Letzte Woche war ich auf einem Konzert. In Prä-Corona-Zeiten eigentlich keine besonders erwähnenswerte Aussage, aktuell schon. Noch erstaunl...

Scotch & Water - Sirens



Letzte Woche war ich auf einem Konzert. In Prä-Corona-Zeiten eigentlich keine besonders erwähnenswerte Aussage, aktuell schon. Noch erstaunlicher ist, dass ich sogar an zwei Abenden in Folge bei Konzerten war! Zunächst sahen wir Nick & June in Wetzlar, anschließend Masha Qrella in Offenbach, die von Scotch & Water begleitet wurde.

Das Hamburger Quartett besteht aus Samira Christmann (Gesang), Max Quentmeier (Bass), Hansjakob Wedemeyer (Gitarre) und Lasse Weinbrandt (Schlagzeug) und hat im letzten Monat sein Debütalbum veröffentlicht. Produziert hat es Daniel Bajer, der so etwas wie ein fünftes offizielles Mitglied ist und u.a. auch an den texten beteiligt ist. Bei diesen seien „Sirens“ und „War“ besonders erwähnt, da sich die band darin mit den Vereinigten Staaten unter Trump sowie den Auswirkungen des Krieges in Syrien auseinandersetzt.  

Der erst spät gefundene Bandnamen bezieht sich auf das Lieblingsgetränk von Charles Bukowski und verbindet das Raue (Scotch) mit dem Soften (Water). Recht passend, wenn man sich „Sirens“ anhört. Denn neben melancholischen Dreampop-Songs mit Fleetwood Mac-Appeal gibt es auch etwas temporeicheren, gitarrigen Indiepop. Vom zuletzt Genannten hätten uns Scotch & Water gern noch etwas mehr einschenken dürfen.


 


Es ist ihre Atmosphäre und Sinnlichkeit, die diese Platte auszeichnet. Schon die Single „Floralia“, frischer Indie-Pop mit beflügelndem Rhythmus, provoziert diese Assoziationen:
Bilder von Sommertagen, von Unbekümmertheit, von Leichtigkeit. Der Song ist nach einem Stadtteil der kolumbianischen Hauptstadt Cali benannt, der „Hauptstadt des Salsa“.
Selbst ein Song, der „Fear“ heißt, klingt hier noch völlig melodisch. Einen großen Anteil daran hat auch die Stimme von Samira Christmann, die den warmen Sound dieser Songs ausmacht.
Mit ihrem Debütalbum empfehlen sich Scotch & Water als vielversprechender Act in der deutschen Indie-Pop-Szene.


 


Wobei das Quartett musikalisch sogar auf Elemente setzt, die eher 2009 sind: treibende Drums, klimpernde Keyboardrutschen, schmunzelnde Gitarrenläufe und fluoreszierende Hooks, die skandinavische Bands neuerlich geprägt haben. Dazu ein paar folkige Ausreißer und eine Spur düstere Melancholie. Egal, „Sirens“ hat vieles, was eine akzeptable Platte braucht: Melodien, Hooks, eine motivierte Band und eine Frontfrau mit Herz in der Stimme. Klingt banal, ist es auch – funktioniert aber.





3 Kommentare:

  1. Die Gitarren dürften gern etwas mehr in der Vordegrund treten und das Tempo könnte ruhig etwas angezogen werden. So sind es von mir 6,5 Punkte.

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