while Cergy-Pontoise‘s (it’s Skelmersdale’s twin town, if you’re wondering) percussion could almost have been glam in another life. Exit begins with sweet, simple piano – almost Satie-esque – before sampling a generic Sat Nav, which brilliantly becomes a metaphor for separation in this beautifully aching song. Then there is a well chosen, piano-led cover of Run Of The Mill, originally by everyone’s favourite musical transcendentalist, George Harrison, sung here beautifully by Peel.

In all probability Prospect Of Skelmersdale won’t find a home under the hauntology banner – it doesn’t sit comfortably with the rustic occultism at one end of the spectrum or with the techy, depressed minimalism at the other end. But despite that, it creates a sound – temporally disjointed, difficult to pin down – that appeals to the part of our subconscious mind that ‘remembers’ possible but unrealised futures, and does so in a way that is both hopeful and melancholy. It is a rare album that manages to be socially aware without being preachy, sonically vibrant without being derivative, but this one ticks all the right boxes. A superbly refreshing listen.
(Folk Radio UK)


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Freitag, 22. April 2016

Edward Sharpe & The Magnetic Zeros - Persona






















Häufig belade ich meinen mobilen Musikplayer mit einigen neuen Alben zur gleichen Zeit. Dann habe ich einigermaßen im Kopf, was neu darauf ist und wenn die Alben ineinander übergehen, kann ich die Songs den Künstlern zuordnen. Richtig schwer fiel mir das mit Edward Sharpe & The Magnetic Zeros' neuem Album. Deren Opener "Hot coals" passt so gar nicht in die Indiefolk-Ecke, in der ich die Band aus Los Angeles verortete. Auch Anflüge von Kammerpop und Jazz überraschten mich... positiv. 

Aus dem Indiefolk-Rahmen fallen ganz klar die beiden längsten Titel "Hot coals" und "Wake up the sun". Diese und das meinen Erwartungen an die Band entsprechende "The ballad of Yaya" gefallen mir besonders gut. Daher gilt für dieses Album: Je länger der Song, desto besser. "Persona" ist eine sehr inhomogene Platte, aber gerade das macht es für mich wesentlich spannender als das Indiefolk-Werk, welches ich erwartet hatte. Dazu trägt sicher auch der Crooner-Titel "Perfect time" bei. Irgendwie klingt "Persona", also ob sich jeder der aktuell zehn Musiker der Band darauf individuell verewigen durfte. Acht der zehn Songs entstanden in freien Studio-Sessions unter Mitwirkung aller Mitglieder. 

2007 gegründet lieferte die Band um Alex Ebert mit ihrem Debüt den Hit "Home". Bei allen weiteren Alben suchte ich den Nachfolger. Mit ihrem vierten Album hat sich Edward Sharpe & The Magnetic Zeros zumindest bei mir von diesem Fluch befreit. "Persona" ist ein überraschendes und eigenständiges Album. Wie schreibt so schön der A. V. Club unter der Überschrift "Edward Sharpe And The Magnetic Zeros shift from sing-alongs to substance":
Generally, however, PersonA is a deviation for the group, and there are a few ways to process it. Skeptics who have already written the band off may dismiss the new methods as artificial, which isn’t that hard to do, given how much of the group’s history feels contrived. But, to an impartial ear, the record doesn’t sound like a collective of falsely enthusiastic neo-hippies; rather, it sounds like a collective of talented, unhampered musicians, and it deserves recognition as such.

Zwei Hinweise gab es auf eine Veränderung: Das war zum einen der Weggang des Sängers Jade Castrinos. Und dann ist da noch das Cover, welches einige Interpretationen zulässt. Egal was der Anlass war, ich begrüße das Ergebnis. 

Das Video zu "No love like yours":


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Donnerstag, 21. April 2016

School Of Seven Bells - SVIIB



Bei Platten vor Gericht wurden bisher zwei Alben der School Of Seven Bells vorgestellt. Beide haben mit 6 bis 7 Punkten im Schnitt einigermaßen gut abgeschnitten, waren aber in der jeweiligen Jahresendabrechnung nicht in den oberen Rängen anzutreffen. Das wird auch dem aktuellen, insgesamt vierten Album der Band nicht anders ergehen – trotzdem ist dies eine Platte, die mehr als wichtig ist.

2007 wurde die Band von Benjamin Curtis und den Zwillingsschwestern Alejandra und Claudia Deheza gegründet. Claudia stieg 2010 aus der Band aus und Benjamin und Alejandra machten als Duo weiter. 2012 begannen sie mit den Aufnahmen zu SVIIB. Anfang 2013 erkrankte Benjamin an Leukämie und erlag der Krankheit Ende desselben Jahres mit nur 35 Jahren.

Für Alejandra Deheza war klar, dass sie weiter Musik machen wollte, nur wie? Sie floh nach Los Angeles, doch die unfertigen Songs verfolgten sie. Also fasste sie sich ein Herz und holte den Bassisten und Produzenten Justin Meldal-Johnsen ins Boot […]. Eine gute Wahl: Deheza und er haben aus den Songskizzen ein energetisches Werk geschaffen, mit Bassläufen, für die Ex-New-Order Peter Hook heute seine Familie verkaufen würde. Im Opener »Ablaze« beschreibt Deheza, wie sie Curtis 2004 kennenlernte, als sie mit ihrer Band On!Air!Library! auf Tour war, gemeinsam mit Interpol und Secret Machines, bei denen Benjamin Curtis spielte. (spex.de)



Mit der Doppelspitze aus dem düster-mystischen „Elias“ und der Scharfkantigkeit von „Signals“ geht es derweil nicht nur zurück in den Sommer 2012, als das Album geschrieben wurde – laut Deheza eine der kreativsten Zeiten, die die Band je erlebt hat –, sondern auch zu einer möglichen Inspirationsquelle. Das Album wurde gemeinsam mit Justin Meldal-Johnsen produziert, der wohl vor allem durch seine Arbeit an M83s Meisterwerk „Hurry Up, We’re Dreaming“ bekannt sein dürfte. Beide Stücke erinnern daran, aber schaffen sich in diesem Rahmen ihre eigene, kleine Klangwelt. (auftouren.de)



Friends, Benjamin and I wrote this record during a tour break in the summer of 2012. I can easily say that it was one of the most creative and inspired summers of our lives. What followed was the most tragic, soul shaking tidal wave that life could deliver, but even that wouldn't stop the vision for this record from being realized. This is a love letter from start to finish. It's the story of us starting from that first day we met in 2004, and that's the story of School of Seven Bells. So much love to all of you. Thank you for being a constant light in our lives. This record is for you. -Alejandra



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Dienstag, 19. April 2016

M83 - Junk























Fans von M83 habe lange Zeit auf einen Nachfolger von "Hurry Up, We're Dreaming" warten müssen, denn das sechste Album der französischen Band hat bereits 5 Jahre auf dem Buckel. Angetrieben vom Erfolg der Single "Midnight City" konnte sich auch erstmals ein Album von M83 weltweit hoch in den Charts platzieren. Jedoch präsentierte Anthony Gonzalez, der kreative Kopf hinter M83, nicht schnell einen ähnlich gearteten Nachfolger, sondern konzentrierte sich auf Filmmusiken: Er steuerte jeweils einen Song für die Soundtracks der beiden bisherigen Teile der Divergent-Serie bei und komponierte den Score für "Oblivion" mit Tom Cruise.

Auf das Albumcover  und den Plattentitel hatten Gonzalez Auseinandersetzung mit der Science Fiction-Thematik offensichtlich große Auswirkungen: "Alles was wir heutzutage produzieren landet irgendwann als Müllpartikel im All und ich finde diese Vorstellung faszinierend und erschreckend zugleich."
Faszinierend und erschreckend zugleich - das führt uns auch direkt zur Musik von "Junk", denn dafür richtete Gonzalez seinen Blick zurück und ließ sich stilistisch von den TV-Serien der späten 70er und 80er Jahre beeinflussen. Und so hören wir nun auf 15 Titeln und in 55 Minuten federleichten Synthie-Pop mit einer Vielzahl an Gastsängern, darunter Beck ("Time Wind") und Susanne Sundfør ("For The Kids"), säuselnde Saxophone sowie wehleidig weinende Mundharmonika und fühlen uns wie im Vorspann zu "Alf" oder bei "Ich heirate eine Familie". 
"Faszinierend," würde Mr. Spock sagen. "Und erschreckend zugleich," entgegnet ihm daraufhin die komplette Besatzung des Raumschiffes Enterprise.




Die Wahrheit über JUNK lautet: Herr Gonzalez verhebt sich auf seinem siebten Album erst so richtig. Und das macht großen Spaß. JUNK unterhält als Meta-Pop-Produkt, das den Spacepop, Softrock und Blue-Eyed-Soul ab Mitte der 70er bis etwa kurz vor der breiten Einführung der Sampletechnik formvollendet und soundtechnisch eindrucksvoll aufarbeitet. Auf French-Talk-Disco-Erotica („Bibi The Dog“) folgt Phillysound-Intermezzo („Moon Crystal“) folgt ein Stevie-Wonder-Mundharmonika-Solo, für das Stevie Wonder allerdings keine Zeit hatte („Sunday Night 1987“), folgt Beck Hansen als melancholischer New-Wave-Popper („Time Wind“), folgt die rund drei Jahrzehnte zu späte Empfehlung von Susanne Sundfør als Duettpartnerin für Barry Gibb oder Kenny Rogers („For The Kids“). Das ist manchmal kitschig und käsig, tappt aber eben auch mit überzeugender rotwangiger Aufgeregtheit, die den Romantiker Gonzalez bei aller Cleverness auszeichnet, in all die entsprechenden Fallen – anders als zum Beispiel die zwei stahlharten Profis von Daft Punk.
(musikexpress)


M83 mischt Italo-Disco, Yacht-Pop und Chillout, das ist nahe bei Tame Impala, Daft Punk und Washed Out, und die Sängerinnen Susanne Sundfør und Mai Lan haben großartige Auftritte. Die besten Stücke sind "Go!", "Atlantique Sud" und "Solitude". Man meint dem Album anzuhören, dass Anthony Gonzalez zuletzt vor allem Soundtracks produziert hat, für "Oblivion" mit Tom Cruise etwa, für "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" und "Divergent – Die Bestimmung". Jeder bestimmt hier selbst, was er sieht: M83 macht den Hörer von "Junk" zum Regisseur.

Jeder bestimmt hier selbst, was er sieht: M83 macht den Hörer von "Junk" zum Regisseur.
Allen sei nun dieses Album ans Herz gelegt. Zu treuen Händen, gewissermaßen. Aber gut drauf aufpassen, bitte.
(RP Online)


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Montag, 18. April 2016

Sophia - As we make our way (unknown harbours)






















Es gibt Alben, da wünscht man sich traurig zu sein um sie richtig genießen zu können. Robin Proper-Sheppard hat mit seinem Projekt Sophia üblicherweise den Anspruch in diese Kategorie zu fallen. Auch mit seinem sechsten Album "As we make our way (unknown harbours)" wird er diesem gerecht. 

Seit dem Vorgänger "There are no goodbyes" sind nun auch schon sieben Jahre vergangen. Dieses Album war so persönlich, dass die häufige Darbietung der Songs bei Konzerten auf Dauer schmerzhaft war. Anscheinend hat Proper-Sheppard auf diese Weise sein Beziehungsende gleich mehrfach durchlebt. Danach nahm er sich eine Pause, um nun mit einem weniger traurigen aber nicht minder schönen Werk zurückzukommen. "As we make our way" erzählt aus seinem Leben aber eben nicht von seinen Trennungen. Dabei kommt dann sogar ein recht fröhlich klingender Song wie "California" heraus. 

Robin Proper-Sheppard war fleißig: Er schrieb fast 50 Songs und konnte so (mit einem offensichtlich glücklichen Händchen) aus einem großen Pool wählen. Seine aktuelle Wahlheimat Brüssel bzw. die Nähe zum dortigen Musik-Konservatorium nutzend experimentierte er umfassender als in der Vergangenheit mit Sounds. Nur von Drummer Jeff Townsin unterstützt legte er so ein paar mehr Klangschichten auf als früher. Daher wirken einige der Titel weniger fragil aber sie verlieren nicht an Wirkung. 

Besonders positiv fielen mir "Resisting", "The drifter", "Don't ask", "St. Tropez - The hustle" und "It's easy to be lonely" auf.

Wie gesagt: Es gibt Alben, da wünscht man sich traurig zu sein um sie richtig genießen zu können. "As we make our way" funktioniert auch, wenn man nicht traurig ist. Nur eben nicht ganz so gut...

Plattentest.de:
Auch auf seinem zumindest oberflächlich optimistischsten Album ist eben nicht alles so einfach, wie man es sich wünscht – außer die vermeintliche Einsamkeit. Das versucht jedenfalls das abschließende "It's easy to be lonely" glauben zu machen, das nicht nur mit einem astreinen Finale aufwartet, sondern auch mit einer der besten, weil wahrsten Zeilen in der mittlerweile zwei Jahrzehnte andauernden Karriere von Sophia: "We're the sum of our choices / And the chances we take." Am Ende ist es völlig egal, dass er verflixte sieben Jahre gebraucht hat für sein neues Album – Robin Proper-Sheppard hat seine Chance mit "As we make our way (Unknown harbours)" nicht nur erkannt, sondern auch genutzt und einmal mehr den Hafen für all jene seiner Hörer bereitgestellt, die noch auf der Suche sind.

"It's easy to be lonely":

Sophia live:
  • 24.04. Köln
  • 25.04. Hamburg
  • 28.04. München
  • 29.04. Dresden
  • 30.04. Berlin
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Sonntag, 17. April 2016

Radical Face - The Family Tree: The Leaves
























"Ja gut, ich sach' ma', das war heute nicht unser bester Tag und der Schiedsrichter hat uns verpfiffen und das Gras war zu lang..." 

Ähnlich wie ein Fußballer nach einer Niederlage, steht man am Ende des Record Store Days häufiger als Verlierer da und versucht irgendwie den leeren Einkaufskorb zu erklären. Besonders ärgerlich ist dies dann, wenn neben dem eigenen Verschulden (zu spät aufgestanden) und den äußeren Umständen (der nächste Plattenladen ist 100 km entfernt) noch die Record Touts hinzu kommen, die die Idee des Record Store Days pervertieren und sich über Ebay selbst eine goldene Nase verdienen wollen. 

So führte unsere gestrige Wunschliste "10 Schallplatten, die wir nach dem heutigen Record Store Day gerne auf unseren Plattentellern hätten" die "The Family Tree" Box an, eine schicke Zusammenstellung der thematisch zusammenhängenden vier Alben von Radical Face. Im Plattenladen war sie leider nicht zu entdecken, bei Ebay sehr wohl. Aktuell gibt es 11 Angebote, deren Sofort-Kauf-Optionen zwischen 177,02 und 299,- € liegen. Den Originalpreis nenne ich jetzt lieber nicht.

Kommen wir lieber zu etwas Erfreulicherem: Ben Cooper hat, im Gegensatz zu Sufjan Stevens und seinem Bundesstatten-Projekt, seine Familien-Saga beendet und mit "The Leaves" den beiden Vorgängern "The Roots" und "The Branches" einen würdigen Abschluss verpasst. Bei nur drei anvisierten Teilen ist dies natürlich auch leichter als bei 50 Bundesstaaten, so dass Cooper mit "The Bastards" zwischendurch sogar noch seine Überbleibsel veröffentlichen konnte. Dazu Cooper: 
„Das erste Album, The Roots, beginnt am minimalistischsten. Die Texte waren verbales Geschichtenerzählen, es konzentriert sich auf kleine Sounds: eine Floor Tom, eine akustische Gitarre und ein Klavier. Die Alben wurden sukzessive umfassender und breiteten sich weiter aus. Das zweite, The Branches, beschäftigt sich mit geschriebenen Briefen, und das dritte, The Leaves, ist cineastischer, es ist eine Ära von Film und Fotographie.“ 

Wer das Boxset am Record Store Day verpasst hat, der kann sich zumindest mit der regulären Vinyl-Version von "The Leaves" vertrösten. Dank Christoph vom Konzerttagebuch steht zumindest "Origami", die schöne 5 LP Box von Lush, als RSD-Sammlerstück in meinem Plattenschrank.  





Teil 3 bedeutet nun nicht nur das Ende der Trilogie, sondern auch, dass die Familie mittlerweile in der Neuzeit angekommen ist. Das heißt auch, dass Ben Cooper selbst einen viel größeren Bezug zur Zeit und ihren Ereignissen hat, weshalb sich auf „The Leaves“ auch Inspiration mit seiner eigenen Biographie vermischt. Es geht um Homophobie, häusliche Gewalt, Kindesmissbrauch und die Folgen von religiösem Fanatismus. Dadurch ist das gesamte Album aber natürlich nicht vollständig in Melancholie und Traurigkeit getaucht. Denn neben aktuellen Bezügen bedient sich der US-Amerikaner auch aktueller Instrumente und hüllt „The Leaves“ in eine Mischung aus symphonischem Indie-Pop, Folk, Shoegaze und Electronica. Das klingt beim Opener ein wenig nach Sufjan Stevens, in der Folge aber vor allem nach dem typischen Radical Face Sound, der bei aller Traurigkeit dank der häufig luftigen Instrumentierung viel Licht und Hoffnung in sich trägt.

So ergeben sich auf „The Leaves“ auch euphorische Momente, wie „The Ship in the Port“, bei dem sich die Band am Ende fröhlich austobt. Den größten Moment hebt sich Ben Cooper natürlich für das Ende auf. „Bad Blood“ ist ein ausuferndes Stück mit dick aufgetragenem Pathos, das für einen tosenden Abschluss des Albums sorgt, nach dem wir gespannt auf die nächsten Projekte von Radical Face sein dürfen.
(White Tapes)


As often seems to be the case with family sagas, it’s not a barrel of laughs. ‘Third Family Portrait’ inherits the character of its predecessors (there’s a Family Portrait on each album in the trilogy): “And I remember asking / If the place we’re moving / Would have more food / And my mother grew as distant as can be”. Things haven’t got noticeably brighter since a mother’s death in childbirth and a father’s suicide two albums ago.

The Leaves is most enjoyable where Cooper’s music breaks free from the monotony of the family’s woes. About three minutes into the nagging, shuffling ‘Road to Nowhere’, the arpeggios disappear to be replaced by discordant stabs on an electric guitar, which in turn are drowned out by a glorious wash of strings. It’s an enjoyable surprise on an album that would be even better for more such surprises.

And the fate of the family? Well, we’re left with an ambient sense of this rather than a tidily resolved tale. Song explanations and audio commentary are available online for those who wish to piece together something more coherent. Or instead just enjoy the familial intrigue and the many competing ideas, which on their own should be enough to keep you happy.
(for folk's sake)


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