Foxygen - Hang






















„Und hier wieder unsere Muppet Show mit unserem heutige Gaststar David Bowie. Applaus, Applaus, Applaus!“, ruft Kermit der Frosch bevor sich der rote Samtvorhang öffnet. 

David Bowie kann seinen Hang zum Verkleiden nachgehen, ein erstes Mal, noch vor „Die Reise ins Labyrinth“ mit Jim Hensons Puppen agieren und insgesamt 8 Songs zwischen Glam Rock, Vaudeville, Psychdelic Rock und Barock Pop in einer verlängerten Sonderausgabe der Muppet Show präsentieren. Zur Seite steht ihm natürlich Electric Mayham, die Hausband der Muppet Show: Zoot malträtiert das Saxofon, Dr. Teeth darf auch einmal einen Honky Tonk am Klavier spielen, Sgt. Floyd Pepper streut das ein oder andere Gitarrensolo ein und Animal bleibt größtenteils zahm. 
Miss Piggy, die David Bowie während der ganzen Folge versucht näher zu kommen, darf die große Showtreppe herunter tänzeln und auf „On Lankershim“ zumindest etwas mit trällern. Gonzo und seine Hühner haben einen kurzen aber beswingten Gastauftritt bei „America“ und, Sam, der amerikanische Ader, lässt es sich selbstverständlich nicht nehmen beim gleichen Titel mit zu Bowie auf die Bühne zu kommen. Nur woher die omnipräsenten Van Dyke Parks-mäßigen und für die 70er Jahre typischen Streicher kommen, ist am Fernsehschirm nicht deutlich zu erkennen. Vielleicht sitzt die umgeschulte Crew von „Schweine im Weltall“ im Orchestergraben.   

Die sarkastischen Kommentare von Waldorf und Statler richten sich hauptsächlich an Fozzie Bär, von David Bowie sind sie begeistert. Genau wie die kleinen Adam Green und Rufus Wainwright vor dem heimischen Fernsehapparat. Sam France und Jonathan Rado beschließen noch am gleichen Abend eine Band zu gründen, sie Foxygen zu nennen und etwas ähnliches wie diese Revue auf Platte zu bannen.




Mit der Unterstützung von Steven Drozd (The Flaming Lips), den blutjungen Genre-Kollegen The Lemon Twigs, Matthew E. White und einem gut 40-köpfigen Symphonie-Orchester schufen Foxygen ein opulentes, wahnsinniges und im besten Sinne durchgedrehtes Album, das sich gleichermaßen von seinen Vorgängern entfernt und doch auch immer wieder das Gespür für stimmungsmachende Melodien durchklingen lässt. Zitate fürs virtuelle Poesie-Album gibts obendrauf: Schon der mit üppigen Streichern bewaffnete Opener "Follow the leader" motiviert mit der Zeile "Follow the leader / And the leader is you" und dem dazugehörigen Musikvideo. Das sprüht zudem nicht nur vor Euphorie, sondern erinnert gleich noch – sicher nicht zufällig – an die Nummer "Aquarius" aus dem vom gleichnamigen Musical inspirierten Film "Hair".
Eine aberwitzige Bühneninszenierung der ganz anderen Art bietet "America". Der erste Vorbote des Albums, der bereits im Oktober 2016 auf die Menschheit losgelassen wurde, ist eher ein Song im Song im Song: Schicht für Schicht entfaltet sich eine regelrechte Abfolge von Stücken, die in Tempo und Lautstärke variieren und dadurch auch verschiedenste Emotionen anpieken. Nach knapp fünf Minuten Spielzeit, wenn das Ende wieder dem Beginn gleicht und so tut, als wäre nichts gewesen, ist das zumindest große Kunst. Die wird und muss nicht jedem gefallen – das von der Band bestens beherrschte Spiel mit den Zwiespältigkeiten bleibt dennoch bemerkenswert. So ertrinkt "Trauma" natürlich mit größter Absicht in dickflüssiger Großstadt-Melancholie und drückt nicht nur mit dem Zeigefinger auf die Tränendrüse, sondern bohrt gleich den ganzen Ellenbogen rein. Und natürlich streift "Mrs. Adams" nicht nur David Bowies Siebzigerjahre-Glam-Rock-Phase, sondern klatscht den berühmt-berüchtigten Pfeil gleich mal der gesamten Hörerschaft ins verdutzte Gesicht.
(Plattentests)





Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

Ich kann's nicht genau erklären, aber: 8 Punkte

Ingo hat gesagt…

Oliver, Du wirfst mit Punkten für Klez.e um Dich, da musst Du dich hierfür nicht rechtertigen. ;-) 7 Punkte

Dirk hat gesagt…

Ich hätte wohl ausgeschaltet. 4,5 Punkte

Volker hat gesagt…

Viel besser als zuletzt

7,5