Sonntag, 24. Juli 2016

Alexis Taylor - Piano























Ganz dezent weist Alexis Taylor darauf hin, dass sich bei seinem nächsten Soloalbum nach "Await Barbarians" (2014) alles ums Piano dreht. 11 ruhige, intime Songs präsentiert uns der Hot Chip-Sänger darauf, zu hören gibt es nur seine Stimme und Piano-Klänge. Dass es dazu kam, liegt auch am Tod der Geigers Vince Sipprell, einem engen Freund von Alexis Taylor, der gemeinsam mit ihm an diesem Album arbeiten wollte. Die traurig-bedrückende Grundstimmung des Albums wird so noch verständlicher. 

Auf Dauer drückt dies nicht nur aufs Gemüt, sondern es wird auch ein wenig monoton, so dass man sich das ein oder andere Streicher-Arrangement herbei sehnt. Gelegentlich zuckt der fast eingeschläferte Kopf aber noch einmal hoch, wenn einem ein Song irgendwie bekannt vorkommt, man eine Melodie mitsummen oder einen Text mitsingen kann. Denn Taylor beschränkt sich nicht nur auf neue Eigenkompositionen, sondern hat auch den ein oder anderen Klassiker dabei, etwa Elvis Presleys "Crying In The Chapel", oder Neu-Interpretationen von Songs seiner Bands About Group ("I Never Lock That Door") und Hot Chip ("So Much Further To Go").   


These are tracks that could easily be ballads slipped into a Hot Chip record, but where there they’d be bolstered with synths and programmed beats, here they are stark and knowingly bold in their simplicity. ‘In The Light of The Room’ is a marked standout.

Alexis himself observes the record as “an atheist’s gospel album” and indeed the songs have an almost religious tone. There is deep reverence at play here and it is effortlessly affecting and free from ambiguity. Though his cover of Elvis’ ‘Crying In The Chapel’ holds the most obvious connection to faith, even then the message of “I’ve searched and I’ve searched and I couldn’t find/ a way on earth to gain peace of mind” reflects more a universally relatable struggle of finding solace than a subscription to any dogma or deity. These songs are tactile, human and weaved with themes that transcend belief: loneliness, loss, perseverance, honesty and ultimately love. Human spirit triumphs and, equally importantly, so does Taylor.
(DIY)




Taylor has said that the album was inspired by the death of a close friend, and the effect of hearing his quavering tenor shorn of his parent band’s synthy adornments is like eavesdropping on a deeply private recital. At times it works beautifully: opener I’m Ready provides a reminder of just what a lovely, evocative voice Taylor has, while a reworking of Hot Chips’s So Much Further to Go brings out a soulfulness barely glimpsed in the original. But in its second half, Piano begins to suffer from its stripped-back simplicity, when its sparse arrangements and slow pace start to feel plodding rather than profound.
(The Guardian)

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Freitag, 22. Juli 2016

Mikroboy - Leicht























PvG: Volker, der 31. Mai war ein trauriger Tag für dich, oder?

Volker: Warum?

PvG: Weil Mikroboy an diesem Tag ihr letztes Konzert gespielt und die Band aufgelöst haben.

Volker: WAAAAASSSSS?

PvG: Tröstet dich "Leicht", das dritte Album der Band, über diesen schlimmen Verlust hinweg?

Volker: Jetzt nicht mehr, du hast mir den Tag versaut.

PvG: Im Promo-Zettel schreibt die Band selbst: "Man würde stimmungstechnisch eher von "bedrückend" sprechen, doch so nennt wohl kaum jemand sein Album." Ist das so?

Volker: Ich hätte die musikalische Grundstimmung der Songs eher als temporeicher als gewohnt bezeichnet, aber textlich mag das "bedrückend" hinkommen.

PvG: Du lobst ständig "Nennt es, wie ihr wollt" (2009) und "Eine Frage der Zeit" (2011) - kann "Leicht" da mithalten?

Volker: Ständig lobe ich vor allem Teles "Wovon sollen wir leben" ;-), aber im Ernst, mir gefallen alle drei Alben ausgesprochen gut, wobei ich die ersten Beiden einen kleinen Hauch vorne sehe, weil mir auf dem Neuen (s.o.) ein wenig die melancholischen Songs fehlen. Hymnen hat es aber auf jedem der Drei.

PvG: Welche drei Titel aus "Leicht" würdest du Menschen, die Mikroboy verpasst haben, vorspielen?

Volker: Da auf meine unglaublich guten Tipps zu deutschsprachiger (Indie)Pop-Musik eh niemand hört, würde ich Niemanden mehr zu überzeugen versuchen, aber meine kleine 7-Jährige singt das komplette Album mit. (von der Lautstärke, in dem sie es hört mal komplett abgesehen).




PvG: Der Titelsong wurde als Single ausgewählt, zwischen welche beiden Songs anderer Bands würdest du ihn auf ein Mixtape nehmen?

Volker: Vorher "Alle Menschen Verlieren Sachen", hinterher "Solang' Der Mut Den Zweifel Schlägt"

PvG: Das sind doch auch Lieder von Mikroboy! Das verstößt gegen die Mixtape-Regeln. Da muss wohl jemand noch einmal "High Fidelity" lesen. Also: Zwischen welche beiden Songs anderer Bands würdest du "Leicht" auf ein Mixtape nehmen?

Volker: Weil es vorm "klaren Morgenhimmel" gerne mal ein reinigendes Gewitter braucht, vorneweg "Regen" von Herrenmagazin, hinterher dann, in der Hoffnung, dass sich auch die Mikroboys Jungs sich Zeichen an die Wand gemalt haben zum irgendwann wieder Nachhausefinden, von Brückens "Immerhin (Für Die Trauer)".

PvG: Und zum Abschluss noch einmal ein aktuelles Zitat der Band mit der Bitte um eine Stellungnahme von dir: "Stellt euch mal vor, wir würden irgendwann in den nächsten Wochen noch ein Album raus hauen. Einfach so für Umme. Mit all den Demos von Songs, die zwischen den Alben passiert sind und es nie auf eines rauf geschafft haben. Quasi unsere ehrliche, unperfekte Work in Progress der letzten 5 Jahre. Das wär ganz schön verrückt, oder?"

Volker: Ich habe mein Statement eben schon auf der Facebook-Seite gegeben, "Mir wäre es lieber gewesen, man hätte sich nicht getrennt. (Das Album wäre natürlich dennoch eine schöne Sache, so als Abschiedsgeschenk)
Am meisten ärgert mich, dass ich wirklich nichts davon mitbekommen habe, ansonsten hätte ich niemals den eigentlich angedachten Konzertbesuch im Circus Maximus gecancelt. F###!


Willkommen in der Hochphase des deutschsprachigen Indie-Rock emotionaler Färbung. Genau hier setzt das dritte Mikroboy-Album an: Get Up Kids’ geschulter Midwestern-Pop-Core, der in Intonation und textlicher Ausgestaltung natürlich immer noch an Kettcars Marcus Wiebusch erinnert, aber auch deutliche Assoziationen zu der leider oft in Vergessenheit geratenen Ruhrgebiets-Combo Astra Kid hervorruft, die sich 2005 auf dem Höhepunkt der Indie-Welle aufgelöst hatte. Flächige Gitarren, nur noch angedeutete elektronische Nadelstiche, thematisch Liebe, Angst und offene Wunden verhandelnd. Pathos, du kannst mich mal. »Leicht« mag vielleicht etwas aus der Zeit gefallen wirken. Die Platte erinnert aber daran, was wir seit dem Indie-Rock Mitte der 2000er vermisst haben. Willkommen zu Hause!
(intro)

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Mittwoch, 20. Juli 2016

Hot Hot Heat - Hot Hot Heat























Draußen sind es weit über 30°C - da ist das ideale Album für solche Temperaturen schnell gefunden.

Die gute Nachricht für die Fans von Hot Hot Heat lautet: Das kanadische Quartett hat nach sechs Jahren Funkstille ein neues Album veröffentlicht. Die schlechte Nachricht direkt hinterher: Es handelt sich um das letzte Album der Band.

Im Zuge der "Class of 2005" wurden auch Hot Hot Heat mit ihrem zweiten Album "Elevator" einem größeren Publikum bekannt und zogen in die Charts vieler Länder ein. Danach ging, es bzgl. der Plätze in den Hitparaden, der Größe der Konzerthallen oder der Slots auf Festivals, kontinuierlich bergab. Da ging es ihnen nicht anders als Art Brut, den Kaiser Chiefs und Co. Auch zahlreiche Wechsel im Lineup der Band und experimentellere Klänge auf ihrem letzten Album konnten daran nichts ändern.

Für ihr letztes Album kehren Steve Bays (Gesang, Keyboards) und Paul Hawley (Schlagzeug), um die beiden verbliebenen Original-Mitglieder zu nennen, zu den Klängen ihrer ersten beiden Alben zurück: tanzbarer Gitarrenrock mit New Wave und Synth-Pop-Einschlägen irgendwo zwischen Vampire Weekend, The Strokes und Tears For Fears. Als Anspieltipps seien allen Nostalgikern die beiden Singles "Mayor Of The City" und "Kid Who Stays In The Picture" sowie "Pulling Levers" empfohlen.  




Dass sie nun einen Schlussstrich unter ihre durchaus erfolgreiche Bandkarriere setzen und mit dem selbstbetitelten Album noch mal richtig ausholen, muss man ihnen hoch anrechnen. Knackig-tanzbare Rhythmen, feine Melodien und eingängige Hooks mit dem richtigen Schmiss werden hier in Kübeln ausgeschüttet. »Pulling Levers« hätte mit seinem aufgeputscht zuckrigen Refrain gar das Zeug zur Hit-Single. Aber die Zeiten von Hit-Singles, Plattenverkäufen, ja, sogar von CDs und Vinyl scheinen so passé, wie die Klangfindung von Hot Hot Heat zuletzt nicht mehr ganz auf dem Hier und Jetzt fußte. Was nach diesem starken Abschied definitiv ein bisschen sentimental macht. 
(intro)


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Dienstag, 19. Juli 2016

Mick Harvey - Delirium tremens























"Oh, ein Solo-Album von Mick Harvey. Wenn der Nick Cave- und PJ Harvey-Kollaborateur solo musiziert, kann das ja eigentlich nur gut sein."... dachte ich mir bei Sichtung der Neuveröffentlichungen. Dirk ließ mich ins offene Messer laufen. Kurz danach wurde mir klar, dass es sich bei "Delirium tremens" nicht nur um Harveys siebtes Solo-Werk sondern auch um sein drittes mit Songs von Serge Gainsbourg handelt. Bereits vor 20 Jahren sah es Harvey als seine Bestimmung, auch die englischsprachige Welt mit Gainsbourgs Werk vertraut zu machen. Damals veröffentlichte er mit "Intoxicated man" (1995) und "Pink elephants" (1997) bereits zwei Alben, die auf den Hits oder bekannteren Titeln des Franzosen basierten. Kürzlich wurden diese wiederveröffentlicht. Und nun legt der Australier Harvey nach und dabei kümmert er sich verstärkt um Gainsbourgs Spätewerk bzw. unbekanntere Titel. 

Mit meiner Skepsis und Erwartung einer Zigarettenrauch-geschwängerten oder gar schwülstigen Atmosphäre lag ich weitgehend daneben. Musikalisch angeblich so gar nicht weit weg von den Originalen demonstriert Harvey die Vielseitigkeit von Gainsbourgs Output. Die auf "Delirium tremens" erklingenden Musikgenres lassen sich kaum aufzählen. 

Zu behaupten, nun interessiere mich auch das Gesamtwerk Gainsbourgs ginge zu weit. Aber zumindest hat sich mein Bild des Franzosen durch "Delirium tremens" doch merklich gewandelt. Wahrscheinlich ist er doch mehr als nur "Je t'aime... moi non plus".

"Deadly tedium", "The convict's song", "I envisage", "A day like any other" und "Boomerang" sind meine Favoriten auf "Delirium tremens". Und "SS C'est bon" macht mich nicht nur wegen der Nutzung des Deutschlandlieds im Hintergrund tatsächlich neugierig auf das Original. 

Im Herbst soll übrigens ein weiteres Album erscheinen. Mit diesem wird Harvey sich verstärkt den Duetten des Franzosen widmen.

Pitchfork.com:
Harvey remains mostly reverential to his sacrilegious source, but Delirium Tremens is much more than just Gainsbourg fed through Google Translate. Rather, it amplifies the unsettling undercurrents that always stewed beneath Gainsbourg’s impeccable arrangements: The jazzy swing of late ’50s serenade “Deadly Tedium” (“Ce Mortel Ennui”) becomes a queasy cabaret of wobbly vibraphones; the busker-folk shuffle of “The Convict Song” (“Chanson de Forçat”) is horsewhipped into a cowpunk charge that proves, while Harvey is no longer a Bad Seed, he still has a firm grasp of their reins.

Das Video zu "Don't say a thing":

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Montag, 18. Juli 2016

Jack & Amanda Palmer - You Got Me Singing























Eine generationenübergeifende Platte: Während Amanda Palmer mit ihrem mittlerweile 10 Monate altem Sohn Anthony schwanger war, nahm sie gemeinsam mit ihrem Vater Jack ein Album auf. Aus mehreren Jahrzehnten suchten sich die Palmers Lieder ihrer liebsten Singer/Songwriter aus, um diese gemeinsam in den Dreamland Studios in New York aufzunehmen. Und so stehen nun Songs von Leonard Cohen ("You Got Me Singing") oder Richard Thompson ("1952 Vincent Black Lightning") neben denen von John Grant ("Glacier") oder Sinéad O'Connor ("Black Boys On Mopeds").

Klein Anthony wird "You Got Me Singing" hören können, ohne aufgeschreckt zu werden (nur bei "Fuckers" und "Shit" im John Grant-Song muss man ihm die Ohren zu halten), denn Amanda singt sanfter als je zuvor, der kirchenchorerprobte Jack croont und lässt dabei Dank seiner tiefen Stimme an Johnny Cash denken, dazu erklingen nicht viel mehr als Piano, akustische Gitarre, Ukulele und Glockenspiel. Gelegentlich wird auch die Pedal Steel Guitar hervorgeholt und rückt das Ganze in Richtung Country. 

Amanda Palmer lässt nach dem Radiohead-auf-der-Ukulele-Album ("Amanda Palmer Performs The Popular Hits Of Radiohead On Her Magical Ukulele", 2010) und ihrem David Bowie-Tribute ("Strung Out In Heaven", 2016) ein weiteres gelungenes Album mit Fremdkompositionen folgen. "You Got Me Singing" kann hier als LP, CD oder Download (1 Dollar) käuflich erworben werden.




Nach einer Babypause kehrt die Frau von Comic-Zeichner Neil Gaiman mit einem gemeinsamen Album mit ihrem Vater Jack zurück. Zu Klavier und Gitarre singen die beiden Lieblingslieder ihrer musikalischen Sozialisation. Leonard Cohens „You Got Me Singing“ ist der perfekte Einstieg: Der junge Vater Jack sang an der Wiege der Tochter Amanda; Amanda fand ihre Stimme mit Hilfe von Daddys Plattensammlung. Das Motorraddrama „1952 Vincent Black Lightning“ vom britischen Folkie Richard Thompson ist besonders gelungen, Jack – Mitglied eines Chores in Washington – erreicht hier beinahe den stimmlichen Tiefgang von Johnny Cash. Bei Kimya Dawsons „All I Could Do“ greift Amanda zur Ukulele, mit der sie schon wunderbar Radiohead nachgespielt hat, den John-Grant-Song „Glacier“ singen die Palmers in leicht schiefer, aber absolut liebenswerter Zweisamkeit. „I love you so much“, singt Jack ganz am Ende, die Stimme brüchig, der Atem schwer. Etwas zu intim.
(musikexpress)




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Samstag, 16. Juli 2016

Metronomy - Summer Of 08























Joseph Mount muss es wohl etwas nostalgisch zu Mute gewesen sein: Mit "Summer 08" kehrt er einerseits stilistisch zu "Nights Out" (2008), dem Album mit dem er erstmals den Weg in die Charts und eine breitere Öffentlichkeit fand, zurück, nachdem sowohl "The English Riviera" (2011) als auch "Love Letters" mit einer klanglichen Weiterentwicklung verbunden waren. Andererseits ist auch vom zuletzt gehandelten Band-Prinzip nicht mehr die Rede, Metronomy ist wieder einköpfig und "Summer Of 08" wurde wieder, wie zuletzt 2008, von Mount nahezu im Alleingang eingespielt.

Air trifft Hot Chip, Daft Punk gesellen sich zu Giorgio Moroder, Kuhglocken hier, Falsettgesang da, der funky Bass ist fast überall, eine Duettpartnerin darf auch nicht fehlen (Robyn auf "Hang Me Out To Dry") und Mix Master Mike (Beastie Boys) darf auch einmal scratchen. "Summer Of 08" erhält reichlich gute Kritiken und auch wenn der Metascore von Metacritic aktuell nur 74/100 Punkte beträgt, bin ich gespannt, ob der ein oder andere Plattenrichter schon aufgrund des Albumtitels auf 08 Punkte aufrunden wird.


‘16 Beat’ is quite literally a track dedicated to Mount’s favourite drum pattern – an aural feast of powerful, textural production that purposefully forgoes any kind of real lyrical depth, and uses its title as a slightly twee prommy pun instead. ‘Miami Logic’ delves into sawtooth edged guitar solos, while ‘Night Owl’ ducks and swans about, busying itself with waltzing ambition. ‘Hang Me Out to Dry,’ meanwhile, stands up as the best of the entire bunch, inviting giant Robyn into the mix, and soundtracking dancefloor swell with pulsing, swaying euphoria.

Nodding strongly towards everything from Hall & Oates, to Justice, and Patrice Rushen, and flaunting all of Mount’s influences without a hint of irony, Summer ‘08’ is from start to finish, a back to basics, pure-pop odyssey.
(DIY)




The album opens with the jerky post-punk guitars and discordant backing vocals of ‘Back Together’, which sees our put-upon hero dreaming about being reunited with someone he once had lunch with. It’s all very Sparks. Then the song explodes into a synth-powered sunburst of melody and all worries that ‘Summer 08’ might be some dreary Streets-style whine about tour buses, hotels and being interviewed are dispelled.

‘Old Skool’ is something to do with Mount, who lived in East London in 2008, being jealous of posh musicians who lived in West London. “You keep your friends / I’ll keep my friends” he waspishly intones over a fluttering electronic loop.

Meanwhile, Robyn brings some Swedish pop inflection to ‘Hang Me Out To Dry’ and the result is an alternation between melancholy verse – all minor key digital washes – and the pulsing wall of noise chorus. The album’s best moment is ‘Mick Slow’, which sees Mount channelling the smeared, fretless bass style of ’80s pop intellectuals Japan on a genuinely moving song about missing people.

Downsides? There really aren’t any. Mount has done it again. He could write music about the impact of Brexit on the UK’s trade with China and make it sound amazing. He’s that good.
(NME)





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Freitag, 15. Juli 2016

Big Deal - Say Yes























Der Plattentitel klingt ein wenig trotzig, wenn man sich vor Augen hält, dass Alice Costello und Kacey  Underwood ihr neues Album selbst finanzierten und ein neues Label suchten mussten (Fat Cat statt Mute), dass im Vorfeld Beziehungen zerbrachen, neue Bandmitglieder gesucht und gefunden wurden (Jessica Batour (Bass) und Jesse Wong (Schlagzeug)) und Ende 2014 bei einem Einbruch auch noch der Klapprechner mit allen Demos und Songentwürfen gestohlen wurde. 

Nachdem Big Deal auf "June Gloom" (2013) im Vergleich zu ihrem Debüt "Lights Out" (2011) ihren Sound deutlich in Richtung Rock streckten, legen sie mit "Say Yes" noch einmal eine Schippe drauf und schauen auch beim guten alten Grunge vorbei, ohne jedoch Abwechslung in Form des  fast schon epischen "Veronica" oder des in diesem Umfeld schon süßlich zu nennenden Pops von "Saccharine" zu vergessen.

Freunde von The Kills, The Breeders, Yeah Yeah Yeahs oder Hole sollten also nicht nein zu "Say Yes" sagen.


Die Neubesetzung merkt man zwar der Instrumentierung der Songs an, aber nicht der Dramatik. Big Deal scheppern immer noch irgendwo zwischen The Kills und Veronica Falls. Selbst in ihren aggressivsten Momenten auf „Kitty Pride“ und „Hold Your Fire“ schwingt immer noch eine bitter süße Melancholie mit. Die erinnert auf dem elektronisch angehauchten „Lux“ einen Ticken zu stark an The Temper Trap.

Auch wenn Big Deal mit ihrem dritten Album keine große Innovation liefern können, ist es doch irgendwie schön, dass es in dem ganzen aktuellen Tohuwabohu noch Kids gibt, die so belanglos-schöne Musik machen.
(musikexpress)


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Mittwoch, 13. Juli 2016

Biffy Clyro - Ellipsis






















Schon mit ihrem letzten (Doppel-)Album "Opposites" wähnte ich Biffy Clyro  nahe ihres Ziels auf der Suche nach der Rockkonsens-Weltformel. Mit ihrem siebten Versuch "Ellipsis" kommen die drei Schotten dieser aber noch merklich näher. Kurze Spieldauer, weitgehend knackige Songs, der Verzicht auf allzu opulente und orchestrale Arrangements und wenige Kanten sind im Jahr 2016 wahrscheinlich die Erfolgsfaktoren für ein kommerziell erfolgreiches Rock-Album. Die Nähe zu Muse liegt könnte der Wahl des Produzenten Rich Costey geschuldet sein. Wegen der glatten Stimme fühle ich mich darüber hinaus noch mehr als bei den älteren Alben an die Foo Fighters erinnert. Und wenn bei einem Song ("Howl") gar Gary Lightbody von Snow Patrol als Writer in den Credits auftaucht, sind bezüglich Massentauglichkeit alle Fragen beantwortet. 

Allen voran "Flammable" und darüber hinaus "Wolves of winter", "Animal style" sowie überraschenderweise mit "Medicine" auch ein langsamer Song sind meine Favoriten auf "Ellipsis". In seiner Gesamtheit ist dieses sicherlich ein Anwärter auf den Titel "Rockalbum des Jahres 2016", aber das suchen wir hier ja nicht, oder?

Rollingstone.de:
Ja, die Platte ist größenwahnsinnig, und ja, die Platte ist bekloppt. Aber gut unterhalten wird man.

Das Video zu "Wolves of winter":



"Animal style":


Biffy Clyro auf Tour im Herbst:
  • 23.10. München
  • 24.10. Berlin
  • 04.11. Hamburg
  • 05.11. Esch Alzette (Lux)
  • 08.11. Frankfurt
  • 11.11. Köln (!)
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Dienstag, 12. Juli 2016

Deftones - Gore






















Über den Sinn und Zweck von "Zwischenzeugnissen" kann man streiten: Während Halbjahreszeugnisse in der Schule zumindest noch ein Weckruf sein können, bin ich bei "Halbjahresmusikbestenlisten" skeptisch. Aber zumindest erinnerten mich gleich mehrere dieser Aufstellungen an ein Album, welches hier noch vorgestellt gehört.

Manche Alben muss man sich schön hören. Positiv formuliert nennt man solche dann "Grower". Auch "Gore" der Deftones ist ein Grower. Überraschend ist, dass es bislang bei mir gar nicht aufhören mag zu wachsen. 

Das letzte Album "Koi No Yokan" habe ich bereits zum stärksten seit "White pony" gekürt. Dann muss ich für das achte Album "Gore" wohl einen Schritt weiter gehen. Vier Jahre nach dem Vorgänger erscheint ein Werk, welches so souverän zwischen brachialem Alternative Metal, den stellenweise relativ harmonischen Passagen und Post-Metal Experimenten wandelt, dass ich mich in die zeitlose "White pony" Hochphase zurückversetzt fühle.  

Trotz starker Songs und grundsätzlich positiver Einstellung meinerseits gegenüber der Kalifornier, gab es immer wieder Gründe für "Asynchronitäten": Sei es ein wie ich finde schwaches Konzert vor vielen Jahren oder eine musikalische Dynamik zwischen hart/soft pro Album, welche ich nie ganz nachvollziehen konnte. Das war dann über Albumlänge doch einfach zu anstrengend. 

Obwohl ich inzwischen weniger harte Musik höre als vor einigen Jahren, komme ich mit "Gore" allerdings ganz vorzüglich klar. Die Ausbrüche kommen genau in den Momenten, wenn ich sie erwarte. Der Wechsel zwischen Forderung und Erholung ist stimmig wie selten zuvor. "Gore hätte schon vor einem halben Jahr erscheinen sollen. Dann nahm sich die Band den Mix noch einmal vor. Ohne die vorherige Fassung zu kennen: Es hat sich gelohnt. 

Mein Einstieg war der unfassbar starke Song "Hearts / wires".   "Prayers / triangles", "Doomed user", "(L)Mirl" und "Phanom bridge" sind ebenso empfohlen wie das gesamte Album. 

Und dann kann die Band noch mit einem besonderen Gast glänzen: Jerry Cantrell von Alice in Chains:


Plattentests.de wird das Album wohl nicht auf seiner Jahresbestenliste führen:
Ein verdammt gutes Album ist es geworden, einzig fehlt der letzte Schuss Genialität, der ihre Meisterwerke ausmacht. Von den Experimenten, die – so munkelt man – im Studio stattgefunden haben sollen, sind auf den finalen Songs kaum Anzeichen zu entdecken. Dass ein solches Album mit als schwächstes der Band seit über 20 Jahren bezeichnet werden kann, sagt allerdings lediglich aus, was für einen konstant hochklassigen Output die Truppe schlichtweg fabriziert. "Gore" ist also das Update, was Veränderung im Kleinen bringt und den Endanwender rundum zufriedenstellt.

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Montag, 11. Juli 2016

Message To Bears - Carved From Tides























Einer unserer liebsten Folktronic-Künstler, Jerome Alexander, hat vor einigen Tagen ein neues Album veröffentlicht. "Carved From Tides" hat der aus Bristol stammende Multi-Instrumentalist seinen vierten Langspieler genannt, der selbstverständlich auch als Platte käuflich zu erwerben ist: Über die Bandcamp-Seite des Künstlers, der unter dem Namen Message To Bears veröffentlicht, lässt sich das auf 300 Exemplare limitierte schwarze Vinyl erwerben.

Stilistisch bleibt sich Alexander treu: seinen hauchenden Gesang setzt er sehr minimal ein, unterstützt wird er dabei aktuell von Will Samson ("I'll Lead You There") und der eigenen Schwester Gemma ("Spin/Float"). Ansonsten kombiniert er synthetische Ambient-Sounds und gelegentlich munter pluckernde Beats mit den Klängen traditioneller Instrumente, wie Gitarre, Viola oder Posaune, so dass Freunde von James Blake, Niels Frahm oder Olafur Arnalds sich den Namen Message To Bears notieren sollten, falls er ihnen bisher noch unbekannt sein sollte, obwohl hier bereits "Maps" (2013), "Folding Leaves" (2012) und "Departures" (2009) gelobt wurden.


There's plenty to love on this album:the beautiful, swelling string arrangements, the glitchy electronics which provide a warm percussive hum; the droning ambient synths which collide and intertwine with violins in a loving embrace; the beautiful orchestra of natural and digital sounds.

Alexander recently collaborated on the soundtrack for the documentary Planetary, a stinging criticism about human influence on the natural world, and you can hear his sympathy for mother nature in the pastoral beauty of tracks like “Blossom” and “Beneath Our Snow”. “They Ran” offers one of the most aurally pleasing moments Carved From Tides, with ambient reverse tape loops morphing into a track peppered with cinematic strings, skittering synths and subtle swells of slide guitar.

Leaving the most poignant numbers for last, “When You’re Gone” thrusts Alexander’s vocals to the forefront, exposing a vulnerable human voice flanked by warm electric piano keys, sighing strings and bright guitar chimes. “Hold On” plays out the album with a saxophone led instrumental which builds layers of synths and keys, ending with an emotional and delicate crescendo.

Carved From Tides is proof that Message To Bears are getting better and better. Alexander has crafted a sound and musical voice entirely of his own, an artist whose music has been nurtured to reach the distinct qualities heard on this exquisite release.
(The Line Of Best Fit)






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Sonntag, 10. Juli 2016

Linda Guilala - Psiconáutica























Für das Veranstalten von Konzerten im heimischen Wohnzimmer muss man schon ein wenig Enthusiasmus mitbringen und bereit sein, den ein oder anderen Euro aus der eigenen Tasche sowie etwas Zeit zu investieren. Wir waren bisher acht Mal so verrückt und wurden dafür zu Hause mit tollen Auftritten von Pelle Carlberg, Enno Bunger oder zuletzt Dirk Darmstaedter beglückt. 

Das lässt sich natürlich nur steigern, wenn man die eigenen vier Wände verlässt, gleich mehrere Bands einlädt und diese auch noch extra aus einem anderen Land anreisen lässt. 
So geschehen, bei Christoph vom Konzerttagebuch, der Anfang des Jahres gleich drei spanische Indie-Bands ins Kölner Tsunami bugsierte und nebenbei noch Instrumente und Unterkunftsmöglichkeiten organisierte!      

Bei When Nalda Became Punk wusste ich bereits vorher, dass sie mir gefallen würden und die nach  Trembling Blue Stars klingenden The Royal Landscaping Society konnten mich ebenfalls überzeugen. Das traf auf die mir live zu punkrockigen Linda Guilala leider nur bedingt zu. Doch nun lassen Eva María Lopez Castro und Iván González Gancedo ihr zweites Album folgen, wandeln darauf auf den Spuren von My Bloody Valentine, Spiritualized und The Jesus & Mary Chain und können mich auf diesem Wege begeistern.

"Psiconáutica" liefert in etwas weniger als einer Dreiviertelstunde gleich 20 Lieder, wobei es sich bei der Hälfte der Tracks nur um kurze, jeweils rund eine Minute dauernde Zwischenspiele handelt, die häufig auf Keyboard-Klängen basieren und die eigentlichen Songs einleiten oder in diese übergehen, wodurch einerseits die synthetisch-poppigen Sounds Hand in Hand mit den noisigen Gitarrenwänden gehen, andererseits das komplette Durchhören des Albums eher gefördert als gestört wird.    

"Psiconáutica" wurde über Elefant Records veröffentlicht und ist einer auf 500 Stück limitierten Auflage auch als durchsichtig / rot gemustertes Vinyl käuflich zu erwerben. 




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Samstag, 9. Juli 2016

Peter Bjorn And John - Breakin' Point























Jetzt also noch einmal mit Gewalt. Peter Bjorn And John packen 10 Jahre nach ihrem Hit "Young Folks"  und 5 Jahre nach ihrem letzten Album "Gimme Some" den dreiköpfigen Hammer aus, um uns ihre Songs einzubläuen. 

Kopf 1- die penetrant eingängigen Melodien. Songs wie "What You Talking About?" oder "Between The Lines" kann man, einmal gehört, fast nicht mehr aus den Gehörgängen bekommen. Formatradios, freut euch auf neues Futter!

Kopf 2 - die Riege an Star-Produzenten. Patrick Berger (Icona Pop, Robyn), Paul Epworth (Florence And The Machine, U2, Paul McCartney), Greg Kurstin (Sia, Adele), Emile Haynie (Lana Del Rey, FKA Twigs, Kanye West), Pontus Winnberg (Miike Snow) und Thom Monahan (Wild Nothing, Devendra Banhart) sorgen für glatt gebügelte und auf aktuelle Trends abgestimmte Synthie-Pop-Sounds mit Retro-Touch - da bleibt kein Auge trocken.

Kopf 3 - das Pfeifen. Was bei "Young Folks" funktionierte, muss doch auch beim Titelsong des siebten Albums von Morén Yttling And Eriksson klappen, oder?  

Passend dazu auch Auszüge aus drei Plattenkritiken und drei Songs aus "Breakin' Point":

Endlich machen Peter Bjorn And John das, was man schon länger von ihnen erwartet hatte: Sie geben sich einem Pop hin, der für ihre schwedische Heimat so naheliegend ist wie kein anderer.

Man merkt das an den unglaublich nach vorn gedrängten Pianoakkorden in „A Long Goodbye“. Gitarren bleiben außen vor, dafür stehen Keyboards aller Art, Chöre und natürlich diese unverschämt direkten Melodien im Vordergrund. Hier wird nichts umschrieben, vertuscht oder auf ein künstliches Niveau gehoben. Wenn es PBJ um Liebe geht (und das tut es oft), reden sie nicht um den heißen Brei her um. Dann sagen sie, wie es ist: „I will always see the fireworks in your eyes.“ Feuer, Funkeln, Freude überall.
(musikexpress)






Nützt aber alles nichts: weg ist der einmalige Charme, der den Sound der Schweden ausmachte. Der leichte Indie-Pop mit kreativer Verspieltheit ist leerem, abgedroschenem Beliebigkeitsquark mit Discokitsch-Elementen gewichen, für den die Band schon vor 30 Jahren zu alt gewesen wäre. Bei »Breakin’ Point« kann man skippen und skippen, irgendwann ist es einfach vorbei, und man hat nichts erlebt. 
(intro)






Auf Radiotauglichkeit gedrillt bewirbt sich fast jeder Track mit modernen Keys und einem Hauch 70er-Disco als nächste Singleauskopplung: eingängig, immer unter vier Minuten lang und schick arrangiert.

Auf Albumlänge kristallisiert sich so auch schnell die Schwäche heraus: Die Grenzen verschwimmen so weit, dass man sich nicht mehr sicher ist, welches Lied gerade dran ist, geschweige denn, wie der Refrain des vorherigen geklungen hat. Isoliert gehört, zünden die einzelnen Tracks besser.
(laut)





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Freitag, 8. Juli 2016

Band Of Horses - Why are you ok






















In den zwölf Jahren ihrer Existenz weist die amerikanische Band Of Horses mit Ben Bridwell nur ein dauerhaftes Mitglied auf. Seit dem Jahr 2009 hat sich ein weitgehend stabiles Bandgefüge eingestellt. Gleich darauf konnte die Band mit "Infinite arms" ihren bislang größten Erfolg feiern. Dieses wurde gar für den "Best alternative music album"-Grammy nominiert. Damit stand es in einer Reihe mit Arcade Fires "The suburbs", dem Broken Bells-Debüt, Vampire Weekends "Contra" und dem Gewinner "Brothers" der Black Keys. Und nun ratet mal, an welche dieser Alben ich mich kaum erinnern kann. 

Und ich fürchte auch mit dem aktuellen fünften Werk der Band Of Horses wird es mir so ergehen. Der Kombi-Opener "Dull times / The moon", "In a drawer" und "Barrel house" sind die überzeugenderen Titel auf "Why are you ok". Ansonsten ist das Album weitgehend harmlos bis belanglos geraten. Die Indierock-lastigen Titel sind stellenweise "gut", der Southern Rock-Einfluss erscheint zumindest eine Weile charmant. Die Country-/Folk-Elemente wirken selbst für dieses Genre recht lahm. 

Aber was bedeutet schon meine Meinung, immerhin hat es in den "New Zealand Heartseekers Albums"-Charts zu einen zweiten Platz gereicht. Dann schaut mal nach, wie man sich für diese Liste qualifiziert....

Intro.de:
»Why Are You OK« klingt schlichtweg so, als wären Band Of Horses nun Profis im Band-Of-Horses-Sein. Vielleicht kommt in der Zukunft mal etwas Überraschendes, das ist bei dem Niveau aber auch nicht nötig.

Das Video zu "Casual party":
Wer seine Konzertbesuche langfristig plant, kann schon mal den 03.03.2017 für den Auftritt der Band in Hamburg eintragen. 

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Donnerstag, 7. Juli 2016

Hannah Georgas - For Evelyn























Mit Evelyn ist die Großmutter von Hannah Georgas gemeint, der das dritte Album der Kanadierin gewidmet ist. Aber ob sich die 98-jährige mit der leicht veränderten musikalischen Ausrichtung ihrer Enkelin wird anfreunden können? 

Zwar dominiert weiterhin eine melancholische Grundstimmung, jedoch ist von Gitarrenklänge nichts mehr zu hören und werden Georgas' Klavierbegleitung in der Regel von elektronischen Beats und synthetischen Sounds überlagert. Die Ausnahmen heißen "Walls" und "City".

Aber vielleicht saust Evelyn nun zum Synth-Pop von "Evelyn" mit dem Staubsauger durch die Wohnung, rührt den Kuchenteig beschwingter Dank "Loveseat", erfreut sich an den knarzenden Bläsern bei "Waste" oder denkt bei "Naked Beaches" , dass es sich doch gelohnt hat, der kleinen Hannah immer wieder die "It's Alright (Baby's Coming Back)"-Single der Eurythmics vorgespielt zu haben.     

Hier im Gerichtssaal darf Hannah Georgas' Großmutter natürlich wegen Befangenheit nicht über das von Graham Walsh (Holy Fuck) produzierte und von Nicolas Vernhes (The War On Drugs, Daughter, Wye Oak) gemischte Album urteilen - ob die übrigen Plattenrichter daher wenigstens (Alters-)Milde walten lassen? 




Die Platte beginnt zwar mit dem spannenden »Rideback«, und wenn Georgas einen in »Don’t Go« bittet, nicht zu gehen, dann bleibt man gerne. Während auf dem Vorgänger aber gelegentliche Gitarrenriffs das Brave-Mädchen-Image aufbrachen, stehen jetzt perfekt gesetzte Samples und Synthesizer, die es ihrer Stimme gleichtun und keinerlei Reibungsfläche bieten. Und dann ist da »Crazy Shit«. Man könnte meinen, die Dame haue jetzt endlich richtig auf die Kacke. Schließlich singt sie davon, dass sie jemanden getroffen habe, der sie dazu brachte, verrückte Scheiße zu tun. Mann, Hannah, raste doch mal aus, sei doch mal verrückt und sag’s nicht bloß! Denn es bleibt nur nett. Sowohl in dem Lied als auch in weiten Teilen des Albums.
(intro)




Textlich reicht das von wehmütigen Trennungsszenarien wie in „Don’t Go“ bis zu Abschottungsfantasien in der Ballade „Walls“, die beinahe in lethargische Lana-Del-Rey-Gefilde vorstößt, dabei aber immerhin eine faszinierende Dichte erreicht, wenn Georgas‘ verträumter Gesang mit Klavierakkorden und dezenten Elektronik-Spielereien die besungenen inneren Mauern aus Klang errichtet. „Loveseat“ und „Evelyn“ setzen dagegen ganz auf wummernde Synthesizer und tanzbare Beats, ohne dabei die melancholische Grundstimmung des Albums aufzugeben.

Leider neigt „For Evelyn“ im Auskosten dieser Stimmung im Ganzen ein wenig zur Gleichförmigkeit. Die besten Momente des Albums sind daher vor allem die, in denen Hannah Georgas aus dem glatten elektronischen Klangbild ausbricht und mit interessanten Soundkombinationen experimentiert – etwa mit knurrigen Bläsern, die im Opener „Rideback“ einen Teppich aus gewagt dissonanten Akkorden ausrollen und in „Waste“ für einen funkigen Kontrapunkt zum Synth-Fundament sorgen.

Seltsam fehl am Platz wirkt der introvertierte Sound dagegen, wenn die Musik dem Text offensichtlich im Weg steht: „You make me wanna do crazy shit“ singt Georgas in „Crazy Shit“ mit Engelsstimme; der leicht angezerrte Moog-Bass ist dann aber auch schon das Verrückteste, was ihr dazu musikalisch einfällt.
(musikblog)


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Mittwoch, 6. Juli 2016

Beyond The Wizards Sleeve - The soft bounce






















Hinter Beyond The Wizards Sleeve stecken die beiden Londoner Electro DJ / Produzenten Erol Alkan und Richard Norris. Norris startete musikalisch als Punk-Rocker in den 80er Jahren, schon bald agierte er als Label Manager. Später schrieb er für den NME. Anfang der 90er Jahre war er als Teil von The Grid aktiv, aus dieser Zeit stammt auch deren Hit "Swamp thing". Ungefähr zu dieser Zeit begann Alkan seine Karriere als DJ. Seit gut zehn Jahren sind seine Remixes sehr gefragt, u. a. von The Chemical Brothers, Bloc Party, Franz Ferdinand, Daft Punk, Interpol und MGMT.

Als Beyond The Wizards Sleeve waren die beiden gemeinsam ebenfalls als Remixer tätig, u.a. für Midlake und Noel Gallagher's High Flying Birds (spätestens jetzt wird vielleicht einer der Richter hellhörig). Mit "The soft bounce" erschien nun ihr erstes Album. Auf diesem ließen die beiden Herren große Teile ihrer musikalischen Erfahrung einfließen. Da treffen Electro, Indierock, Synth-Pop, Dreampop und psychedelische Klänge aufeinander. So viel Routine und Abgeklärtheit man den beiden unterstellen muss, der notwendige Enthusiasmus fehlt auch nicht. Das klingt keinen Moment steril. Dank des zweifelsohne riesigen Netzwerks in der Branche, können Alkan und Norris auf einige Gäste zurückgreifen, welche das Album zusätzlich bereichern. Selten beschrieb ein Wort aus einem Promotext ein Album so passend: Trip.

This time, as Beyond the Wizard's Sleeve, they've released an album of impressive scope. Collaborating with vocalists such as Hannah Peel, Blaine Harrison of The Mystery Jets, Euros Childs and Jane Weaver, the musical styles glide from genre to genre with impressive ease. The approach would have resulted in a patchy album in most other people’s hands, but The Soft Bounce makes such eclecticism sound like a natural thing.

"Iron age", "Door to tomorrow" und "The soft bounce" sind die stärksten Songs und Ankerpunkte des durchweg unterhaltsamen und abwechslungsreichen Trips äh Albums.

Byte.fm kürte "The soft bounce" gleich zum "Album der Woche":
Beeindruckend, was für eine Opulenz Beyond The Wizards Sleeve auf die Länge von 44 Minuten packen. Mit „The Soft Bounce“ ist Erol Alkan und Richard Norris ein in bunten Farben schillerndes, einnehmendes und originelles Debütalbum gelungen.

Ähnlich abgefahren wie das Album ist das Video zu "Diagram girl":

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