Montag, 6. April 2015

Erfolg - Erfolg























Platten vor Gericht fragt - Joerg antwortet (I)


Wird „Erfolg“ von Erfolg, wie im ersten Song „Erfolg“ thematisiert, Erfolg beschieden sein?

Hoffentlich nicht. 


Plattencover und -titel lassen direkt an „Tocotronic“ von Tocotronic denken. Ist das beim Hören auch so?

Ich muss ja bei schwarzer Schrift auf weißem Cover ja immer an “Keine Macht für Niemand“ denken. Auf Tocotronic kam ich gar nicht. Beim Hören nerven mich “Erfolg“ merklich schneller und noch mehr als Tocotronic.  


Wie würdest du „Erfolg“ dann beschreiben?

Eine Band, die es schafft, gleichzeitig langweilig und nervig zu sein.


Johannes von Weizsäcker (The Chap) wird vom „Besten Damenchor aller Zeiten“ begleitet. Wen würdest du aufstellen, wenn du Damenchornationaltrainer wärst?

Nationaltrainer. Na das wird ja ein kleiner Chor. Aber es hilft ja nichts. Der Nationalchor der Damen besteht aus: Bernadette La Hengst, Jovanka von Wilsdorf, Marie Curry von Neonschwarz und bitte noch Fiva MC im Tor 


Angenommen, du nimmst ein Mixtape auf. Welchen Song von Erfolg würdest du auswählen und zwischen welchen Songs würdest du ihn positionieren?

Das mache ich nur unter Zwang! “Fachmann“ ist nur 1:07 lang. Also den und zwar ganz am Ende des Mixtapes.    




Auf "Erfolg" stellt von Weizsäcker ein Bestiarium der aufdringlichen Männerfiguren zusammen, die es unbedingt zu vermeiden gilt. Da ist am Anfang der, haha, personifizierte Erfolg, der über die Krisen der Welt hinweg seine Aufputsch-Mantren abspult ("Alle reden von Nord-Süd-Gefälle/Ich gefalle mir mit Erfolg"). Er wird abgelöst vom Klaviermann, der als erstes in "Seelenfestival" auftritt, um sich dann im nach ihm benannten Song als wehleidige Tresenbekanntschaft zu erkennen zu geben. Den "Brillenmann" kennt man - leider - von eigenen Ausflügen ins hauptstädtische Kulturleben, wo er und sein Brillengestell immer schon da sind, von Vernissage bis Paloma-Bar. Richtig bemitleidenswert wird es dann beim "Mausmann", einem Investment-Fonds-Manager, dem eine Kochcasting-Show kurz den Ausbruch aus seinem Banker-Dasein verheißt, um ihn dann umso tiefer ins Nichts stürzen zu lassen.
Passend dazu sind von Weizsäckers Songs musikalisch hübsch semi-ambitioniert. Mal gibt's ein paar behutsam gezupfte Indie-Gitarren, mal einen sanften House-Groove. Mitunter nehmen die Lieder auch richtig an Fahrt auf, aber nie so sehr, als dass die lässige Grundstimmung des Albums in Gefahr geriete. Von Weizsäckers Background-Sängerinnen, dem selbsternannten "Besten Damenchor der Welt", kommt zunächst eine dekorative Funktion zu, da ihnen bei den ersten Liedern wenig mehr bleibt, als den Refrain vorzutragen. Doch von Song zu Song nimmt der Damenchor immer beherzter das Zepter aus der müden Männerhand, bis er im letzten Song "Negativität" buchstäblich den Abgesang auf verblasene Männlichkeiten anstimmt: "Ich halt's nicht mehr aus". So unangestrengt auf den Punkt gekommen ist deutscher Pop schon lang nicht mehr.
(Spiegel)


Die Hooklines ziehen stolz über diese Platte, die Beats wollen in puncto Entschiedenheit nicht hintenanstehen, vom Chor habe ich bereits geschwärmt. Hört das „Seelenfestival“, ein knackiges Stück Wave-Pop mit Hammond-Orgel-Gefiepe und der unschlagbaren Zeile „Wir haben Erfolg und unsere Seele ist wie Koblenz“. Oder „Guter Mann“, eine Art Erinnerungsschreiben an Andreas Dorau und die Marinas (dem wahrscheinlich besten deutschen Chor aller Zeiten, zu überprüfen auf Evergreens wie „Fred vom Jupiter“) und die Zeit, als die Neue Deutsche Welle noch frei von restaurativen Rock-Elementen war.
ERFOLG wäre eine noch tollere Platte geworden, wenn Sänger und Chor die Geschichte mit dem Erfolg am Ende nicht dermaßen überstrapazierten und ab und an etwas arg in den Gefilden der Gefühligkeit frohlockten („Sing uns ein Lied Klaviermann, sing uns ein Lied heut Nacht“, „Hallo, du sagst hallo, aber meinst du das auch wirklich?“). Erfolg hat auch einen anderen Namen: Udo Jürgens. Einen weißen Bademantel für Johannes von Weizsäcker jetzt bitte.
(Musikexpress)


Erfolg unterwegs:
15.04.2015 München, Unter Deck
16.04.2015 Schorndorf, Manufaktur
17.04.2015 Weimar, Galerie Eigenheim
06.05.2015 Nürnberg, MUZclub
08.05.2015 Kassel, Arm Hoffest
09.05.2015 Hamburg, Nachtasyl


1 Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Der Erfolg bei mir hält sich in Grenzen: 5 Punkte