CocoRosie - Little Death Wishes


Was können die Casady-Schwestern eigentlich nicht? Bianca Cassidy arbeitet als bildende Künstlerin und experimentelle Theaterregisseurin, schreibt Gedichte und veranstaltet einen fortlaufenden Kurs für experimentelle Poesie. Sierra Casady arrangiert Musik und komponierte u.a. eine Oper, beide sind als radikale Feministinnen auch politisch aktiv und positionierten sich bereits bei Trumps erster Präsidentschaft klar.

Offensichtlich können sie sich aber nicht wirklich gut an Zeitpläne halten, denn nach diesen hätten wir „Little Death Wishes“, das achte gemeinsame Studioalbum als CocoRosie, bereits im letzten Herbst in den Händen halten müssen und uns bereits vorher über ein Akustik-Album namens „Elevator Angels“ erfreuen können, das zusammen mit der Pianistin Gael Rakotondrabe aufgenommen wurde und einerseits unveröffentlichte Songs als auch Neu-Interpretationen aus ihrer nun 20-jährigen Geschichte beinhalten sollte. Eine 5-Track-EP gab vor einem Jahr einen ersten Vorgeschmack auf dieses Projekt. Zumindest ein Album mit dem Kronos Quartett, das ebenfalls fertig sein soll, wurde noch nicht terminiert.

Für „Little Death Wishes“ wechselten die beiden umtriebigen und experimentierfreudigen Schwestern ihre gewohnten Rollen: Unter Biancas Anleitung übernahm Sierra den Beatmaking-Posten, der als Grundlage für ihre Songs funktioniert. Darüber schichtete das Duo das bekannte Sammelsurium aus schrägen Samples, schlichten Melodien, die auf Kinderinstrumenten gespielt werden, Geräusche von umfunktionierten Gebrauchsgegenständen und den äußersten wechselhaften Gesang der beiden Schwestern. Prototypisch sei hier auf den Song „Yesterday“ verwiesen. Auch ein Großteil der Texte stammte, im Gegensatz zu den früheren Alben, aus Sierras Feder. Auf „Girl In Town“ gibt es einen Gastbeitrag von Chance the Rapper zu hören, „It Ain’t Easy“ ist eine unerwartet soulige Ballade, die Hits des Albums sind „Pushing Daisies“, „Cut Stitch Scar“ und „Least I Have You“.

Von „Little Death Wishes“ sind zwei LP-Varianten erhältlich: Teardrop Aqua Blue Vinyl und Rainbow Stitch Vinyl.

CocoRosie in Deutschland:
2.6.25 Berlin, Silent Green
3.6.25 Berlin, Silent Green
4.6.25 Köln, Gloria
6.6.25 München, Muffathalle
7.6.25 Frankfurt, Zoom
23.6.25 Hamburg, Kampnagel


 


Weird und etwas neben der Spur geht es natürlich immer noch zu, doch „Little Death Wishes“ wirkt klarer und ist besser produziert als die Vorgänger. Das geht auf Kosten der Verzauberung der Welt, hat aber auch einen unbestreitbaren Vorteil: Man erreicht ein größeres Publikum.
„Nothing But Garbage“ spielt mit HipHop-Elementen – ohne den prahlerischen Dicke-Hose-Anteil –, die CocoRosie-typischen ratternden Beats sind dafür mit einer Portion Blues geerdet: „Love is lost, it’s gone/ Ain’t nothing but garbage.“ Bei „Girl In Town“ ist Chance The Rapper mit dabei, der es sich nicht nehmen lässt, seine Gastgeberinnen mit einem kleinen Battle-Rap auf die Schippe zu nehmen: „I’m a cutie bitch, I’m clementine adorable/ These bitches is ignorable, these bitches is deplorable.“
Der gelungenste Song ist die Trash-Fantasie „Pushing Daisies“, deren Melodie sich genussvoll durch ein Kabinett voller Sounds schlängelt. Wirklich überraschend sind diese kauzig-heiteren Rollenspiele heute nicht mehr – man hört sie aber trotzdem immer noch gern.


 


Klapperndes Geschirr wird percussiv eingesetzt, Spielzeugkeyboards mit großer Ernsthaftigkeit bespielt und kindlicher Gesang über nahezu jeden Track gegossen.
Einzig in „Paper Boat“ geht es mal runter mit der Stimme, was, tja, leider total entspannend wirkt. Konnte Björk im Laufe ihrer Karriere ihr Kinderstimmchen aus der reinen Zuckrigkeit befreien, gelingt das den Casady-Schwestern nicht, ist das Infantile als Mittel vielleicht auch einfach zu stark, zu signaturhaft. In „Girl In Town“ wird gerappt, das macht Spaß, „Unbroken“ ist zum Schluss ein kleiner Mutmacher. 




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