Zum Einschlafen höre ich immer Musik, meistens komme ich über drei Songs nicht hinaus, häufig schlafe ich auch schon beim ersten ein. Vor ei...

Enno Bunger - Der beste Verlierer


Zum Einschlafen höre ich immer Musik, meistens komme ich über drei Songs nicht hinaus, häufig schlafe ich auch schon beim ersten ein. Vor einigen Nächten habe ich abends erstmals „Der beste Verlierer“ von Enno Bunger gehört, was sich als großer Fehler herausstellte, denn ich ließ das Album dreimal komplett durchlaufen und ich musste mich um 3:19 Uhr zwingen, etwas anderes abzuspielen.  

Selbstverständlich gibt es die klassische Klavier-Ballade („Kein Mensch startet einen Krieg“) und auch auf das Stilelement des sich langsam aufbauenden und steigernden Songs greift Enno Bunger mehrmals zurück, am beeindruckendsten umgesetzt im fulminanten „Heute nicht“. „Ich sehe was, was du nicht siehst“ und „Bunker“ nehmen den Faden auf, den Coldplay spätestens nach ihrem vierten Album verloren haben, „Weltuntergang (Alles hört auf)“ könnte so ein leichtfüßig-perfekter Gitarren-Pop-Song sein, den Robert Smith zwischen 1985 und 1992 auf jeder Platte hatte, und „Einfache Leute“ hätte auch eine veritable Single von New Order sein können. 

Textlich greift er einerseits wieder höchst persönliche und emotionale Themen auf - „Ich sehe was, was du nicht siehst“ umschreibt die Situation eines an Depressionen leidenden Menschen - und spricht erneut bei gesellschaftspolitischen Themen Klartext. Erstaunlich, dass wir im Januar mit „München“ von Kettcar, „Lass sie alle rein“ von Ekki Maas und nun „Grasgelb“ gleich drei Songs mit eben so guten wie wichtigen deutschen Texten zu hören bekommen haben.

Bei Konzerten freut man sich ja in der Regel am meisten auf ältere Lieblingslieder und ärgert sich vielleicht ein wenig, wenn zu viele von diesen durch neuere Songs von der Setliste verdrängt werden. Bei Enno Bunger würde ich mir - trotz zahlreicher Lieblingslieder aus den vorherigen vier Alben - aber wünschen, wenn die ersten acht Songs aus „Der beste Verlierer“ auch live gespielt würden. Das sind die anstehenden Konzerttermine:   

07.03.2024 Kiel - Die Pumpe

08.03.2024 Essen - Zeche Carl 
09.03.2024 Hannover - Pavillon 
11.03.2024 München - Ampere 
12.03.2024 AT-Wien - Fluc

13.03.2024 Berlin - Festsaal Kreuzberg 
15.03.2024 Frankfurt - Mousonturm 
16.03.2024 CH-Zürich - Bogen F 
17.03.2024 Mannheim - Alte Feuerwache 
19.03.2024 Stuttgart - Im Wizemann Club 
20.03.2024 Köln - Bürgerhaus Stollwerck 
21.03.2024 Osnabrück - Rosenhof 
22.03.2024 Hamburg - Grosse Freiheit 36 
24.03.2024 Bremen - Schlachthof 
25.03.2024 Leipzig - Täubchenthal 
26.03.2024 Jena - Kassablanca 
27.03.2024 Dresden - Tante Ju 

Auf dem Plattencover (recyceltes Vinyl, Gatefold Cover mit bedruckter Innenhülle inkl. Texte) sieht man übrigens Enno Bungers Pudeldame Emma. Meine erste Plattenhülle sollte dann wohl mit den beiden Birmakatern Bowie & Iggy so aussehen:



Der Songwriter aus Ostfriesland und Co-Autorin Sarah Muldoon haben Worte und Geschichten, die oft die Kehle eng machen, aber nie die Knie weich. (…)
Schwere Themen mit tapferer Haltung, Zärtlichkeit und Lakonie, Klavier- neben Wave-Sounds, große Melodien. „Na, bist du am Ende?“, höhnt der Abgrund. „Du Arschloch, heute nicht!“ Eine wichtige Stimme seiner Generation.


 


Dem ein oder anderen mag Bungers neue Platte Trost spenden, denn auch auf DER BESTE VERLIERER werden Seelenzustände in klassischer Liedermacher-Manier beschrieben, etwa in dem sensiblen „Ich sehe was“. Gitarren, leise Klavierbegleitung und ruhiger Gesang tragen das Album und lassen Raum für nachdenkliche Texte.
Manchmal gleiten Bungers Zeilen dabei etwas zu sehr ins Betroffenheitslyrische ab und manches gemahnt an Zeiten, in denen Kettcar, Tomte und Madsen den ganz großen Überschwang postulierten. Aber warum nicht? Warum nicht mal den Refrain sich selbst abfeiern lassen? Bunger ist ein intimes Album gelungen, allein das politische „Kein Mensch startet einen Krieg“ erzählt eine etwas eindimensionale, kinderbuchhafte Geschichte. Hier nervt sein Wunsch nach Authentizität, weil er den Hörer:innen zu wenig Transferleistung zutraut.





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