Das ist doch kein Grund, sich zu verstecken, Eliza. Es muss dir auch gar nicht peinlich sein, dass dein Herz dem Folk-Pop-Rock der 90er Jahr...

Eliza Shaddad - The Woman You Want


Das ist doch kein Grund, sich zu verstecken, Eliza. Es muss dir auch gar nicht peinlich sein, dass dein Herz dem Folk-Pop-Rock der 90er Jahre gehört und deine Musik damals perfekt zwischen Sheryl Crow, Natalie Imbruglia und Alanis Morissette ins Radio gepasst hätte.

Eliza Shaddad wuchs als Tochter einer sudanesischen Astrophysikerin und eines schottischen Diplomaten in diversen Ländern auf, spricht mehrere Sprachen, hat einen Abschluss in Philosophie und Jazz studiert. Und all’ das ändert nichts daran, dass sie den Folk-Pop-Rock der 90er Jahre liebt. 
Schön, dass die zweite Plattenhälfte deutlich mehr zu bieten hat und Songs wie „Waiting Game“ oder „Tired Of Trying“ diese etwas pauschalisierende und möglicherweise abschreckende Aussage durch das Einbinden spannender elektronischer Klänge entkräften können. Meine Highlights des Albums sind die anschließenden dramatischen und mit Streichern versehenen „In The Morning (Grandmother Song)“ und „Now You’re Alone“.

Nach „Future“ (2018) ist „The Woman You Want“ ihr zweites Album, welches in Cornwall mit dem Produzenten (sowie ihrem frisch angetrauten Ehemann) BJ Jackson (To Kill A King) aufgenommen und von Sam Okell (Celeste, PJ Harvey, Graham Coxon) abgemischt wurde. Die Schallplatte ist auf limitiertem transparent coke-bottle green Vinyl erhältlich.



 


Auf den ersten Blick kann „The Woman You Want“ etwas überwältigen, weil hier so viele verschiedene Faktoren, Klänge und Genres gefühlt nahtlos ineinander übergehen, sich gelegentlich sogar pointiert vermischen. Gerade das macht Eliza Shaddads zweites Album so gut. Kleine, kurzweilige Indie-Perlen treffen auf dramatische Gesten, rundherum begeistert nackte, emotionale Ehrlichkeit mit dem genau richtigen Hang zu kleineren, starken Experimenten. Shaddad bleibt ein Quell der Freude und sollte längst viel mehr als ’nur‘ ein weiterer Geheimtipp sein.


 


Zwischen dem Indie-Pop, der mal melancholisch schleichend, mal optimistisch hell klingt, muss man schon ganz genau hinhören, um die kulturellen Kleinode zu entdecken, die an Shaddads Wurzeln erinnern.
Bestes Beispiel ist „Blossom“. Zwischen entspanntem Gitarren-Picking eines introspektiven Folk-Songs, der den perfekten Soundtrack zum Sonnenuntergang liefert, hat die arabische Laute Oud, genauso wie der traditionelle, weilbliche Freudenschrei maximal eine unauffällige Nebenrolle, die sich ganz selbstverständlich in das Indie-Pop-Korsett einfügt.
Genau das ist das große Kunststück, das Eliza Shaddad auf „The Woman You Want“ gelingt. Alle neun Songs brechen zeitweise zwar zu unerwarteten Ufern aus, was für eine stetige Spannung sorgt, aber in solch unauffälliger und organischer Manier, dass man nicht anders kann, als ihrem Weg zu folgen.




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